Curt Poralla (auch Kurt Poralla; * 5. Januar 1897 in Hindenburg O.S.; † 16. Juni 1961 in Küsnacht, Schweiz) war ein deutscher Polonist, Journalist und literarischer Übersetzer.

Werdegang Poralla besuchte das humanistische Gymnasium in Gleiwitz. Noch vor seinem Schulabschluss nahm er von 1914 bis 1918 als Soldat am Ersten Weltkrieg teil. 1919 legte er in Gleiwitz das Abitur ab. Anschließend studierte er Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten Breslau, Halle und Würzburg. In Würzburg wurde er 1921 mit der Dissertation Krieges- und Friedensblockade zum Dr. rer. pol. promoviert.

Von 1922 bis 1925 war Poralla Redakteur im Verlag Der Osten und dort verantwortlich für den Danziger Börsen-Kurier und den Danziger Markt in Danzig. Zeitgleich war er Danziger Korrespondent des Hamburger Fremdenblatts sowie ständiger Mitarbeiter des Wirtschaftsdiensts und der Zeitschrift Osteuropa. Anschließend war er von 1925 bis 1927 wissenschaftlicher Mitarbeiter für Polen und das Baltikum bei der Pressestelle des Osteuropa-Instituts in Breslau sowie Redakteur des Ost-Fach-Dienstes und von 1928 bis 1929 Redakteur beim Ostwelt-Verlag in Berlin.

Von 1929 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945 war Poralla mit Unterbrechungen wissenschaftlicher Mitarbeiter für Polen in der politischen Abteilung des Auswärtigen Amts; ab 1936 war er dort zusätzlich für Propagandafragen in Verbindung mit der Presseabteilung zuständig. Zum 1. Mai 1933 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 3.054.205).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/32960992 Seine Funktion im Auswärtigen Amt wurde unterbrochen von einer Tätigkeit als Referent „Außenpolitische Fragen“ im Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete und von Kriegsdienst bei der Wehrmacht von April bis Juli 1943.

Im Juni und Juli 1945 war Poralla in der Abteilung im „Finanz- und Steuerwesen“ beim Magistrat von Berlin. Anschließend befand er sich kurzzeitig in sowjetischer Haft und war dann bis 1948 als Sekretär bei der amerikanischen Militärregierung tätig. Von 1949 bis 1951 war er Mitarbeiter verschiedener westdeutscher Zeitschriften. Daraufhin war er von 1952 bis 1961 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin; ab 1958 als Akademischer Rat im Beamtenverhältnis. Er betätigte sich außerdem als Übersetzer aus dem Polnischen; er übersetzte unter anderem Werke von Halina Górska, Eliza Orzeszkowa und Mieczysław Jastrun.

Poralla starb im Juni 1961 im Alter von 64 Jahren im schweizerischen Küsnacht.

Werke (Auswahl) Polen. M. & H. Marcus, Breslau 1927. Die nachkriegszeitliche Wasserwirtschaft Polens. Duncker & Humblot, Berlin 1954. Das Profil der polnischen Chemiewirtschaft nach dem Kriege. Duncker & Humblot, Berlin 1955. Die Reformen des polnischen Binnen- und Außenhandels vor und nach dem Oktoberumbruch 1956. Osteuropa-Institut, Berlin 1958.

Übersetzungen (Auswahl) Tadeusz Mayzner: Friedrich Chopin. Das Leben eines großen Komponisten. 1949. Helena Boguszewska: Die Trennung. Altberliner Verlag Lucie Groszer, Berlin 1950. Nina Rydzewska: Die Stunde „W“. VVN-Verlag, Potsdam 1950. Halina Górska: Hinter dem zweiten Tor. Altberliner Verlag Lucie Groszer, Berlin 1951. Helena Boguszewska: Das Haus hinter dem Weichseldamm. Erzählung für junge Mädchen. Altberliner Verlag Lucie Groszer, Berlin 1951. Mieczysław Jastrun: Mickiewicz. Rütten & Loening, Berlin 1953. Eliza Orzeszkowa: Der Njemenfischer. Verlag der Nation, Berlin 1953. Justizgesetze der Volksrepublik Polen im Wortlaut. Osteuropa-Institut, Berlin 1954.

Literatur Maria Keipert (Red.): Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871–1945. Herausgegeben vom Auswärtigen Amt, Historischer Dienst. Band 3: Gerhard Keiper, Martin Kröger: L–R. Schöningh, Paderborn u. a. 2008, ISBN 978-3-506-71842-6. Peter Fischer: Die deutsche Publizistik als Faktor der deutsch-polnischen Beziehungen 1919–1939. Wiesbaden 1991. Ingo Haar: Historiker im Nationalsozialismus. Deutsche Geschichtswissenschaft und der „Volkstumskampf“ im Osten. (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft. 143). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2000, ISBN 3-525-35942-X, S. 509–510.

Weblinks Curt Poralla auf der Website des Projekts Beamte nationalsozialistischer Reichsministerien

Einzelnachweise

Kategorie:Polonist Kategorie:Person (Auswärtiges Amt) Kategorie:Journalist (Deutschland) Kategorie:Zeitungsjournalist Kategorie:Übersetzer aus dem Polnischen Kategorie:Übersetzer ins Deutsche Kategorie:Person der NS-Propaganda Kategorie:Person (Freie Universität Berlin) Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Absolvent der Julius-Maximilians-Universität Würzburg Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1897 Kategorie:Gestorben 1961 Kategorie:Mann