mini|Museo San Pietro, Museo Civico e Diocesano d’Arte Sacra, im ehemaligen Conservatorio San Pietro, Colle di Val d’Elsa Das Museo San Pietro (vollständiger Name: Museo Civico e Diocesano d’Arte Sacra – San Pietro) ist ein Kunstmuseum in Colle di Val d’Elsa in der Provinz Siena in der Toskana. Es zeigt sakrale und auch profane Kunst aus der Geschichte der Stadt und der Diözese Colle vom 6. bis zum 20. Jahrhundert. Untergebracht ist das Museum im ehemaligen Klosterkomplex San Pietro.
Geschichte
Der heutige Museumsbau geht auf ein Frauenkloster zurück, das ab 1604 im Auftrag von Pietro Usimbardi errichtet wurde. Als Architekt wird Giorgio Vasari der Jüngere genannt. Das Kloster folgte der Augustinusregel. Im Zuge der leopoldinischen Klosteraufhebungen von 1785 unter Leopold II. wurde die Einrichtung in ein Conservatorio umgewandelt, eine kirchlich getragene Erziehungs- und Fürsorgeeinrichtung für Mädchen. Daher ist der Gebäudekomplex bis heute als Conservatorio di San Pietro bekannt. mini|Ausstellungsraum des Museo Diocesano im Museo San Pietro, Museo Civico e Diocesano d’Arte Sacra, Colle di Val d’Elsa Das heutige Museum entstand im Jahr 1995 durch die Zusammenlegung des städtischen Museums Museo Civico mit dem Diözesanmuseum für sakrale Kunst Museo Diocesano d’Arte Sacra der Diözese Colle di Val d'Elsa. Nach einer rund zwanzigjährigen Schließungs- und Umbauphase wurde das Museum am 18. März 2017 im restaurierten Klosterkomplex San Pietro unter dem neuen Namen Museo San Pietro wiedereröffnet. Im Rahmen der Neukonzeption wurden das bisherige Museo Civico e Diocesano d’Arte Sacra sowie drei weitere Sammlungsbestände – die Collezione del Conservatorio di San Pietro, die Collezione Romano Bilenchi und die Collezione Walter Fusi – zusammengeführt. Die museale Neuaufstellung wurde von der Erzdiözese Siena-Colle di Val d’Elsa-Montalcino, der Gemeinde Colle di Val d’Elsa und der Fondazione Musei Senesi in Zusammenarbeit mit der zuständigen Soprintendenza für die Provinzen Siena, Grosseto und Arezzo erarbeitet. Zu den Förderern zählten die Gesellschaft Ales Spa, die Region Toskana und die Fondazione Monte dei Paschi di Siena.
Sammlung mini|Meister von Badia a Isola: Madonna mit Kind auf dem Thron und vier Engeln (Maestà), um 1315, Tempera und Gold auf Holz, Museo San Pietro, Colle di Val d’Elsa Der Rundgang des Museums ist laut Angaben der Gemeinde und der Tourismusorganisation Visit Tuscany in fünf Abschnitte auf zwei Geschossen gegliedert und folgt im Wesentlichen einer chronologischen Ordnung von den Anfängen der christlichen Besiedlung des Valdelsa-Gebiets bis zur Kunst des 20. Jahrhunderts. Der Besuch beginnt im Obergeschoss mit sakraler Kunst, die den Weg des Glaubens im Valdelsa von den Anfängen bis zur Erhebung Colles zur Bischofsstadt im Jahr 1592 nachzeichnet. Anschließend werden die zivilen Sammlungen des 19. und 20. Jahrhunderts präsentiert.
Frühchristliche und mittelalterliche Objekte
Zu den bedeutendsten Objekten zählt der sogenannte Tesoro di Galognano, ein seltenes eucharistisches Silbergerät bestehend aus vier Kelchen, einer Patene und einem Löffel. Der Fund wird auf das 6. Jahrhundert datiert und gilt als Zeugnis einer ostgotischen christlichen Gemeinschaft in der Region. Er wurde zufällig in der Ortslage Pian dei Campi entdeckt.
Malerei und Skulptur vom Mittelalter bis zum Barock
Die Sammlung umfasst unter anderem die folgenden besonderen Objekte:
ein polychromes Holzkruzifix vom Ende des 13. Jahrhunderts, das Marco Romano zugeschrieben wird. Romano war ein Bildhauer, der in Venedig, Cremona und Siena tätig war. eine Maestà des anonymen Meisters von Badia a Isola, der nach dem Fundort in der Badia dei Santi Salvatore e Cirino bei Monteriggioni benannt wurde, eine Madonna mit Kind von Segna di Bonaventura, Werke, die Cennino Cennini zugeschrieben werden. eine Madonna mit Kind und Heiligen von Pier Francesco Fiorentino aus den 1470er/1480er Jahren, die ursprünglich aus dem Besitz der Arciconfraternita della Misericordia stammte. eine Beweinung Christi von Ridolfo Ghirlandaio, eine 1581 signierte und datierte Heilige Familie mit Heiligen von Simone Ferri. Dessen an venezianischen Vorbildern orientierter Stil wird mit einem Aufenthalt des Malers in Venedig in Verbindung gebracht. Werke von Alessandro Casolani, Ventura Salimbeni, Sebastiano Folli, Bernardino Mei, Pier Dandini und Mario Balassi (darunter eine Darstellung der Heiligen Cäcilia).
Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts
Die Sammlung enthält Werke aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert von Gennaro Landi sowie den aus Colle stammenden Malern Vittorio Meoni, Antonio Salvetti und Ferruccio Manganelli. Dazu zählt das 1894 entstandene Gemälde La Nicchia (Estate sulle rive dell’Elsa) von Antonio Salvetti, das ein Ufergebiet des Flusses Elsa zeigt.
Sammlungen Bilenchi und Fusi
Ein eigener Abschnitt ist der Collezione Romano Bilenchi gewidmet. Sie ist benannt nach dem 1909 in Colle di Val d’Elsa geborenen Schriftsteller Romano Bilenchi. Sie enthält unter anderem Werke von Ottone Rosai, Moses Levy und Mino Maccari. Daneben ist dem in Colle tätigen Maler Walter Fusi eine eigene Sammlung gewidmet.
Literatur
Alessandro Bagnoli: Museo civico e diocesano d’arte sacra di Colle di Val d’Elsa. In: Rossella Tarchi, Claudio Turrini (Hrsg.): Musei e raccolte d’arte sacra in Toscana. Firenze: Cooperativa Firenze Duemila – Toscana Oggi, 2001, S. 405–412, 433–446. ISBN 978-88-88206-02-8. Erminia Giacomini Miari, Paola Mariani: Musei religiosi in Italia. Milano: Touring Club Italiano, 2005, S. 284–285. ISBN 978-88-365-3653-5. Giacomo Baldini, Federica Casprini, Felicia Rotundo: Museo San Pietro. Colle di Val d’Elsa. Livorno: Sillabe, 2017, 48 S. ISBN 978-88-8347-961-8. Riccardo Donati (Hrsg.): Mino Maccari e l’illustrazione letteraria (1928–1989). Cinisello Balsamo: Silvana Editoriale, 2010, 95 S. ISBN 978-88-366-1780-7. Marilena Caciorgna, Marcello Ciccuto (Hrsg.): Savia non fui. Dante e Sapìa fra letteratura e arte. Ausstellungskatalog, Museo San Pietro, Colle di Val d’Elsa, 7. April–28. Oktober 2018. Livorno: Sillabe, 2018, 63 S. ISBN 978-88-3340-017-4.
Weblinks
Website des Museums
Einzelnachweise
Kategorie:Heimatmuseum in Italien Kategorie:Erbaut im 17. Jahrhundert Kategorie:Kunstmuseum in der Toskana Kategorie:Gegründet 1995 Kategorie:Museumsgründung 1995 Kategorie:Colle di Val d’Elsa