rechts|mini|358x358px|Im Uhrzeigersinn von oben links: Endō Kinsuke, Nomura Yakichi, Itō Shunsuke, Yamao Yōzō und Inoue Monta, aufgenommen 1863. Die Chōshū-Fünf (), auch Chōshū Five genannt, waren Angehörige des Chōshū-han, ein Lehen (Han) in Westjapan, die 1863 nach England reisten, um am University College London zu studieren. Die fünf Samurai gehörten zu den ersten einer Reihe von Gruppen japanischer Studenten, die in der späten Bakumatsu- und frühen Meiji-Zeit zu Studienzwecken ins Ausland reisten. Alle fünf erlangten später bedeutende Positionen im politischen und öffentlichen Leben Japans. Sie werden auch als „Gründerväter des modernen Japans“ betitelt.
Hintergrund Das Chōshū-han, das auf dem Gebiet der heutigen Präfektur Yamaguchi lag, war bestrebt, seine Kenntnisse über die westlichen Staaten zu erweitern und Zugang zu militärischer Technologie zu erlangen, um das Lehen in seinem Kampf zum Sturz des Tokugawa-Shōgunats zu stärken. Die Entscheidung der führenden Vertreter des Chōshū-han, fünf vielversprechende Studenten für ein Studium ins Ausland zu entsenden, fiel inmitten zunehmender innenpolitischer Spannungen und im Anschluss an die Berichte der Ersten japanischen Gesandtschaft nach Europa, die im Januar 1863 nach Japan zurückgekehrt war.
Bemerkenswert ist, dass zwei der ausgewählten Studenten, Itō Shunsuke und Inoue Monta, Schüler des Intellektuellen Yoshida Shōin waren. Dieser war zuvor von den Behörden des Han, des Lehens, inhaftiert und 1859 vom Shōgunat hingerichtet worden, nachdem er versucht hatte, mit dem US-amerikanischen Commodore Matthew C. Perry Kontakt aufzunehmen und einen erfolglosen Aufstand gegen den Daimyō Ii Naosuke anzuzetteln. Der damit einhergehende politische Kurswechsel fiel mit dem Aufstieg weiterer Schüler Yoshida Shōins in der Verwaltung des Chōshū-han zusammen: Katsura Kogorō und Takasugi Shinsaku, der Anführer der gegen das Bakufu gerichteten Kiheitai.
Zum Zeitpunkt der Abreise der Studenten war es aufgrund der Abschottungspolitik des Shōgunats gegenüber dem Ausland noch immer illegal, Japan zu verlassen und ins Ausland zu reisen. Diese Politik wurde als Sakoku oder, wie sie zu jener Zeit genannt wurde, Kaikin bezeichnet. Wären die Studenten gefasst worden, wären sie wahrscheinlich zum Tode verurteilt worden. Diese Rechtsfolge wurde erst 1866 endgültig abgeschafft. Die Studenten waren sich der Risiken bewusst und schrieben an den Regierungsrat ihres Han:
Die fünf Teilnehmer NameBildNotizenItō Shunsuke Samurai (1841–1909)109x109px|Portrait of Itō ShunsukeSpäter unter dem Namen Itō Hirobumi bekannt. Erster Premierminister Japans.Inoue Monta Samurai (1836–1915)105x105px|Portrait of Inoue MontaSpäter unter dem Namen Inoue Kaoru bekannt. Späterer Außenminister.Yamao Yōzō (1837–1917)114x114px|Portrait of Yamao YōzōGründete später das Ministerium für öffentliche Arbeiten.Endō Kinsuke (1836–1893)101x101px|Portrait of Endō KinsukeLeitete später die staatliche Münzprägeanstalt in Osaka.Nomura Yakichi (1843–1910)141x141px|Portrait of Nomura YakichiSpäter unter dem Namen Inoue Masaru bekannt. Bekannt als „Vater der japanischen Eisenbahn“.
Reise nach Großbritannien Mit Unterstützung des in Nagasaki ansässigen Händlers Thomas Blake Glover wurden über dessen örtlichen Agenten, einen gewissen Herr Weigal, Vorkehrungen getroffen, um den fünf Studenten die Überfahrt auf einem der zahlreichen britischen Handelsschiffe zu ermöglichen, die den Hafen von Yokohama anliefen. Als englische Seeleute verkleidet, wurden die Chōshū-Studenten an Bord des Schiffs Chelswick der Jardine, Matheson & Co. gebracht. Mit widerwilliger Zustimmung des Kapitäns J. S. Gower zahlten sie jeweils 1000 Ryō für die Überfahrt. Um die Reise zu finanzieren, musste Inoue 5000 Ryō vom Chōshū-han leihen.
Vor ihrer Abreise aus Japan mussten die Chōshū-Studenten ihre Haarknoten abschneiden, ihre Schwerter ablegen und westliche Kleidung anziehen, die ihnen von J. S. Gower zur Verfügung gestellt wurde. Am 27. Juni 1863 verließen die fünf Yokohama mit Kurs auf Shanghai. Dort wurden sie auf einem Lagerungsschiff für Opium untergebracht, bevor sie für die lange Reise um das Kap der Guten Hoffnung nach London in zwei Gruppen aufgeteilt wurden:
Während Inoue Masaru, Yamao Yōzō und Endō Kinsuke als Passagiere an Bord des 915 Tonnen schweren dreimastigen Klippers Whiteadder nach Europa reisten, wurden Inoue Kaoru und Itō Hirobumi, die später zu zwei der bedeutendsten japanischen Staatsmänner ihrer Zeit zählen sollten, fälschlicherweise für Männer gehalten, die sich ihre Überfahrt als Besatzungsmitglieder verdienen wollten. Daher mussten sie als Decksleute an Bord des 525 Tonnen schweren Segelschiffs Pegasus arbeiten und eine strapaziöse 130-tägige Reise überstehen.
Studien in Großbritannien Die Pegasus erreichte London am 4. November 1863, die Whiteadder folgte drei Tage später am 7. November. Die wiedervereinigten Chōshū-Studenten wurden von Hugh Matheson, einem leitenden Partner von Matheson and Company, dem Chemieprofessor Alexander Williamson vom University College London vorgestellt. Itō Hirobumi, Endō Kinsuke und Inoue Masaru wohnten im Haus von Professor Williamson und dessen Familie in Camden, während Inoue Kaoru und Yamao Yōzō in der Gower Street 103 bei der Familie Cooper in unmittelbarer Nähe des Universitätsgeländes untergebracht waren.
Alle fünf wurden am University College London als „students not matriculated“ in der Faculty of Arts and Laws aufgenommen und studierten analytische Chemie unter der Anleitung von Professor Alexander Williamson. Sie verbrachten einen großen Teil ihrer Zeit in Williamsons Labor und erhielten dort neben theoretischen Kenntnissen auch praktische Erfahrungen. Darüber hinaus besuchten sie Museen, Kunstgalerien, Schiffswerften, Fabriken, Banken und Industrieanlagen, um sich mit der westlichen Technologie, Wirtschaft und Verwaltung vertraut zu machen. Darüber hinaus besuchten sie Museen, Kunstgalerien, Schiffswerften, Fabriken, Banken und Industrieanlagen, um sich mit der westlichen Technologie, Wirtschaft und Verwaltung vertraut zu machen.
Während ihres Aufenthalts in Großbritannien wandelten sich die politischen Vorstellungen der fünf Studenten grundlegend. Ursprünglich hatten sie dem Sonnō jōi („Kaiser verehren, Barbaren vertreiben“) nahegestanden und waren nach Großbritannien gereist, um Kenntnisse über westliche Technologie und Militärwesen zu erwerben. Unter dem Eindruck ihrer Erfahrungen in London gelangten sie jedoch zunehmend zu der Überzeugung, dass Japan seine Politik des Sakoku aufgeben, sich gegenüber dem Ausland öffnen und westliche Entwicklungen übernehmen müsse.
Inoue Kaoru und Itō Hirobumi kehrten bereits nach sechs Monaten Anfang April 1864 nach Japan zurück, nachdem sie über die Londoner Vertreter von Jardine Matheson von den direkten Auseinandersetzungen des Chōshū-han mit westlichen Mächten um die Kontrolle über die strategisch wichtige Kammon-Straße erfahren hatten. Endō kehrte in der zweiten Hälfte des Jahres 1866 aus gesundheitlichen Gründen zurück. Im August 1865 zog Yamao nach Glasgow, um dort den Schiffbau zu studieren. Tagsüber arbeitete er auf der Werft von Napier am Clyde, während er nachts das Anderson’s College besuchte. Er kehrte 1868 nach Japan zurück, im selben Jahr, in dem auch das letzte Mitglied der Chōshū-Fünf, Inoue, nach Japan zurückkehrte.
Feierlichkeiten zu Jahrestagen Japan zum 150. Mal. Anlässlich dieses Jubiläums, das mit ihrem Studienbeginn am University College London (UCL) verbunden war, fanden in Japan und im Vereinigten Königreich mehrere Gedenkveranstaltungen statt. Im Juli veranstaltete das UCL auf seinem Hauptcampus eine Feier, an der auch Vertreter der japanischen Botschaft in London teilnahmen.
Am 1. Mai 2014 stattete der japanische Premierminister Shinzō Abe dem UCL und dem dortigen Denkmal für die Chōshū-Fünf einen Höflichkeitsbesuch ab.
Auch zum 160. Jubiläum gab es im Jahr 2023 einen weiteren Austausch zwischen der UCL und Japan.
Siehe auch
Britisch-japanische Beziehungen
Einzelnachweise
Weblinks
Nagasaki in der Meiji-Restauration (englisch) – Thomas Glover und die Chōshū-Fünf Kategorie:Britisch-japanische Beziehungen Kategorie:Politik (19. Jahrhundert) Kategorie:Meiji-Restauration