mini|Lage des Carapax (rot) bei Krebstieren am Beispiel einer Atlantischen Weißen Garnele (Penaeus setiferus) mini|Bei der Häutung abgestoßener Carapax von Ovalipes ocellatus (Familie Ovalipidae). Der Stirnrand ist mit drei Zacken („Zähnen“) bewehrt, der vordere Seitenrand mit fünf Zähnen, der hintere Seitenrand ist glatt (unbewehrt). Die Furchen, welche die Carapaxregionen abgrenzen, sind bei dieser Art nur seicht. Der Carapax (Plural Carapaces; von und ) ist eine Bezeichnung für eine bei verschiedenen Tiergruppen (Taxa) unabhängig voneinander entstandene harte Bedeckung der Körperoberseite. Bei Krebstieren handelt es sich um eine vom Kopfhinterrand gebildete Hautfalte, die in unterschiedlichem Maße dorsal als Rückenschild den vorderen Brustbereich oder weitere Teile des Körpers bedecken kann. Bei Krustentieren in der Küche ist er ein Teil der „Schale“.
Beschreibung Viele Krebstiere (Crustacea) besitzen eine Hautfalte, die vom Kopfhinterrand (Segment der zweiten Maxille) ausgeht; diese kann auch primär (z. B. Cephalocarida) oder sekundär (z. B. Asseln und Flohkrebse) fehlen, gehört also nicht zum Grundbauplan der Krebstiere. Vielfach ist die chitinöse Kopffalte durch eingelagerten Kalk panzerartig versteift, vor allem bei vielen Zehnfußkrebsen. Bedeckt diese Struktur als Rückenschild einige oder gegebenenfalls alle Rumpfsegmente, wird sie Carapax genannt.
Der Carapax schließt also an den Kopf an, setzt sich über dessen Hinterrand hinaus fort und erstreckt sich mehr oder weniger weit über den Rumpf des Krebses. Je nach Ausbildung kann er auch den Kopf selbst umhüllen (z. B. bei den Muschelkrebsen) und mehr oder weniger weit auch seitlich herabgezogen sein. Der Carapax ist eine Hautduplikatur des cuticulären Außenskeletts, d. h., er ist doppellagig und innen von Gewebe erfüllt (mindestens eine doppellagige Epidermisschicht mit ihren Versorgungseinrichtungen). Der darunterliegende Rumpf besitzt zusätzlich noch seine eigene Kutikula. Bei den Zehnfußkrebsen (Decapoda), beispielsweise Krabben, Garnelen und Hummerartigen, wird der Rückenteil des Carapax als Notum bezeichnet, die seitlichen Teile heißen Pleuren (gleichnamig, aber nicht homolog zu den so bezeichneten Seitenplatten der Insekten). Der Carapax ist grundsätzlich ohne Bezug zu den Strukturen der ursprünglichen Körpersegmentierung (die er überdeckt).
Der Grad der Rumpfüberdeckung ist bei den verschiedenen Krebsgruppen unterschiedlich ausgeprägt. Bei den Ostrakoden und Krallenschwänzen (Wasserflöhe inklusive der Muschelschaler) geht die Entwicklung am weitesten, hier hüllt der Carapax den gesamten Körper ein. Diese Extremform besteht aus zwei Schalen, eine an jeder Körperseite, er ist also zweiklappig wie eine Muschelschale, weil entlang der Mittellinie auf dem Rücken (dorsal) eine vollständige Spaltung der Schalen erfolgt ist. Bei den Krallenschwänzen gehen die Schalen ineinander über, darum wird diese Ausgestaltung als zweilappig bezeichnet. Bei den sog. höheren Krebsen ist er mit einer unterschiedlichen Zahl von Segmentoberseiten (Tergiten) verschmolzen und bildet mit diesen eine starre Einheit. Es existieren auch Krebsgruppen, bei denen der Carapax an keiner Stelle mit den überdeckten Segmenten verwachsen ist, so beispielsweise bei dem „Urzeitkrebs“ Triops. Der Panzer ist hier mit dem Körper nur am Kopfhinterrand verbunden und liegt dem Rumpf lose auf. Der Carapax kann sich nach vorne zu einem meist unpaaren, mittigen (median) gelegenen Vorsprung oder Fortsatz, dem Rostrum, verlängern.
Literatur Hans-Eckhard Gruner: 19. Stamm: Arthropoda, 1. Klasse: Crustacea. In: Hans-Eckhard Gruner, M. Moritz, W. Dunger (Hrsg.): Lehrbuch der speziellen Zoologie. (begründet von Alfred Kästner). Band I: Wirbellose Tiere. 4. Teil: Arthropoda (ohne Insecta). 4. Auflage. Gustav Fischer Verlag, Jena / Stuttgart / New York 1993, ISBN 3-334-60404-7.
Kategorie:Anatomie der Krebstiere