Sklave in Algier (Originaltitel El trato de Argel oder auch Los tratos de Argel)María Antonia Garcés: El trato de argel. In: Aaron M. Kahn (Hrsg.): The Oxford handbook of Cervantes. Oxford University Press, Oxford 2021. ISBN 978-0-19-874291-3. S. 54–55. Hier S. 54. ist das circa 1581 oder 1583 entstandene Debüt-DramaGeoffrey L. Stagg: The date and form of „El Trato de Argel“. In: Bulletin of Hispanic Studies, Jg. 30, Nr. 120, 1953, , S. 181–192. Hier S. 181. von Miguel de Cervantes, der das Stück später in das Schauspiel Die Kerker von Algier umarbeitete (Originaltitel: Los baños de Argel). Erstmals gedruckt wurde Sklave in Algier 1784 von Antonio de Sancha zusammen mit den Cervantes-Werken Die Reise zum Parnass und Numantia.

Kurzbeschreibung Der in Algier versklavte Christ Aurelio sehnt sich nach seiner Frau Silvia, wird aber von seiner Herrin Zahara begehrt, die ihn zu ihrem Geliebten machen will. Zaharas Mann Yzuf hat Silvia gekauft, die wiederum er zu seiner Geliebten machen will. Aurelio und Silvia halten ihre eigene Liebesbeziehung geheim. Zahara fordert Silvias Unterstützung zur Umsetzung ihrer Leidenschaft, Yzuf die von Aurelio zur Umsetzung der seinen, und Aurelio und Silvia gehen scheinbar auf diesen jeweiligen Wunsch ein, um sich dank ihrer jeweiligen vermeintlichen Fürsprecherrolle treffen zu können. Der Christensklave Pedro denunziert beide beim König als wohlhabende potenzielle Geiseln, so dass der König sich ihrer bemächtigt, um sie in Lösegeld zu verwandeln, was die Leidenschaften von Zahara und Yzuf ins Leere laufen lässt.

Inhalt Erster Aufzug In einem Anfangs-Monolog klagt der in Algier versklavte Christ Aurelio unter anderem, „daß mein Leib gehört den Mauren und dem Liebesgott die Seele“, denn er vermisst seine Silvia. Andererseits wird er von seiner maurischen Herrin Zahara bedrängt: „Wer wie ich an Liebe leidet, läßt dich gar nicht gerne fort“, klagt sie unter anderem. Zaharas Dienerin Fatima sieht das Leiden ihrer Herrin nicht gerne und bekundet: „Hierin will ich gerne Euch helfen“. Gegenüber Aurelio preist sie die Vorzüge Zaharas an und „den Nutzen, den, willfährig, du dir schaffst“, wenn er Zaharas Geliebter wird. Aurelio argumentiert nüchtern: „Mir verbietet es mein Glaube“, zum einen, weil Zahara keine Christin ist, zum anderen, weil „der Ehe heilig Band“ durch ihren Ehebruch zerrissen und aus katholischer Sicht das Sakrament der Ehe beschädigt würde. Die beiden Frauen gehen ab, wobei Fatima ihrer Herrin abermals ihre Hilfe zusichert. Aurelio kommt in einem weiteren Monolog nochmals auf Siliva zu sprechen, deren Aufenthaltsort ihm unbekannt ist: „Welch Schicksal, welch feindlich starre Macht auf Sternenbahnen hat uns den Weg zu unsrem höchsten Glück so unbegründet, sinnlos jetzt verschüttet?“ Die Christensklaven Saavadra und Leonardo treten auf. Leonardo hat seinen Lebensstandard verbessert, indem er der Geliebte seiner Herrin wurde, Saavedra bedauert sein Sklavenschicksal und hofft darauf, dass eine spanische Truppenkonzentration im Süden der iberischen Halbinsel nicht, wie behauptet, zu einem Manöver diene, sondern zur Vorbereitung eines Angriffs auf Algier. Der Sklavenknabe Sebastián tritt hinzu und schildert, wie im Gegenzug für die Hinrichtung eines Morisken in Spanien dessen Verwandte einen Lynchmord an einem Priester in Algier initiiert hätten. Aurelio hält einen politischen Monolog, in dem Cervantes weitgehend variantenfrei Verse aus seiner Epistel an Mateo Vázquez verwendet.Anton M. Rothbauer: Anmerkungen und Erläuterungen. In: Miguel de Cervantes Saavedra: Gesamtausgabe in vier Bänden, Band III. Goverts, Stuttgart 1968. S. 829–846. Hier S. 844–845. Leonardo bemerkt, dass Aurelios Herr Yzuf naht, und die Christen zerstreuen sich – außer Aurelio.

Zweiter Aufzug Yzuf, der Gemahl von Zahara, erzählt Aurelio, er habe von einem Türken eine Sklavin verkauft bekommen, weil jener Türke „nicht imstande war, sie, wie sehr er sich auch mühte, in der Zeit, da sie sein eigen, seiner Lust zu unterwerfen“. Yzuf fordert von Aurelio Hilfe dabei, jene Sklavin zu verführen, „und schon jetzt versprech ich dir, so das Mädchen wird gefügig meinen heißen Liebeswünschen, daß ich dir die Freiheit gebe und dir stets ein Freund will sein“. In diesem Fall argumentiert Aurelio nicht mehr mit dem Ehesakrament, sondern erklärt sich zu dem Vorhaben bereit, erfährt den Namen der Sklavin: Silvia. „Silvia? Ja, ich kannte eine. Ward zugleich mit ihr gefangen. […] Bringt sie, Herr, in dieses Haus“, er werde helfen. Zum Dank dafür erlässt Yzuf ihm die Pflicht, Ketten zu tragen. Beide gehen nacheinander ab. Es folgt eine Szene, in der eine christliche Familie auf dem Sklavenmarkt durch Verkauf auseinandergerissen wird – unter anderem trennen sich die Wege der beiden Knaben Francisco und Juanico. Nach Abschluss der Verkaufsszene tritt Yzuf mit Silvia auf, beruhigt sie, „denn ich kaufte Euch als Herrin, aber nicht zu Sklavendiensten“, und lobt unter anderem ihre „wohlgewählten Worte, deine Anmut und dein Wesen“. Sie öffnet sich ihm, erzählt Teile ihrer Lebensgeschichte und dass sie verheiratet, doch vor Vollzug der Ehe getrennt worden wäre von ihrem Mann: „Einen Gatten gab der Himmel mir, nicht mir zur Freude, sondern daß ich ihn verlöre und auch er mich nicht besitze“. Nacheinander treten Zahara und ein Bote auf. Der Bote fordert von Yzuf, zu König Hassan zu eilen, der wegen des spanischen Manövers beunruhigt ist, so dass Bote und Yzuf die Szene verlassen und Silvia nun Zahara weitere Teile ihrer Lebensgeschichte berichtet. Im Gegenzug beichtet Zahara Silvia, ein von Barbaresken-Korsaren bei San Pietro aufgebrachtes Schiff hätte einen Mann enthalten, der nun ihr Sklave wäre, in den sie sich verliebt hätte: Aurelio, „ein Mann von Rang scheint er mir nach Gehaben, ein Rüpel nach der Härte seiner Worte“. Silvia entgegnet, er wäre ihr eher „ein armer Junker“ erschienen: Silvia ist auf dem gleichen Schiff gewesen, es hieße „San Pablo und gehörte den Maltesern“. Zahara erbittet von Silvia Hilfe dabei, Aurelio „zu zähmen“ und ihr gefügig zu machen. Die beiden Frauen gehen ab, Aurelio tritt auf, hält einen Monolog über Gold, das die Menschen „vor Habsucht taub und voll der Unvernunft“ mache, und „solcherart entstand aus böser Saat die Hinterlist, der Raub, die Lust am Truge, die Falschheit und die dauernde Gefahr. Doch war die schrecklichste von allen Folgen der beutegierge, immer harte Krieg“. Nachdem Aurelio kurz aus der Szene ist, tritt Yzuf auf, hadert mit seinem ungeliebten Staatsamt, kniet nieder, um Silvia zu preisen, geht dann mit dem rückkehrenden Aurelio ab. Fatima tritt auf, um sie herum „nun die kalte Nacht“, versucht sich in Liebeszauberei, Hexerei, beschwört einen Teufel herauf, der diesen Auftrag an „zwei Gewalten“ delegiert: „Die eine ist die bittre Not, die die Geduld erschöpft. Ihr kann auf lange niemand widerstehen. Gelegenheit die andre heißt“.

Dritter Aufzug Zwei Christensklaven unterhalten sich unter anderem über den Mumm, mit dem ein Juan de Austria Algier angegiffen hätten, über die Widrigkeit, dass König Philipp im Achtzigjährigen Krieg zu sehr gebunden wäre und über Fluchtmöglichkeiten. Als die beiden Sklaven fort sind, treten Aurelio und Silvia auf, berichten einander vom Auftrag, den sie von Yzuf beziehungsweise Zahara erhalten haben, bedauern beider Liebeskummer und fassen einen Plan, den Silvia so zusammenfasst: „So es genügte im besagten Fall, die beiden täuschend, Neigung vorzuspiegeln, doch stets vermeidend den erhofften Schritt, dann wäre es gewiß das allerbeste, denn dies allein verschaffte uns Gewähr, daß wir uns ohne Störung weiter treffen“. Nachdem Silvia fort ist, treten die vom Teufel beauftragten allegorischen Gestalten Gelegenheit und Not auf, reden auf Aurelio ein, so dass ihr Ziel und der von Silvia formulierte Plan in Aurelios Worten miteinander verschwimmen: „Zahara müßte ich recht herzlich lieben. Wenn nicht, dann sollte ich ihr Liebe heucheln“, doch innerlich zerrissen schilt er sich bald darauf selbst: „Was du gedacht, ist schändlich“, so dass er im letzten Moment davor zurückschreckt, der zwischenzeitlich aufgetretenen Zahara in deren Gemächer zu folgen. Von dieser ehebrecherischen Tat lenkt ihn außerdem ab, dass der im Zweiten Aufzug verkaufte Sklave Francisco die Szene betritt und ihm berichtet, sein jüngerer Bruder Juanico habe bekundet, „daß er Maure werden will, weil man ihm Geschenke bietet. Jedes Kind wird sie begehren“. Nach einem zwischenzeitlichen Auftritt Juanicos, der die völlige Entfremdung beider Brüder verdeutlicht, geht Francisco ab, auch Aurelio will es tun, läuft aber Silvia buchstäblich in die Arme. Beider Umarmung sehen ihre Eigentümer: Zahara wendet sich gegen Silvia, Yzuf gegen Aurelio, den Zahara in Schutz nimmt, während Yzuf gleiches mit Silvia versucht. Aurelio meint: „Ihr beide irrt, denn unser Überschwang entsprang, bei Gott, nicht sinnlichen Gedanken“, sondern dem Nachkommen von beider nicht genauer genannter Dienstpflicht: Silvia würde für Aurelio etwas tun, was jener „für jemand anderen begehrte“, und andersherum genauso. Die scheinbare Aussicht, mit Silvia bei Aurelio ans Ziel zu kommen, stimmt Zahara gnädig, die Aussicht, mit Aurelio bei Silvia seine Wünsche zu erfüllen, Zaharas Mann Yzuf, so dass erst Silvia und Aurelio, dann Yzuf und Zahara die Szene verlassen.

Vierter Aufzug Einer der beiden Sklaven vom Beginn des Dritten Aufzugs bricht auf der Flucht gen Oran in der Gegend von Mostaganem erschöpft in einem Gesträuch zusammen. Erst erscheint ein zahmer Löwe, legt sich zu ihm, dann ein anderer geflohener Christensklave, der von einem Kräuter suchenden Knaben entdeckt, denunziert, anschließend von Häschern verhaftet und fortgeschleppt wird, während der erste Sklave erwacht und mit dem Löwen zusammen den Weg fortsetzt. Die leere Szene betritt der Christensklave Saavedra zusammen mit seinem Leidensgenossen Pedro, der sich allerdings durch vielfältiges unmoralisches Gebaren ein Zubrot verdient. Seine jüngste Tat, die er Saavedra gesteht: Er hat Aurelio und Silvia bei König Hassan als „von hohem Stande“ bezeichnet, wofür er belohnt wurde. Als nächsten Coup plant er, als vermeintlicher Renegat an einem Barbaresken-Angriff in christlichem Gebiet teilzunehmen und diesen dann zur Flucht zu nutzen, woraufhin ihm Saavedra Bibelverse entgegenhält (). Nachdem beide abgetreten sind, tritt zunächst der König mit vier Gardisten, dann Yzuf auf, von dem der König die Auslieferung der beiden vermeintlich lösegeldträchtigen Christen Aurelio und Silvia verlangt hat. Da Yzuf sich widerspenstig zeigt, weil er insbesondere Silvia nicht hergeben will, soll er grausam bestraft werden. Nachdem er abgeführt wurde, wird der bei Mostaganem gefangene Christensklave vorgeführt, vom König verhört, der schließlich befiehlt: „Nehmt Stricke, zieht ihm die Haut vom Leib und bringt ihn um!“ Nachdem der Sklave zur Hinrichtung abgeführt wurde, erinnert sich der König des Falls von Aurelio und Silvia sowie einiger vorangeganger Fälle, in denen er christlichen Geiseln ihr Ehrenwort abnahm, das Lösegeld zu zahlen, wenn sie frei und daheim wären – was funktioniere, „da sie sich dem Wort verpflichtet fühlen“. Auch dem auftretenden Aurelio schlägt er einen solche Handel vor: „Ihr sollt beide mir die Freiheit hier im Augenblick erlangen, da du dich bereit erklärst, mir das Lösegeld zu zahlen. […] Daß ihr zahlt, sollst du mir schwören, und auf dieses Ehrenwort dürft nach Spanien ihr ziehen“. Aurelio willigt ein: „Ehre ist das höchste Gut, das uns edles Blut kann geben“. Aufgrund eines einlaufenden Schiffes mit möglicherweise weiteren Lösegeldern lassen der König und seine Mauren Aurelio allein. Francisco tritt auf und bestätigt, dass es sich um ein Löseschiff handelt mit Mönchen der Trinitarier und Mercedarier. Zum Abschluss des Stückes können einige Christensklaven daher die Ketten zu Boden werfen und knien dankbar nieder – ein erkauftes Happy End.

Textanalyse