mini|hochkant|Van Oosterzee vor seiner Flucht aus den besetzten Niederlanden Christiaan Vincent Gradwell van Oosterzee, bekannt als Chris van Oosterzee (* 20. März 1922 in Weltevreden, Batavia, Niederländisch-Indien; † 18. April 1989 in Amsterdam), war ein niederländischer Englandfahrer, Widerstandskämpfer und Soldat. Während des Zweiten Weltkriegs floh er mit Unterstützung des Fluchthilfenetzwerks Dutch-Paris aus den deutsch besetzten Niederlanden. Er überlebte den deutschen Angriff auf eine Fluchtgruppe am Col de Portet-d’Aspet in den Pyrenäen am 6. Februar 1944. Sechs Niederländer, die dabei gefangen genommen wurden, wurden anschließend als politische Häftlinge deportiert und starben in nationalsozialistischen Konzentrationslagern.

Van Oosterzee erreichte Spanien bei einem zweiten Versuch, die Pyrenäen zu überqueren, und traf im Oktober 1944 in Großbritannien ein. Nach einer Ausbildung in Australien diente er während des Indonesischen Unabhängigkeitskriegs im Koninklijk Nederlandsch-Indisch Leger (KNIL). Er kehrte 1948 in die Niederlande zurück und arbeitete anschließend im Bankwesen.

Jugend und deutsche Besatzung Van Oosterzee wurde in Weltevreden bei Batavia in Niederländisch-Indien als Sohn eines niederländischen Vaters und einer englischen Mutter geboren. Seine Familie zog 1935 in die Niederlande. Im Juni 1940, kurz nach dem deutschen Einmarsch, schloss er die höhere Schule ab. Im September desselben Jahres begann er ein Studium an der Technischen Hochschule Delft.

Während der Besatzung wurde er nach einer Auseinandersetzung mit Mitgliedern der Nationaal-Socialistische Beweging in Den Haag festgenommen und im Oranjehotel in Scheveningen inhaftiert. In seiner späteren Vernehmung in London erklärte er, er habe die von Studenten verlangte Loyalitätserklärung verweigert und sei untergetaucht, um dem verpflichtenden Arbeitseinsatz in Deutschland zu entgehen. 1943 fand er bei der Familie Hak in Dussen Unterschlupf.

Flucht aus dem besetzten Europa

Reise durch Belgien und Frankreich mini|Van Oosterzees Fluchtweg durch Westeuropa und Nordafrika nach Großbritannien. Die Karte ist niederländisch beschriftet. Nach einem erfolglosen Versuch, über die Nordsee zu fliehen, nahm Van Oosterzee den Landweg in Richtung Spanien. Am 11. Januar 1944 verließ er die Niederlande.

In Brüssel wohnte er bei der Familie Timmers Verhoeven. Gemeinsam mit Sam Timmers Verhoeven und weiteren Englandfahrern reiste er mit Unterstützung von Dutch-Paris nach Paris. Das Netzwerk organisierte Unterkunft und Weiterreise. Am 3. Februar brach die Gruppe nach Toulouse auf. Dort schloss sie sich weiteren Flüchtenden an, die sich auf die Überquerung der Pyrenäen nach Spanien vorbereiteten.

Hinterhalt am Col de Portet-d’Aspet mini|Die Cabane des Évadés nahe dem Col de Portet-d’Aspet. Die Flüchtenden, die während des Angriffs in der Hütte Schutz suchten, wurden gefangen genommen. Die Fluchtgruppe wurde von Pierre Treillet, genannt „Palo“, und Henri Marot, genannt „Mireille“, geführt. Nach einem langen Aufstieg durch tiefen Schnee rasteten die erschöpften Flüchtenden in einer Berghütte nahe dem Col de Portet-d’Aspet. Als sie am 6. Februar 1944 ihren Weg fortsetzten, bemerkte Treillet einen deutschen Patrouillenhund und warnte die hinter ihm Gehenden. Deutsche Soldaten eröffneten das Feuer. Einige Flüchtende entkamen einen bewaldeten Hang hinauf; andere kehrten in die Hütte zurück, wo sie umstellt und gefangen genommen wurden.

Nach Angaben der Historikerin Megan Koreman erreichte letztlich nur etwa die Hälfte der Fluchtgruppe Spanien. Sechs gefangene Niederländer wurden als politische Häftlinge deportiert und starben in Konzentrationslagern. Die gefangenen alliierten Flieger wurden verhört und in Kriegsgefangenenlager gebracht. Zwei weitere gefangene Englandfahrer konnten nach ihrer Haft in Toulouse während eines Gefangenentransports entkommen.

Van Oosterzee entkam mit einer kleinen Gruppe belgischer, britischer, amerikanischer und australischer Flüchtender. Treillet fand sie in ihrem Versteck am bewaldeten Hang und führte sie von der Grenze weg in Richtung Saint-Girons und Cazères. Anschließend kehrten sie nach Toulouse zurück.

Der Historiker Jean-Luc Cartron bezeichnet den Hinterhalt als den einzigen gescheiterten Grenzübertritt unter der Führung von Treillet und Marot. Danach nutzten die beiden die Route über den Portet-d’Aspet nicht mehr, da sie wegen der deutschen Überwachung zu gefährlich geworden war. Van Oosterzee und seine Begleiter mussten deshalb einen anderen Weg nach Spanien versuchen.

Zweiter Grenzübertritt und Ankunft in Großbritannien Starker Schneefall verzögerte den nächsten Versuch um mehrere Wochen. Van Oosterzee und andere Flüchtende fanden in den Bergen Unterschlupf, bevor sie sich einer größeren Gruppe unter der Führung von Jean-Louis Bazerque, genannt „Charbonnier“, anschlossen. Sie umgingen Bagnères-de-Luchon und erreichten am 19. März 1944 Bossòst im spanischen Val d’Aran.

Zu seinen Begleitern bei diesem Grenzübertritt gehörte Victor J. Ferrari, ein Leutnant und Navigator der United States Army Air Forces. Ferrari wurde später Oberst der United States Air Force und stellvertretender Kommandeur der Kadetten an der United States Air Force Academy.

mini|Das Royal Victoria Patriotic Building in London diente der Überprüfung von Ankommenden aus dem besetzten Europa. Van Oosterzee durchlief die Einrichtung 1944.

In Spanien wurde Van Oosterzee von der Guardia Civil festgehalten und nach einer Intervention des niederländischen Konsulats freigelassen. Seine Weiterreise dauerte mehrere Monate. In seiner Vernehmung im November 1944 führte er die Verzögerung darauf zurück, dass Großbritannien keine weiteren Ankommenden aufgenommen habe. Ein Plan, über die Vereinigten Staaten zu reisen und sich der niederländischen Kolonialarmee anzuschließen, wurde aufgegeben, als seine Gruppe in Oran aufgehalten und nach Algier weitergeleitet wurde. Am 14. Oktober verließ er Algier auf dem Seeweg und erreichte am 21. Oktober 1944 Großbritannien.

Seine Reise hatte mehr als neun Monate gedauert und durch Belgien, Frankreich, Spanien, Gibraltar und Algerien geführt. Nach der Überprüfung in der Royal Victoria Patriotic School wurde er am 21. November in London vom Auslandsdienst der niederländischen Polizei vernommen. Der Bericht stufte ihn als politisch zuverlässig und für eine Offiziersausbildung geeignet ein.

Militärdienst In Großbritannien schloss sich Van Oosterzee der Prinses-Irene-Brigade an und bat um Entsendung nach Australien, um sich auf den Einsatz gegen Japan vorzubereiten. Er verließ Liverpool am 16. Januar 1945 und traf am 21. Februar in Australien ein. Zu seiner Ausbildung gehörten ein Lehrgang der Netherlands Indies Civil Administration (NICA), die Personal für den Einsatz in Niederländisch-Indien vorbereitete, sowie Dschungelausbildung im Camp Casino und an der Australian Jungle Warfare School in Canungra. In seiner Eingabe von 1949 erklärte er, er sei am 16. März 1945 gegen seinen Willen der Verwaltungsausbildung zugeteilt worden, da nach der Kapitulation Japans mit einem Mangel an Verwaltungsbeamten gerechnet worden sei. Am 14. September 1945 wurde er im Camp Columbia zum Reserveleutnant des KNIL ernannt.

Anschließend diente er in Makassar. Zu seinen Aufgaben gehörten Tätigkeiten in der Zivilverwaltung und im Transportwesen für die NICA, das KNIL und die niederländische Marine. Seine Dienstzeit fiel in den indonesischen Unabhängigkeitskampf und den niederländischen Versuch, die Kolonialherrschaft wiederherzustellen.

1946 beantragte er seine Entlassung aus dem Dienst, da er seine Verpflichtungszeit als erfüllt ansah. Trotz wiederholter Bemühungen blieb sein Antrag etwa zwei Jahre lang ungeklärt. Im November 1948 wurde er schließlich in die Niederlande zurückgeführt.

Familie und späteres Leben 1946 heiratete Van Oosterzee durch eine Trauung per Stellvertreter. Seine Frau folgte ihm anschließend nach Makassar.

Nach seinem Militärdienst arbeitete er im Bankwesen in den Niederlanden und im Ausland. Später lebte er in Frankreich. Er starb am 18. April 1989 im Alter von 67 Jahren in Amsterdam. Seine Ehefrau Paulina Helena Worp überlebte ihn.

Auszeichnungen Van Oosterzee erhielt durch königlichen Erlass vom 14. September 1945 das niederländische Verdienstkreuz für die Organisation und Durchführung seiner Flucht aus den besetzten Niederlanden nach Großbritannien. Außerdem wurde ihm das Widerstandsgedenkkreuz verliehen.

Literatur

Einzelnachweise

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