August Peter Voitus van Hamme (* 14. Juli 1880 in Frankfurt am Main; † 22. Februar 1936 in München), als Künstler meist Peter von Hamme oder Peter van Hamme, in Künstlerlexika auch Peter von Hamme-Voitus, war ein deutscher Maler und Ausstellungsorganisator der späten Münchner Malerschule.
Van Hamme war Meisterschüler von Carl von Marr an der Akademie der Bildenden Künste München. Er arbeitete vorwiegend als Porträt-, Genre- und Stilllebenmaler. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit trat er als Organisator des Münchner Ausstellungswesens hervor: Von 1916 bis 1919 war er Geschäftsführer der Kunstausstellungen im Münchner Glaspalast, 1918 gestaltete er das Ausstellungsgebäude einer Münchner Kunstschau in Konstantinopel, und in den 1920er Jahren leitete er als Vorsitzender der Künstlergesellschaft „Drei Farben“ deren Faschingsfeste. Er entstammte einer niederländisch-österreichischen Tänzer- und Theaterfamilie; sein Vater war Solotänzer und Ballettmeister der Wiener Hofoper. Werke van Hammes befinden sich in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München.
Leben
Herkunft Peter Voitus van Hamme entstammte einer Künstlerfamilie mit niederländischen Wurzeln. Sein Großvater Andreas Petrus Voitus van Hamme (1796–1868) war von 1818 bis zu seinem Tod Ballettmeister der Stadsschouwburg Amsterdam und schuf rund 200 Ballette. Sein Vater Karel Frans Eduard Lambert Voitus van Hamme (1856–1921) war 37 Jahre lang Solotänzer, Choreograf und Ballettmeister des k. k. Hofopernballetts in Wien; er choreografierte 1905 die Uraufführung von Franz Lehárs Operette Die lustige Witwe am Theater an der Wien.Gunhild Oberzaucher-Schüller: Gestatten: Eduard Voitus van Hamme, Solotänzer des k. k. Hofopernballetts. In: Wiener Tanzgeschichten, 31. Mai 2021. Die Mutter Clara Emilia Lucia Schultze war Bühnentänzerin. Seine Tante Rosina van Hamme (1822–1910) war als Schauspielerin und Tänzerin an der Stadsschouwburg Amsterdam und am Vaudeville-Theater tätig.
Van Hammes Brüder Henry Emile Lambert Voitus van Hamme (1881–1962), Sekretär der Akademie der Bildenden Künste in Rotterdam, und Johannes Rudolf Felix Voitus van Hamme (1891–1964), Intendant des Salzburger Landestheaters, waren ebenfalls im Kulturbereich tätig.
Ausbildung Van Hamme wuchs in Wien auf, wo sein Vater seit 1884 fest engagiert war. Nach Studien in Wien und MünchenKurze Stadtnachrichten. In: Münchner Neueste Nachrichten, 13. Juli 1930. besuchte er die Akademie der Bildenden Künste München als Schüler von Otto Seitz und Gabriel von Hackl. Anschließend wurde er Meisterschüler von Carl von Marr.
Sein Studienkollege Hermann Ebers erinnerte sich später neben Walter Bondy an van Hamme als „den Wiener von Hamme“, einen „Spaßmacher, aber immerhin einen von Qualität“, über dessen „mit vollendeter Mimik und glänzender Beherrschung des Volksdialekts dargestellten Szenen aus dem Wiener Leben“ die Zeichenklasse „oft Tränen gelacht“ habe. Ebers beschrieb ihn als „einen glatten und geschickten Zeichner, später einen ebensolchen Maler“, der sich „in der Folgezeit in nicht eben sympathischer Weise kunstpolitisch betätigt“ habe.Hermann Ebers: Aus meiner Studienzeit. In: Thomas-Mann-Forum München e. V., 1941.
1910 entwarf van Hamme die Kostüme für ein Tanzspiel der Erzherzogin Marie Valerie, das anlässlich des 80. Geburtstags von Kaiser Franz Joseph I. in der Kaiservilla Bad Ischl aufgeführt wurde.
Erster Weltkrieg Im Ersten Weltkrieg diente van Hamme als freiwilliger Hilfsarzt in der Krankenpflege. Im Mai 1915 erhielt er das Eiserne Kreuz zweiter Klasse,Das Eiserne Kreuz. In: Münchner Neueste Nachrichten, 9. Mai 1915. im Februar 1916 das bayerische Verdienstkreuz für freiwillige Krankenpflege.Verdienstkreuz für freiwillige Krankenpflege. In: Münchner Neueste Nachrichten, 12. Februar 1916.
Ausstellungsorganisation Bereits 1914 hatte van Hamme als Festleiter des Künstlersommerfestes im Nymphenburger Volksgarten fungiert und dabei König Ludwig III. sowie das braunschweigische Herzogspaar Viktoria Luise von Preußen und Ernst August von Hannover empfangen. Die Münchner Neuesten Nachrichten hoben dabei sein „Organisationstalent“ und die von ihm angeregte Gründung eines Unterstützungsfonds für bedürftige Künstler hervor.Das Künstler-Sommerfest. In: Münchner Neueste Nachrichten, 7. Juni 1914.
Von 1916 bis 1919 war van Hamme Geschäftsführer der Kunstausstellungen im Münchner Glaspalast, gemeinsam mit Walther Zimmermann, dem Geschäftsführer der Münchener Künstlergenossenschaft. Seine Funktion ist in den offiziellen Ausstellungskatalogen der Jahre 1919 und 1920 verzeichnet. Der Bildhauer Josef Selmayr II (1879-1940) zeigte in der Kunstausstellung 1919 im Glaspalast eine Bildnisbüste van Hammes.Münchener Kunst-Ausstellung 1919 im Glaspalast. Offizieller Katalog. Verlag der Münchener Künstlergenossenschaft und der Münchener Secession, München 1919.Münchener Kunstausstellung 1920 im Glaspalast. Offizieller Katalog. München 1920. Im Juni 1918 berichteten die Münchner Neuesten Nachrichten, dass van Hamme die Geschäfte während Zimmermanns Kriegsdienst führte.Vorbereitungen zur Jahresausstellung im Glaspalast. In: Münchner Neueste Nachrichten, 19. Juni 1918.Die Ausstellungsleitung im kgl. Glaspalast. In: Münchner Neueste Nachrichten, 21. Juni 1918. Die Fachzeitschrift Die Christliche Kunst würdigte 1917/18 sein „Geschäftsprinzip, den Kunstliebhaber zu belehren, ihn aufzuklären zum Schutze der deutschen Kunst“.Das Ergebnis der Münchener Glaspalastausstellung. In: Die Christliche Kunst. 14. Jahrgang 1917/1918, F. Bruckmann, München.
1917 stellten die Münchener Künstlergenossenschaft und die Münchner Sezession nach Jahren der Trennung erstmals wieder gemeinsam im Glaspalast aus. Van Hamme wurde in der Presseberichterstattung neben Carl von Marr, Hugo von Habermann als einer der Verantwortlichen für die Einrichtung der Schau genannt.Vor der Eröffnung der Kunstausstellung im Glaspalast. In: Münchner Neueste Nachrichten, 22. Juni 1917.
1918 gestaltete van Hamme das Ausstellungsgebäude einer von Generalkonservator Philipp Maria Halm veranstalteten Ausstellung der Münchner Künstlerschaft in Konstantinopel.
In den 1920er Jahren war van Hamme Vorsitzender der Künstlergesellschaft „Drei Farben“, die alljährlich Faschingsfeste veranstaltete. Er verantwortete die Gesamtdekoration, schuf plastische Arbeiten und verfasste 1927 das Manuskript des Tanzspiels Kampf um die Perle.Münchner Fasching. Paradies und Höllenzauber. In: Münchner Neueste Nachrichten, 25. Februar 1927.Das Fest der „Drei Farben“. In: Münchner Neueste Nachrichten, 4. Februar 1929. Daneben gestaltete er Gebrauchsgrafik und Festdekorationen, darunter 1928 eine Ehrenurkunde des Bayerischen SängerbundesJubelfest des Lehrergesangsvereins. In: Münchner Neueste Nachrichten, 14. Mai 1928. und 1932 ein Plakat für eine Kundgebung des Volksvereins für das katholische Deutschland in Mittenwald.Staatsarchiv München, Plakatsammlung, Zugang LRA 107 046 (4. Mai 1932).
Späte Jahre Nach dem Brand des Glaspalasts am 6. Juni 1931 ist van Hammes Tätigkeit nur noch lückenhaft dokumentiert.
Im Verzeichnis der von der US-Armee nach 1945 beschlagnahmten Kunstwerke der NS-Zeit ist unter der Nummer 29045 ein 1934 datiertes Ölgemälde van Hammes mit dem Titel Hitler and His Personal Staff at The Feldherrnhalle in Munich (deutsch etwa Hitler und sein Stab an der Feldherrnhalle in München) verzeichnet. Das Werk befindet sich in den Beständen des United States Army Center of Military History in Fort Belvoir, Virginia, und ist nicht öffentlich zugänglich.U.S. Army Documents Concerning Holdings of WW2-era Nazi/German Artworks, 1993–2002. Eintrag Nr. 29045. Die Umstände der Entstehung sind nicht dokumentiert. In der Datenbank zur Großen Deutschen Kunstausstellung ist van Hamme nicht verzeichnet; er starb im Februar 1936, ein Jahr vor deren erster Ausgabe.
Van Hamme war in erster Ehe mit Felice Kossovicz und in zweiter Ehe mit Elisabeth Stimmer (1896–1957) aus Forstinning verheiratet. Er wohnte in München in der Gabelsbergerstraße 26.
Werk mini|Peter v. Hamme: Gemälde Der Alte, in Münchener Kunst-Ausstellung 1919 im Glaspalast Van Hamme malte vorwiegend Porträts, weibliche Akte, Genrebilder, Landschaften und Stillleben. In zeitgenössischen Ausstellungskatalogen sind unter anderem verzeichnet: Alte Bäuerin (1916), Der Alte (1919), Atelierecke, Rot auf Grau und Aus alter Zeit (1920), Abend (1921) sowie Ruhende, Naschkatzen und Stilleben (1924).Münchener Kunstausstellung 1924 im Glaspalast. Offizieller Katalog. München 1924.
Der Kunstkritiker Eduard Scharrer-Santen besprach 1921 in der Allgemeinen Zeitung das Gemälde Abend. Aus ihm spreche „ein geschmackvoller Sinn für Farbe und monumentale Komposition, wenn auch vorerst mehr Konvention als Charakter vorherrscht“.Dr. Ed. Scharrer-Santen: Münchener Kunstausstellung im Glaspalast 1921. III. In: Allgemeine Zeitung (München), 4. September 1921.
Im September 1930 räumte der Kunstverein München van Hamme den Lenbachsaal für eine größere Werkgruppe ein; bei der Eröffnung erwarb Oberbürgermeister Karl Scharnagl ein Blumenstillleben.Neue Ausstellung im Kunstverein. In: Münchner Neueste Nachrichten, 3. September 1930.
2015 bot das Münchner Auktionshaus Scheublein 20 Gemälde van Hammes an. Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete ihn dabei als „vergessenen Münchner Maler“.Radar: Akte und Gefechte. In: Süddeutsche Zeitung, September 2015.
Mitgliedschaften Münchener Künstlergenossenschaft Deutscher Künstlerverband „Die Juryfreien“ Reichsverband bildender Künstler Deutschlands, Berlin Künstlerhausverein München
Ausstellungen (Auswahl) 1916: München, Münchener Jahresausstellung im GlaspalastMünchener Jahresausstellung 1916 im Königlichen Glaspalast. Offizieller Katalog. München 1916. 1917: München, Kunstverein München (Wohltätigkeitsausstellung)Bildende Kunst. Kunstverein. In: Münchner Neueste Nachrichten, 18. Juli 1917. 1919: München, Münchener Kunstausstellung im Glaspalast 1920: München, Münchener Kunstausstellung im Glaspalast 1921: München, Münchener Kunstausstellung im GlaspalastMünchener Kunstausstellung 1921 im Glaspalast. Offizieller Katalog. Bruckmann, München 1921. 1922: München, Sommerausstellung der JuryfreienSommerausstellung der Juryfreien. In: Münchner Neueste Nachrichten, 29. Mai 1922. 1923: München, Kunstverein MünchenKunstverein München. In: Münchner Neueste Nachrichten, 20. Juni und 3. November 1923. 1924: München, Münchener Kunstausstellung im Glaspalast 1924: München, Jubiläumsausstellung des Kunstvereins München4. Jubiläumsausstellung des Kunstvereins. In: Münchner Neueste Nachrichten, 25. September 1924. 1929: München, Kunstverein München / Neue Münchner KünstlergenossenschaftKunstverein München E. V. In: AZ am Abend (Allgemeine Zeitung), 9. April 1929. 1930: München, Kunstverein München (Lenbachsaal)Neue Ausstellung im Kunstverein. In: Münchner Neueste Nachrichten, 3. September 1930. 1930: München, Deutsche Kunstausstellung im GlaspalastDeutsche Kunstausstellung München 1930 im Glaspalast. Offizieller Katalog. München 1930.
Werke in öffentlichen Sammlungen Städtische Galerie im Lenbachhaus, München
Literatur
Willy Oskar Dreßler: Dresslers Kunsthandbuch. Zweiter Band: Bildende Kunst. 9. Ausgabe. Curtius, Berlin 1930. Horst Ludwig (Hrsg.): Bruckmanns Lexikon der Münchner Maler im 19. Jahrhundert. 6 Bände. Bruckmann, München 1981–1990, ISBN 3-7654-1801-3 (Band 1).
Weblinks Digitalisierte Ausstellungskataloge des Münchner Glaspalasts auf bavarikon.de Peter von Hamme in der Sammlung Online des Lenbachhauses
Einzelnachweise
Kategorie:Porträtmaler Kategorie:Genremaler Kategorie:Stilllebenmaler Kategorie:Maler (München) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1880 Kategorie:Gestorben 1936 Kategorie:Mann