Francisco Nicolau Lay (andere Angabe: Francisco Assis Ly Nicolau) ist ein osttimoresischer Rechtsanwalt und Politiker.

Werdegang 1999, während des Unabhängigkeitsreferendum in Osttimor, war er neben Zacarias da Costa und Milena Pires stellvertretender Präsident der União Democrática Timorense (UDT). Er lebte in Macau, wo er als Rechtsanwalt und Strafverteidiger tätig war.

Ab 2006 war Nicolau, zusammen mit Paulo Remédios und Nelson de Carvalho, der Verteidiger von Rogério Lobato. Der ehemalige Innenminister wurde im Prozess wegen Totschlags und der illegalen Weitergabe von Waffen, während der Unruhen in Osttimor 2006, zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.Reuters, 15. Februar 2007, Prosecutors seek 7 years jail for Timor ex-minister (Tetum und Portugiesisch)The Sydney Morning Herald: Trial of ex-Timor minister postponed, 1. Dezember 2006, abgerufen am 8. März 2020. Alle drei Anwälte übernahmen auch die juristische Vertretung von Alfredo Alves Reinado, dem Führer der Rebellen, die aus den Protesten hervorgegangen waren. Reinado kam beim Attentat in Dili am 11. Februar 2008 ums Leben, als er mit seinen Männern das Wohnhaus von Staatspräsident Ramos-Horta angriff, der dabei schwer verletzt wurde. Wie Remédios war Nicolau Berater des Staatspräsidenten.

Nicolau war für die Regierung der Sonderregion Oe-Cusse Ambeno tätig, die von Rogério Lobato geführt wurde. Als am 25. August 2025 ein illegales Zentrum für Online-Glücksspiel und -Betrug im Hotel Oe-Upu in Oe-Cusse Ambeno ausgehoben wurde, wurde Lobato zwei Tage später ohne genauere Begründung als Präsident der Sonderregion abgesetzt.Rilijanto Viana: Timor-Leste sob ameaça do crime organizado transnacional, 27. September 2025, abgerufen am 27. September 2025. Nicolau kehrte nach Dili zurück und Präsident Ramos-Horta ernannte ihn zu seinem Entsandten im Conselho Superior da Magistratura Judicial (CSMJ), der unter anderem für die Berufung der Obersten Richter zuständig ist.

Nicolau reichte 2026 seine Bewerbung um einen Sitz im Obersten Gericht (STJ) ein, dessen Gründung derzeit (Stand Sept. 2026) vorbereitet wird. Am 2. September forderte eine Gruppe von neun Bürgern, das Colectivo Unidos Podemos (CUP), darunter der Abgeordnete David Dias Ximenes, die ehemaligen Minister Roque Rodrigues, Rui Augusto Gomes und Armindo Maia und der Botschafter Francisco Miranda Branco sowie Domingos Sarmento Alves und Jacinto Rigoberto Alves, die Suspendierung als Kandidat und Überprüfung von Nicolau. Sie verwiesen auf seine angeblichen Aktivitäten in Oe-Cusse Ambeno, mutmaßlichen Verbindungen zur Anmietung des Hotels Oe-Upu sowie seine Tätigkeit als Anwalt des Hotelpächters. Der CSMJ bezeichnete die Berichte als falsch und haltlos und kündigte an, Strafanzeige wegen Nötigung und Verleumdung gegen die Verfasser der Forderung zu erstatten. Premierminister Xanana Gusmão forderte am 11. September 2026 den Staatspräsidenten auf, Nicolau aus dem CSMJ abzuberufen, was Ramos-Horta aber ablehnte.

Am 15. September 2026 reichte der Rechtsberater Martin Patrick Hardie beim Disziplinarausschuss der Anwaltskammer eine Beschwerde gegen Nicolau, wegen eines angeblichen Interessenkonflikts ein. Diesmal waren die Vorwürfe konkreter. Nicolau soll die Behörde der Sonderverwaltungsregion Oe-Cusse Ambeno (ARAEO) bei der Ausarbeitung eines Pachtvertrages mit der Core Management Corporation Unipessoal Lda (CMC) beraten haben. Bei diesem ging es um ein acht Hektar großes Grundstück, drei Kilometer vom Flughafen Oecusse entfernt, auf dem auch das Hotel Oe-Upu stand. Es sollte für 9 Millionen US-Dollar für 50 Jahre an die CMC verpachtet werden, mit der Option einer Verlängerung um weitere 49 Jahre. Unterzeichner waren am 15. April 2025 Präsident Rogério Lobato und CMC-Direktor Lim Zhao Qi. Nach der Absetzung von Lobato, leitete die ARAEO im Oktober 2025 ein Investitionsprüfungsverfahren ein und setzte das Projekt aus. Auslöser war das Auffliegen des Callcenters für Betrugsanrufe im Hotel Oe-Upu am 25. August. Nicolau übernahm am 16. Oktober 2025 die Vertretung der CMC und focht die Vertragsaussetzung an, was für Hardie den Vorwurf des Interessenkonflikts begründete.

Nicolau reichte schließlich seinen Rücktritt als Mitglied des CSMJ ein, den Staatspräsident Ramos-Horta am 18. September akzeptierte. Nicolau blieb aber weiterhin Kandidat für das Oberste Gericht. Sollten die Vorwürfe gegen ihn zu einem Diziplinarverfahren und einer Verurteilung führen, würde Nicolau automatisch als Kandidat für den STJ ausgeschlossen.

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