Die Papar waren irische und schottische Mönche, die als Eremiten auf den Hebriden, den Northern Isles und Teilen Islands lebten – vom späten 6. bis zum späten 8. Jahrhundert, noch vor der Expansion der Wikinger im Nordatlantik.

Etymologie Die Bezeichnung Papar geht auf das Altnordische zurück. In der färöischen Sprache beispielsweise bedeutet pápar „Väter“ bzw. „Mönche“ (Plural von pápi „Vater, Papa“). Das Altnorwegische papi, papar ist aus dem Irischen pápa entlehnt worden, das seinerseits eine Entlehnung von lateinischen papa ist. Verwandt sind ferner deutsch Pabst und Pfaffe.

Die Papar auf Island mini|Kopie des Íslendingabóks

Die frühe Anwesenheit der Papar auf Island ist umstritten. Für ihre Existenz sprechen die Isländersagas sowie neue archäologische Funde. Eindeutige archäologische Beweise stehen aber noch aus.

Die ersten Wikinger siedelten im Jahr 874 in Island. Die älteste skandinavische Quelle für die Gegenwart der Papar – das vom Chronisten Ari Þorgilsson zwischen 1122 und 1133 geschriebene Íslendingabók (Buch der Isländer) – erschien jedoch erst gut 250 Jahre später. Ari erwähnt Christen, die von den Wikingern als Papar bezeichnet wurden. Diese sollen aufgrund ihrer Ablehnung von Heiden (die Wikinger waren damals noch nicht christianisiert) Island wieder verlassen haben – was es durchaus wahrscheinlich macht, dass die Papar noch vor den Wikingern auf Island eingetroffen waren.

mini|Eine Seite aus Dicuils Manuskript De Mensura Orbis Terrae

Eine frühere Quelle, die sich eventuell auf die Papar bezieht, ist die Abhandlung des Dicuils – einem irischen Mönch des frühen 9. Jahrhunderts. Dicuil war Geograph und erwähnte die Reisen heiliger Männer gen Norden. Es geht aber daraus nicht eindeutig hervor, ob Dicuil hier wirklich Island meint. Gälisch-Irische Mönche hatten sich nämlich auch in anderen Inselgruppen des hohen Nordens niedergelassen, wie beispielsweise auf Orkney und in Shetland.

Vermutet wird auch, dass Ari möglicherweise von Dicuil abgeschrieben hat.

Mehrere isländische Toponyme sind mit Papar in Verbindung gebracht worden, darunter die Insel Papey im Südosten Islands und auch die Vestmannaeyjar (Inseln der Westmänner), dennoch fehlen hierfür archäologische Beweise. Weitere Beispiele sind Pap(b)ýli, Papós, aber auch alte Einfriedungen wie Írskuhólar (Irische Hügel) und Papatoftir (Paparruinen).

mini|Titelseite des Landnámabóks von 1688

Jedoch behauptet die Landnámabók – in seiner ursprünglichen Form wahrscheinlich aus dem 11. Jahrhundert –, dass irische Mönche noch vor der Ankunft der nordischen Siedler (d. h. vor 874) auf Island gelebt hatten. Diese Aussage gründet sich darauf, dass die Mönche zahlreiche Gegenstände wie irische Bücher, Glocken und Krummstäbe zurückgelassen hatten – woran sie von ihren Nachfolgern identifiziert werden konnten. Die Landnámabók führt weiter aus, dass die irischen Mönche bei Ankunft der Wikinger die Insel verließen oder schon vorher verlassen hatten.

Die Papar auf den Färöern Auf den Färöern bestehen ebenfalls Toponyme, die auf die Papar verweisen. Hierunter Paparøkur bei Vestmanna und Papurshílsur bei Saksun. Vestmanna ist in Wirklichkeit die Abkürzung für Vestmannahøvn, dem Hafen der Westmänner (Gälen). Auf einem Friedhof auf der Insel Skúgvoy findet sich ein Grabstein, der auf einen eventuellen gälischen Ursprung oder zumindest Einfluss hinweist.

Einige Gelehrte sind der Ansicht, dass es der Wikingerentdecker Grímur Kamban war, der für die Vertreibung der gälischen Mönche die Verantwortung innehatte, obwohl er selber als Wikinger-Gäle gälisches Blut in sich trug.

Die Papar auf den Northern Isles mini|Papa auf den Shetlandinseln (Luftbild)

Im Historia Norwegia – einem Geschichtsbuch aus dem 12. Jahrhundert – wird gemutmaßt, dass die Wikinger bei ihrer Invasion Orkneys im frühen 9. Jahrhundert Pikten aber auch Papar als ansässige Bevölkerung vorfanden.

I. Ekrem und L. B. Mortensen (2003) geben hierbei zu bedenken:

Ari bestätigt die Gegenwart von christianisierten Iren. Neuere Untersuchungen weisen ebenfalls auf christliche Missionare aus dem keltischen Irland hin. Es handelte sich vor der Wikingerherrschaft vorwiegend um dalriadische Gälen.

Dem Geschichtswissenschaftler Joseph Anderson waren in seiner Einleitung zur Orkneyinga saga zahlreiche Inseltoponyme aufgefallen, welche sich aus Papar herleiteten – und somit sehr wohl den lokalen Einfluss der Papar bezeugten.

Auf Orkney werden die beiden Papeys (vormals die große Insel Papey Meiri und die kleine Insel Papey Mimi) jetzt als Papa Westray und als Papa Stronsay bezeichnet. John Fordun erwähnt in seiner Aufzählung der Orkney-Inseln sogar noch ein drittes Papey, das aber jetzt nicht mehr existiert. William Thomson meint hierin den Holm of Papa – somit ein Anhängsel zu Papa Westray – zu erkennen.

Auch auf Shetland sind drei Inseln des Namens Papey bekannt. Darüber hinaus gibt es auf Orkney und auf Shetland Distrikte des Namens Paplay oder Papplay, die zweifellos mit Papyli in Island identisch sein dürften. Der Name Paplay erscheint auf South Ronaldsay und auf Holm. Papdale ist eine frühere Bezeichnung von Kirkwall. Die Zuordnung von Papleyhouse auf Eday und Steevens of Papay auf North Ronaldsay ist jedoch umstritten.

Auf Shetland sind außerdem noch folgende Toponyme anzuführen: Papa sowie die Gezeiteninsel West Head of Papa, Papa Little, Papa Stour (Großes Papa) und der Sund von Papa zwischen Papa Stour und der Sandness-Halbinsel.

Die Papar auf den Hebriden Auf den Äußeren Hebriden finden sich zahlreiche, von den Papar beeinflusste Toponyme. In dieser Gegend erlosch jedoch die Altnordische Sprache schon sehr früh – wohingegen das Schottisch-Gälische weiter existierte. Es finden sich auf den Äußeren Hebriden Schottlands zumindest drei Inseln, die ursprünglich Pabey hießen und dann später in Pabbay umbenannt wurden. Das Schottisch-Gälische lautet hierfür Pabaigh (Priesterinsel). Dem ist aber nicht zu entnehmen, ob hiermit auch tatsächlich die frühen Papar oder allgemein Priester nach der Wikingerherrschaft gemeint waren.

Beispiele sind: Pabbay, gehörend zu den Inseln Barras Pabbay im Sund von Harris Pabay, gehörend zu den Inneren Hebriden nahe Skye und Pabaigh am Loch Baghasdail auf South Uist.

Archäologie mini|Die St Ninian's Chapel auf St Ninian's Isle in Shetland

Archäologische Untersuchungen werden durch die Tatsache erschwert, dass die große Mehrheit – um nicht zu sagen alle – der noch vor den Wikingern gegründeten Kirchenbauten nach der Christianisierung der Wikinger um 1000 n. Chr. und der Herausbildung von Pfarrgemeinden erneut in Anspruch genommen wurden. Mit dem Fortgang von Ausgrabungsarbeiten wird diese Wiederinanspruchnahme immer deutlicher und es wird offensichtlich, dass Kirchen des Mittelalters auf keltischen Sakralbauten errichtet worden waren. Ein sehr schönes Beispiel hierfür findet sich auf St Ninian’s Isle in Shetland.

Die Ausgrabung der St Nicholas Chapel auf Papa Stronsay hat ergeben, dass dieser Bau ebenfalls über die Gebäude einer Prä-Wikingergemeinschft hinweg erfolgt war. Ob es sich hierbei um eine religiöse Gemeinschft handelte, kann noch nicht entschieden werden. Es besteht somit die Notwendigkeit, weitere Kirchenbauten auf den Northern und auch den Western Isles, in punkto Kontinuitätsaspekt genauer zu untersuchen.

mini|Nachbildung des Papil Stones auf Burra

Christliches Beweismaterial beschränkt sich aber nicht nur auf Kirchenbauten. Das frühe Christentum hat auch visuelle, bildhauerliche Schöpfungen in Gestalt von Kreuzen und anderen Symbolen (siehe beispielsweise bei den Pikten) hinterlassen, gelegentlich wurden auch Inschriften angefertigt. Einige dieser Beweisstücke sind mit bedeutenden Papar-Fundstätten verknüpft und belegen somit eindeutig die christliche Gegenwart. Christliche Gedenksteine sind aber nicht nur an Papar-Plätze gebunden, wie Ian Fisher gezeigt hat. Da christliche Kunst nur selten überlebte, ist Vorsicht angebracht, daraus immer gleich auf eine Papar-Stätte schließen zu wollen. Skulpturen wie der Papil Stone auf Burra sind jedoch von derart hervorragender Qualität, dass es sich bei dieser Papar-Stätte eindeutig um eine bedeutende frühchristliche Gemeinschaft handelte.

mini|Nachbildung des Bressay Stones bei der St Mary's Church

Weitere bedeutende Papar-Stätten auf den Shetland-Inseln sind neben Papil auf Burra die Bucht Papil Geo auf der Isle of Noss sowie Bressay mit dem Bressay Stone. Auf Orkney sind zu erwähnen Papa Stronsay mit dem ältesten und nördlichsten frühchristlichen Kloster, Papa Westray und Paplay der Gemeinde Holm des Mainlands.

Zusammenschau Und kalte Nebelschwaden legten sich über 13 Jahrhunderte im Nordatlantik ...

Mit den Worten von Barbara E. Crawford

Anzufügen ist hier sofort, dass selbst der archäologische Ground Zero bisher keine eindeutigen Rückschlüsse auf die Papar liefern konnte. Waren es wirklich monastisch lebende, gälisch sprechende Mönche, oder Laienpriester einer säkularen Gemeinschaft ? Wie stand es um Eremiten ?

All diese Unsicherheiten drücken sich notgedrungen in der spekulativen Ausdrucksweise dieses Beitrags aus, welche beanstandet wurde, aber in Ermangelung von eindeutigen Fakten leider nicht zu umgehen ist.

mini|Kreuz in der Höhle Fjóshellir bei Hella (Höhlen von Ægissíða)

Gerade Island ist nicht unbedingt gesegnet mit Papar-Toponymen. Grund zur Hoffnung bieten jedoch die über 200 künstlich angelegten Höhlen entlang der Südküste mit dem Paradebeispiel der Höhle von Hella. Oft scharenweise sind Kreuze in die Felswände eingemeisselt, und auch in Hella findet sich ein Kreuz an der Höhlenwand. Gerade das Einmeisseln von Kreuzen und generell das Anlegen künstlicher Höhlen waren auf dem damaligen skandinavischen Festland nicht bekannt – wohl aber in Irland.

Ausgehend von den Färöern über die Shetland-Inseln, den Orkneys und den Hebriden verbessert sich sodann die Dichte der toponymischen Bezeichnungen und auch die der Fundstätten.

Mittlerweile wird anerkannt, dass die Färöer spätestens um 625 von irischen Mönchen betreten und vom im Süden des Archipels liegenden Ort Sumba ausgehend besiedelt wurden. Archäologische Zeugnisse gibt es auch in der unmittelbaren Umgebung bei Akraberg, Víkarbyrgi und etwas weiter nördlich in Porkeri. Neuere Untersuchungen vermuten aufgrund der Entdeckunge von Gerstenkörnern eine Besiedlung bereits in der Mitte des 4. JahrhundertsAngelika Franz: Ureinwohner überraschten Wikinger auf Färöer-Inseln. In: Spiegel Online, 9. September 2013. Abgerufen am 10. September 2013.. Später trat Hafer hinzu.

mini|Ortband aus dem Hort auf St Ninian's Isle

Es wird angenommen, dass die Shetlandinseln gegen das Jahr 300 noch von Pikten besiedelt waren. Um das Jahr 800 erfolgte sodann die Kolonisierung durch die Wikinger. Für die auf den Inseln gesprochene Sprache vor der Wikinger-Kolonisation gibt es nur wenige Hinweise. Katherine Forsyth gab im Jahr 2020 zu bedenken, dass sich die Gegenwart einer keltischen, Britannischen Sprache anhand von Inselnamen wie beispielsweise Yell und Inschriften wie am Lunnasting-Stein und auf St Ninian's Isle durchaus erkennen lässt. Von besonderer Bedeutung in diesem Zusammenhang ist der Hort auf St Ninian’s Isle, der neben piktischen Kunstwerken sogar auch nordenglischen Einfluss zu erkennen gibt.

Dass die Pikten vor Ankunft der Wikinger bereits christianisiert waren, geht eindeutig aus dem Papil Stone und dem Bressay Stone bervor.