mini|hochkant|Der Kirchturm von Osten mini|Schloss und Kirche im alten Ortszentrum mini|Eingangsportal auf Südseite mini|Blick in den Altarraum mini|Die Orgel aus dem Jahr 1893 mini|hochkant|Kenotaph des Walrab von Boyneburg-Hohenstein mini|hochkant|Kruzifix im Chor mini|Taufstein aus dem Jahr 1564
Die Evangelische Kirche Jestädt ist ein denkmalgeschütztes Gebäude, das sich im alten Ortszentrum Jestädts, eingeengt von Schloss, Gutshof und den Gebäuden des Kirchrains erhebt. Jestädt, das im Rahmen der hessischen Gebietsreform im Dezember 1971 mit anderen Dörfern zur neu gebildeten Gemeinde Meinhard zusammengeschlossen wurde, liegt im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis.
Die evangelische Kirchengemeinde Jestädts bildet mit den Gemeinden der Dörfer Hitzelrode, Motzenrode und Neuerode den Bezirk 1 und mit den Gemeinden des Bezirks 2 Frieda, Grebendorf und Schwebda das Kirchspiel Meinhard, das zum Kirchenkreis Werra-Meißner gehört. Das Kirchspiel liegt innerhalb der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck im Sprengel Kassel.Kirchspiel Meinhard, Bezirk 1 auf der Website des Evangelischen Kirchenkreises Werra-Meissner; abgerufen am 12. September 2026.
Geschichte Die Kirche, in dem erstmals im Jahr 876 als „Gahesteti“ urkundlich erwähnten Dorf, war ursprünglich dreiteilig. Sie bestand aus dem Schiff, einem Turm mit Altarraum und einem Chor. Der Chorturm wurde im Jahr 1889 wegen Baufälligkeit abgerissen und durch den heutigen Turm im neugotischen Stil mit wuchtigen Strebepfeilern an den Ecken ersetzt. Das Kirchenschiff auf der westlichen Seite wurde von 1588 bis 1591 erbaut. Es diente auch als Grablege für die Familie von Boyneburg-Hohenstein, die Jestädt von den Herzögen von Braunschweig-Lüneburg bis ins 18. Jahrhundert als Lehen erhalten hatten. Nach dem Erlöschen der Linie zu Ende des 18. Jahrhunderts nahmen die Herren von Eschwege deren Platz ein. Beide Familien besaßen auch das Patronatsrecht.
Im Jahr 1640, in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648), wurde die Kirche durch die französische Reiterei verwüstet, die hier „ihr Quartier genommen, die Gestühle und anderes Holzwerk niedergehauen und verbrannt und aus dem Gotteshaus einen Pferdestall gemacht“ hatten, schrieb der damalige Pfarrer Vogelei. Das Gebäude war nach einem zeitgenössischen Bericht so zerstört, dass „man von unten zum Dach hinaus die Sterne hat zählen können“.Peer Zietz in Zusammenarbeit mit Thomas Wiegand: Jestädt In: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen, Werra-Meißner-Kreis 1, Altkreis Eschwege. S. 205 f.Julius Schmincke: Das ehemalige Gericht Jestädt. In: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, Kassel 1865.
Kircheninneres Der Innenraum wird durch die auf Holzpfosten ruhende, drei Seiten umlaufende und reich ausgestattete Empore geprägt. Als besonders bemerkenswert gilt die Ausstattung der Kirche. Im Chor befindet sich ein lebensgroßes Kruzifix, dessen Alter nicht genau zu bestimmen ist. Aufgrund der Ikonographie der Darstellung des sterbenden Christus wird es als gotisch eingestuft. Darauf deutet die klaffende Seitenwunde hin sowie die drei Kreuzigungsnägel, zwei für die Hände und einer für die gekreuzten Füße, als Symbol der Dreieinigkeit. Es sollen durchreisende Bildhauer gewesen sein, die die Darstellung einst schufen. Im Jahr 1997 wurde das Kruzifix restauriert, die Originalfarbe freigelegt, die Finger, Zehen und die Dornenkrone teilweise nachgeschnitzt.
An der nördlichen Seite des Altarraums ist das Kenotaph des Stammvaters der Jestädter Linie der von Boyneburg-Hohenstein eingelassen. Die Grabplatte zeigt den Verstorbenen, der in voller Rüstung unter dem Kreuze Christi kniet und umgeben wird von Frau und Kindern. Das Wappen der Familie an der Innenseite des Glockenturms trägt die Inschrift: „anno (15)72, Sonntag den 27. Juli ist der Edle und Ehrenfeste Wallrab von Boineburgk genannt von Hohenstein in wahrer Erkenntniß Gottes selig von dieser Welt geschieden, seines Alters im 43. Jahre“.
Zu weiteren besonderen Ausstattungsstücken der Kirche gehört der aus einem Stück herausgehauene Taufstein aus dem Jahr 1564. Er wurde vermutlich von Walrab von Boyneburg-Hohenstein und seiner ersten Frau, Judith von Hundelshausen gestiftet, deren beider Wappen auf ihm zu sehen sind. Das Buntglasfenster im Altarraum zeigt die Geschichte von Jesus und dem sinkenden Petrus auf dem Meer aus dem Evangelium nach Matthäus. Entworfen und gestaltet hat es der ortsansässige Grafiker und Designer Bernd-Dieter Hampel, die kunsthandwerkliche Ausführung erfolgte im Jahr 1984 durch die Glaserei Gessner aus Baunatal.
Die Orgel aus dem Jahr 1893 schufen Robert Knauf und Sohn aus dem Bleicheroder Zweig der Orgelbauerfamilie, die über vier Generationen in Thüringen und dem südlichen Westfalen Orgeln bauten. Der frühere Bürgermeister Georg Hesse hat sie gestiftet, nachdem die Vorgängerin unbrauchbar geworden war. Sie besitzt 726 Pfeifen und 13 Register mit zwei Manualen und einem Pedal. Nach einer umfassenden Restaurierung im Jahr 1981 ist sie im Rahmen einer Abendfeier erneut ihrer Bestimmung übergeben worden.Informationen zur Orgel in Jestädt. In: Orgeldatenbank auf Orgbase; abgerufen am 12. September 2026.
Grabsteine Von den Grabsteinen, die vor der Kirche stehen, wird von den Denkmalschützern besonders das Grabmal des Ferdinand von Eschwege, der im Jahr 1857 gestorben ist, als bemerkenswert angesehen. Mit dem ruhenden Löwen auf dem Stein folgt es dem Typus des Feldherrengrabes, wie es Karl Friedrich Schinkel für die Grabanlage für Gerhard von Scharnhorst auf dem Invalidenfriedhof in Berlin konzipiert hatte.
Denkmalschutz Wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Bedeutung ist die Kirche nach § 2 Absatz 1 des Hessischen Denkmalschutzgesetzes ein Kulturdenkmal und wurde in das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen unter der Nummer 38179 eingetragen.Ev. Kirche Meinhard-Jestädt, Am Kirchrain. In: Kulturdenkmäler in Hessen. Website des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen; abgerufen am 12. September 2026. Die Kirche ist Teil der Gesamtanlage des Ortes die aus geschichtlichen Gründen als schützenswert angesehen wird. Sie besitzt im Denkmalverzeichnis des Landes Hessen die Nummer 38172.Gesamtanlage Jestädt. In: Kulturdenkmäler in Hessen. Website des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen; abgerufen am 12. September 2026.
Literatur
Stefanie Salzmann: Die Boyneburgs prägen das Haus. In Jestädt hatte ein Patron das Sagen In: Die Kirche im Dorf lassen. Werra-Rundschau vom 3. Januar 2019. Julius Schmincke: Das ehemalige Gericht Jestädt. In: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, Kassel 1865
Weblinks
Internetauftritt des Kirchspiels Meinhard. Die Kirche in Jestädt auf der Website der Evangelischen Kirchengemeinde Jestädt.
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchengebäude im Werra-Meißner-Kreis Kategorie:Bauwerk in Meinhard Kategorie:Kulturdenkmal in Meinhard Kategorie:Kirchengebäude des Kirchenkreises Werra-Meißner Kategorie:Saalkirche in Hessen Kategorie:Chorturmkirche Kategorie:Kirchengebäude in Europa