mini|Michelangelo: David, 1501–1504, weißer Marmor, Höhe 517 cm, Galleria dell’Accademia, Florenz – Im Vordergrund die Prigioni von Michelangelo Die Galleria dell’Accademia di Firenze ist ein staatliches Kunstmuseum in der Via Ricasoli 58/60 in Florenz. Es ist vor allem für seine Skulpturensammlung bekannt, zu der auch Michelangelos Statue des David gehört, und zählt neben den Uffizien zu den meistbesuchten Museen Italiens. Seit 2024 bildet die Galleria dell’Accademia zusammen mit dem Museo Nazionale del Bargello, dem Museo delle Cappelle Medicee, dem Complesso di Orsanmichele, dem Palazzo Davanzati und dem Palazzo Martelli einen gemeinsamen Museumsverbund.
Geschichte Gründung Die Galleria dell’Accademia geht auf das Jahr 1784 zurück. Damals reformierte Großherzog Pietro Leopoldo die im Jahr 1563 von Cosimo I. de’ Medici gegründete Accademia delle Arti del Disegno und überführte sie in die neu gegründete Accademia di Belle Arti di Firenze. Die neue Institution wurde in den Räumlichkeiten des im 14. Jahrhundert errichteten Hospitals San Matteo und des Klosters San Niccolò di Cafaggio untergebracht. Diese befanden sich zuvor auf demselben Grundstück zwischen der Piazza Santissima Annunziata und der Via Ricasoli. In den Räumen wurden zunächst Kunstwerke als Lehrmodelle für die Studierenden der Akademie sowie eine große Zahl von Gipsabgüssen ausgestellt. In der Folgezeit wurde die Sammlung durch Werke aus aufgehobenen Kirchen und Klöstern erweitert, insbesondere im Zuge der von Pietro Leopoldo im Jahr 1786 verfügten und von Napoleon Bonaparte im Jahr 1810 angeordneten Klosteraufhebungen.
Verlegung des David und Bau der Tribuna mini|Sala del Colosso der Galleria dell’Accademia, mit Giambolognas Modell des Raubs der Sabinerinnen von 1582 im Zentrum und Gemälden der florentinischen Malerei des 15. und frühen 16. Jahrhunderts Für die Geschichte des Museums war die Verlegung von Michelangelos David von der Piazza della Signoria in die Accademia im August 1873 von entscheidender Bedeutung. Für die Aufstellung der Statue wurde der Architekt Emilio De Fabris mit dem Bau einer Tribüne beauftragt. Diese wurde am Ende der damaligen Galleria dei Quadri antichi (der heutigen Galleria dei Prigioni) errichtet und erhält ihr Licht durch ein Oberlicht. Aufgrund von Bauverzögerungen blieb der David zunächst neun Jahre lang in einer Holzkiste verwahrt. Die Tribuna wurde 1882 fertiggestellt und am 22. Juli desselben Jahres wurde das dem David gewidmete Museo Michelangiolesco eröffnet. Ursprünglich wurden um die Statue herum auch Gipsabgüsse weiterer Werke Michelangelos aufgestellt, darunter Kopien der Medici-Gräber und des Moses. Diese Abgüsse wurden bis 1938 schrittweise entfernt. Im selben Jahr ging die Verwaltung der Galerie vom Istituto delle Belle Arti auf die Regie Gallerie e Musei über.
20. und 21. Jahrhundert mini|Galleria dell’Accademia di Firenze, Gemäldegalerie Im Jahr 1908 gelangten die vier unvollendeten Prigioni (Sklaven) Michelangelos in die Sammlung. Die Pietà di Palestrina, ein Michelangelo zugeschriebenes Werk, das in der kunsthistorischen Forschung jedoch umstritten ist, kam 1939 aus der Kirche Santa Rosalia in Palestrina (Latium) in die Galerie. In den 1950er Jahren wurden die Säle, die der byzantinischen und gotischen Tafelmalerei gewidmet sind, sowie der Kolossosaal neu eingerichtet.
Im Jahr 2001 wurde das Museo degli Strumenti Musicali als eigene Abteilung eröffnet. Von 2015 bis Juni 2024 wurde das Museum von der deutschen Kunsthistorikerin Cecilie Hollberg geleitet. In dieser Zeit fanden umfangreiche Restaurierungs- und Umgestaltungsarbeiten statt, es gab eine Reihe von Neuerwerbungen und die Besucherzahlen stiegen deutlich an. Im Jahr 2019 wurde der Galerie im Zuge einer Reform des Ministero della Cultura die zuvor bestehende Verwaltungs- und Finanzautonomie entzogen. Im Sommer 2023 wurde die Galleria dell’Accademia mit dem bis dahin von Paola D’Agostino geleiteten Museo Nazionale del Bargello zu einem gemeinsamen Museumskomplex zusammengelegt. Nach dem Ende von Hollbergs Amtszeit im Juni 2024 übernahm zunächst der Generaldirektor der staatlichen Museen, Massimo Osanna, die Leitung kommissarisch. Im Juli 2025 wurde Andreina Contessa zur neuen Direktorin des Museumskomplexes Galleria dell’Accademia/Musei del Bargello ernannt; sie trat ihr Amt am 1. Oktober 2025 an.
Für die Jahre 2015 bis 2023 wurde ein Anstieg der Besucherzahlen um rund 42 Prozent verzeichnet. Von 1.415.397 Besuchern im Jahr 2015 stieg die Zahl bis zum 31. Dezember 2023 auf 2.013.974. Damit erreichte die Galleria dell’Accademia di Firenze 2023 einen historischen Besucherrekord. Im offiziellen Ranking des italienischen Kulturministeriums belegte sie Platz fünf der meistbesuchten staatlichen Kulturstätten Italiens und war damit nach den Gallerie degli Uffizi das zweitmeistbesuchte Museum in Florenz.https://www.galleriaaccademiafirenze.it/wp-content/uploads/2024/06/Galleria_Accademia_Report_2024_HR-compresso.pdf
Architektur Das Museum liegt an der Stelle zweier ehemaliger Klosteranlagen, des Männerklosters San Matteo und des Frauenklosters San Niccolò di Cafaggio, die zuvor den gesamten Häuserblock zwischen der Piazza Santissima Annunziata und der Via Ricasoli einnahmen. Der große Hauptraum hat die Form einer lateinischen Kreuzkirche. Die Seitenarme und die Galleria dei Prigioni befinden sich in den Räumen des mittelalterlichen Hospitals San Matteo. Die Tribuna, in der die David-Statue aufgestellt ist, wurde zwischen 1873 und 1882 nach einem Entwurf des Architekten Emilio De Fabris eigens errichtet.
Sammlung Skulpturen Michelangelos Die Galleria dell’Accademia besitzt mit sechs Werken die weltweit größte Zahl an Skulpturen Michelangelos. Zu ihnen zählen neben dem David die vier unvollendeten Prigioni (Gefangene bzw. Sklaven), die Statue des Heiligen Matthäus (San Matteo) sowie die dem Künstler zugeschriebene Pietà di Palestrina. Sie befand sich ursprünglich in der Barberini-Kapelle der Kirche Santa Rosalia in Palestrina und gelangte 1939 in die Galleria dell’Accademia. In der Forschung gibt es unterschiedliche Auffassungen zur Zuschreibung der Pietà an Michelangelo. Zeitgenössische Quellen aus Michelangelos Lebzeiten, die das Werk erwähnen, sind nicht bekannt.
Gemäldesammlung Die Gemäldesammlung umfasst überwiegend religiöse Werke von in Florenz und Umgebung tätigen Malern vom späten 13. bis zum ausgehenden 16. Jahrhundert. Einen Schwerpunkt bildet die Sammlung spätgotischer Goldgrundtafeln, in der die Werke von Lorenzo Monaco besonders stark vertreten sind. Die Malerei der Frührenaissance ist unter anderem mit Werken von Paolo Uccello, Sandro Botticelli, Domenico Ghirlandaio und Filippino Lippi vertreten. An die Frührenaissance schließt sich eine Sammlung von Werken des 16. Jahrhunderts an, darunter Gemälde von Fra Bartolommeo, Andrea del Sarto und Jacopo da Pontormo sowie großformatige Altarbilder des 16. und frühen 17. Jahrhunderts.
Gipsoteca Bartolini mini|Die Gipsoteca Bartolini in der Galleria dell’Accademia Im sogenannten Salone dell’Ottocento befindet sich die Gipsoteca mit Gipsmodellen und -abgüssen des Bildhauers Lorenzo Bartolini und seines Schülers Luigi Pampaloni.
Museo degli Strumenti Musicali mini|Museo degli Strumenti Musicali in der Galleria dell’Accademia Das 2001 gegründete Museum zeigt rund fünfzig Musikinstrumente aus den Privatsammlungen der toskanischen Großherzöge der Häuser Medici und Habsburg-Lothringen. Sie wurden zwischen der zweiten Hälfte des 17. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zusammengetragen und werden seit 1996 als Dauerleihgabe des Conservatorio Luigi Cherubini in Florenz in der Galerie gezeigt. Zu den Instrumenten zählen eine Bratsche und ein Violoncello von Antonio Stradivari aus dem Jahr 1690, die als Teil eines Streichquintetts für den Erbprinzen Ferdinando de’ Medici entstanden sind, eine Violine von Stradivari aus dem Jahr 1716, ein Violoncello von Nicola Amati aus dem Jahr 1650 sowie zwei Instrumente von Bartolomeo Cristofori, dem Erfinder des Hammerklaviers.
Literatur Franca Falletti, Marcella Anglani, Gabriele Rossi Rognoni: Galleria dell’Accademia. Guida ufficiale. Tutte le opere. Giunti, Firenze 2015. Cecilie Hollberg (Hrsg.): A Complete Catalogue of Paintings of the Galleria dell’Accademia di Firenze. Mandragora, 2024.
Weblinks
Website der Institution Die Sammlungen der Galleria dell’Accademia in Florenz
Einzelnachweise
Kategorie:Kunstmuseum in Florenz Kategorie:Museum in Florenz Kategorie:Michelangelo Kategorie:Gegründet 1784 Kategorie:Museumsgründung 1784