mini|Elizabeth Murray Campbell Smith Inman, 1769, von John Singleton Copley Elizabeth Murray Campbell Smith Inman (* 7. Juli 1726 in Wells-next-the-Sea; † 25. Mai 1785 in Boston) war eine US-amerikanische Unternehmerin und Philanthropin. Als eine der ersten Frauen Bostons führte sie ein erfolgreiches, unabhängiges Geschäft und bildete andere Frauen als Händlerinnen aus. Durch geschickte Eheverträge gelang es ihr, entgegen gültiger Gesetze auch nach ihren Heiraten alle ihre Geschäfte aus eigenem Recht zu behalten. Während des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs blieb sie trotz der Besetzung ihrer Güter vor Ort und versorgte britische Kriegsgefangene.
Leben
Ladenbesitzerin
Elizabeth Murray Campbell Smith Inman wurde im Jahr 1726 in Schottland geboren. Sie war die dritte Tochter und das achte Kind von Anne Bennett und John Murray und wuchs mit ihren überlebenden Geschwistern James, Barbara, John und William auf. Im Alter von zwei Jahren verlor Inman ihren Vater, in ihrem elften Lebensjahr ihre Mutter. Daraufhin wurde ihr erwachsener Bruder James Murray, der in North Carolina als Pflanzer Fuß gefasst hatte, ihr neuer Vormund. Im Alter von 13 Jahren reiste Inman zum ersten Mal nach Amerika, um für James Murray den Haushalt zu führen. 1744 kehrten beide vorübergehend nach Schottland zurück, um fünf Jahre später erneut nach Amerika zu segeln.
Im Gegensatz zu ihrem Bruder, der inzwischen verheiratet und Vater einer Tochter war, wollte Inman nicht nach North Carolina zurückkehren. Stattdessen entschied sie in Boston zu bleiben und eröffnete mit der finanziellen Unterstützung ihres Bruders ein Geschäft. Am 20. August 1750 erschien ihre erste Werbeanzeige in der Boston Evening-Post, die einzige Anzeige einer Frau. Durch ihre guten Kontakte in London konnte Inman ihre Kunden nach der neusten Mode ausstatten, was sie rasch zu einer erfolgreichen Ladenbesitzerin machte. Sie war so erfolgreich, dass sie 1754 eine Aushilfe einstellen konnte und über Inventar im Wert von 700 Pfund Sterling verfügte. Auch bildete sie junge Mädchen im Nähen und Sticken aus.
Während einer erneuten Reise nach London im Jahr 1754 erlernte Elizabeth Murray eine einfache Form der Buchhaltung. Ein Jahr später heiratete sie im Alter von 29 Jahren ihren ersten Ehemann Thomas Campbell, einen Händler und Kapitän seines eigenen Schiffes. Ihre Familien waren in North Carolina Nachbarn gewesen und somit alte Bekannte. Campbell stieg in das Geschäft seiner Frau ein und übernahm die Handelskorrespondenz. Er starb jedoch bereits nach kaum vier Jahren Ehe während einer Masernepidemie. Die Ehe blieb kinderlos.
Sozialer Aufstieg
Im März 1760 heiratete Elizabeth Murray Campbell ihren zweiten Ehemann, den fast vierzig Jahre älteren, reichen Zuckerfabrikanten James Smith. Vor der Eheschließung schloss sie jedoch einen Ehevertrag ab, nahezu unerhört im puritanischen Staat Massachusetts. Es war üblich, dass die Frau ihre legale Identität nach der Heirat aufgab und all ihre Besitztümer an ihren Mann verlor. Stattdessen verzichtete Smith formell auf jegliche gesetzliche und finanzielle Kontrolle seiner Frau, was Inman diverse Privilegien einbrachte. Sie behielt die Kontrolle über ihr Geschäft und ihre Besitztümer und konnte gleichzeitig auf eine großzügige Witwenversorgung rechnen, falls sie ihren Mann überlebte. Es machte sie zu einer der wohlhabendsten Frauen in Boston. Trotz des großen Altersunterschieds verlief die Ehe harmonisch und Smith nannte Inman „die Ehefrau meines Herzens“. Ein Jahr nach der Hochzeit ging Smith in den Ruhestand und das Paar bezog die Farm Brush Hill acht Meilen von Boston entfernt.
Inman setzte sich Zeit ihres Lebens dafür ein, dass Frauen sich finanziell selbst versorgen konnten. Ihr Bruder James schickte seine Nichte Annie Clark sowie seine beiden Töchter Dolly und Betsy zu Inman, damit sie in Boston neben den für Frauen traditionell als nötig betrachteten Fertigkeiten auch Arithmetik und Buchhaltung erlernten. Inman brachte Annie als Schülerin bei ihrer Bekannten Jannette Day unter und half der ledigen Mutter damit, in Boston als Lehrerin Fuß zu fassen. Als Day starb, nahm Inman deren verwaiste Tochter Jackie unter ihre Fittiche.
Unter ihren Zeitgenossen war Elizabeth Murray Campbell Smith Inman für ihre Großzügigkeit bekannt. Mehrmals betätigte sie sich als Sponsorin, um verwaisten, mittellosen jungen Frauen dabei zu helfen, ihr eigenes Geschäft aufzubauen. Anne Cuming, die nach dem Tod ihrer Mutter mit Inmans Hilfe gemeinsam mit ihrer Schwester einen kleinen Laden eröffnen konnte, nannte Murray ihre „freundliche Beraterin“, die sie und ihre Schwester „auf die Weise anleitete, die am meisten zu unserer gegenseitigen Zufriedenheit beitrug, ohne Rücksicht darauf, wie Ihre eigene Interessen darunter leiden würden, Ihr Eigentum den Händen zweier unerfahrener Mädchen anzuvertrauen.“
1769 starb Smith. Daraufhin unternahm Inman eine weitere Seefahrt nach England und brachte ihre Nichte Polly sowie einen Neffen nach Amerika, um sie auszubilden. Für Polly hatte sie eine Ausbildung zur Händlerin geplant. Sie selbst erklärte: „Ich ziehe ein nützliches Mitglied der Gesellschaft jeder feinen Kreatur dieses Zeitalters vor.“
Unabhängigkeitskrieg
Durch die angespannte politische Lage zwischen den amerikanischen Kolonisten und Großbritannien hatte sich Inmans finanzielle Situation bei ihrer Rückkehr verschlechtert. Zudem hatten ihre geschäftlichen Vertreter Fehler in der Buchhaltung gemacht, was zu zusätzlichen, finanziellen Belastungen führte. Am 26. September 1771 heiratete Elizabeth Murray Campbell Smith schließlich zum dritten Mal, diesmal Ralph Inman, den sie seit über zehn Jahren kannte. Als junge Ladenbesitzerin hatte er ihr Kredit angeboten. Auch diesmal ließ sie vor der Heirat einen Ehevertrag aufsetzen, um ihre eigenen Besitztümer zu schützen. Als Grund für die Ehe gab sie an, Hilfe bei der Verwaltung ihrer Güter zu benötigen. Bereits zwei Jahre später war sie jedoch mit der Ehe unzufrieden, trotz der großen Freiheiten, die sie genoss.
mini|Waffentransport der Amerikaner nach Cambridge während der Belagerung von Boston Hinzu kamen Schwierigkeiten aufgrund der Spannungen zwischen den amerikanischen Kolonien und Großbritannien. Sie gipfelten schließlich im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Obwohl sie zunächst mit der Unabhängigkeitsbewegung sympathisiert hatte, änderte sich Inmans Einstellung, nachdem befreundete Ladenbesitzerinnen wegen des Verkaufs englischer Ware massiv bedroht wurden und teilweise nur schlafen konnten, wenn sie fünf geladene Gewehre neben sich hatten. Während der Belagerung von Boston lebte Inman in Cambridge, einem Vorort von Boston, der von der rebellischen Armee als Hauptquartier genutzt wurde. Ihr Bruder James und ihr Mann Ralph Inman steckten zu dieser Zeit hinter den britischen Linien in Boston fest.
Im Gegensatz zu den meisten Frauen, die mit ihren Kindern vor den anrückenden Soldaten flüchteten, blieb Inman mit ihren Schützlingen in ihrem Familiensitz. Auf diese Weise konnte sie weiterhin ihre Ländereien bewirtschaften und vor allzu großem finanziellen Schaden bewahren. „Ich habe in meinem Leben viele Rollen gespielt“, sagte sie später, „aber ich hätte mir nie vorgestellt, dass ich die große Ehre erhalten würde, General zu sein.“ Zeitgenossen bescheinigten ihr Mut und Charakterstärke, die als für Frauen ungewöhnlich betrachtet wurden. Dennoch versuchte sie entsprechend der damaligen Geschlechterrollen, ihr Bleiben als ihre Pflicht gegenüber den Dienstboten, ihren Adoptivkindern und den Sklaven zu rechtfertigen.
Während des Krieges sah sie sich stellenweise gezwungen, mit den Rebellentruppen zu verhandeln und ihnen eine Zeitlang ihr Haus zur Verfügung zu stellen. Im Gegenzug wurde sie zunächst von General Israel Putnam unter seinen Schutz gestellt. Da ihr Mann und Bruder bekannte Loyalisten waren, wurde sie allerdings bisweilen der Spionage verdächtigt. All diese Faktoren führten zu massiven Spannungen zwischen den durch die Front getrennten Eheleuten, insbesondere als Ralph Inman 1775 beschloss, ohne seine Frau nach London zu fliehen und ihr vorwarf, gemeinsame Sache mit den Rebellen zu machen. Inman wies die Anschuldigungen entrüstet von sich. Trotz aller Anfeindungen kümmerten sie und ihre Nichten sich in Cambridge offen um britische Kriegsgefangene, indem sie sie mit Essen, Büchern und Kerzen versorgten. Erst 1776, als die Briten aus Boston evakuierten, sahen sich die Eheleute wieder, wenngleich die Ehe zerrüttet war. Inmans Nichte Betsy berichtete, Ralph Inman hätte seiner Frau „mehr Kummer bereitet, als ihre Freunde wussten“ und dass „seine Habgier und Exzesse“ sie auf das Krankenlager getrieben hätten.
Tod
Im Mai 1786 setzte Inman ihr Testament auf, ein Recht, das sie sich per Ehevertrag ausbedungen hatte. Darin verfügte sie, dass ihre Güter nach ihrem Tod unter ihren Nichten und Neffen aufgeteilt wurden, während Ralph Inman erst danach eine Jahresrente erhalten sollte. Sie wurde auf dem King’s Chapel Burying Ground beigesetzt, wo eine Informationstafel der Boston Parks and Recreation an sie erinnert. Ihr Porträt aus dem Jahr 1769, gemalt von John Singleton Copley, hängt im Museum of Fine Arts, Boston.
Literatur
Mary Beth Norton: A Cherished Spirit of Independence: The Life of an Eighteenth Century Boston Businesswoman. In: Women of America: A History. Houghton Mifflin Co., Boston, 1979, ISBN
Patricia Cleary: Elizabeth Murray. A Woman's Pursuit of Independence in Eighteenth Century America. University of Massachusetts Press, Boston, 2000, ISBN 1-55849-263-1
Katheryn P. Viens: Review: Elizabeth Murray: A Woman's Pursuit of Independence in Eighteenth-Century America by Patricia Cleary. In: The New England Quarterly, März 2001, Band 74, Nr. 1, S. 158–161
Weblinks
Einzelnachweise
Mary Beth Norton: A Cherished Spirit of Independence: The Life of an Eighteenth Century Boston Businesswoman. In: Women of America: A History. Boston 1979, S. 49
Mary Beth Norton: A Cherished Spirit of Independence: The Life of an Eighteenth Century Boston Businesswoman. In: Women of America: A History. Boston 1979, S. 50
Mary Beth Norton: A Cherished Spirit of Independence: The Life of an Eighteenth Century Boston Businesswoman. In: Women of America: A History. Boston 1979, S. 51
Mary Beth Norton: A Cherished Spirit of Independence: The Life of an Eighteenth Century Boston Businesswoman. In: Women of America: A History. Boston 1979, S. 52
Mary Beth Norton: A Cherished Spirit of Independence: The Life of an Eighteenth Century Boston Businesswoman. In: Women of America: A History. Boston 1979, S. 56
Mary Beth Norton: A Cherished Spirit of Independence: The Life of an Eighteenth Century Boston Businesswoman. In: Women of America: A History. Boston 1979, S. 58
Mary Beth Norton: A Cherished Spirit of Independence: The Life of an Eighteenth Century Boston Businesswoman. In: Women of America: A History. Boston 1979, S. 58 f.
Mary Beth Norton: A Cherished Spirit of Independence: The Life of an Eighteenth Century Boston Businesswoman. In: Women of America: A History. Boston 1979, S. 59
Patricia Cleary: Elizabeth Murray. A Woman's Pursuit of Independence in Eighteenth Century America. Boston 2000, S. 14
Patricia Cleary: Elizabeth Murray. A Woman's Pursuit of Independence in Eighteenth Century America. Boston 2000, S. 57
Patricia Cleary: Elizabeth Murray. A Woman's Pursuit of Independence in Eighteenth Century America. Boston 2000, S. 66
Patricia Cleary: Elizabeth Murray. A Woman's Pursuit of Independence in Eighteenth Century America. Boston 2000, S. 71
Patricia Cleary: Elizabeth Murray. A Woman's Pursuit of Independence in Eighteenth Century America. Boston 2000, S. 74
Patricia Cleary: Elizabeth Murray. A Woman's Pursuit of Independence in Eighteenth Century America. Boston 2000, S. 87
Patricia Cleary: Elizabeth Murray. A Woman's Pursuit of Independence in Eighteenth Century America. Boston 2000, S. 97