Heinz Lüdecke (* 22. August 1906 in Berlin; † 10. Juli 1972 in Ost-Berlin) war ein deutscher Kunsthistoriker und Kulturjournalist.

Leben und Werk Über die Herkunft und Ausbildung Lüdeckes fehlen Informationen. In der Weimarer Republik war Lüdecke Mitglied der KPD. Er arbeitete als Filmkritiker bei der "Roten Fahne" und Redakteur bei der "Roten Post" und der „Neuen Bücherschau“, Blätter der KPD, und wirkte in der Assoziation revolutionärer bildender Künstler (ASSO) mit.

1943 wies ihn das Berliner Adressbuch als Schriftsteller in der Potsdamer Straße 77 aus. Er dürfte also obligatorisch Mitglied der Reichsschrifttumskammer gewesen sein. Mit Büchern, die sich mit ideologisch unverdächtiger Technik befassten, wich er jedoch einer Anpassung an die nazistische Ideologie aus.Microsoft Word - Williams Verlag.doc Aus der Zeit des Nationalsozialismus sind bis 1936 auch unpolitische Essays in der Zeitschrift „Der Querschnitt“ belegt.

Nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Lüdecke zur Wehrmacht eingezogen, und er nahm am Krieg teil. Schwer krank kam er nach Kriegsende zurück nach Berlin. Er betätigte sich wieder als Mitglied der KPD, dann der SED. Ab 1946 arbeitete er als Kulturredakteur bei der Berliner Zeitung und von 1949 bis 1951 beim Neuen Deutschland. 1948 nahm er bei Anton Ackermann im Parteivorstand der SED an einer Beratung zum Umgang mit Karl Hofer teil, den die SED aus ideologischen Gründen gerne „wieder loshaben“ wollte.Günter Feist (Hrsg.): Kunstdokumentation SBZ/DDR. 1945–1990. DuMont, Köln, 1996, S. 60 Es ist nicht bekannt, welche Position der dort vertrat.

Von 1951 bis 1966 war Lüdecke verantwortlicher wissenschaftlicher Mitarbeiter der Sektion Bildende Kunst an der Akademie der Künste (DAK), zuständig für Editionsarbeit und die Kontakte zu Künstlern und Verlagen. Er war Mitglied der Staatlichen Kommission für KunstangelegenheitenFeist, S. 144, des Beirats der Zeitschrift Bildende Kunst, des Wissenschaftlichen Beirats des Instituts für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED und der Zentralen Sektionsleitung Kunstwissenschaft des Verbands Bildender Künstler der DDR.

Als 1951 im Zusammenhang mit der bevorstehenden großen Barlach-Ausstellung der DAK gegen den Künstler ideologische Vorwürfe aufkamen, erarbeitet Lüdecke mit Gerhard Pommeranz-Liedtke für das Präsidium der DAK eine Stellungnahme, die die selbstverständliche Verpflichtung der DAK hervorhob, „den großen deutschen Künstler Ernst Barlach zu ehren.“Feist, S. 51

Lüdecke war Herausgeber oder Autor einer bedeutenden Zahl von Büchern zu kulturhistorischen Sachverhalten, schrieb Vor- und Nachworte zu solcher LiteraturHorst Tannenberger, Reinhard Hillich (Hrsg. für die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften): Literatur in der SBZ/DDR. Bibliographische Annalen. De Gruyter. Akademie Forschung, 2021, S. 4140 und passim und veröffentlichte Literatur- und Ausstellungsrezensionen, u. a. auch in den Zeitschriften Bildende Kunst und Einheit.

Lüdecke war promoviert und hatte eine Professur. Er wurde u. a. mit dem Nationalpreis II. Klasse und dem Vaterländischen Verdienstorden in Bronze geehrt.

Lüdecke wohnte in Berlin-Biesdorf.

In Berlin-Marzahn wurde 1988 als Stadtteil-Bibliothek die Heinz-Lüdecke-Bibliothek mit 30.000 Medieneinheiten eröffnet. Sie hatte anfangs neun Mitarbeiter und wurde 2003 geschlossen.

Publikationen (Auswahl) Als Autor in der Zeit des Nationalsozialismus

Vom Zaubervogel zum Zeppelin. Eine Geschichte der Luftfahrt und des Fluggedankens. Kurt Wolff Verlag, Berlin, 1936 Schiffe erobern die Luft. Kurt Wolff Verlag, Berlin, 1938 Williams' neues Autobuch oder Wer gewinnt die Wette? Williams & Co., Berlin, 1939 (mit Zeichnungen von Oskar Nerlinger)

Als Autor oder Herausgeber in der DDR Anmerkung: Es lagen in den meisten Fällen keine sicheren Angaben vor, ob Lüdecke Autor oder Herausgeber war.

Zeit, die uns liebt. Ein Gedenkbuch für Susanne Kerckhoff. Mit Beiträgen von Arnold Zweig und Paul Rilla. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale), 1950. Leonard da Vinci im Spiegel seiner Zeit. Rütten & Loening, 1952 Lucas Cranach der Ältere im Spiegel seiner Zeit. Aus Urkunden, Chroniken, Briefen, Reden und Gedichten. Rütten & Loening, Berlin, 1953 Auf dem Weg. Zwanzig Aufsätze über bildende Kunst, Literatur und Kulturpolitik. Henschelverlag, 1954 (als Autor) Dürer und die Nachwelt. Urkunden, Briefe, Dichtungen und wissenschaftliche Betrachtungen aus vier Jahrhunderten. Rütten & Loening, Berlin, 1955 (mit Susanne Heiland) Albrecht Dürers Wanderjahre. Ein Beitrag zur Geschichte des Realismus in der deutschen Graphik. Verlag der Kunst, 1958 (als Autor) Otto Pankok. Verlag der Kunst, 1958 (Reihe Künstler der Gegenwart) Otto Herbig. Verlag der Kunst, 1959 (Reihe Künstler der Gegenwart) Um die Jahrhundertwende. Künstlergeschichten. Henschelverlag, 1959 (Reihe Künstlergeschichten; mit Illustrationen von Paul Rosie) Hans Theo Richter. Verlag der Kunst, 1961 Altdeutsche Malerei und Zeichnung. Seemann Verlag, 1961 Eugene Delacroix und die Pariser Julirevolution. Deutsche Akademie der Künste, 1965 Fernand Legér. Verlag der Kunst, 1967 Grünewald. Verlag der Kunst, 1971 (Reihe Künstler und Werk) Albrecht Dürer. Verlag der Kunst, 1971 (Reihe Künstler und Werk) Otto Dix. Verlag der Kunst, 1971 (Reihe Künstler der Gegenwart)

Literatur

Ulrich Kuhirt: Prof. Dr. Heinz Lüdecke 1906–1972. In: Bildende Kunst, Berlin, 1972, S. 453

Einzelnachweise

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