Der Staatsstreich in den Komoren 1978 (fr.: 1978 Comorian coup d'état, - anqilab juzur alqamar 1978) war ein Putsch unter Führung des französischen Söldners Bob Denard und des komorischen Politikers Said Atthoumani in den Komoren. Er führte am 13. Mai 1978 zum Sturz des dritten Präsidenten der Komoren, Ali Soilih M’Tshashiwa. Der Putsch wurde von Ex-Präsident Ahmed Abdallah und Ex-Vizepräsident Mohamed Ahmed finanziert. Nach dem erfolgreichen Putschversuch ernannten sich Ahmed Abdallah und Mohamed Ahmed zu gemeinsamen Präsidenten. Kurz darauf wurde Ahmed Abdallah jedoch zum alleinigen Präsidenten ernannt. Soilih wurde daraufhin gefangen genommen, gefoltert und bei einem Fluchtversuch getötet.
Hintergrund
Nach dem Sturz des Gründungspräsidenten Ahmed Abdallah wurde Ali Soilih als populistischer Führer eingesetzt. Mit seiner radikalen Politik, die individuelle Freiheiten einschränkte, Religion unterdrückte und eine revolutionäre Kultur förderte, entfremdete er sich bald der überwiegend muslimischen Bevölkerung des Landes. Zu den Einschränkungen unter seinem Regime gehörten Verbote religiöser Praktiken und traditioneller Zeremonien, mit dem Ziel, einen säkularen Staat nach maoistischen Prinzipien zu errichten. Als symbolische Geste des Bruchs mit der Vergangenheit ordnete Präsident Soilih die Zerstörung der Regierungsarchive an.
Die Politik von Präsident Soilih, verbunden mit dem Rückzug der französischen Entwicklungshilfe und des französischen Staatsdienstes aus dem Land, verschärfte die ohnehin schon prekäre Wirtschaftslage, die durch hohe Arbeitslosigkeit und sinkenden Lebensstandard gekennzeichnet war.
Ablauf Vom 12. bis 13. Mai 1978 putschte eine Gruppe ausländischer Söldner unter der Führung von Bob Denard gegen Präsident Soilih und tötete fünf Menschen. Im Anschluss wurde unter der Führung von Said Attoumani, einem Minister der Abdallah-Regierung, der den Putsch mit angeführt hatte, eine provisorische Regierung gebildet. Die neue Regierung beanspruchte, die unter Soilih verweigerten Rechte wiederherzustellen, darunter Religionsfreiheit, das Recht auf traditionelle Hochzeitszeremonien und das Recht auf freie Nutzung des persönlichen Eigentums.
Nachwirkungen Nach einigen Tagen der Herrschaft der provisorischen Regierung kehrten der ehemalige Präsident Ahmed Abdallah und der ehemalige Vizepräsident Mohamed Ahmed, beide Finanziers des Putschversuchs, aus ihrem dreijährigen Exil in Paris nach Moroni zurück und ernannten sich selbst zu gemeinsamen Präsidenten. Am 24. Mai proklamierten sie die Föderale und Islamische Republik der Komoren. Schon bald darauf wurde Abdallah jedoch zum alleinigen Exekutivchef ernannt.
Am 29. Mai wurde Ali Soilih erschossen, als er angeblich versuchte, aus dem Hausarrest zu fliehen. Die Regierung behauptete, er sei bei dem Versuch, mit „fremden Personen“ („outside elements“) zu fliehen, tödlich verwundet worden. Andere Quellen behaupten jedoch, Soilih sei mit einem Bajonett erstochen worden.
Einzelnachweise
Komoren #1978 Kategorie:Geschichte (Komoren) Kategorie:Konflikt 1978 Kategorie:Ereignis auf den Komoren