Ich weiß ein ewiges Himmelreich, auch Ich weiß mir ein ewigs Himmelreich ist ein deutsches geistliches Lied vom Anfang des 17. Jahrhunderts.
Geschichte mini|Es liegt ein Schloss in Österreich Die frühe Geschichte des Liedes ist wenig erforscht. Wir wissen nicht, wann genau und wo es entstanden ist; auch sein Autor ist unbekannt. Gesichert ist, dass es sich um eine geistliche Kontrafaktur mit zehn vierzeiligen Strophen der im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert sehr beliebten Volksballade Es liegt ein Schloss in Österreich handelt. Die derzeit frühesten bekannten Drucke stammen aus dem Jahr 1609: ein Einblattdruck, wo das Lied der Nachricht über einen tödlichen Hauseinsturz in Erfurt beigegeben ist,Warhafftiger/ erbærmlicher vnd || Hertzbetrübter Zustand/ || Welcher sich begeben || vnd zugetragen hat/ den 6. || Februarij dieses instehenden 1609. Jars/ in || der lœblichen vhralten Friedestatt Erffurt... 1609, Lüneburg Ratsbücherei: DL 124 (20), siehe Q-1611 in Eberhard Nehlsen: Liedflugschriften des 15. bis 18. Jahrhunderts: Quellenverzeichnis. (2024), abgerufen am 11. September 2026 sowie die Sammlung Fünf schöne neue geistliche Lieder: das erste Ich weiß ein ewiges Himmelreich, verlegt und gedruckt in Nürnberg bei Johann Lantzenberger.Digitalisat des Exemplars der Staatsbibliothek Berlin, Q-5024 bei Eberhard Nehlsen: Liedflugschriften des 15. bis 18. Jahrhunderts: Quellenverzeichnis. (2024), abgerufen am 11. September 2026 Ein Druck von 1611 ist in der British Library erhalten.Teil der Liedblattsammlung BL 11515.a.53, siehe Elizabeth Mincoff-Marriage: Volkslieder aus der badischen Pfalz. Niemeyer, Halle 1902, S. 20 1612 nahm der Hamburger Drucker Paul Lange es Im Thon: Es ligt ein Schlößlein in Oesterreich in sein Christliches Gesangbüchlein auf.Christliches Gesangbüchlein: Darinnen viel schöne Geistliche Lieder und Gesenge aus Gottes Worte verfasset und zusammen getragen / Von Hohen Fürstlichen und Adelichen Personen mit eigenen Henden geschrieben. Paul Lange, Hamburg 1612, (VD17 4620:761322R, Digitalisat, BNU Strasbourg), S. 179–181 Kurz danach, 1613, wurde es als drittes Lied einer kleinen Sammlung Drey schöne Newe Geistliche Lieder gedruckt.Drey schöne Newe Geistliche Lieder. 1613 Digitalisat des Exemplars der Staatsbibliothek Berlin Diesen Druck nahm Philipp Wackernagel zur Grundlage seiner Edition.Das deutsche Kirchenlied von der ältesten Zeit bis zu Anfang des XVII. Jahrhunderts. Band 5. Teubner, Leipzig 1877, V. S. 478f, Nr. 738.
Text mini|Strophen 1 bis 8 (1609) mini|Strophen 9 und 10 (1609) Während die zugrundeliegende Ballade die schreckliche Geschichte eines unschuldig eingekerkerten und dann hingerichteten Knaben und dessen Rächung erzählt, handelt es sich bei der geistlichen Kontrafaktur um ein Pilgerlied. Ich weiß ein ewiges Himmelreich. In: Albert Fischer: Kirchenlieder-Lexicon: Hymnologisch-literarische Nachweisungen über ca. 4500 der wichtigsten und verbreitetsten Kirchenlieder aller Zeiten in alphabetischer Folge nebst einer Übersicht der Liederdichter. Band 1. Perthes, Gotha 1878, S. 355f In zehn Strophen wird der Weg des gläubigen Menschen aus der Welt ins Vaterland, das Himmelreich gewiesen. Die Strophen 1 bis 3 beschreiben das schön gebaute Himmelreich, in dem Jesus wohnt, meine Zuflucht im Gegensatz zur Existenz des Ich-Erzählers, der ein armer Pilgrim ist. Auf die Bitte des Pilgrims hin, ihn nicht zu verlassen, antwortet Jesus in den Strophen 4 bis 6: er hat den Menschen mit seinem Blut erlöst und verspricht Vergebung der Sünden und Trost und Zuflucht zu sein. Die konditionale Formulierung in Strophe 5 Wenn du bist fromm und brauchst bei Zeit der heiligen Sakramenten ist eher ungewöhnlich für ein im protestantischen Umfeld entstandenes Lied – aber wir wissen zu wenig über seinen Ursprung. Bemerkenswert ist Strophe 7 mit ihrer deutlichen Bildsprache zum Weinen als Kontinuum des menschlichen Daseins auf dieser Welt. In Strophe 8 erfolgt dann der Umschwung Doch ich weiß... mit der Hoffnung auf die Auferweckung am Jüngsten Tag. Strophe 9 und 10, die in vielen späteren Ausgaben fehlen, runden das Lied mit einer Aufforderung zum Gotteslob ab.
Ballade Text 16091. Es liegt ein Schloß in Oesterreich Das ist ganz wol erbauet Von Silber und von rotem Gold Mit Marmelstein vermauret.
2. Darinne liegt ein junger Knab Auf seinen Hals gefangen Wol vierzig Klaster tief unter der Erd Bei Nattern und bei Schlangen.
3.Sein Vater kam von Rosenberg wohl für den Turm gegangen: „Ach Sohne, liebster Sohne mein, wie hart liegst du gefangen.“
(14 weitere Strophen)1. Ich weis ein Ewiges Himmelreich Das ist gantz schön gebawet / Nicht von silber noch rotem Golt/ Mit Gottes Wort gemawret.
2. Darinn da wohnet Gottes Sohn / Das Jesu Kindlein fromme / Zu welchem all mein Zuflucht steht / Biß daß ich zu ihm komme.
3. Ein armer BilgramPilgrim, Pilger bin ich genand / muß wandern meine Strassen / in das ewige Vaterlandt / bitt wollst mich nicht verlassen.
4. Mit meinem Blut bistu erlöst / ich hab dich lieb von Hertzen trage nur gedult im Leiden dein / ich wil wenden deine Schmerzen.
5. Wann du bist from und brauchst bey zeit die heiligen Sakaramenten / all deiner Sünd und Missethat / wil ich nicht mehr gedencken.
6. Wann du gleich bist von jederman / verlassen hie auff Erden / wil ich auff deiner Seiten stehn / dein Trost unnd Zuflucht werden.
7. Weinen war meine erste stimm /1612: Weinen war auch mein erste stimm mit weinen war ich gebohren / mit weinen tregt man mich wider hin / den Würmern zur Speise erkoren.
8. Doch weiß ich daß dieser mein Leib / im Grabe nicht werde bleiben / am Jüngsten Tag von Engeln schon / erweckt zur ewigen Frewden.
9. Das woll uns helffen JEsus Christ / der für uns ist gestorben / und uns durch seinen bittern Todt/ das Himmelreich erworben.
10. Last uns bitten alle zugleich / den Herrn alle zusammen / für seine Grosse Gütigkeit/ Durch Jesum CHristum. Amen.
Rezeption Im 17. und 18. Jahrhundert fand das Lied eine weite Verbreitung. Es findet sich in den Gesangbüchern Straßburg 1648 (als Ich weiß mir ein ewigs Himmelreich, überschrieben: „Ein ander tröstliches Lied“), Magdeburg 1654, Darmstadt 1687, Corbach 1693 und 1718. Mit dem 1759 in Germantown von Johann Christoph Sauer gedruckten Marburger Gesangbuch kam das Lied nach Pennsylvania, wo es sowohl in lutherischen als auch in mennonitischen Gemeinden gesungen wurde.Siehe die Gesangbücher auf hymnary.org Im 19. Jahrhundert nimmt seine Verbreitung stark ab. 1888 wurde es noch in das von der Gemeinschaftsbewegung geprägte Kropper Gesangbuch aufgenommen. In heutigen Gesangbüchern ist es nicht mehr enthalten.
Eine frühe dänische Übersetzung Eg veed et evigt Himmerig schuf Hans Christensen Sthen.
„Eg veit i himmerik ei borg“ mini|Eg veit i himmerik ei borg Die größte Nachwirkung hat das Lied hingegen bis heute in seiner norwegischen Übersetzung Eg veit i himmerik ei borg entfaltet. Diese wurde 1905 vom Theologieprofessor und späteren Bischof Bernt Støylen geschaffen. Sie erschien zunächst in einer Gedichtsammlung und fand wenig später, verbunden mit einer Volkslied-Melodie aus Hallingdal, Eingang in die norwegischen Gesangbücher wie das Nynorsk salmebok von 1925. Das Lied ist bis heute sehr beliebt und wurde von vielen Interpreten aufgenommen, darunter Sissel Kyrkjebø mit dem Tabernacle Choir. Die Strophen 1 bis 3 und 10 wurden auch als Gemeindelied beim Trauergottesdienst im Osloer Dom als Teil des Staatsbegräbnisses von König Harald V. am 9. September 2026 gesungen.KONG HARALD V: gravferd i oslo domkirke. Gottesdienstprogramm, abgerufen am 10. September 2026
Literatur Philipp Wackernagel: Das deutsche Kirchenlied von der ältesten Zeit bis zu Anfang des XVII. Jahrhunderts. Band 5. Teubner, Leipzig 1877, S. 478f, Nr. 738. Ich weiß ein ewiges Himmelreich. In: Albert Fischer: Kirchenlieder-Lexicon: Hymnologisch-literarische Nachweisungen über ca. 4500 der wichtigsten und verbreitetsten Kirchenlieder aller Zeiten in alphabetischer Folge nebst einer Übersicht der Liederdichter. Band 1. Perthes, Gotha 1878, S. 355f.
Weblinks
Ich weiß ein ewiges Himmelreich in der Datenbank hymnary.org
Einzelnachweise
Kategorie:Lied (17. Jahrhundert) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (17. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Kirchenlied