mini|El Oro Blattsteiger im Vergleich zu einer 50-Eurocent-Münze mini|Eine relativ häufig gepflegte Lokalform des El Oro Blattsteigers mit dominierender rotbrauner Färbung Der El Oro Blattsteiger (Epipedobates anthonyi), auch als Dreifarbiger Baumsteiger, Dreistreifen-Baumsteiger, Dreistreifen-Blattsteiger, Dreifarben-Blattsteiger oder Anthonys Baumsteiger bezeichnet, ist ein bodenbewohnender Froschlurch aus der Familie der Baumsteigerfrösche (Dendrobatidae; auch: Pfeilgiftfrösche oder Dendrobatiden, meist als Dendrobaten bezeichnet). Er ist im Südwesten von Ecuador und im Nordwesten von Peru beheimatet. Der deutschsprachige Trivialname El Oro Blattsteiger ist nach dem Typenfundort (Terra typica) dieser Art gebildet, der in der ecuadorianischen Provinz El Oro liegt. Der El Oro Blattsteiger ist als Terrarientier und aufgrund seiner Gifte bedeutsam. So wurde der Putin -Kritiker Alexei Nawalny mit dem Gift Epibatidin ermordet, das an dieser Froschart entdeckt worden war. Viele Jahre wurde die Art fälschlicherweise als Epipedobates tricolor bezeichnet. Dies ist jedoch eine andere Species.
Etymologie Epipedobates anthonyi wurde nach dem US-amerikanischen Zoologen und Paläontologen Harold Elmer Anthony benannt. Somit ist das Epitheton anthonyi ein Dedikationsname. Anthony war wissenschaftlicher Mitarbeiter am American Museum of Natural History und leitete von 1910 bis 1936 Anthony viele Expeditionen nach Süd- und Mittelamerika sowie in die Karibik. Anthony sammelte die Typenserie in Ecuador. Weitere Tiertaxa, die nach Harold Elmer Anthony benannt wurden, sind Hypsugo anthonyi, Scolopax anthonyi, Caprimulgus anthonyi, Puma concolor anthonyi (invalides (ungültiges) Taxon), Stenoderma rufum anthonyi und Artibeus anthonyi. Den Gattungsnamen Epipedobates kann man von griechischen Wörtern ableiten: „epi“(-) ist eine griechische Präposition und Vorsilbe mit der Bedeutung „auf“, der griechische Begriff „pédon“ bedeutet „(Erd-)Boden“ und „(-)bates“ kann von „βαίνω“ (baínō, „gehen; schreiten“) abgeleitet werden. Die Epipedobates-Arten sind demnach nach ihrer bodenbewohnenden Lebensweise in ihrem Gattungsnamen benannt.
Die deutschsprachige Bezeichnung El Oro Blattsteiger bezieht sich auf die Provinz El Oro (; el oro = dt. das Gold) im Südwesten von Ecuador, den Typenfundort (Holotyp) von E. anthonyi (Salvias, El Oro, Ecuador). Diese Provinz liegt an der Grenze zu Peru. Deren östlicher Bereich ist bergig. Unter einem Typus versteht man in der Biologie ein ausgewähltes Individuum, das die Grundlage einer wissenschaftlichen Erstbeschreibung bildet. Als Blattsteiger (Phyllobates; von und ) wird eine Gattung von Froschlurchen aus der Unterfamilie der Baumsteigerfrösche (Dendrobatidae) bezeichnet. Zudem gibt es mehrere deutschsprachige Trivialnamen wie Dreifarbiger Baumsteiger, Dreistreifen-Baumsteiger, Dreistreifen-Blattsteiger, Dreifarben-Blattsteiger oder Anthonys Baumsteiger, was unter anderem auf die Bedeutung dieser Art in der Terraristik hinweist.
Der englische Vernakulärname Anthonys Poison-arrow Frog nimmt wie die wissenschaftliche Artbezeichnung und die deutschsprachige Benennung Anthonys Baumsteiger Bezug auf den Entdecker der Art.
Fehleinordnungen mini|Epipedobates tricolor aus Zentral-Ecuador, gesammelt im Rahmen taxonomischer Feldforschungen. Lange Zeit wurden die in Terrarien gehaltenen E. anthonyi fälschlich als E. tricolor bezeichnet. E. tricolor hat in Gegensatz zu E. anthonyi auffällige rote bis orangefarbene Signalflecken, hier als roter Axillarfleck am Oberarmansatz und als roter Streifen in der Hüftbeuge bzw. am Schenkelansatz zu sehen (Inguinalfleck). Bei den Verwandtschaftsverhältnissen von Epipedobates anthonyi und Epipedobates tricolor gab es bis in das Jahr 2004 Verwirrung. Im Handel wurde E. anthonyi lange Zeit als E. tricolor angeboten, dies beruht vermutlich auf einer Fehlbestimmung durch den Botaniker und Herpetologen Philip Arthur Silverstone-Sopkin (Autorenkürzel ) im Jahr 1976. Für den Ex-situ-Artenschutz sind die Artunterschiede jedoch bedeutsam. Nach heutigem Wissensstand bilden die drei Arten E. anthonyi, E. machalilla und E. tricolor einen eng miteinander verwandten Komplex, deren Mitglieder sich sehr ähnlich sehen und dabei gleichzeitig auch innerhalb der Art hoch variabel sind. Frösche. Lange Zeit wurden E. anthonyi und E. tricolor verwechselt. Daher werden beide im deutschsprachigen Raum mit der Bezeichnung Dreistreifen-Baumsteiger versehen. „Entweder wurden beide Arten als synonym betrachtet, oder es wurde fälschlich die Mehrzahl der bekannten Tiere als E. tricolor bezeichnet, obschon sie zu E. anthonyi gehören. Erst Graham et al. (2004) stellten fest, dass beide Arten sich nicht nur genetisch voneinander unterscheiden, sondern dass sich zwischen ihren Verbreitungsgebieten auch ein Korridor von immerhin 200 km Breite auftut. Beide Arten sind also als deutlich voneinander getrennt zu betrachten.“Zitiert nach: Dieser Feststellung lag eine kombinierte Untersuchung aus modellierten Umweltparametern und DNA-Analysen zugrunde. Umweltparameter sind messbare Größen, die zur Bewertung und Überwachung von Umweltbedingungen verwendet werden. Eingeschoben zwischen den Fundorten der nördlichen (E. tricolor ) und südlichen Populationen (E. anthonyi ) liegt zudem das Verbreitungsgebiet von Epipedobates machalilla (COLOMA, 1995) .
Die in den Terrarien gehaltenen Dreistreifen-Baumsteiger wurden lange Zeit als E. tricolor bezeichnet. Mit der Studie von 2004 stellte sich aber heraus, dass es sich bei diesen in Wirklichkeit um E. anthonyi handelt, den El Oro Blattsteiger. Weiterhin ist für sie jedoch in der Praxis auch der Vernakulärname Dreistreifen-Baumsteiger gebräuchlich. E. tricolor wurden gezielt hingegen erst viel später und in geringer Zahl über die ecuadorianische Artenschutzorganisationen „Centro Jambatu de Investigación y Conservación de Anfibios“ (kurz: Centro Jambatu) und ihren Vertriebsarm „WIKIRI Selva Viva“ (kurz: WIKIRI) nach Europa importiert. Anders als E. anthonyi ist E. tricolor eine gefährdete Art. So gut wie alle in der Terraristik bislang gepflegten Dreistreifen-Baumsteiger gehören also zur nicht gefährdeten Art E. anthonyi, während der stark gefährdete E. tricolor kaum gehalten wird.
Die durch die Fehlbezeichnung ausgelöste Verwirrung hielt über Jahrzehnte an.
Merkmale Die adulten Frösche haben eine Kopf-Rumpf-Länge von 22 bis 22,7 Millimetern bei den Weibchen beziehungsweise 20 bis 20,5 Millimetern bei den Männchen. Die Kopf-Rumpf-Länge des Holotypen beträgt 21 mm, seine maximale Kopfbreite liegt bei 6,5 mm. Die Adulti weisen drei türkis- bis cremefarbene Streifen auf dunkelrotbrauner, rötlicher, weinroter, hellbrauner bis schwarzer Grundfarbe auf, teils ist die Grundfarbe auch grünlich. Die Streifen bestehen aus einem breiten Mittelstreifen und jeweils zwei dorso- und ventrolateralen Seitenstreifen. Bei manchen Morphen sind diese Farbmuster „fast fluoreszierend“ (Fischer 2015). Der mittlere Rückenstreifen kann weiß, gräulich, cremefarben, gelblich oder hellblau sein, auch kann er verbreitert, seitlich ausgebuchtet, stellenweise unterbrochen sein oder gänzlich fehlen. Die Bauchseite ist weiß oder leicht gelblich und weist eine dunkelbraune Marmorierung auf. Der wissenschaftliche Mitarbeiter der Universität Bayreuth Jan-Christopher Fischer schreibt in seiner Diplomarbeit: „Insgesamt weist E. anthonyi eine derart große Variation in Musterungen und Färbungen auf, dass die Vermutung von mehreren Arten nahe liegt (Verkade und Verkade 2011). Es sind auch deutliche Variationen in Musterungen und Flecken innerhalb einzelner Populationen überliefert (Silverstone 1976)“
Bei den Geschlechtsunterschieden gilt der bei Männchen geschwollene dritte Finger und die ausgeprägte Schallblase im Halsbereich als wichtiges Unterscheidungsmerkmal. Bei der etwas größeren verwandten Art E. tricolor sind kräftig rote Signalflecken unter anderem auf dem Oberarmansatz und an der Innenseite der Unterschenkel festzustellen. Diese fehlen bei E. anthonyi. Während E. anthonyi weiße Knochen hat, sind sie bei E. tricolor grün. Der erste Finger ist bei E. anthonyi etwas länger als der zweite. Auf dem Mittelfuß befinden sich zwei leicht hervorstehende Knoten. Die Tiere können in Gefangenschaft ein Alter von 10 bis 15 Jahren erreichen. mini|Epipedobates anthonyi „Tierra Alta“ als Beispiel für eine von den üblicherweise gehaltenen Formen abweichende Färbung und Musterung einer Lokalform (Morphe), ex situ. „Tierra Alta“ bedeutet „Hochland“. Typisch für diese Morphe sind die vergleichsweise breiten Rücken- und Seitenstreifen, deren - bei dem Tier auf dem Foto türkise - Färbung eine größere Fläche einnimmt. Diese Streifen können mehr oder wenige miteinander verschmelzen, sodass deren Färbung den größten Anteil der Dorsalfärbung ausmachen kann.|alt=Ein El Oro Blattsteiger der Morphe Tierra Alta, was Hochland bedeutet. Ein kleiner Frosch in einem Terrarium mit brauner Grundfarbe und vergleichsweise breiten, auf der Vorderseite des Frosches miteinander verschmolzenen türkisfarbenen Streifen E. anthonyi ist sehr variabel in Zeichnung und Färbung. Die Tiere verschiedener Fundorte unterscheiden sich erheblich, in der Terraristik gehaltene Arten können jedoch von Experten bestimmten Fundorten zugeordnet werden. Diese Lokalformen werden auch so benannt (wie zum Beispiel E. anthonyi, E. anthonyi „Santa Marta“, E. anthonyi „Río Saladillo“, E. anthonyi „Rio Jubones“, E. anthonyi „Tierra Alta“ (siehe Abbildung), E. anthonyi „Santa Isabell“, E. anthonyi „Chilla“, E. anthonyi „Giron“, E. anthonyi „Paccha“, E. anthonyi „Pucara“, E. anthonyi „Salvias“, E. anthonyi „Sarayunga“). Dazu gibt es individuell an einem Fundort ebenfalls Unterschiede. Aus errechneten Daten von Nutzern der Datenbank Dendrobase für Arten der Überfamilie Dendrobatoidea ergibt sich, dass von ihnen am meisten von der Grundfarbe her rot oder rotbraun gefärbte Lokalformen gehalten werden, am häufigsten „Santa Marta“ und am zweithäufigsten „Santa Isabel“.
Systematik Gattung
Die Baumsteigerfrösche der Gattung Epipedobates werden in der Überfamilie der Pfeilgiftfroschverwandtschaft (Dendrobatoidea) und in der Familie der Eigentlichen Pfeilgiftfrösche (Familie Dendrobatidae) in die Unterfamilie Colostethinae gestellt. In der Gattung Epipedobates sind derzeit fünf bis sieben Arten anerkannt. Die Angehörigen dieser Gattung sind westlich der Anden beziehungsweise an ihren Ausläufern im Nordwesten Südamerikas (Peru, Ecuador, Kolumbien) verbreitet.
Ehemalige West-Anden-Klade E. anthonyi ist Teil der ehemaligen „West-Anden-Klade“ oder westandinen Klade der Gattung Epipedobates (Epipedobates sensu Grant et al. 2006). Diese als evolutive Einheit angesehene Gruppe trennte sich dieser Hypothese nach vor rund 10 Millionen Jahren durch die Hebung der Anden von der amazonischen (ostandinen, amazonisch-guynaishen) Klade.Mark Clough, Kyle Summers: Phylogenetic systematics and biogeography of the poison frogs: evidence from mitochondrial DNA sequences In: Biological Journal of the Linnean Society (2000) 70: S. 515–540 Unter einer Klade (wörtlich „Zweig“) versteht man in der Biologie eine geschlossene Abstammungsgemeinschaft. Epipedobates bildet eine monophyletische Linie mit derzeit laut Dendrobase 5 Arten. Die ostandinen Froschtaxa, die früher zum Beispiel als Ost-Anden-Klade ebenfalls zur Gattung Epipedobates gezählt wurden, sind aktuell der Gattung Ameerega zugeordnet.
Erstbeschreibung und Synonyme Die Erstbeschreibung von E. anthonyi erfolgte im Jahr 1921 durch den US-amerikanischen Zoologen Gladwyn Kingsley Noble anhand von Exemplaren, die H.E. Anthony an einem kleinen Bachlauf in der Nähe von Salvias (El Oro, Ecuador) im Vorjahr gesammelt hatte. Anfänglich wurde die Art als Phyllobates anthonyi bezeichnet (Noble 1921), dies ist demnach eines Synonyme für die Art.