Die Biene und der Kurt ist Robert Seethalers Debütroman. Er erschien erstmals 2006 bei Kein & Aber.

Inhalt Die sechzehnjährige Biene macht sich aus einem katholischen Mädchenheim davon. Auf ihrer Flucht begegnet sie dem dicklichen, kettenrauchenden Kurt, der seit 25 Jahren mit seinem „Heartbreakin'-Mobil“ durch die Lande zieht und vor kleinem und kleinstem Provinzpublikum mit einem Programm auftritt, das aus Rock ’n’ Roll und Schlagern besteht. Er nimmt sie für kurze Zeit – wie er meint – in seinem alten Wohnmobil auf. Nachdem ihm aber nach dem nächsten Auftritt vom Gatten einer Bäuerin, die frenetisch Beifall geklatscht hat und anschließend mit dem „Herzensbrecher“ Kurt fremdgegangen ist, eine Hand gebrochen worden ist, rettet Biene sein nachfolgendes Engagement, indem sie sich innerhalb von drei Tagen rudimentäre Keyboard-Künste aneignet und mit ihm auf die Bühne geht. Der große Durchbruch, auf den das Duo hofft, das bald darauf als Vorgruppe für einen singenden „Cowboy“ gebucht wird, scheitert allerdings an Kurts Nervosität, der sich schon vor dem Auftritt betrunken hat und sowohl Text als auch Melodie seines ersten Songs vergisst. Er wird von dem blaugekleideten „Cowboy“ erniedrigt und schließlich zusammen mit seiner „Honey-Bee“ aus dem Saal geworfen.

Ausgerechnet in dieser Vorstellung sitzt Frau Kämmerle, die Leiterin des Heims, aus dem Biene geflohen ist, und nimmt die Verfolgung ihres Schützlings wieder auf. Biene entkommt ihr aber, findet Kurt wieder, der gerade dabei ist, einen missglückenden Selbstmordversuch zu unternehmen, und macht mit diesem nach einer Liebesnacht das Wohnmobil wieder flott, das Kurt bei dem Versuch, sich in einem Teich zu ertränken, im Schlamm festgefahren hat. Bei der Weiterfahrt erblicken sie den blauen Cadillac des singenden „Cowboys“, halten an und nehmen Rache. Nachdem sie ihn verprügelt haben, wird der „Cowboy“, seiner blonden Perücke beraubt und mit verschmierten Kajalstrichen im Gesicht, mit Klebeband an einen Plakatständer gefesselt zurückgelassen.

Ein ehrgeiziger Jungpolizist, der mit einem Polizeiauto die Verfolgung des Wohnmobils aufnimmt, verfehlt zwar die junge Frau, als er mit dem Revolver nach Biene schießt, die ihn von der Hecktür des Wohnmobils aus provoziert, aber eine der Kugeln durchschlägt den Fahrersitz, sodass Kurt schließlich blutend in sich zusammensinkt. Er stirbt in Bienes Armen – wie er es sich gewünscht hat, als Rock 'n' Roller in seinen Stiefeln und bei Sonnenuntergang.

Biene wird in das Mädchenheim zurückgebracht, flüchtet aber alsbald erneut. Am Ende des Romans ist sie mit dem „Heartbreakin'-Mobil“ in Tennessee unterwegs, auf dem Weg zum Haus des musikalischen Vorbilds Kurts.

Rezeption und Entstehung Der Rowohlt-Theaterverlag, der die Bühnenfassung des Romans vermarktet, bezeichnete Seethalers Werk als „eine atmosphärische Geschichte über Freiheit, Sehnsucht und zwei liebenswerte Außenseiter“. Michaela Schmitz befand, was Robert Seethaler da geschaffen habe, sei eine „rührende Mischung“ und es werde einem beim Verfolgen der Schicksale der beiden Sonderlinge zugleich leicht und schwer ums Herz. Eine Leserin urteilte allerdings, bei diesem Buch sei das „Fass an Skurrilität ein bisschen übergelaufen“ und man wolle sich die Beziehung zwischen der Sechzehnjährigen und dem angejahrten Musiker lieber gar nicht so genau vorstellen, wohingegen auf readpack.de zu lesen war: „[I]ch hätte nie geahnt[,] wohin sich dieses kleine Roadmovie entwickeln wird, so viel Gefühl hätte ich dieser kleinen Geschichte irgendwie nicht zugetraut. Robert Seethaler hat es geschafft, dass alle Charaktere, so absurd sie auch zuerst wirken mögen, wirklich und wahr erscheinen. Man muss einfach mit Biene und Kurt mitfühlen. Die beiden Außenseiter haben so viel Herz und versprühen in aller Tragik noch so viel Leben und Liebe.“

Der Roman ist eine Weiterentwicklung des Drehbuchs Heartbreakin’, das zwar im Jahr 2005 den Tankred-Dorst-Drehbuchpreis erhalten hatte, aber nicht verfilmt worden war. Für den Roman erhielt Seethaler den Debütpreis des Buddenbrookhauses in Lübeck. 2020 fand die Uraufführung der Theaterfassung des Romans an der Württembergischen Landesbühne Esslingen unter der Regie von Christine Gnann statt. Biene wurde von Lara Haucke gespielt, Kurt von Martin Theuer.

Einzelnachweise

Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (Österreich) Kategorie:Robert Seethaler