mini|Giovanni Antonio Sogliani: Madonna mit Kind und Engeln (Madonna col Bambino e angeli), 1510, Öl auf Holz, Durchmesser 86 cm, Musei Capitolini, Rom Giovanni Antonio Sogliani (auch Giovannantonio di Francesco Sogliani; * 16. September 1492 in Florenz; † 17. Juli 1544 ebenda) war ein italienischer Maler der Renaissance.
Leben Giovanni Antonio Sogliani war ein Sohn des Francesco di Paolo. Er war Schüler des Florentiner Malers Lorenzo di Credi, dem er auch nach der Einschreibung in die Zunft der Ärzte und Apotheker und der Eröffnung einer eigenen Malerwerkstatt in der Nähe des Florentiner Doms im Jahr 1515 verbunden blieb. Zu seinen frühesten bekannten Arbeiten zählen ein Letztes Abendmahl und weitere, 1514 datierte Fresken im Refektorium des ehemaligen Augustinerinnenkonvents Santa Maria di Candeli, die lange Zeit dem Maler Franciabigio zugeschrieben wurden. Bereits hier zeigt sich Soglianis Orientierung an Fra Bartolomeo und Mariotto Albertinelli.
Für eine Anbetung der Hirten in der Kirche San Salvatore al Monte adaptierte er eine Komposition seines Lehrers. Er stand in freundschaftlicher Beziehung und zeitweiliger Zusammenarbeit mit Tommaso di Stefano Lunetti. 1519 wird eine Werkstatt in der Via Valfonda in Florenz erwähnt. In den folgenden Jahren entstanden zahlreiche Altargemälde, die sich durch ausgewogene Figurenkonstellationen und eine gedämpfte Bildsprache auszeichnen, darunter 1521 das Martyrium des heiligen Achatius und seiner Gefährten für die im Vorjahr verstorbene Witwe des Piero di Lorenzo de’ Medici (seit 1550 in der Kirche San Lorenzo) und 1522 eine Darstellung, in der die heilige Birgitta von Schweden dem Erlöserorden seine Regel stiftet, für das Birgittenkloster Il Paradiso bei Florenz (heute im Museo di San Marco). mini|Giovanni Antonio Sogliani: Kopf eines bärtigen Mannes (Recto); Studie für eine Sacra conversazione (Verso), 1525–1544, schwarze Kreide mit Weißhöhung auf hellbraun getöntem Papier, 32,23 × 22,23 cm, Minneapolis Institute of Art, Minneapolis Um 1530 schuf Sogliani im Auftrag von Giovanni Serristori einen mit Textzitaten versehenen Disput über die Unbefleckte Empfängnis und 1531 eine Fußwaschung sowie ein Letztes Abendmahl für das Oratorium der Compagnia dei Neri in Anghiari. Für die Bruderschaft von San Niccolò del Ceppo bemalte er ein Prozessionsbanner mit der Heimsuchung und dem heiligen Nikolaus von Bari. Als eines seiner Hauptwerke gilt das 1536 vollendete Fresko des Brotwunders des heiligen Dominikus im Refektorium des Klosters San Marco, für das zahlreiche Vorzeichnungen in den Uffizien erhalten sind. Laut Giorgio Vasari wurde die ursprünglich geplante Darstellung der wunderbaren Brot- und Fischvermehrung von den Dominikanern zugunsten einer schlichteren Komposition zurückgewiesen. Stilistisch knüpfte Sogliani dabei sowohl ikonographisch als auch formal an die Fresken Fra Angelicos im Kloster San Marco an, während die gerahmte Kreuzigungsgruppe erneut Anregungen Fra Bartolomeos aufgreift.
Seit 1528 erhielt Giovanni Antonio Sogliani Aufträge der Dombauhütte von Pisa. 1533 wurden ein Dankopfer Noahs sowie die getrennt dargestellten Opfer Kains und Abels im Dom von Pisa angebracht. Am 22. März 1536 erhielt er eine Zahlung für eine Geburt Mariens mit dem heiligen Clemens für einen Altar im linken Seitenschiff. Am 22. November 1539 bezog er ein Haus in Pisa, um dort eine großformatige Sacra Conversazione auszuführen – ein Auftrag, der zunächst an Perino del Vaga vergeben worden war. Zudem vollendete er die von Andrea del Sarto begonnene Madonna delle Grazie. 1541 übernahm Sogliani die Bemalung von 21 Stoffbannern mit Heiligenfiguren für die Ausstattung des Doms.
Giovanni Antonio Sogliani war Lehrer von Sandrino del Calzolaio, Benedetto Bene, Zanobi di Poggino und Michele Tosini. Er starb am 16. Juli 1544 in Florenz; nach Thieme-Becker erfolgte die Beisetzung am 17. Juli in der Kirche Santa Maria Novella.
Werk mini|Giovanni Antonio Sogliani: Der heilige Augustinus in seinem Studierzimmer (Sant’Agostino nello studio), Detail, um 1511–1514, Fresko, Refektorium des ehemaligen Klosters Santa Maria dei Candeli, Florenz Giorgio Vasari übte Kritik an Soglianis bedächtigem Arbeitstempo und an einer als zu gefällig empfundenen Malweise. Der Künstler öffnete sich weitgehend nicht den Neuerungen der florentinischen Manier nach 1520, bediente sich jedoch in seinem umfangreichen zeichnerischen Werk bisweilen eines expressiveren Skizzenstils. Klarheit der Konturierung und Farbgebung sowie eine unmittelbare emotionale Zugänglichkeit kennzeichnen seine Malerei, die als einer der Ausgangspunkte für die von Santi di Tito initiierte Erneuerung des religiösen Bildes im Florenz der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gilt. Als dessen früheste bekannte Arbeit gilt die Vollendung einer von Sogliani begonnenen Anbetung der Könige in der Kirche San Domenico in Fiesole.
Werke (Auswahl) Empoli, Santa Maria a Ripa: Unbefleckte Empfängnis Florenz, Museo del Cenacolo di Santa Apollonia bzw. Sant’Andrea: Verkündigung; Heilige Dreifaltigkeit mit den Heiligen Jakobus, Maria Magdalena und Katharina Florenz, Museo di San Marco: Geißelung und Kreuztragung Christi; Franz von Assisi; Elisabeth von Thüringen; Thronende Madonna mit Kind, dem heiligen Augustinus und dem Erzengel Raphael mit Tobias Mailand, Pinacoteca di Brera: Katharina von Alexandrien Nancy, Musée des Beaux-Arts: Tobias mit dem Engel Palermo, Galleria Regionale della Sicilia: Maria mit dem Johannesknaben in Anbetung des Kindes Prato, Chiesa dello Spirito Santo: Anna selbdritt mit den Heiligen Rochus und Jakobus dem Älteren Vinci, San Donato in Cianciano: Thronende Madonna mit Kind und zwei Heiligen Volterra, Pinacoteca Civica: Joseph von Nazaret
Literatur
Heiko Damm: Sogliani, Giovanni Antonio. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Band 104. De Gruyter, Berlin/Boston 2019, S. 436. Lebensbeschreibungen der ausgezeichnetsten Maler, Bildhauer und Architekten der Renaissance. Nach Dokumenten und mündlichen Berichten. Dargestellt von Giorgio Vasari. Herausgegeben von Ernst Jaffé. Bard, Berlin 1910 (Digitalisat); Neuauflagen 1913, 1923, 1925, 1930, 1980, 2001, Nikol, Hamburg 2010, ISBN 978-3-86820-076-8
Weblinks
Literatur von und über Giovanni Antonio Sogliani im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek ArtUK Treccani
Einzelnachweise
Kategorie:Maler der italienischen Renaissance Kategorie:Maler (Florenz) Kategorie:Historische Person (Italien) Kategorie:Geboren 1492 Kategorie:Gestorben 1544 Kategorie:Mann