Mariano Aiello ist ein argentinischer Dokumentarfilmer, Filmregisseur, Drehbuchautor, Filmproduzent und Rechtsanwalt.
mini|Mariano Aiello
Seine dokumentarischen Arbeiten befassen sich vor allem mit Menschenrechten, indigenen Bevölkerungsgruppen, historischer Erinnerung, Landkonflikten sowie den sozialen und ökologischen Folgen wirtschaftlicher Entwicklungen in Lateinamerika. Als Rechtsanwalt ist er auf die Rechte indigener Bevölkerungsgruppen spezialisiert.
Juristische Tätigkeit und Forschung
Seit den 1990er Jahren war Aiello unter anderem in Guatemala tätig, wo er sich mit Justizreform, demokratischen Institutionen und Menschenrechten beschäftigte. Im Rahmen des Fondo Argentino de Cooperación Horizontal (FO-AR) arbeitete er als argentinischer Experte in Projekten mit dem Kongress der Republik Guatemala.
Gemeinsam mit Gabriela Vázquez Smerilli gab er 2000 den Band Asociacionismo e independencia judicial heraus. Die Veröffentlichung erschien beim Regionalbüro Zentralamerika des Instituto de Estudios Comparados en Ciencias Penales y Sociales (INECIP). Sie behandelt den Zusammenschluss von Justizangehörigen als Instrument richterlicher Unabhängigkeit und der Demokratisierung der Justiz.
Dokumentarisches Werk
Frühe Arbeiten in Guatemala
Während seiner Tätigkeit in Guatemala arbeitete Aiello mit der deutschen Politikwissenschaftlerin und Filmemacherin Kristina Hille zusammen. Aus ihrer Zusammenarbeit gingen mehrere Dokumentarfilme über soziale, politische und ökologische Konflikte hervor. Sein Werk Explotación de oro a cielo abierto en Guatemala: Proyecto Marlin beschäftigt sich mit dem Goldtagebau im Departamento San Marcos. Der World Rainforest Movement berichtete 2006 über den Film, seine Verbreitung in Guatemala und die darin behandelten ökologischen, gesundheitlichen und menschenrechtlichen Fragen.
Mit Explotación de níquel en tierras mayas: Proyecto Fénix befassten sich Hille und Aiello mit dem Nickelabbau im Gebiet der Maya-Q'eqchi' bei El Estor und am Izabal-See. Der Film hat eine Laufzeit von 23 Minuten und verwendet neben Spanisch auch die Sprache Q'eqchi'.
Ein weiterer gemeinsamer Dokumentarfilm war Trabajadores Migrantes Temporales Guatemaltecos a Canadá, der in Festivalunterlagen auch unter dem Titel Migración temporal guatemalteca a Canadá geführt wird.
Uruguay natural y el Consenso de Washington
2006 realisierten Aiello und Hille den Dokumentarfilm Uruguay natural y el Consenso de Washington. Der Film behandelt die Ausweitung industrieller Forstplantagen und der Zellstoffproduktion in Uruguay sowie deren soziale und ökologische Folgen. Die uruguayische Tageszeitung El País berichtete über den Film und verwies auf eine besondere Erwähnung beim Wissenschaftsfilmfestival CineCien 2006.
Die Zeitschrift EXACTAmente der Fakultät für Naturwissenschaften der Universität Buenos Aires dokumentierte ebenfalls die Auszeichnung.
In Uruguay nahm REDES – Amigos de la Tierra Uruguay den Film 2006 in die Reihe Cine por el Agua auf.
Rigoberta, la hija del tiempo
Parallel zu Awka Liwen (siehe unten) arbeiteten Aiello und Hille am Dokumentarfilmprojekt Rigoberta, la hija del tiempo über die guatemaltekische Menschenrechtsaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú, die auch das Drehbuch verfasste.
Dokumentarfilm Awka Liwen 2010 erschien der Dokumentarfilm Awka Liwen, bei dem Aiello und Kristina Hille gemeinsam Regie führten. Das Drehbuch stammt von Osvaldo Bayer, Aiello und Hille; Bayer übernahm die Rolle des Erzählers. Der deutsche Filmdienst führt Mariano Aiello für den Film in den Funktionen Regie, Produktion und Buch.
Der Film behandelt die Enteignung indigener Bevölkerungsgruppen, die Konzentration von Landbesitz in Argentinien und deren Zusammenhang mit späteren politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen. Eine Vorfassung wurde 2009 in der argentinischen Nationalbibliothek in Buenos Aires gezeigt. Der Kinostart in Argentinien folgte im September 2010.
Diego Batlle bewertete den Film in La Nación positiv und beschrieb ihn als sorgfältigen und kontroversen revisionistischen Dokumentarfilm. Zugleich bezeichnete er die filmische Form als eher elementar und den Film insgesamt als ehrlich.
Oscar Ranzani bezeichnete Awka Liwen in Página/12 als „notable documental“ (deutsch: bemerkenswerte Dokumentation) und bewertete ihn mit 8 von 10 Punkten. Er hob hervor, dass der Film sich nicht auf Interviews beschränke, sondern auch Archivmaterial und weitere audiovisuelle Mittel einsetze.
Juan Pablo Russo veröffentlichte im Filmportal EscribiendoCine eine weitere Besprechung des Films.
Der Film erhielt mehrere Auszeichnungen. So gewann er 2011 den argentinischen Langfilmwettbewerb des Festival Internacional de Cine Político. Beim italienischen Festival Un Film per la Pace erhielt der Film eine besondere Auszeichnung als für Schulen empfohlener Langfilm.
Am 20. Mai 2011 wurde Awka Liwen unter dem deutschen Titel Aufstand im Morgengrauen in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin gezeigt. Die Veranstaltung fand in Kooperation des Ibero-Amerikanischen Instituts, der Heinrich-Böll-Stiftung und der taz statt.
2012 nahm die Film Society of Lincoln Center, heute Film at Lincoln Center, den Film in ihr New Yorker Latinbeat-Programm auf und kündigte eine Vorführung in Anwesenheit Aiellos an.
Nach der Veröffentlichung des Films kam es zu einem Rechtsstreit mit Mitgliedern der Familie Martínez de Hoz, der unter anderem der ehemalige argentinische Wirtschaftsminister während der Militärdiktatur, José Martínez de Hoz, angehört. Página/12 und die taz berichteten über die Klage und über Forderungen gegen Bayer, Aiello und Felipe Pigna. Die Klage wurde in erster Instanz abgewiesen. Am 3. Mai 2016 bestätigte die Sala M der Cámara Nacional de Apelaciones en lo Civil die Abweisung. Das argentinische Rechtsinformationssystem SAIJ verwies in seiner Zusammenfassung der Entscheidung auf den verfassungs- und menschenrechtlichen Schutz der Meinungsfreiheit.
Dokumentarfilm Martínez de Hoz Aus dem Rechtsstreit um Awka Liwen entwickelte sich Aiellos Dokumentarfilm Martínez de Hoz. Bereits 2012 berichtete die taz, dass Aiello und Osvaldo Bayer an einem neuen Film über die Familie Martínez de Hoz arbeiteten.
Der Film besteht aus zwei Teilen und acht Kapiteln. Er verbindet den Rechtsstreit um Awka Liwen mit einer Untersuchung der politischen und wirtschaftlichen Geschichte der Familie Martínez de Hoz. Osvaldo Bayer führt als Erzähler durch den Film.
Zu den Interviewpartnern gehören unter anderem Adolfo Pérez Esquivel, Eugenio Raúl Zaffaroni, Daniel Cohn-Bendit, Eduardo Basualdo, Aldo Ferrer, Carlos Heller, Alfredo Zaiat, Martín Sabbatella und Ulrich K. Preuß.
2017 kam der 100-minütige Film in Argentinien in die Kinos.
Oscar Ranzani bezeichnete den Film in Página/12 als Forschungsfilm über José Alfredo Martínez de Hoz und die Geschichte seiner Familie.
Juan Pablo Russo bezeichnete Martínez de Hoz in EscribiendoCine als eine „obra monumental“ („monumentales Werk“) und bewertete den Film mit 8 von 10 Punkten. Er beschrieb die Produktion als „thriller político“ („politischen Thriller“), der Aussagen von Ökonomen, Historikern, Journalisten, Juristen und Politikern mit Archivmaterial, Animationen und Rekonstruktionen verbindet. Besonders hob Russo die Verwendung historischen Materials und privater Filmaufnahmen aus dem Umfeld der Familie Martínez de Hoz hervor. Seine Besprechung war zugleich nicht uneingeschränkt positiv. Den zweiten Teil hielt Russo filmisch für weniger wirkungsvoll als den ersten; außerdem wies er darauf hin, dass einzelne Interviews zum Zeitpunkt des Kinostarts bereits teilweise veraltet wirkten.
Das Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires (MALBA) zeigte beide Teile des Films.
Cuero y deforestación 2025 entstand gemeinsam mit Roly Ruiz der 35-minütige Dokumentarfilm Cuero y deforestación (deutsch: Leder und Entwaldung). Der Film beschäftigt sich mit der Abholzung von Quebracho-Wäldern im Gran Chaco, der Gewinnung von Tannin und dessen Verwendung in der Lederindustrie.
Der Film wurde im September 2025 beim achten Refugees Film Festival in Berlin gezeigt.
Refugees Film Festival
2018 fand im Berliner Kino Babylon erstmals das Refugees Welcome Film Festival statt, aus dem später das Refugees Film Festival hervorging. Die Website des Festivals nennt Aiello als Initiator. Das Festival widmet sich Filmen über Flucht, Vertreibung, Migration, Staatenlosigkeit, Krieg und Menschenrechte.
2025 fand die achte Ausgabe im Berliner Lichtblick-Kino statt. Das Programm umfasste Kurz- und Langfilme über unterschiedliche Formen von Migration und Vertreibung.
Filmografie (Auswahl)
1992: Truco – Kurzspielfilm, 10 Min. 2004: Explotación de oro a cielo abierto en Guatemala: Proyecto Marlin – Dokumentarfilm. 2004: Explotación de níquel en tierras mayas: Proyecto Fénix – Dokumentarfilm, 23 Min. 2004/2005: Trabajadores Migrantes Temporales Guatemaltecos a Canadá / Migración temporal guatemalteca a Canadá – Dokumentarfilm. 2006: Piqueteros – Dokumentar-Kurzfilm. 2006: Uruguay natural y el Consenso de Washington – Dokumentarfilm. Rigoberta, la hija del tiempo – Dokumentarfilmprojekt; 2009 und 2011 als in Arbeit beziehungsweise Postproduktion dokumentiert. 2010: Awka Liwen – Dokumentarfilm, Regie mit Kristina Hille. 2017: Martínez de Hoz – zweiteiliger Dokumentarfilm. 2025: Cuero y deforestación / Leather and Deforestation – Dokumentarfilm, Regie mit Roly Ruiz, 35 Min.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Gabriela Vázquez Smerilli, Mariano Aiello (Hrsg.): Asociacionismo e independencia judicial. INECIP, Oficina Regional Centroamérica, Guatemala 2000.
Einzelnachweise
Kategorie:Dokumentarfilmer Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Drehbuchautor Kategorie:Filmproduzent Kategorie:Rechtsanwalt Kategorie:Argentinier Kategorie:Geboren im 20. Jahrhundert Kategorie:Mann