Maria Sèthe am Harmonium (), auch bekannt als Maria Sèthe, künftige Frau Henry van de Velde (), ist ein Ölgemälde auf Leinwand des belgischen neoimpressionistischen Malers Théo van Rysselberghe. Das Gemälde gehört zur Sammlung des Königlichen Museums der Schönen Künste in Antwerpen in Belgien und hat die Inventarnummer 2690.
Beschreibung Das Gemälde ist das Porträt einer Frau mit blondem, aufgestecktem Haar und einem modischen violetten Kleid, die nach links blickt. Sie sitzt auf einem einfachen Stuhl vor einem Harmonium mit geöffneter Lade, spielt in diesem Moment aber nicht. Sie hat ein kräftiges Kinn und ihr Blick strahlt Entschlossenheit und Selbstvertrauen aus und gleichzeitig Ruhe. Ein Hauch eines Lächelns ist auf ihren Lippen zu erkennen. Ihr fein profiliertes Gesicht, ihr schlanker Hals und ihre Frisur sind in ein elfenbeinfarbenes Licht getaucht. Das Kleid verleiht ihr ein üppiges Aussehen. Der Hintergrund ist dunkler dargestellt. Auf dem Harmonium sind Notenblätter und hinter ihm der oberste Teil eines Violoncellos mit seinen Wirbeln zu erkennen.
Die Dargestellte ist Maria Sèthe, die aus einer wohlhabenden bürgerlichen Familie mit ausgeprägten künstlerischen Interessen stammte und später den Architekten, Maler, Designer und Vertreter des Jugendstils Henry van de Velde heiratete. Auf die Pflege der Musik in dieser Familie weisen das Harmonium und das Cello hin, während der soziale Status besonders durch das Kleid und seine Farbe betont wird. Die Farbe des Kleides findet sich außerdem im Vorhang wieder, der achtlos auf das Harmonium herabhängt.
Das Gemälde ist oben mit 18 VTR 91 signiert und mit dem Datum des Porträts versehen.
Stil Théo van Rysselberghe gestaltet das Bild in seinem charakteristischen realistischen Stil. Er achtet auf Licht, Schatten und Volumen. Die leuchtenden Farben (er verwendet keine schwarze Farbe in dieser Arbeit) erhält er durch eine Kombination feiner Punkte. Die Farbigkeit des Kleides überwältigt den Betrachter, und das blonde Haar mit gelben, orangenen, blauen und grünen Akzenten wirkt ebenfalls besonders anziehend.Leen de Jong, in Moderne Meesters in het Koninklijk Museum, 1992, nr. 25. Diesen Effekt erzielt der Maler durch Anwendung der pointillistischen Technik, kleine, deutliche Primärfarbenpunkte in Mustern aufzutragen, um ein Bild zu formen, und durch den Einsatz von Komplementärfarben. Besonders kleine Punkte für die Gesichtszüge und die Haarsträhnen einzusetzen, wie Van Rysselberghe es tut, um ein lebensechtes Porträt zu erzielen, entspricht nicht der reinen Lehre des Pointillismus.
In Maltechnik und Ausgestaltung dieses Porträts spiegelt sich die künstlerische Auseinandersetzung des Malers van Rysselberghe mit dem französischen Maler Georges Seurat wieder. Van Rysselberghe übernimmt dessen Pointillismus, aber nicht dessen stilistische Vereinfachung.
Van Rysselberghe war als Belgier stark von der Porträttradition niederländischer und flämischer Meister beeinflusst. Als Künstler des 19. Jahrhunderts war er außerdem auf die künstlerischen Vorlieben des Bürgertums eingestellt. Seine Entdeckung des Impressionismus ging auf seinen Besuch der Impressionistenausstellung 1886 in Paris zurück. Dort sah er die Werke des französischen Künstlers Georges Seurat und übernahm daraufhin den neoimpressionistischen Stil.
Generell stand die Praxis des Pointillismus in starkem Gegensatz zu den traditionellen Methoden, Pigmente auf einer Palette zu mischen. Werden Punkte unterschiedlicher Primärfarben nebeneinander platziert, nimmt der Betrachter aufgrund der Funktionsweise des menschlichen Gehirns eine Sekundärfarbe wahr, so zum Beispiel Orange, wenn rote und gelbe Sprenkel nebeneinander liegen. Die für pointillistische Farbmischung verwendete Maltechnik geht auf Kosten des traditionellen Pinselstrichs zur Abgrenzung von Texturen.Vivien Greene: Divisionism, Neo-Impressionism: Arcadia & Anarchy. Guggenheim Museum Publications, 2007, ISBN 978-0-89207-357-3.
Strenge Farbtheorie und systematische Methode wurden nach Seurats Tod nicht mehr so stark angewandt. Der Pinselstrich wurde persönlicher und ausdrucksstärker. Farbe wurde immer wichtiger. Es gab mehr Raum für eine persönliche Note und einen weniger analytischen Ansatz. Auf diese Weise führte der Pointillismus schließlich zur Entstehung des Modernismus in der Malerei des 20. Jahrhunderts.
Weitere Geschichte Das Gemälde Maria Sèthe am Harmonium war Van Rysselberghes bedeutendster Beitrag für den Salon des Indépendants (Paris, 1891). In der Villa Bloemenwerf in Uccle, dem ersten Haus, das Henry van de Velde für seine Familie entwarf, erhielt das Porträt einen Ehrenplatz. Es blieb bis 1949 im Besitz der Familie. Sechs Jahre nach Maria Sèthes Tod im Jahr 1943 kaufte das Königliche Museum der Schönen Künste in Antwerpen Henry van de Velde das Porträt ab.
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Einzelnachweise
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