Lichtflecke: Frau sein im Holocaust (engl.: Spots of Light: Women in the Holocaust) ist eine von Yad Vashem konzipierte Ausstellung zum Leben von jüdischen Frauen während des Holocausts.
Die Ausstellung Die internationale Multimedia-Ausstellung wurde im Jahr 2007 im Ausstellungspavillon der Gedenkstäte Yad Vashem in Jerusalem gezeigt. Kuratiert wurde sie von Yehudit Inbar, der damaligen Direktorin der Museumsabteilung. Begleitend erschien 2007 ein Katalog. Die Ausstellung wurde durch die Konrad-Adenauer-Stiftung unterstützt.
Der Fokus liegt auf den Reaktionen der jüdischen Frauen auf die Lebenssituation im Holocaust. Dargestellt werden die Handlungen derjenigen Frauen, „die alt genug waren Entscheidungen zu treffen und verantwortlich waren, sich um die Menschen in ihrer Umgebung zu kümmern“. Als Leitmotiv der Ausstellung wurde das Zitat von Dalia Rabikovich „Und in diese düstere Substanz prägten sich Funken des Lichts ein“ gewählt. Es „zeigt auf bildliche Weise, wie Frauen in dieser furchtbaren Zeit zur Hoffnung und zum Trost für andere Verfolgte wurden“. Die Ausstellung ist in verschiedene Themenfelder gegliedert. Jedem Bereich ist eine Einführung vorangestellt, die durch individuelle Geschichten aus exemplarisch ausgewählten Frauenbiografien ergänzt wird. Die Lebensgeschichten sind verbunden durch Zeitzeugenberichte von Überlebenden sowie durch Archivfotos, historische Objekte, persönliche Aufzeichnungen und Gegenstände.
Eingebettet ist die Ausstellung in eine sich bewegende und verändernde großflächige Videoinstallation, die den gesamten Ausstellungsraum einnimmt. Sie wurde von Chanan de Lange, dem früheren Leiter der Abteilung für Industriedesign an der Bezalel Academy of Arts and Design in Jerusalem geschaffen. Dazu verwendete er historisches Material, das durch das kuratorische Team des Museums ausgewählt worden war. Teil der Ausstellung ist außerdem die Videoarbeit „Mensch sein“ der israelischen Künstlerin Michal Rovner, die Interviewsegmente von zehn überlebenden Frauen des Holocaust miteinander verwebt.
Pressestimmen Die Presse meint, die Ausstellung zeige eine spezifisch weibliche Sicht, „gekennzeichnet von besonderem Mut, Standhaftigkeit und zerreibendem sozialen Verantwortungsgefühl den eigenen Familien wie auch den Eltern gegenüber: Patriarchale Strukturen gewöhnt, mussten sich Frauen plötzlich selbst organisieren“. Das „Ephemere, Nichtfassbare“ präge die gesamte Ausstellung mit den oft zu schnell vorbeiziehenden Biografien, da die Multimedia-Präsentation aus Dutzenden kurzer Geschichten, die auf dem rundum laufenden Displayband abwechselnd auftauchen, irritierend flüchtig sei. Das gelte auch für die ergänzende künstlerische Arbeit von Michal Rovner, die in ihrem Video einige überlebende Frauen zeigt, „wie im Traum, wie sie durch das Unterholz eines gezeichneten Waldes gehen, verschwinden, wieder auftauchen“.
Der Standard weist darauf hin, dass die großflächige, sich bewegende und verändernde Videoinstallation, die den gesamten Ausstellungsraum einnimmt, „dem historischen Material ein neues und zeitgenössisches Gefühl und eine ebensolche Ansicht“ verleihe.
Wanderausstellung Die Ausstellung wurde im Druck- und Präsentationsformat Ready2Print aufbereitet, das ausgewählte Ausstellungsmaterialen in bislang fünfzehn Sprachen für andere Institutionen verfügbar macht. Die Wanderausstellung besteht in dieser Präsentationsform aus 21 Panels, die auf insgesamt 30 Panels erweiterbar ist. Nach der Präsentation 2007 in Yad Vashem in Jerusalem wurde sie erstmals 2008 in Deutschland gezeigt und danach in weiteren Ländern.
Auswahl:
Die Themen Die Ausstellung ist gegliedert in die Bereiche „Liebe“, „Künste“, „Glaube“, „Sorge für andere“, „Essen“, „Mutterschaft“, „Weiblichkeit“, „Partisanen und Untergrund“, „Alltagsleben“ und „Freundschaft“. Jedes Thema wird anhand einer kurzen Einführung und einigen Biografien beleuchtet. Den Beschreibungen sind Fotos der Frauen oder ihrer persönlichen Gegenstände sowie der von ihnen verfassten Briefe oder Gedichte beigestellt.
Liebe Einführung: Partnerschaft und Familie bildeten in der Zeit des Holocaust oft die einzige Konstante und vermittelten ein wenn auch letztendlich illusorisches Gefühl von Sicherheit oder entstanden aus dem psychischen Bedürfnis nach Wärme und Verständnis. Andererseits wurden Ehen und Verbindungen auch als Zweckgemeinschaft geschlossen.
Biografie: Als Marta Byks Mutter 1939 für sich und ihre Kinder Marta und Herbert Einwanderungsvisa in die USA erhielt, weigerte sich die 16-jährige überzeugte Zionistin Marta. Stattdessen reiste sie im November zusammen mit einer jüdischen Gruppe auf der Donau Richtung Schwarzes Meer, kam jedoch nur bis Šabac. Die Flüchtlinge wurden nach der Besetzung Serbiens in einem Auswandererlager gefangengehalten. Dort heiratete Marta Byk im März 1941 den 24-jährigen Automechaniker, Elektriker und Radiotechniker Marjan Fürstenberg, den sie in Briefen an ihre Mutter in New York beschrieb. Im Oktober 1941 wurden die Männer des Lagers ermordet, am 6. November 1942 auch die Frauen, darunter auch Marta Byk.
Biografie: Krysia Kucynski wurde 1922 geboren. Kurz vor Kriegsbeginn verliebte sie sich in den Warschauer Studenten des Ingenieurwesens Salomon „Salek“ Kucynski. Nach dem Überfall auf Polen lebte das Paar im Ghetto Sosnowiec. Ihre befürchtete Trennung bei der bevorstehenden Auflösung des Ghettos im August 1943 versuchten sie durch Heirat zu verhindern. Sie wurden in das Lager Annaberg deportiert, in dem Armeezubehör gefertigt wurde. Nachdem ihr Mann in das Arbeitslager Blechhammer deportiert wurde, hielt Krysia Kucynski durch geschmuggelte Briefe Kontakt, bis sie zum Peterswalder Lager deportiert wurde und keine Möglichkeit mehr dazu hatte. Ihr Mann starb während des Todesmarsches nach Buchenwald, sie selbst überlebte. 1946 heiratete sie Azriel Szampan und wanderte mit ihm nach Israel aus.
Künste Einführung: Als Gegenentwurf zu Verfolgung und dem Leben in den Ghettos und Lagern versuchten die Betroffenen eine Art von Normalität zu schaffen. Dazu gehörte das Schaffen von Kunst. Die Frauen organisierten in der Gefangenschaft Konzerte und Theateraufführungen und in den Konzentrationslagern entstanden viele Gedichte von Frauen. In der Bildenden Kunst bildeten sie allerdings eine Minderheit. Kunst diente als Flucht vor der Realität, dem Behaupten der eigenen Talente und Individualität und dem Ausdruck von Gefühlen.
Biografie: Vlasta Schönová (Vava Schoenova) wurde 1919 in Prag geboren. Gefördert von ihrer Mutter Magda wurde sie eine bekannte Theaterschauspielerin. Nach dem Einmarsch der Deutschen in Prag im März 1939 erhielt sie ein Auftrittsverbot und durfte nur noch vor jüdischem Publikum spielen. Mit ihrer Familie wurde sie im Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort leitete sie Aufführungen, spielte Theater, gründete ein Puppentheater und organisierte hebräische Liederabende für Frauen. Nur sie und ihre Schwester überlebten. Sie wanderte nach Israel aus und setzte dort ihre Schauspielkarriere fort. Sie starb im Jahr 2001.
Biografie: die rumänische deutschsprachige Dichterin Selma Meerbaum-Eisinger wurde 1924 in Czernowitz geboren. In der Jugendbewegung Hashomer Hatzair verliebte sie sich in den ein Jahr älteren Leiser Fichmann. Während des Zweiten Weltkrieges wurden Selma und ihre Eltern im Oktober 1941 ins Ghetto gesperrt, im Juni 1942 nach Transnistrien deportiert und später in das Zwangsarbeiterlager Michailowska. Sie starb am 16. Dezember 1942 an Typhus, ihre Eltern kurz darauf. Ihrem Freund hatte sie ein kleines Buch mit 57 selbstverfassten Gedichten zukommen lassen können, das er im Arbeitslager bis 1944 aufbewahrte. Er gab es Selma Meerbaum-Eisingers Freundin Else Keren zur Aufbewahrung, bevor er an Bord des Flüchtlingsschiffes Mefküre gelangte. Das Schiff wurde auf dem Weg nach Israel im schwarzen Meer durch ein sowjetisches U-Boot versenkt.
Glaube Einführung: Religiöse Frauen versuchten weiterhin ihren Glauben zu leben und die Gebote und Festtage einzuhalten und zu beten. Während des Holocausts war ihr Glaube eine Kraftquelle, die sie befähigte, anderen zu helfen.
Biografie: Dita Kurschner wurde 1930 in Wien geboren und floh 1939 mit ihrer Familie nach Ungarn. Im Juni 1944 wurden sie in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert, danach in das Außenlager Gelsenkirchen und anschließend in das Lager Sömmerda. Aus der Befürchtung, dass später niemand mehr wissen würde, dass an diesem Ort Jüdinnen gefangengehalten wurden, und überzeugt, „dass kein Jude den Holocaust überleben würde“, begann sie die Tag und Nacht andauernden Gebete ihrer Mitgefangenen Klari Kahna auf gestohlenen Papier-Aufklebern zu notieren. Da sie kein hebräisch konnte, schrieb sie die Worte nach Gehör in lateinischen Buchstaben auf, in der Hoffnung, ein bleibendes Zeugnis zu hinterlassen. Sie überlebte den Holocaust.
Biografie: Livia Koralek wurde 1921 im ungarischen Győr geboren. Im Juni 1944 wurde sie nach Auschwitz deportiert, im August ins Lager Parschnitz (Poříčí) im Sudetenland. Zusammen mit ihren Mitgefangenen versuchte sie, die religiösen Riten und Speisegesetze einzuhalten. 1944 hielt Livia Koralek am Abend von Jom Kippur auf Bitten von Freundinnen eine Predigt, in der sie über die immerwährende und unendliche Liebe sprach, die sie einander unabhängig von äußeren Widrigkeiten geben könnten. Unter anderem sagte sie „Nicht der Ort heiligt den Menschen, der Mensch heiligt den Ort.“ Sie überlebte, heiratete Aladar „Jehuda“ Spiegel und emigrierte mit ihrer Familie nach Israel.
Sorge für andere Einführung: In der Zeit vor dem Holocaust hatten die meisten der arbeitenden Frauen „Berufe wie Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen, Verkäuferinnen, Kinderpflegerinnen, Köchinnen, Näherinnen und ähnliches“. Während des Holocaust strebten in den Ghettos Frauen oft nach öffentlichen Stellungen, die es ihnen ermöglichte, anderen zu helfen und für sie zu sorgen. Dazu gehörte etwa die Leitung öffentlicher Suppenküchen oder von Kinderheimen, in denen sie Kinder, deren Eltern deportiert oder zur Zwangsarbeit gezwungen worden waren, versorgten und unterrichteten. Darüber hinaus waren sie in den Ghettos, bei den Partisanen und in den Lagern als Ärztinnen und Krankenschwestern tätig. Trotz steigender Gefahr für ihr eigenes Leben sorgten sie für andere und ergriffen teilweise nicht die Möglichkeit, sich selbst zu retten.
Biografie: Stefania Wilczyńska wurde 1886 in Polen geboren, studierte Naturwissenschaften und lernte 1909 den Arzt Janusz Korczak kennen. Als er mit Ausbruch des ersten Weltkrieges in die Armee eingezogen wurde, übernahm sie die Leitung seines mit 150 jüdischen Kindern belegten Waisenhauses. Von 1935 bis 1939 lebte sie in En Charod in Israel, danach wieder in Polen. Nach der Besetzung Polens schlug sie die Möglichkeit aus, das Land zu verlassen, und zog nach dem Befehl zur Umsiedlung der jüdischen Bevölkerung Warschaus mit Janusz Korczak und den Kindern ins Warschauer Ghetto. Im August 1942 erfolgte der Befehl zur Deportation der Kinder. Stefania Wilczyńska, Korczak und das gesamte Waisenhauspersonal begleiteten sie freiwillig in das Vernichtungslager Treblinka, wo alle ermordet wurden.
Essen Einführung: Die Frauen in den Lagern versuchten, mit Kochrezepten eine Verbindung zu ihrem früheren Leben herzustellen, Trost im Vertrauten zu finden, sich abzulenken und im Falle ihres Todes etwas von ihren Familientraditionen weiterzugeben.