Joseph Bannister († 1687; gelegentlich auch Jack Bannister oder George Bannister genannt) war ein englischer Pirat, der in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in der Karibik tätig war. Bekannt wurde er durch seinen erfolgreichen Widerstand gegen zwei Kriegsschiffe der Royal Navy im Jahr 1686.
Leben Über Bannisters frühes Leben ist nur wenig bekannt. Spätestens ab 1680 war er als Kapitän des Handelsschiffes Golden Fleece tätig. Das Schiff verkehrte auf der Handelsroute zwischen London und Jamaika und transportierte Waren über den Atlantik. Die Golden Fleece war mit etwa 30 bis 40 Kanonen ausgerüstet.
Im Juni 1684 verließ Bannister Jamaika mit der Golden Fleece, ohne die erforderliche Genehmigung einzuholen. Er nahm mehr als hundert Männer an Bord und begann damit seine Laufbahn als Pirat. Kurz darauf beteiligte er sich an der Kaperung eines spanischen Schiffes.
Der Gouverneur von Jamaika, Thomas Lynch, ließ daraufhin das Kriegsschiff HMS Ruby nach Bannister suchen. Die Ruby konnte ihn schließlich aufbringen und nach Jamaika bringen. Dort musste sich Bannister vor Gericht verantworten. Er wurde jedoch freigesprochen. Der Ausgang des Verfahrens soll den gesundheitlich angeschlagenen Gouverneur Lynch stark belastet haben; Lynch starb noch im selben Monat.
Erneute Piraterie Nach seiner Freilassung versuchte Bannister zunächst, sich mit verschiedenen geschäftlichen Unternehmungen über Wasser zu halten. Diese waren jedoch wenig erfolgreich. Angesichts seiner finanziellen Schwierigkeiten bemächtigte er sich im Februar 1685 erneut der Golden Fleece und nahm wieder die Piraterie auf.
Bannister schloss sich vor der Küste von Île-à-Vache einer Gruppe von Freibeutern an. Zu dieser Flotte gehörten unter anderem Laurens de Graaf, Michiel Andrieszoon, Jan Willems, Jacob Evertson und Michel de Grammont. Um Bannister vor möglichen Konsequenzen durch die englischen Behörden zu schützen, wurde für die Golden Fleece ein fingierter Kaufvertrag angefertigt. Vom Gouverneur von Tortuga erhielt Bannister einen französischen Kaperbrief.
Als die HMS Ruby die Flotte aufspürte, konnte Grammont Bannister vor einer Festnahme schützen. Im Juli 1685 beteiligten sich die Freibeuter an der Plünderung von Campeche. Nach der Auflösung der Flotte im September setzte Bannister seine Unternehmungen auf eigene Rechnung fort und kaperte weitere Schiffe.
Gefecht in der Bucht von Samaná Im Juli 1686 entdeckten britische Schiffe Bannister in der Bucht von Samaná auf der Insel Hispaniola, wo die Golden Fleece für Reparaturarbeiten auf Grund lag. Die Briten entsandten die beiden Kriegsschiffe HMS Falcon und HMS Drake gegen ihn. Zusammen verfügten die beiden Schiffe über 56 Kanonen.
Bannister bereitete sich auf den Angriff vor. Er ließ einen Teil der Geschütze der Golden Fleece an Land bringen und errichtete auf erhöhten Positionen zwei Geschützbatterien. Die Überreste dieser Batterien kann man heute noch erkennen. Anschließend kam es zu einem zweitägigen Gefecht zwischen Bannisters Männern und den britischen Kriegsschiffen.
Den britischen Schiffen ging schließlich die Munition aus, sodass sie sich zurückziehen mussten. Bannister hatte damit einen bemerkenswerten Sieg gegen zwei Schiffe der Royal Navy errungen. Als die Falcon und die Drake später zurückkehrten, fanden sie lediglich das ausgebrannte Wrack der Golden Fleece vor. Bannister war inzwischen mit einem erbeuteten Schiff entkommen.
Das Gefecht trug wesentlich zu Bannisters späterem Ruf als besonders erfolgreicher Pirat bei.
Gefangennahme und Tod Im Januar 1687 wurde Bannister von der Besatzung der HMS Drake an der sogenannten Mosquito Coast gefangen genommen. Er hatte dort bei der einheimischen Bevölkerung Zuflucht gefunden.
Bannister wurde nach Port Royal auf Jamaika gebracht. Der neue Gouverneur Hender Molesworth befürchtete offenbar, dass Bannister erneut entkommen könnte. Bannister wurde deshalb noch vor einem neuen Gerichtsverfahren 1687 am Rah der Drake gehängt.
Wiederentdeckung der Golden Fleece Die Überreste der Golden Fleece wurden Anfang 2009 in der Bucht von Samaná in der heutigen Dominikanischen Republik von den US-amerikanischen Wracksuchern John Chatterton und John Mattera entdeckt. Die Entdeckung trug dazu bei, die historische Überlieferung über Bannister und seine Zeit als Pirat archäologisch zu ergänzen.
Literatur David Marley: Pirates of the Americas. ABC-CLIO, Santa Barbara 2010. Philip Gosse: The Pirates' Who's Who. Burt Franklin, 1924, S. 45, Digitalisat. Jon Latimer: Buccaneers of the Caribbean: How Piracy Forged an Empire. Harvard University Press, Cambridge 2009. Michael Pawson, David Buisseret: Port Royal, Jamaica. University of the West Indies Press, 2000, S. 54, Snippet. Robert Kurson: Pirate Hunters: Treasure, Obsession, and the Search for a Legendary Pirate Ship. Random House, 2009. Schreiber, Hermann: Piraten und Korsaren der Weltgeschichte, Drei Ulmen Verlag, 1990
Kategorie:Pirat Kategorie:Engländer Kategorie:Geboren im 16. oder 17. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1687 Kategorie:Mann