Die 92. Separate Sturmbrigade benannt nach Koschowyj-Ataman Iwan Sirko (Militäreinheit Nr. A0501; , 92 ОШБр, в/ч: A0501) ist eine Brigade des ukrainischen Heeres. Sie ist einer der renommiertesten Verbände der Ukraine und kämpft mit moderner Technik. Aus ihr gingen zudem einige effektive Drohnen-Einheiten hervor.
Geschichte Die heutige Brigade entstand aus der 6. Division der Nationalgarde, die wiederum auf der sowjetischen 48. Motorisierten Schützendivision basierte.
Im Jahr 1999 wurde die 6. Division den Streitkräften übergeben und kurz darauf in die 92. Mechanisierte Brigade umstrukturiert. Im Oktober des Folgejahres wurde erlassen, dass die 92. Brigade die Titel und Auszeichnungen der 48. Division erhalten werde.
In den folgenden Jahren waren Soldaten der 92. Brigade an verschiedenen UN-Friedenssicherungseinsätzen beteiligt. Bis 2013 waren insgesamt 104 Brigadesoldaten im Einsatz in Libanon, Liberia, Sierra Leone und Ex-Jugoslawien.
Die Brigade wurde 2011 verkleinert, und später wurde beschlossen, die Brigade bis 2015 vollständig aufzulösen. Übrig bleiben sollte nur noch ein Arsenal an ihrem Standort.
Im April 2012 sicherte die Flugabwehrdivision der Brigade den Luftraum während des Europameisterschaft-Spiels in Donezk.
Russisch-Ukrainischer Krieg bis 2022
Aufgrund der Annexion der Krim und russischer Manöver an der Grenze im Frühjahr 2014, kam es nie zur vollständigen auflösung der 92. Brigade. In Reaktion auf die russische Aggression wurde sie im März in Alarmbereitschaft versetzt, und kurz darauf entlang der Grenze zu Russland, in der Oblast Charkiw, stationiert. Im Frühling und Summer des Jahres war der Verband jedoch nicht im Krieg im Donbass involviert, da die Brigade nicht kampfbereit war. Ende 2013 hatte sie weniger als 600 Männer und Frauen in den eigenen reihen.
Die Brigade gehörte zu den letzten Reserven der Streitkräfte und war zur Verteidigung des Gebiets um Charkiw gegen eine mögliche russische Invasion vorgesehen. Die Krise der ukrainischen Truppen im Donbass zwang sie schließlich zum Einsatz. Eine Kompaniekampfgruppe der Mechanisierten Brigade rückte am 23. August von Kluhyno-Baschkyriwka in Richtung Ilowajsk aus.
150px|mini|links|Flagge, die auf einem T-64-Panzer montiert war, der am 27. August in den Hinterhalt geriet Ilowajsk Am 28. August sollte die Kampfgruppe versuchen die ukrainischen Truppen im Ilowajsker Kessel zu entsetzten. Die Gruppe bestand aus 276 Soldaten und war mit 4 Kampfpanzern, 3 Panzerhaubitzen und mehr als ein Dutzend Mannschaftstransportwagen ausgerüstet. Am 27. August erreichten sie Komsomolske und sollten sich später mit dem Ruch Oporu-Bataillon bei Kolosky zusammentun, und gemeinsam den Gegenangriff durchführen. Am Abend machte die Kolone halt auf einer unbefestigten Straße zwischen Nowodarjiwka und Wojkowe, um dort die Nacht zu verbringen. Mit Einbruch der Dämmerung begann eine Drohne über der Kampfgruppe zu kreisen, gefolgt von einer Leuchtrakete und darauf Mörserfeuer. Erste Verluste wurden gemeldet während sich die Soldaten in den umliegenden Feldern zerstreuten. 40 Minuten später setzte Beschuss von Grad-Werfern ein, begleitet von MG- und Kanonenfeuer. Laut eines Kriegsberichterstatters, der die Gruppe begleitete, leisteten die T-64 des Panzerzugs Gegenwehr und sollen zwei BMD zerstört haben. Während des Überfalls wurden 7 MTW, 5 Lkw und ein T-64 zerstört, während weitere 2 MTW, 5 Lkw und 2 Panzer in die Hände der Separatisten fielen. Neben der hohen Verluste an Ausrüstung wurden 8 Soldaten der 92. Brigade getötet.
Am 18. September erhielt die Brigade mehrere generalüberholte T64BW.
Am 15. Dezember 2014 fand in der Nähe des Dorfes Lobatschewe, in der Oblast Luhansk, ein Gefecht mit einer Sabotage- und Aufklärungsgruppe prorussischer Kämpfer statt. Drei Aufklärungsgruppen der 92. Brigade mit insgesamt 20 Mann spürten die Gruppe von neun Mann auf und töteten im Verlauf des Schusswechsels drei Kämpfer und nahmen zwei weitere gefangen.
mini|200px|Zwei T-64 der Brigade, 2015 Debalzewe Während der Schlacht um Debalzewe, ab Ende des Jahres, wurde ein Panzerzug der 92. Brigade unter das Kommando der 128. Gebirgsbrigade gestellt. Der Zug, angeführt von Oberleutnant Wassyl Boschok, sollte über die Artemiwsk-Debalzewe-Straße Richtung Lohwynowe vorzurücken, um der 79. Luftlandesturmbrigade Feuerunterstützung zu leisten. Nachdem sie am 12. Februar 2015 gemeinsam das Dorf geräumt hatten, erhielt Boschok den befehlt weiter von Lohwynowe aus vorstoßen. Kurz nachdem sein Fahrzeug die Straße verließ, entdeckten sie drei russische Panzer und eröffneten das Feuer. Während des Gefechts zerstörten sie zwei der Panzer und blieben selbst unentdeckt. Boschok und seine Besatzung zogen sich erst zurück, als sie fast keine Munition mehr hatten und drei weitere russische Panzer auftauchten, von dem sie einen ebenfalls ausschalten konnten. Auf dem Rückweg nahmen sie drei Soldaten der 79. Brigade auf und erreichten sicher die eigenen Stellungen. Für diesen Vorfall erhielt Wassyl Boschok den Titel Held der Ukraine.
Am 16. Mai 2015 nahmen Soldaten der mechanisierten Brigade in der Nähe der Stadt Schtschastja zwei Kämpfer, Oleksandr Alexandrow und Jewgen Jerofjejew, der 3. Speznas-Brigade des russischen Militärgeheimdienstes gefangen. Bei dem Gefecht fiel der ukrainische Unteroffizier Wadym Puhatschow. Am 29. Mai 2015 zeichnete Präsident Petro Poroschenko die Soldaten aus, die an der Gefangennahme der russischen Spezialkräfte beteiligt waren.
200px|mini|links|BTR-4E der Brigade während Combined Resolve XVI in Hohenfels Am 18. November wurden der 92. Brigade im Rahmen der Dekommunisierung in der Ukraine alle Auszeichnungen und Titel aus Sowjetzeiten aberkannt.
Im März 2016 übergab der Staatskonzern Ukroboronprom 16 BTR-4-Schützenpanzer und 18 120-mm-Mörser M120-15 Molot an die Brigade.
Am 22. August 2019 erhielt der Verband den Ehrentitel benannt nach Koschowyj-Ataman Iwan Sirko von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Dieser überreichte dem Brigadekommandeur am darauffolgenden Tag feierlich das Band zur Fahne.
Im Jahr 2021 nahm die 92. Brigade an der multinationalen Übung Combined Resolve XVI teil. Dafür trafen sie am 29. November in Hohenfels ein und präsentierten zum ersten Mal BTR-4E, BREM-4RM und BMM-4S aus ukrainischer Eigenproduktion auf internationaler Bühne.
Vollinvasion 2022
Die 92. Brigade hätte eigentlich am 25. Februar 2022 für einen weiteren Einsatz in den Donbass verlegt werden sollen, wozu es wegen des Beginns der Vollinvasion jedoch nicht kam.
Stattdessen blieb sie in der Oblast Charkiw und war zuständig für die Verteidigung ihrer Heimat-Oblast. Teile der 92. Brigade verteidigten die Stadt Derhatschi bei Charkiw vom ersten Tag der Vollinvasion an gegen russische Angriffe. Ab Ende Februar wurde die Brigade entlang der charkiwer Ringstraße stationiert. Im Mai befreite sie den Ort Molodowa, nördlich der Stadt.
Am 6. Mai 2022 verlieh Präsident Wolodymyr Selenskyj dem Verband die Ehrenauszeichnung Für Mut und Tapferkeit.
Im Herbst 2022 war die 92. Brigade Teil der Gegenoffensive in der Oblast Charkiw. Sie stießen in Richtung Kupjansk vor und befreiten die Stadt am 10. September, als Soldaten des 1. Mechanisierten Bataillons die Flagge der Ukraine über dem Gebäude des Stadtrats hissten. Gegen Ende des Monats erbeuteten Brigadesoldaten einen russischen T-90, vermutlich der 27. Motorisierten Schützenbrigade, welcher an die Vereinigten Staaten übergeben wurde.
mini|200px|Präsident Selenskyj verleiht Auszeichnungen an Brigadesoldaten, 16. Mai 2024 Gegen Ende der ukrainischen Offensive Anfang Oktober erreichten ukrainische Truppen die Oblast Luhansk und sollen bis zum 14. Dezember 14 Ortschaften befreit haben. Am 30. Dezember startete die 92. Brigade zusammen mit dem Kraken-Regiment einen Sturmangriff auf das Dorf Nowosseliwske und nahm einige russische Soldaten gefangen.
Im Februar 2023 ging ein Video des Infanteristen Ruslan „Predator“ Subarjew viral, nachdem es auf seinem persönlichen Telegram-Kanal veröffentlicht worden war. Ein Trupp russischer Soldaten in einem BMP-2 versuchte, einen Schützengraben der 92. Brigade nahe Swatowe zu stürmen. In dem Video ist zu sehen, wie der 21-Jährige mit verschiedenen Waffen, darunter einer RPG-7, die russischen Soldaten bekämpft. Währenddessen feuert der russische Schützenpanzer mit seiner 30-mm-Maschinenkanone auf Subarjew. Ein weiterer ukrainischer Soldat reicht Subarjew im Laufe des Videos Handgranaten, Magazine und Waffen. Nachdem der BMP-2 zerstört und mehrere Soldaten getötet worden waren, zogen sich die Russen zurück. Ruslan Subarjew wurde daraufhin von Walerij Saluschnyj, dem damaligen Oberkommandierenden der Streitkräfte, für seinen Einsatz mit dem Goldenen Kreuz ausgezeichnet.
Im August 2023 wurde die mechanisierte Brigade dann in die 92. Sturmbrigade umstrukturiert.
Im Oktober 2023 kämpfte die Sturmbrigade in der Nähe von Bachmut.
Um Ende des Jahres 2024 war die 92. Brigade wieder bei Charkiw im Einsatz.
Im Januar 2025 kämpfte das 1. Sturmbataillon in der russischen Oblast Kursk im Rahmen der ukrainischen Kursk-Offensive. Das Bataillon gab im Februar bekannt, nordkoreanische Soldaten im Einsatz getötet zu haben. Teile der 92. Brigade kämpften Seite an Seite mit der 47. Mechanisierten Brigade. Zusammen schlugen sie einen russischen Angriff vernichtend zurück. Jedoch wurde aus Reihen der Brigade zur selben Zeit Kritik an der Führung geäußert. So sei eine ganze Kompanie wegen vergeblicher Befehle geopfert worden.
Andere Teile der Brigade waren weiterhin bei Charkiw aktiv und führten im Mai zusammen mit der Chartija-Brigade lokale Gegenangriffe durch.
Ab August verteidigte die Brigade Dobropillja, nachdem Russland eine Offensive gestartet hatte, um die Stadt einzunehmen.
Gegen Ende des Jahres kämpfte die Sturmbrigade auch in der Oblast Dnipropetrowsk.
Mitte 2026 waren Soldaten der Brigade im Ort Nowowassyliwka in der Oblast Saporischschja im Einsatz
Die 92. Brigade ist weiterhin aktiv im Russisch-Ukrainischen Krieg.
Struktur 92. Sturmbrigade Hauptquartier 25px 22. Motorisiertes Bataillon 25px 1. Sturmbataillon 25px 2. Sturmbataillon 25px 3. Sturmbataillon 25px 4. Sturmbataillon 25px 5. Sturmbataillon 25px Schkwal-Bataillon (Strafbataillon) 25px Panzerbataillon 25px Bataillon Unbemannter Systeme 25px Aufklärungsbataillon Artilleriegruppe 25px Hauptquartier und Feuerleitungsbatterie 25px 1. Selbstfahrlafetten-Artilleriedywision 25px 2. Selbstfahrlafetten-Artilleriedywision Raketenartilleriebatterie 25px Panzerabwehrbatterie Instandhaltungskompanie Logistikkompanie Fernmeldebataillon CBRN-Abwehrkompanie 25px Flugabwehrdywision Pionierbataillon Logistikbataillon 25px Instandhaltungsbataillon 25px Kompanie Unbemannte Bodenfahrzeuge 25px Scharfschützenkompanie 25px Kompanie für elektronische Kriegsführung Fernmeldekompanie Sanitätskompanie CBRN-Abwehrkompanie 25px Ausbildergruppe
Kommandeure Oberst Wjatscheslaw Nasarkin (2000–2005) Oberst Serhij Hustschenko (2007–2011) Oberst Wolodymyr Kosak (2011–2013) Oberst Wiktor Nikoljuk (2013–2017) Oberst Wolodymyr Kokorjew (2018–2019) Oberst Pawlo Fedossenko (2017–2020) Oberst Wolodymyr Korobka (2020–2024) Oberst Witalij Naschtschubskyj (seit 2024)
Siehe auch 59. Sturmbrigade 93. Mechanisierte Brigade 118. Mechanisierte Brigade
Weblinks
Offizieller Auftritt auf Facebook Offizieller YouTube-Kanal Offizieller Auftritt auf Instagram Offizieller Auftritt auf Telegram
Einzelnachweise
Kategorie:Brigade (Ukraine) Kategorie:Gegründet 1999 Kategorie:Militär (Oblast Charkiw) Kategorie:Ukrainisches Heer