Otto Seger (* 20. Februar 1907 in Schottwien am Semmering, Niederösterreich; † 8. März 1988 in Chur) war ein liechtensteinischer Pädagoge, Landeshistoriker und Autor.

Leben und familiärer Bezug Otto Seger wurde 1907 in Österreich als Sohn des fürstlich-liechtensteinischen Forstassistenten und späteren -direktors Adolf Seger (* 27. November 1878 in Vaduz; † 16. Juni 1935 in Mödling)Sterbebuch Mödling-Herz Jesu, tom. II, fol. 166 (Faksimile), abgerufen am 7. September 2026Sterbebuch Hinterbrühl, tom. V, fol. 44 (Faksimile), abgerufen am 7. September 2026 und dessen Frau Hedwig (geb. Real; * 5. Oktober 1875; † 21. Februar 1966) geboren.Taufbuch Schottwien, tom. IV, fol. 17 (Faksimile), abgerufen am 7. September 2026 Ein Jahr später kam sein Bruder Josef (auch Joseph; * 12. Juni 1908 in Karlsthal, Schlesien; † 3. Mai 1998 in Mödling), der später als Grafiker und Kunstmaler tätig war, zur Welt.Die Beamten aus Böhmen, Mähren und Schlesien im Fürstentum Liechtenstein, 1806–1921, abgerufen am 7. September 2026 Er wuchs im Kronland Österreichisch-Schlesien und in der Umgebung von Wien auf. Nach dem Gymnasium in Mödling absolvierte er an der Universität Wien ein Lehramtsstudium in den Fächern Deutsch und Geschichte. Als Lehrer wirkten dort Oswald Redlich, Heinrich Srbik und Dietrich Kralik. Von 1930 bis 1938 war er als Gymnasiallehrer an der Bundeserziehungsanstalt für Knaben in Traiskirchen tätig.

Von 1939 bis 1945 war er Schuldirektor an der Staatlichen Oberschule für Jungen in Bregenz (heute Bundesgymnasium Gallusstraße) er leitete ab 1940 auch das Mädchengymnasium Bregenz-Marienberg. Am 31. Juli 1937 heiratete er in der Wiener Brigittakirche Gertrud (geb. Rittler);Trauungsbuch Wien-20., St. Brigitta, tom. 02/54, fol. 58 (Faksimile), abgerufen am 7. September 2026 sie hatten zwei Kinder. Knapp zwei Monate zuvor hatte sein jüngerer Bruder geheiratet, wobei Otto als dessen Beistand fungierte;Trauungsbuch Klosterneuburg-Stiftspfarre, tom. XII, fol. 583/584 (Faksimile), abgerufen am 7. September 2026 bei Ottos Hochzeit wiederum war sein Bruder dessen Beistand. Nach dem Zweiten Weltkrieg übersiedelte er dauerhaft nach Liechtenstein, wo er das Bürgerrecht der Gemeinde Vaduz erhielt und war dort von 1950 bis 1965 als hauptamtlicher Lehrer an der Realschule tätig.

Die Familie Seger gehört zu den ältesten und etablierten Geschlechtern in Vaduz. In seinen historischen Studien stieß Otto Seger wiederholt auf seine eigenen familiären Wurzeln: Sein direkter namentlicher Vorfahre, Johann Seger, genannt Hans Seger, war nach der ersten verheerenden Phase der Hexenprozesse unter seinen Vorgängern Peter Christoph Schlabatius und Johann Jakob von Beck ab 1602 als herrschaftlicher Amtsschreiber und Verwalter unter den Grafen von Sulz in Vaduz tätig. Anders als seine Vorgänger leitete Hans Seger eine Phase der administrativen Beruhigung ein, in der es zu keinen weiteren Hexenverbrennungen kam, bis die Grafschaft 1613 an das Haus Hohenems überging.

Wirken im Bildungswesen Seger prägte das Bildungssystem des Fürstentums Liechtenstein in der Nachkriegszeit nachhaltig. Er engagierte sich maßgeblich beim Aufbau moderner Bildungs- und Kulturstrukturen. Im Jahr 1961 war er der entscheidende Initiator und Gründungsdirektor des Abendtechnikums Vaduz. Aus dieser ersten höheren technischen Lehranstalt des Landes entwickelte sich über mehrere Jahrzehnte hinweg die heutige Universität Liechtenstein. Darüber hinaus gehörte Seger zu den Mitbegründern der Liechtensteinischen Landesbibliothek.

Historische Forschung und literarisches Werk Als Historiker widmete sich Seger vor allem der Aufarbeitung der Hexenprozesse in Liechtenstein. Seine wissenschaftlichen Abhandlungen im Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein sind wichtige Vorarbeiten zur regionalen Geschichtsschreibung. Seine Schrift: Der letzte Akt im Drama der Hexenprozesse in der Grafschaft Vaduz und Herrschaft Schellenberg (1957) legt die Mechanismen, die soziale Dynamik und die fiskalische Korruption der Massenprozesse des 17. Jahrhunderts unter den Grafen von Hohenems offen.

Außerhalb der Wissenschaft wurde Seger durch seine volkskundlichen Sammlungen bekannt. Sein Standardwerk Liechtensteiner Sagen fasste erstmals systematisch die mündlichen Überlieferungen, Geistergeschichten und Hexenerzählungen des Rheintals zusammen und ist Bestandteil des liechtensteinischen Kulturguts und Lesestoffs an Schulen.

Ehrungen 1965 wurde er vom Fürstenhaus zum Fürstlichen Studienrat ernannt. 1969 wurde er zum Ehrenmitglied des Historischen Vereins durch den Historischen Verein für das Fürstentum Liechtenstein ernannt. 1987 erhielt er die Große Verdienstmedaille der Gemeinde Vaduz von der Gemeinde Vaduz anlässlich seines 80. Geburtstags für sein Lebenswerk als Landeshistoriker, Sagensammler und Schulgründer.

Schriften (Auswahl) Der letzte Akt im Drama der Hexenprozesse in der Grafschaft Vaduz und Herrschaft Schellenberg. In: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein, Band 57, 1957, S. 135–227. Aus der Zeit der Hexenverfolgungen. Ein Nachtrag. In: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein, Band 59, 1959, S. 329–349. Vaduz: Ein Heimatbuch. Hrsg. von der Gemeinde Vaduz, 1960. Liechtensteiner Sagen. Alpenland-Verlag, Schaan (mehrere Auflagen). Hexenprozesse in Liechtenstein und das Salzburger Rechtsgutachten von 1682. (Mit Peter Putzer), St. Johann / Wien 1987.

Literatur Manfred Tschaikner: Hexenverfolgung in Liechtenstein. In: Jahrbuch des Historischen Vereins, Bd. 96, 1998. Felix Marxer und Alois Ospelt: Nachruf: Fürstlicher Studienrat Prof. Otto Seger † 8. März 1988. In: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein. Band 88, 1988, S. 217 (Foto); 219–222 (Digitalisat im Portal eLiechtensteinensia). Hinweis: Der Band wurde erst 1990 gedruckt, er hat also die Bandnummer 1990 (88). Er hat auch eine Übersicht seiner (für den Verein) erstellten Literatur.

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Einzelnachweise

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