William Ulrich Snyder (* 10. Juli 1915 in Shippensburg; † 18. März 2001 in Sarasota) war ein US-amerikanischer Psychologe und emeritierter Professor an der Ohio State University.D. K. Synder: William Ulrich Snyder (1915-2001). In: American Psychologist, 2002, 57 (2), S. 130. doi:10.1037/0003-066X.57.2.130, abgerufen am 5. September 2026. Biography of William U. Snyder auf Ohio State University, abgerufen am 5. September 2026.

Leben Sein Vater war der Pfarrer Henry Douglas Snyder aus Gettysburg. Seine Mutter starb mit 45, sein älterer Bruder Luther mit 55 Jahren, daneben hatte er noch einen jüngeren Bruder Henry.

Er promovierte 1942 zum Ph.D. an der Ohio State University. Danach war er für den United States Employment Service sowie die Des Moines Child Guidance Clinic tätig; 1944 kam er als Assistant Professor wieder an die Ohio State University. Von 1945 bis 1962 wirkte er an der Pennsylvania State University; hier leitete er eines der ersten Forschungsprogramme für Psychotherapie und unterrichtete Psychotherapie. 1962 kam er zurück an die Ohio State University (OSU). Als Leiter des Fachbereichs Psychologie und Direktor der klinischen Ausbildung an der OSU warb er einen Bundeszuschuss für die Ausbildung in klinischer Psychologie sowie zahlreiche Forschungsstipendien zur Unterstützung seiner Arbeit ein. 1970 ernannte ihn die OSU zum „Distinguished Professor“.

Werk Er war einer der frühen Pioniere der von Carl Rogers begründeten nicht-direktiven (klientenzentrierten) Psychotherapie. 1943 entwickelte er das erste systematische Kategoriensystem zur objektiven Kodierung und Analyse von Interaktionen in Therapiegesprächen (Snyder's Classification System). Damit legte er das Fundament für die empirische Psychotherapieforschung. Dieses zweidimensionale Klassifikationssystem umfasst Kategorien, die vorwiegend die Interaktion zwischen den verbalen Äußerungen des Beraters oder Therapeuten und dem Inhalt sowie dem Affekt der verbalen Äußerungen des Klienten beschreiben. Seit ihrer ursprünglichen Entwicklung wurden diese Systeme in zahlreichen Forschungsprojekten angewandt.

Zudem veröffentlichte er Fachliteratur, die über Jahrzehnte hinweg zur Standardlektüre bei der therapeutischen Ausbildung gehörte, so ein praxisnahes Lehrbuch mit vollständigen Transkripten echter Therapiesitzungen zur Veranschaulichung des klientenzentrierten Vorgehens oder eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung über die psychologische Dynamik und die Auswirkungen der therapeutischen Beziehung, die sich mit dem Phänomen der Abhängigkeit von Klienten im therapeutischen Prozess auseinandersetzt. Bekannt wurde auch seine tiefenpsychologische psychobiografische und literaturpsychologische Studie über den amerikanischen Schriftsteller Thomas Wolfe.

Ehrungen/Positionen Präsident der Pennsylvania Psychological Association MItglied der American Psychological Association (APA) Mitglied der American Academy of Psychotherapists

Privates Er heiratete am 17. März 1943 Barbara June Snyder (geborene Kramer, 1917–2020), damals Studentin an der Ohio State University und ebenfalls Psychologin, die später an der Penn State University lehrte.June Snyder Obituary auf legacy.com, abgerufen am 5. September 2026. Er verstarb mit 85 Jahren am Morgen nach seinem 58. Hochzeitstag, seine Frau verstarb mit 103 Jahren an den Folgen von COVID-19. Das Paar hatte keine Kinder.

Publikationen (Auswahl) Monografien Thomas Wolfe: Ulysses and Narcissus. Ohio U. Press, Athens 1971. Mit Barbara June Snyder: The psychotherapy relationship. Macmillan Company, New York 1961. Dependency in Psychotherapy: A Casebook. Macmillan, New York 1963. Casebook of non-directive counseling. Houghton Mifflin, Boston 1947. An Investigation of the Nature of Non-Directive Psychotherapy. Ohio State University, Columbus 1943.

Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge Snyder's classification system for therapeutic interviews. In: R. L. Russell (Hrsg.): Language in psychotherapy: Strategies of discovery (Emotions, Personality, and Psychotherapy) (S. 109–129). Springer, Boston 1987, ISBN 978-1-4899-0498-0. Warmth in nondirective counseling. In: Journal of abnormal psychology, 1946, 41 (4), S. 491–495. An investigation of the nature of non-directive psychotherapy. In: J. Gen. Psychol., 1945, 33, S. 193–223.

Weblinks

Einzelnachweise

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