mini|hochkant|verweis=|Buchcover der Erstausgabe von The Third Eye (1956) von Lobsang Rampa, veröffentlicht bei Secker & Warburg.

Das dritte Auge (englischer Originaltitel: The Third Eye: The Autobiography of a Tibetan Lama) ist ein im November 1956 bei Secker & Warburg erschienenes Buch, das zunächst als authentische Autobiografie des tibetischen Lama Tuesday Lobsang Rampa veröffentlicht wurde. Rampa schildert darin seine Kindheit in Lhasa, seine Ausbildung im tibetischen Kloster Chakpori (Kloster für Medizin und Heilkunst) und sein Studium zum Priester-Arzt. Der Titel bezieht sich auf ein im Buch beschriebenes sogenanntes „drittes Auge“, das Rampa zufolge durch einen chirurgischen Eingriff an seiner Stirn geöffnet wurde. Nach seiner Darstellung erlangte er dadurch die Fähigkeit, die Aura von Menschen wahrzunehmen.

Bereits vor der Veröffentlichung kamen Zweifel an der behaupteten Identität und Herkunft des Autors auf. 1958 ergaben Untersuchungen schließlich, dass hinter dem Pseudonym nicht ein tibetischer Lama, sondern der Engländer Cyril Henry Hoskin stand, der nie in Tibet gewesen war. Nach Bekanntwerden seiner wahren Identität erklärte Hoskin, dass der Geist des tibetischen Lama Lobsang Rampa seinen Körper übernommen und in diesem die eigene Lebensgeschichte niedergeschrieben habe. Die Enthüllung seiner tatsächlichen Identität löste eine anhaltende Kontroverse über die Glaubwürdigkeit der im Buch enthaltenen biografischen und spirituellen Schilderungen aus. Das Buch wird seither gemeinhin als literarischer Schwindel (Hoax) angesehen. „Rampa's critics claimed that he was a Cornish plumber's son named Cyril Hoskin, and they were vociferous in their condemnation of the author—so much so that his first book about Tibet, The Third Eye, came to be considered one of the greatest literary hoaxes of all time.“

Handlung Die Geschichte von Das dritte Auge beginnt in Tibet während der Herrschaft des 13. Dalai Lama. Lobsang Rampa schildert darin seine Kindheit in Lhasa als Sohn einflussreicher Eltern, wobei sein Vater zu den führenden Mitgliedern der tibetischen Regierung gehört. Die Familie zählt nach Rampas Darstellung zu den angesehensten Familien des Landes und verfügt über beträchtlichen Besitz und politischen Einfluss. Trotz seiner privilegierten Herkunft wächst Lobsang unter strenger Erziehung auf.

Kurz vor seinem siebten Geburtstag lassen seine Eltern Astrologen zu Rate ziehen, um seine Zukunft bestimmen zu lassen. Die erfahrenen Seher sagen ihm eine außergewöhnliche und schwierige Lebensbahn voraus: Nach einer harten Prüfung seiner Ausdauer werde er in ein Lamakloster eintreten und dort zum Priester-Arzt ausgebildet werden. Ihm würden zahlreiche Prüfungen und Leiden bevorstehen; er werde seine Heimat verlassen, unter fremden Menschen leben, alles verlieren und sein Leben von Neuem beginnen müssen. Dennoch werde er am Ende erfolgreich sein. Die Prophezeiung wird für Lobsangs weiteren Lebensweg zu einem bestimmenden Bezugspunkt.

mini|link=|Chakpori-Lamakloster in Lhasa, Tibet (1938). Gemäß Rampas Schilderungen sei ihm dort in jungen Jahren sein „drittes Auge“ chirurgisch geöffnet worden. Zudem soll er dort ausgebildet worden sein, bevor er später nach China gegangen sei.

Nach bestandener Aufnahmeprüfung erhält Lobsang im Kloster Chakpori eine umfassende Ausbildung. Aufgrund seiner besonderen Eignung wird er gezielt gefördert und unter der Anleitung des Lama Mingyar Dondup, der zu seinem Mentor wird, intensiv unterrichtet. Ihm wird schon früh vermittelt, dass es später seine Aufgabe sein wird, das spirituelle Wissen Tibets weiterzutragen. Innerhalb weniger Jahre soll er Kenntnisse erwerben, für die ein gewöhnlicher Lama ein ganzes Leben benötigen würde. Neben der medizinischen und religiösen Unterweisung umfasst seine Ausbildung auch Meditation sowie Praktiken wie Hellsehen, Hypnose und Astralreisen.

Kurz vor seinem achten Geburtstag kündigen die Astrologen einen günstigen Zeitpunkt für die Öffnung des sogenannten „dritten Auges“ an. Die Behandlung soll Lobsangs Wahrnehmungsfähigkeit erweitern, sodass er die Aura von Menschen sehen kann. Zu diesem Zweck wird unter der Leitung des Lama Mingyar Dondups an Lobsangs Stirn ein chirurgischer Eingriff vorgenommen (Trepanation). Lobsang muss den Eingriff bei vollem Bewusstsein ertragen und verbringt anschließend mehrere Wochen abgeschirmt in einem abgedunkelten Raum. Nach dieser Zeit sagt sein tibetischer Lehrer und Mentor zu ihm:

Nach der Heilungsphase kann er nach eigener Darstellung die Aura von Menschen sehen und anhand ihrer Farben und Ausprägungen deren körperlichen und geistigen Zustand erkennen. Später entwickelt er weitere Fähigkeiten wie Hellsehen und außersinnliche Wahrnehmung.

Mit zunehmendem Alter durchläuft Lobsang weitere Prüfungen, nimmt an außergewöhnlichen Expeditionen teil und erhält eine immer umfassendere Ausbildung. Als Trülku, also als anerkannte Inkarnation, erhält seine Ausbildung dabei eine besondere religiöse Bedeutung. Schließlich legt er Prüfungen zur Erlangung der Lamawürde ab. Nach erfolgreichem Abschluss seiner Ausbildung wird ihm auf Weisung des 13. Dalai Lama der Rang eines Abtes verliehen.

Von Beginn seiner Ausbildung an wird Lobsang auf eine besondere Aufgabe vorbereitet. Seine Unterweisung in Medizin, geistigen Disziplinen und esoterischen Praktiken dient dabei nach seiner Darstellung nicht nur seiner Ausbildung zum Priester-Arzt, sondern auch der Vorbereitung auf seine spätere Bestimmung. Aufgrund seiner Stellung und seiner Leistungen wird er zum Abschluss der Ausbildung für weiterführende Aufgaben ausgewählt. In einer abschließenden Initiation, der sogenannten Zeremonie des „Kleinen Todes“, erlebt er eine außerkörperliche Reise und erhält weitere Erkenntnisse über die Geschichte der Erde und seine eigene Bestimmung.

Gegen Ende seiner Zeit in Tibet teilt ihm der 13. Dalai Lama mit, dass nun die Zeit gekommen sei, das Land zu verlassen und seiner vorausgesagten Bestimmung zu folgen. Er nimmt Abschied von seinem Mentor, seiner Familie und schließlich vom Dalai Lama. Danach verlässt er Tibet in Richtung China. Mit diesem Abschied endet die im Buch geschilderte Lebensphase seiner Kindheit und Jugend in Tibet. Seine weitere Lebensgeschichte wird in dem nachfolgenden Werk Ein Arzt aus Lhasa fortgeführt.

Hintergrund und Entstehung

Nach eigenen Angaben hatte Rampa in den 1950er Jahren in London Schwierigkeiten, eine dauerhafte Beschäftigung zu finden. „For a long time I tried to obtain employment in England, but for various reasons I was quite unable to get any and I lived upon capital which had been saved.“ Er gab an, seinen Lebensunterhalt zeitweise mit Gelegenheitsarbeiten bestritten und sich in finanziell angespannter Lage befunden zu haben. „Alles, was ich wollte, war eine Arbeit, die uns genug Geld einbrachte, um zu überleben, …“ „When he was sacked some time later, he took to ‘spivving’ it and writing occasional magazines and articles.“ Nach Zeitungsberichten und Untersuchungen war Rampa vor seiner schriftstellerischen Tätigkeit vorwiegend im Bereich der Herstellung medizinisch-technischer Hilfsmittel tätig (engl. surgical fitter). „According to the detective [Burgess], Hoskin had been in London ever since moving there in 1940 and finding work at a surgical fittings manufacturer.“ „The bulk of the book is taken up by Ray's biography of Rampa, born Cyril Henry Hoskin, a former surgical fitter from Plympton in Devon, who, in a 1956 "autobiography" called, The Third Eye, claimed to be, or perhaps to be home to, a reincarnated Tibetan Buddhist Lama named Tuesday Lobsang Rampa.“

Nach eigener Darstellung sei er schließlich durch einen Bekannten auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht worden, als „Ghostwriter“ tätig zu werden. „Eventually, at the introduction of a friend, I went to see Mr. Cyrus Brooks of Messrs. A. M. Heath & Company Limited. I wanted to do anything clerical or connected with "ghost" writing.“ Dieser habe ihn anschließend mit dem Literaturagenten Cyrus Brooks von A. M. Heath in London bekannt gemacht. „Auf die Idee, sich als Schriftsteller zu versuchen, kam Hoskins durch die Bekanntschaft mit Cyrus Brooks, einem Mitglied der in England wohlrenommierten literarischen Agentur Messrs. A.M. Heath.“ Rampa sei in der Annahme dort erschienen, vielleicht eine Anstellung als technischer Autor zu bekommen, da er in diesem Bereich tätig war und sich zuvor auf solche Stellen beworben hatte. „K. [Kuan] wanted Brooks to find him work writing advertising material for medical supplies. Why medical supplies, Brooks had inquired? At this point K. had taken from his briefcase a certificate of considerable elaboration ...“ „Vor einiger Zeit hatte ich auf eine Anzeige geantwortet, in der ein technischer Autor gesucht wurde, …“ Beim ersten Treffen mit Brooks brachte er ein Manuskript über (medizinische) Korsetts mit. „To Literary Agent Cyrus Brooks he brought a manuscript on corsets and such a high, wide and fancy load of Himalayan snow that Brooks suggested he forget corsets and set to work on "The Third Eye" instead.“ „She [Rampas wife] said she was Scotch and a State Registered Nurse, and in addition to the boutique she and her husband sold medical corsetry. (Endnotes : Important but unromantic work, ‘medical corsetry’ is a euphemism for trusses – support used by men suffering from hernias.)“ Als Rampa im Verlauf des Gesprächs angab, ein tibetischer Lama zu sein, zeigte Brooks großes Interesse und bat ihn, seine Geschichte aufzuschreiben. „Bevor Hoskins entlarvt wurde, rühmte sich Brooks, er sei es gewesen, der den Dr. Kuan überredet habe, seine Erinnerungen zu schreiben.“ Rampa gab an, dass ihm diese Vorstellung zunächst wenig zusagte, da seine finanzielle Lage jedoch nur wenig Spielraum zuließ, stimmte er zu. „Dr. Kuan had ostensibly only agreed to write his autobiography ‘after severe pressure on a number of occasions’ from Brooks.“ „When he [Rampa] inquired about a job as a ghostwriter, the literary agent Cyrus Brooks of A. M. Heather & Company encouraged him to write his own book. He was reluctant.“ Vom literarischen Ergebnis überzeugt, vermittelte Brooks daraufhin einen Vertrag mit dem Verlag Secker & Warburg in London. „Intrigued by a client as extraordinary as this, Cyrus secured a deal with Secker & Warburg, who published the book in 1956.“