Die elektrischen Tagebaulokomotiven Henschel/SSW Bo 30t wurde bei Henschel und SSW in der Zeit von 1936 bis 1941 in zehn bekannten Exemplaren gefertigt.
Die Lokomotiven waren zu ihrer Dienstzeit bei dem Braunkohlenwerk Kulkwitz mit der bekannten Nummer 2 und der Roddergrube mit den Betriebsnummern 19–25 und anschließend bei Braunkohlenbahnen von Rheinbraun mit den Betriebsnummern 1073–1079 eingesetzt. Die Lokomotiven waren bis 1975 in Betrieb und wurden dann ausgemustert. Die Lokomotive Roddergrube 21 bzw. Rheinbraun 1075 (Henschel 24579, SSW 3568) ist beim ehemaligen Braunkohlenzentrum Liblar als Denkmal erhalten.
Geschichte Braunkohlenwerk Kulkwitz mini|links|Lokomotive Braunkohlenwerk Kulkwitz Nr. 2 auf einer Werkfotografie von Henschel Die Lokomotiven entstanden als stärkere und schwerere Variante sowie Weiterentwicklung der Lokomotiven Roddergrube 1–18 und als Fortführung der LHW/SSW Bo 30 t, sie wurden von Henschel und SSW hergestellt. Die erste Lokomotive der Serie wurde an das Braunkohlenwerk Kulkwitz geliefert, diese Lokomotive mit der Henschel-Fabriknummer 23339 und der SSW-Fabriknummer 3170 hat die Nummer 2 getragen.Wolfgang Messerschmidt, Henschel Lokomotiven von 1848 bis heute, Steiger Verlag, Moers 1985, Seite 186Auflistung der von SSW gefertigten Lokomotiven auf www.werkbahn.de (kann als CD kostenpflichtig erworben werden) Über Einsatzberichte sind in der Literatur keine Angaben vorhanden, sie war im Braunkohlenwerk Kulkwitz anlässlich der Eröffnung des Tagebaues bei Kulkwitz beschafft worden.www.kuladig.de: Internetseite mit Erwähnung der Werkbahn vom Braunkohlenwerk Kulkwitz 1941 sind zusätzlich zu mehreren vierachsigen Maschinen noch zwei weitere zweiachsige Lokomotiven beschafft worden, von denen allerdings die Bezeichnungen nicht bekannt sind.
Die Nachkriegsgeschichte der Lokomotiven ist nicht bekannt. Bis 1967 wurden im Braunkohlenwerk Kulkwitz, dass ab 1947 dem VEB Braunkohlenwerk Deutzen als Betriebsteil angehörte, Kohle verarbeitet, nachdem bis 1963 die Kohleförderung im Tagebau Kulkwitz/Miltitz endete.
Rheinisches Braunkohlerevier mini|links|Roddergrube 22 um 1955 im Tagebau Vereinigte Ville Für die Braunkohlenbahnen der Roddergrube wurde ab 1940 bis 1941 sieben weitere Lokomotiven beschafft, sie wurden zuerst als Rodder 19–25 bezeichnet. Die Lokomotiven Roddergrube 19–22 wurden ab einem terminlich nicht bekannten Zeitpunkt als Doppellokomotiven mit der jeweils benachbarten Maschine eingesetzt, die anderen drei Maschinen ab 23–25 wurden als Einzellokomotiven verwendet.Günther Barths Die Triebfahrzeuge der Rheinischen Braunkohlenwerke in Wort und Bild, Krefeld-Röhr, ISBN 3-88490-128-1 Sie waren für die Verwendung unter der Beladung bei den Tagebaugroßgeräten mit Haupt- und Hilfs-Stromabnehmern ausgerüstet. Bildliche Einsatzbelege gibt es von der Lokomotive 22 um 1955, damals noch nicht im Doppellokeinsatz und demzufolge auch ohne Dachaufsatz ausgerüstet, im Tagebau Vereinigte Ville bei der Fahrt mit einem Kohlezug vom Tagebau zu dem Schrägaufzug beim Industriekomplex Vereinigte Ville.
Sämtliche Lokomotiven waren bis 1975 in Betrieb und wurden dann in Knapsack abgestellt. Die ehemalige Roddergrube 21 bzw. Rheinbraun 1075 wurde 1975 zuerst dem Feldbahnmuseum Oekoven überlassen und dort als Nr. 32 bezeichnet. Sie ist Denkmal beim ehemaligen Braunkohlenzentrum Liblar. Die restlichen Lokomotiven sind nicht mehr vorhanden.
Die Lokomotiven sind nach dem Zweiten Weltkrieg noch bei Henschel bis 1962 im Katalog mehrfach angeboten worden.Henschel & Sohn Henschel-Lokomotiv-Taschenbuch, Kassel, 1952, Seite 268Henschel-Werke GmbH Kassel, Henschel Lokomotiv-Taschenbuch 1960, VDI-Verlag GmbH, Düsseldorf, 1960, Seite 442 Es ist aber nicht bekannt, ob eine Maschine nochmals gefertigt wurde.
Technik Mechanik Die Lokomotive gehen auf die LHW/SSW Bo 30 t vom Kohlewerk Kraft II zurück, die ihrerseits als die ersten Tagebaulokomotiven mit Fahrmotorenbelüftung gelten.Georg Klein: Die deutsche Braunkohlenindustrie 1, Handbuch für den deutschen Braunkohlenbergbau, in Die deutsche Braunkohlenindustrie, Halle 1933 Der mechanische Teil wurde von Henschel und der elektrische Teil von SSW gebaut. Die Lokomotiven wurden in Nietkonstruktion erstellt. Die Lokomotiven waren mit einem Haupt- sowie zwei Hilfsstromabnehmer auf dem Dach ausgeführt. Die Federung war anfangs als einfache direkte Federung mit einer Blattfeder oberhalb der Achslager, verbunden mit Ausgleich incl. Schraubenfeder geliefert worden. Noch 1955 ist die Lokomotive Rodder 22 mit dieser Federbauart auf Abbildungen zu sehen.Manfred Coenen und Volker Schüler, Grubenbahnen im Rheinischen Braunkohlenrevier, Sutton-Verlag, Erfurt 2005, Seite 47 Im Laufe der Zeit war diese Federbauart nach mehreren Brüchen von Schraubenfedern gegen eine Schub-Druck-Gummifederung ausgewechselt worden.Foto einer Schub-Druck-Gummifederung in einem Güterwagen Bis zum Jahr der Ausmusterung 1976 haben alle Maschinen eine Megi-Federung erhalten.
Die Lokomotiven wurden für eine Fahrdrahtspannung von 1200 V ausgelegt. Sie waren mit zwei Motoren je 108 kW ausgestattet. Die Lokomotiven für den Doppellokbetrieb waren mit Meßanzeigen für sämtliche Fahrmotoren im Führerstand für die Vielfachsteuerung ausgerüstet. Äußerlich sind die Doppelloks durch den Dachaufsatz zu erkennen, den die Einzellokomotiven nicht besaßen.
Siehe auch Liblar, Standort der erhaltenen ehemaligen Lokomotive Rheinbraun 1075 Schienenfahrzeuge von Rheinbraun Liste schmalspuriger Lokomotiven von Henschel
Literatur Karl R. Repetzki: Bau-, Feldbahn-, Kleinbahn- und Industrielokomotiven von Henschel, Steiger-Verlag, Moers 1982/83, ISBN 3-921564-52-2, Seite 100 Günther Barths Die Triebfahrzeuge der Rheinischen Braunkohlenwerke in Wort und Bild, Krefeld-Röhr, ISBN 3-88490-128-1 Henschel & Sohn Henschel-Lokomotiv-Taschenbuch, Kassel, 1952
Weblinks www.kuladig.de: Internetseite über das Braunkohlenwerk Kulkwitz www.kuladig.de: Internetseite über die Abbaufläche für das Braunkohlenwerk Kulkwitz Internetseite über das Feld- und Werksbahnmuseum Oekoven mit Erwähnung der Henschel 24579 Fotosammlung von erhaltenen 900mm-Grubenbahnen von Rheinbraun mit Erwähnung der erhaltenen Lokomotive 1075 auf flickr Foto der erhaltenen Lokomotive Rheinbraun 1075 auf flickr Liste der erhaltenen Lokomotiven von Henschel mit Erwähnung der Lokomotive Roddergrube 21 auf www.werkbahn Liste von erhaltenen Lokomotiven im Vorgebirge mit Erwähnung der Lokomotive Roddergrube 21 auf drehscheibe-online Internetseite von der erhaltenen Lokomotive Roddergrube 21 auf www.werkbahn
Einzelnachweise
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