Tony Tulathimutte (; ; * 1. September 1983 in Springfield, Massachusetts) ist ein US-amerikanischer Schriftsteller. Bekannt wurde er vor allem durch seine satirische Prosa. Für seine Erzählung Scenes from the Life of the Only Girl in Water Shield, Alaska wurde er 2008 mit dem O.-Henry-Preis ausgezeichnet. 2016 erschien sein Debütroman Private Citizens. Sein Erzählband Rejection (2024; deutsch Fiasko, dtv 2026) stand auf der Longlist des National Book Award in der Sparte Fiction.
Leben Tulathimutte wuchs in Massachusetts als Sohn thailändischer Einwanderer auf. An der Stanford University erwarb er einen Bachelor- und einen Masterabschluss im Fach Symbolic Systems; anschließend arbeitete er in San Francisco als Autor und User-Experience-Forscher. Da ihn diese berufliche Laufbahn nicht zufriedenstellte, wandte er sich dem Schreiben zu und begann mit der Arbeit an Private Citizens. 2010 wurde er am Iowa Writers’ Workshop aufgenommen, den er 2012 mit dem Master of Fine Arts abschloss.
Tulathimutte lebt in Crown Heights und leitet dort als Hauptdozent CRIT, einen von ihm 2017 gegründeten Schreibkurs (Stand: 2024).
Werk Private Citizens, ein Roman über vier Stanford-Absolventen nach ihrem Studienabschluss, fand zunächst nur schwer einen Verlag. Schließlich erwarb William Morrow (HarperCollins) die Rechte, zahlte Tulathimutte einen Vorschuss von 20.000 US-Dollar und brachte das Buch 2016 heraus. Der Roman wurde von der Kritik positiv aufgenommen; das Magazin New York bezeichnete ihn als „the first great millennial novel“ (deutsch etwa: „den ersten großen Roman der Millennials“), und Jonathan Franzen zählte ihn zu seinen Lieblingsromanen des Jahrzehnts.
2019 veröffentlichte das Magazin n+1 Tulathimuttes Erzählung The Feminist. Der Text löste starke Reaktionen und eine Kontroverse aus und wurde zum meistgelesenen Beitrag auf der Website des Magazins. Die Satire ist aus der Perspektive eines Mannes erzählt, der sich selbst als Verbündeter des Feminismus versteht, angesichts seiner ausbleibenden Erfolge bei Frauen jedoch diesen die Schuld am Scheitern des Feminismus gibt und sich schließlich der Gewalt zuwendet. Von feministischer Seite wurde die Erzählung teils kritisiert, während sie in antifeministischen Kreisen teils zustimmend aufgenommen wurde. Tulathimutte betonte, die Ansichten seines Erzählers nicht zu teilen; nach der Veröffentlichung erklärte er, in der Praxis habe jeder die eigene politische Haltung in den Text hineingelesen.
2024 erschien bei William Morrow der Erzählband Rejection, der auch The Feminist (dt. Der Feminist) enthält. Giles Harvey schrieb im New York Times Magazine, das Buch nehme die gegenwärtige liberale Frömmelei und eine unternehmerisch vereinnahmte Identitätspolitik satirisch aufs Korn. Die deutsche Ausgabe erschien 2026 unter dem Titel Fiasko in der Übersetzung von Stefanie Jacobs, Stefanie Ochel und Jan Schönherr.
2026 wurde Tulathimutte als erster Preisträger mit dem Jack Galef Literary Arts Award ausgezeichnet. Der mit 150.000 US-Dollar dotierte Preis wird vom Iowa Writers’ Workshop der University of Iowa im Auftrag des Nachlasses des Lyrikers Jack Galef vergeben und zählt zu den höchstdotierten Literaturpreisen der Vereinigten Staaten. Er soll künftig alle zwei Jahre verliehen werden.
Werke
Romane Private Citizens. William Morrow, New York 2016, ISBN 978-0-06-239910-6.
Erzählbände Rejection. William Morrow, New York 2024, ISBN 978-0-06-333787-9. Fiasko. Fiktionen. Übersetzt von Stefanie Jacobs, Stefanie Ochel und Jan Schönherr. dtv, München 2026, ISBN 978-3-423-28577-3.
Erzählungen (Auswahl) Composite Body. In: The Cimarron Review. Inheritance. In: The Threepenny Review. Brains. In: The Malahat Review. The Man Who Wasn’t Male. In: Wag’s Revue. Scenes from the Life of the Only Girl in Water Shield, Alaska. In: The Threepenny Review. The Feminist. In: n+1. 2019. Ahegao. In: The Paris Review.
Sachbücher und Essays mit Nate Bolt: Remote Research. Rosenfeld Media, Brooklyn 2010, ISBN 978-1-933820-77-4. The Rejection Plot. In: The Paris Review.
Auszeichnungen 2008: O.-Henry-Preis 2017: Whiting Award in der Sparte Fiction 2026: Jack Galef Literary Arts Award
Weblinks
Offizielle Website (englisch)
Einzelnachweise Giles Harvey: Main Character Energy. In: The New York Times Magazine, 15. September 2024, S. 40.
Dan Piepenbring: Say Hello to the 2017 Whiting Honorees. In: The Paris Review, 22. März 2017.
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