La Pasada – Die Überfahrt ist ein österreichischer Spielfilm von Anna Maria Krassnigg aus dem Jahr 2017 nach einem Drehbuch von Anna Poloni. Das Werk ging aus einer 2015 aufgeführten „Kinobühnenschau“ hervor, die Film und Bühnenspiel miteinander verband. Die Hauptrolle der Flora Stern spielt Erni Mangold.

Handlung Die 87-jährige Konzeptkünstlerin Flora Stern inszeniert in einem alten Theater ihren „letzten Abend“. Cal, der sie während ihres letzten Lebensjahres begleitet hat, bereitet die Bühne für die Vorführung vor. Zu den Gästen gehören Floras Tochter Dolores Barrachina und Antón. Im Verlauf einer Nacht setzt sich Floras Lebensgeschichte aus Filmausschnitten, Erinnerungen und der Begegnung der Familienmitglieder zusammen.

Als junge Künstlerin liebt Flora den sephardischen Juden Ari Barrachina. In den 1950er Jahren folgt sie ihm schwanger nach Sevilla. Nach der Geburt ihrer Tochter Dolores entscheidet sie sich jedoch gegen ein Leben als Hausfrau und Mutter und für ihre künstlerische Karriere. Sie verlässt Sevilla und lässt Dolores bei Ari zurück, während sie selbst in Mitteleuropa Karriere macht. Ari heiratet später eine Andalusierin, und Floras Existenz wird gegenüber Dolores verschwiegen.

Mit fünfzehn Jahren wird Dolores selbst schwanger. Auch sie lässt ihr Kind zurück, ohne zu wissen, dass Flora den Jungen Antón in Wien aufnimmt und wie einen eigenen Sohn großzieht. Erst später werden die Zusammenhänge zwischen den Generationen und die Wiederholung ähnlicher Lebensentscheidungen sichtbar.

Nach Aris Tod versucht Flora vergeblich, sich ihrer Tochter wieder anzunähern. Schließlich macht sie ihre eigene Familiengeschichte zum Gegenstand ihrer letzten Bühnenperformance. Unterstützt wird sie dabei von Cal, Antón und ihrem fünfzehnjährigen Urenkel Ariel. Im Verlauf der Nacht werden die lange verschwiegenen Verwandtschaftsverhältnisse und Familiengeheimnisse offengelegt. Dolores empfindet die Inszenierung zunächst als einen weiteren Verrat ihrer Mutter, beginnt sich am Ende jedoch mit Flora und ihrer eigenen Familiengeschichte auseinanderzusetzen.

Entstehung La Pasada – Die Überfahrt wurde zunächst als „Kinobühnenschau“ nach einem Text von Anna Poloni realisiert. Anna Maria Krassniggs Inszenierung verband vor einer Kinoleinwand gespielte Szenen mit Filmeinspielungen. Die Produktion wurde 2015 im Thalhof in Reichenau an der Rax und anschließend im Metro Kino in Wien gezeigt.Petra Paterno: Leben im Leben. In: Wiener Zeitung, 20. November 2015, S. 27.

Die Filmaufnahmen entstanden 2015 in Sevilla sowie in und um den Thalhof.La Pasada. „Die Überfahrt“ heißt der erste Kinofilm von Thalhof-Intendantin Anna Maria Krassnigg. In: Niederösterreichische Nachrichten, Gesamtausgabe, Nr. 48/2017, S. 17. Für die Filmfassung wurden auch die bei der Kinobühnenschau live gespielten Szenen verfilmt. Der Spielfilm hat eine Laufzeit von 92 Minuten. Die Kamera führte Christoph Hochenbichler, Schnitt und Musik stammen von Christian Mair.

Veröffentlichung Der Film wurde ab November 2017 in österreichischen Kinos gezeigt. Die niederösterreichische Kinopremiere fand am 2. Dezember im Kino im Kesselhaus in Krems statt.

Im Jänner 2018 präsentierten Erni Mangold und Anna Maria Krassnigg den Film im Moviemento in Linz und im Kino Freistadt.Nora Bruckmüller: Erni Mangold: „Auf gewisse Weise bin ich immer eine Anarchistin gewesen“. In: Oberösterreichische Nachrichten, 12. Jänner 2018, S. 15.

Rezeption Die ursprüngliche Kinobühnenschau wurde 2015 in mehreren österreichischen Tageszeitungen besprochen. Petra Paterno schrieb in der Wiener Zeitung, Anna Maria Krassnigg verwebe in ihrer Inszenierung Film und Theater „gekonnt“. Die Form der Kinobühnenschau erweise sich als geeignet, Vergangenheit und Gegenwart sowie Erinnerung und Enttäuschung ineinanderfließen zu lassen.

Ronald Pohl bezeichnete die Produktion in Der Standard als eine „höchst eigenwillige Verbindung aus Kino und Bühnenspiel“. Er hob zugleich die „durchdringende Kraft“ zahlreicher Bilder hervor.

Der Kinofilm wurde 2017 von Michael Wurmitzer in Der Standard kritisch beurteilt. Er hob die von Christoph Hochenbichler stimmungsvoll eingefangenen spanischen Schauplätze und das intensive Ensemble hervor, kritisierte jedoch mangelnde Verdichtung und fehlendes Tempo. In den ursprünglich für die Bühne entstandenen Szenen sah er „viel abgefilmtes Theater“.

Anlässlich der Kinoaufführungen in Linz und Freistadt widmeten die Oberösterreichischen Nachrichten dem Film 2018 einen Beitrag und ein Interview mit Erni Mangold. Die Zeitung beschrieb den Film als formale und inhaltliche Verbindung von Erinnerung und Gegenwart, Alt und Jung, Liebe und Groll sowie Theater und Film.

Weblinks Offizielle Website La Pasada – Die Überfahrt beim Filmarchiv Austria

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 2017 Kategorie:Österreichischer Film