Birger Juel Larssen (geb. 5. November 1902 in Bergen; gest. 14. Oktober 1970 ebenda) war ein norwegischer Widerstandskämpfer während der deutschen Besatzung Norwegens und leitete unter anderem eine „Export-Gruppe“, die Flüchtlingstransporte über die Nordsee organisierte.

Leben Kindheit und Vorkriegsjahre mini Birger Larssen wurde in Bergen geboren, sein Vater (der ebenfalls Birger hieß) war Schiffskapitän, Mutter Hannah (geb. Hansen) war Hausfrau. In seiner Kindheit begleitete die Familie mit Birgers Schwester Frederikke den Vater auf zahlreichen langen Seereisen und noch vor seinem 10. Lebensjahr hatte der junge Birger mehrfach den Äquator überquert. Später besuchte er die Schule im Bergener Ortsteil Møhlenpris und war Mitglied des Buekorps Nygaards Bataljon. Die Mutter hatte Verwandte, die einen Großbauernhof auf Halsnøy betrieben, wo Birger zahlreiche Sommer verbrachte und als 14-jähriger seine spätere Ehefrau Gudrun Haugsen kennenlernte. Als 17-jähriger brach er die Schule ab, heuerte auf einem Schiff für eine Fahrt nach Australien an und bereiste den Kontinent mehrere Monate lang. Anschließend reiste er weiter nach Kalifornien und erkundete auch Nordamerika, wo er unter anderem als Komparse bei den Universal Studios und Farmhelfer arbeitete. In Princeton traf er Gudrun wieder, die dort arbeitete, und die beiden reisten im Herbst 1920 zurück nach Norwegen.London-Larssen. Nygaardsgutt of krigshelt. In. Nygårdsnytt, Nygaards bataljons blad. 2021, Vol. 88, Nr. 2, S. 25–31

Zurück in Bergen besuchte Larssen die Technische Schule (Bergens Tekniske Skole), wurde Schiffsingenieur und war danach erneut eine Zeit lang in der Handelsmarine tätig.Dødsfall. Bergens Arbeiderblad, 17. Oktober 1970 (norwegisch) Als er nach Hause zurückkehrte, begann er in einer Spedition zu arbeiten, und lebte zur Zeit des deutschen Angriffs auf Norwegen mit Gudrun, die er 1932 geheiratet hatte, und drei kleinen Kindern (Turid, Birger und Bente) in Bergen. Am 18. Juli 1940 kam sein Vater bei der Versenkung des Frachters Gyda durch das deutsche U-Boot U 58 ums Leben, was Birger Larssens Motivation zum Widerstand gegen die Besatzer noch verstärkte.«London Larssen» – en ukjent bergensk krigshelt. Bergens Tidende, 12. Mai 2020 (norwegisch)

Aarstad-Gruppe und Nordseefahrt mini|Artilleriegeschütz in Kvarven Fort (2006) Larssen war Teil einer der sogenannten „Export-Gruppen“, die mit privaten Fischerbooten den Transport von Flüchtlingen über die Nordsee nach Großbritannien organisierten. Nachdem er beim deutschen Überfall auf Norwegen am 9. April 1940 als Artillerist nach Kvarven Fort einberufen worden war, kam er über seinen Schwager frühzeitig in Kontakt mit Marinekapitän Sigurd Aarstad. Sowohl Aarstad und die Mannschaft der Schiffe Jupiter und Leda als auch Larssen als Teil der Bemannung in Kvarven wurden während des deutschen Angriffs zunächst gefangen genommen. Aus dieser Kriegsgefangenengruppe heraus bildete sich um Aarstad eine Organisation, die sich zunächst mit Aufklärung und Propaganda beschäftigte. Im Zuge dieser Tätigkeit kamen sie immer häufiger in Kontakt mit Personen, für die ein Aufenthalt in Norwegen zu unsicher wurde, so dass Fluchten organisiert werden mussten.

Die Aarstad-Gruppe, deren Führung Larssen ab 1941 übernahm, nachdem Aarstad selbst hatte flüchten müssen, verhalf Hunderten verfolgter Menschen zur Flucht, darunter vielen Verfolgten nach der Zerschlagung der Stein-Organisation und anderer Widerstandsgruppen im Herbst 1941. So organisierte Larssen zunächst die Fahrt der Duen, mit der am 22. Oktober 1941 38 Widerständler nach Shetland entkamen, und dann auch die Flucht von Billy Forthun und die Fahrt der Blia mit, die in einem Unglück endete, bei dem 43 Menschen ertranken.

Im Mai 1942 wurde auch die Larssen-Gruppe von einem Kollaborateur verraten. Da Birger Larssen dabei namentlich bekannt wurde, setzte die Gestapo eine ausgedehnte Suche in Gang, um seiner habhaft zu werden. Larssen gelang die Flucht aus Bergen über ein konspiratives Versteck in der Entbindungsstation des Krankenhauses Haukeland und geheime Transporte über Tysnes nach Bømlo, wo er sich in der freien Natur versteckte. Seine Frau siedelte unterdessen mit den drei Kindern auf den Hof der Familie in der Nähe von Kloster Halsnøy um.Turid er datter av krigshelten Birger Juel Larssen. Fanaposten, 8. Mai 2020 (norwegisch) In dieser Zeit trug Larssen stets gefälschte Papiere, eine Handfeuerwaffe und auch eine Giftampulle bei sich, um einer Verhaftung durch die Gestapo auf jeden Fall entgehen zu können.

Flucht nach London Einige Male gelang es den Widerstandsgruppen, dem Ehepaar geheime Treffen auf Bømlo zu ermöglichen, bevor Birger Larssen am 10. August 1942 mit dem Kutter Smart auf die Shetlandinseln und weiter nach London flüchten konnte. Am 12. August 1942 wurde er von der Metropolitan Police registriert und war in der Londoner Dienststelle der Norwegian Naval Special Unit tätig und Agent der britischen Special Operations Executive. Am 28. Oktober 1942 trat er als Leutnant in die Königlich Norwegische Armee ein; später wurde er zum Oberkommando der Streitkräfte versetzt, wo er in der Organisation des geheimen Verkehrs über die Nordsee eine wichtige Rolle einnahm.Luke 16: Birger Larssen immigrasjonskort. Nordsjøfarten, Blog des Nordsjøfartmuseet in Telavåg, 14. Dezember 2016 In internen Berichten kritisierte er dabei anfangs die Zusammenarbeit zwischen britischen und norwegischen Behörden scharf.

Ab 1943 war Larssen aufgrund seiner Ortskenntnis entscheidend an der Planung der Operation Guidance beteiligt, bei der unter Einsatz eines Mini-U-Boots eine deutsche Reparaturplattform für Schiffe und U-Boote im Puddefjord in Bergen zerstört werden sollte. Aufgrund schlechter Sicht unter Wasser brachte die Mannschaft die Sprengladungen jedoch versehentlich am Frachter Barenfels an, der sofort sank, während die Plattform unbeschädigt blieb. Mit der Operation Heckle wurde der Versuch wiederholt und am 11. September 1944 gelang die Versenkung der Plattform.

Im Exil war er mit Leif Andreas Larsen befreundet, mit dem er im Widerstand zusammenarbeitete, und wurde in Anlehnung an dessen bekannten Spitznamen Shetland-Larsen selbst London-Larssen genannt.

Familie in Norwegen Nachdem am 27. April 1943 bei Sunde nahe Halsnøy zwei deutsche Soldaten erschossen worden waren, kam es zu einer großen Razzia in der Gegend, in deren Verlauf Larssens Ehefrau Gudrun von der Gestapo in Halsnøy verhaftet und abgeführt wurde. Die beiden jüngeren Kinder, die fünfjährige Tochter Bente und der sieben Jahre alte Sohn Birger, wurden dabei allein im Haus zurückgelassen; die neunjährige Tochter Turid wurde in der Schule durch den Lehrer über das Geschehen informiert. Die beiden älteren Kinder kamen bei Verwandten unter, während die fünfjährige Bente bei ihrer Mutter blieb, die bis Juni 1944 im Gefangenenlager Framnes in Kvam inhaftiert war, in dem auch die Deportierten aus dem zerstörten Telavåg interniert waren.Luke 17: Glipa i biletet. Blog des Nordsjøfartmuseet, 17. Dezember 2016 Die Geschichte der zurückgelassenen Kinder und des Versuchs des siebenjährigen Sohnes, seine Mutter mit seinem Ersparten von der Gestapo freizukaufen, verbreitete sich innerhalb der Widerstandsbewegung und erreichte sogar Birger Larssen in London – der jedoch erst nach dem Krieg erfuhr, dass es sich dabei um seine eigenen Kinder gehandelt hatte. mini|HMS Woolston (1921) Wenige Tage nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 kehrte Birger Larssen mit dem Zerstörer HMS Woolston nach Bergen zurück und bezog mit der Familie wieder die alte Wohnung am Storetveitsvegen. Er arbeitete zunächst weiter beim Militär in der Basis Marineholmen, lehnte aber eine Stellung als Kapitänleutnant ab und gründete 1947 eine eigene Firma zur Zertifizierung von Schiffsreparaturen mit Sigurd Aarstad. Sein Sohn Birger, der ebenfalls Schiffsingenieur wurde, übernahm das Geschäft ab den 1960er Jahren.

Auch nach dem Krieg war Larssen mit anderen bekannten Widerständlern weiter eng befreundet, neben Leif Andreas Larsen („Shetland-Larsen“) und Sigurd Aarstad zählten dazu unter anderem Ragnar Ulstein und Max Manus.

Auszeichnungen Für seine Verdienste im Krieg wurde Larssen unter anderem zum Member des Order of the British Empire (MBE) ernannt und mit dem Freiheitskreuz Haakon VII. ausgezeichnet.

Literatur Eirik Ingolf Eldøy: London–Larssen. Bergen bokbryggeri, 2020, ISBN 978-8-26913-656-2

Einzelnachweise Arnfinn Haga: Fiendtlige spor fra kysten. Cappelen, 1997

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