Die Sabotageakte gegen Umspannwerke in Deutschland 2026 bezeichnen eine Serie mutmaßlicher Angriffe auf Anlagen der elektrischen Energieversorgung in Deutschland, die im September 2026 verübt wurden. Betroffen waren zunächst Anlagen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. Bei den Vorfällen kamen unter anderem selbstgebaute pyrotechnische Vorrichtungen zum Einsatz, mit denen offenbar Störungen an Hochspannungsleitungen verursacht werden sollten.
Anschläge und Sabotageakte Turnow-Preilack (Brandenburg) Am 1. September 2026 wurde an einer zur Stromversorgung des Kraftwerks Jänschwalde gehörenden Anlage im Landkreis Spree-Neiße eine Beschädigung an einer Hochspannungsleitung festgestellt. Bei der Untersuchung des Umspannwerks in Turnow-Preilack fanden Einsatzkräfte mehrere Sprengvorrichtungen beziehungsweise selbstgebaute Flugkörper.
Nach Angaben von Brandenburgs Innenminister Jan Redmann sollten die Vorrichtungen offenbar dazu dienen, leitfähiges Material in den Bereich von Höchstspannungsleitungen zu bringen und dadurch Kurzschlüsse auszulösen. Dies sei in zwei Fällen gelungen, während weitere Versuche ohne Erfolg geblieben seien. Zu einem großflächigen Stromausfall kam es nicht.
Die Ermittlungen werden von der Polizei und dem Landeskriminalamt Brandenburg geführt. Ermittelt wird unter anderem wegen des Verdachts der Störung öffentlicher Betriebe, des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und der Zerstörung wichtiger Arbeitsmittel. Zudem wird geprüft, ob ein Zusammenhang mit einer terroristischen Vereinigung bestehen könnte.
Bergheim (Nordrhein-Westfalen)
Am Abend des 1. September 2026 meldeten Anwohner, dass es im Umfeld des Umspannwerks Bergheim-Rheidt im Rhein-Erft-Kreis zu Lichtblitzen und Knallgeräuschen gekommen sei. Ermittler fanden anschließend in einem angrenzenden Maisfeld mehrere Abschussvorrichtungen. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde dabei leitfähiges Material auf Stromleitungen gebracht, wodurch ein Kurzschluss ausgelöst wurde.
Infolge der Störung fielen fünf Kraftwerksblöcke vorübergehend aus. Nach Angaben von RWE waren davon insgesamt rund 4200 Megawatt Kraftwerksleistung betroffen. Die Stromversorgung der umliegenden Ortschaften blieb nach Angaben der Behörden bestehen.
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul sprach von einem Anfangsverdacht der verfassungsfeindlichen Sabotage. Die Ermittler prüften dabei unter anderem einen möglichen Zusammenhang mit einem ausländischen Akteur sowie einen linksextremistischen Hintergrund.
Dormagen (Nordrhein-Westfalen)
Am 3. September 2026 wurde im Dormagener Stadtteil Gohr nahe einem Umspannwerk ein verdächtiger Gegenstand entdeckt. Nach Angaben der Polizei handelte es sich um eine mutmaßliche Abschussvorrichtung. Nach ersten Einschätzungen könnte sie dazu bestimmt gewesen sein, einen Kurzschluss an einer Stromleitung herbeizuführen.
Das Gelände wurde daraufhin von der Polizei abgesperrt und untersucht. Schäden am Umspannwerk wurden zunächst nicht festgestellt. Wegen der Ähnlichkeiten zu den zuvor bekannt gewordenen Vorfällen in Brandenburg und Bergheim wurde auch in Dormagen ein möglicher Sabotageversuch geprüft. Ein Zusammenhang zwischen den einzelnen Fällen war zu diesem Zeitpunkt noch nicht nachgewiesen.
Bärwalde und Graustein (Sachsen) Südlich des sächsischen Umspannwerks Bärwalde wurden am 4. September nach dem Eingang eines Bekennerschreibens acht Sprengvorrichtungen gefunden und entschärft. Vier weitere Sprengvorrichtungen wurden östlich des Umspannwerks Graustein gefunden, zudem südlich dieses Umspannwerks im unmittelbaren Bereich von Hochspannungstrassen neun „selbst hergestellte Sprengvorrichtungen“.
Eschweiler (Nordrhein-Westfalen) Am 7. September 2026 wurde die A 4 in Höhe Langerwehe zwischen den Ausfahrten Eschweiler Ost und Langerwehe in beide Richtungen gesperrt, nachdem die Polizei an Stromtrassen neben der Autobahn weitere Sprengvorrichtungen fand. Dieser Bereich, der sich nahe des Kraftwerks Weisweiler befindet, soll bereits eine Woche zuvor abgesucht worden sein, ohne dass dabei Auffälligkeiten entdeckt wurden.
Bekennerschreiben und Tatverdächtiger Als tatverdächtig gilt Daniel V., ein 48-jähriger studierter Mediziner, der in Gevelsberg gemeldet ist. In einem Notizbuch sollen über 150 mögliche Sabotageziele verzeichnet gewesen sein, davon allein 40 in Nordrhein-Westfalen. Im V. zugeschriebenen Bekennerschreiben erklärt der Verfasser, dass er die Taten verübt habe, da die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ein „Verbrechen“ sei, das „unsägliches Leid nach sich zieht“. Als weiteres Ziel nennt er die Schädigung der deutschen Rüstungsindustrie durch die Stromausfälle, insbesondere solange Deutschland den „Völkermord in Palästina“ unterstütze. Aus Angst, dass die Taten der „linken Szene“ zugeordnet werden, betont er, allein gehandelt zu haben. Dennoch soll V. mit der linksextremistisch-anarchistischen Szene sympathisiert haben.Mutmaßlicher Stromsaboteur lebte noch vom Taschengeld seiner Mutter. In: spiegel.de, 8. September 2026 In seiner Wohnung gab es laut NRW-Innenminister Reul „klare Sprengstofffunde“. Laut Bundesinnenminister Dobrindt handele es sich „sehr wahrscheinlich um ‚Klimaterrorismus‘ eines Einzeltäters“.
Am 8. September 2026 wurde Daniel V. im Umfeld des Kraftwerks Weisweiler festgenommen, als er versucht hatte, zu Fuß eine Verkehrskontrolle zu umgehen. Bei seiner Festnahme leistete er keinen Widerstand; er hatte Sprengmittel dabei. In der Nähe wurde ein Zelt im Unterholz gefunden, das mit weiteren Sprengkörpern versehen war.
Ermittlungen Am 10. September 2026 übernahm die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen gegen Daniel V. wegen der besonderen Bedeutung des Falles und des Verdachts der versuchten und vollendeten verfassungsfeindlichen Sabotage sowie der versuchten und vollendeten Störung öffentlicher Betriebe.Übernahme der Ermittlungen nach den Angriffen auf Umspannwerke in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen. In: generalbundesanwalt.de, 10. September 2026
Siehe auch Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz 2026
Einzelnachweise
Kategorie:Kriminalfall 2026 Kategorie:Deutsche Geschichte (21. Jahrhundert) Kategorie:Energiewirtschaft (Deutschland)