Gen Ken Montgomery (bürgerlich Ken Montgomery; * 1957 in Churchville, Pennsylvania) ist ein US-amerikanischer Klangkünstler. Er gründete 1989 in New York City die auf Klangkunst spezialisierte Galerie Generator sowie 1987 gemeinsam mit Conrad Schnitzler und David Prescott das Label Generations Unlimited. Galerie und Label operierten unter dem Oberbegriff Generator Sound Art. Seit den frühen 2020er Jahren lebt er in Richmond, Virginia, wo er weiterhin regelmäßig auftritt, unter anderem gemeinsam mit seiner Partnerin Andrea Beeman.

Leben

Jugend und Ausbildung Montgomery wuchs in Churchville im Bucks County, Pennsylvania, auf, wo er in seiner Kindheit und Jugend Violine spielte.Mark Dery: Notes From The Underground. In: Keyboard, Februar 1990 Er besuchte die Council Rock High School und studierte anschließend Schreiben und Filmemachen am Bucks County Community College sowie am Bay Area Synthesis Studio.Marie Kelly: He hears future in electric music. In: Today's Spirit (Today's Living), 17. Dezember 1981, S. 9 Im Alter von 17 Jahren entdeckte er in der Bibliothek eines Community College zufällig John Cages Schriftensammlung Silence (1961), die sein Interesse für Klangkunst weckte.Generator Returns (briefly). The Living Archive of Underground Music, 2013 1978 zog er nach New York City. Ursprünglich hatte er vor, als Filmemacher zu arbeiten, und studierte kurzzeitig an der New York University, dabei stellte er fest, dass er sich Filmprojekten stets über den Klang näherte. Anfang der 1980er Jahre komponierte er Filmmusik für Studierende der NYU und schuf Klangkulissen für die Off-Off-Broadway-Truppe Center for Acting Process. 1981 trat er beim Philadelphia Electronic Music Festival im Temple University Theatre in Philadelphia auf. Als Unterstützer nannte er den damaligen Festivalleiter Charles Cohen.Charles Cohen, Electronic Explorer, Leaves the Planet. Echoes.org, 30. September 2017

Cassette Culture und Mail Art Ab Ende der 1970er Jahre war Montgomery Teil der internationalen Cassette Culture- und Mail-Art-Bewegung und tauschte Klangcollagen auf Kassette mit anderen Künstlern aus, darunter Al Margolis, Leif Elggren, Carl Michael von Hausswolff, Maurizio Bianchi, Rod Summers und Masami Akita (Merzbow).Gen Ken Montgomery – Postcards 1981-1986. Drone Records Anfang der 1980er Jahre trat er mit dem Musiker Michael Zodorozny (von der Band Crash Course in Science) unter dem Namen KMZ (aus Ken, Michael und Zodorozny) auf, unter anderem im Pyramid Club in New York, in Philadelphia und in Berlin.François Zappa: Interview: Crash Course in Science. El Garaje de Frank, 23. November 2022Gen Ken Montgomery – Postcards. Discogs Sein bevorzugtes Instrument war der Synthesizer Korg MS-20.

Ende 1980 erhielt Montgomery über einen Freund die LP Consequenz von Conrad Schnitzler und Wolfgang Seidel, der ein Flugblatt mit der Aufforderung beilag, eigene Gesangsaufnahmen auf den Soundtrack der Platte zu mischen und als Kassette an Schnitzlers Berliner Adresse zu schicken. 1981 schickte Montgomery eine Aufnahme nach Berlin – zusammen mit seiner ersten veröffentlichten Kassette Gen Ken & Equipment.Beate Becker, Stefan Becker: „Manchmal artet es in Musik aus“ – Eine Lange Nacht über den Intermedia-Künstler Conrad Schnitzler. Deutschlandradio Kultur/Deutschlandfunk, 11./12. März 2017, S. 19–21 Der Name „Gen Ken“ geht auf einen Tippfehler zurück.Ed Pinsent: Lamination Rituals: An Encounter with Ken Montgomery. In: The Sound Projector, Nr. 17, 2008/2009

1982 reiste Montgomery nach Berlin und besuchte Conrad Schnitzler erstmals in dessen Wohnung und Studio in der Kalckreuthstraße. In dieser Zeit lernte Montgomery auch den Musiker Wolfgang Seidel kennen.Gen Ken Montgomery & Wolfgang Seidel. Ausland, Berlin, 1. Mai 2013 Ab 1986 führte Montgomery Schnitzlers mehrkanalige „Cassette CONcerts“ an verschiedenen Orten in Europa und den USA auf. Schnitzler bezeichnete ihn als seinen ersten „Kapellmeister“. Montgomery beschrieb das Cassette Concert später als eine Methode, elektronische Musik dynamisch aufzuführen: eine Anzahl bespielter Kassetten mit jeweils einer Einzelspur aus einer größeren Komposition, kann überall auf der Welt, zu jeder Zeit und von jedem aufgeführt werden. Beim gleichzeitigen Abspielen und dynamischen Mischen ergibt sich aus den kombinierten Tonspuren eine variable Ausführung der Komposition.Gen Ken Montgomery will CONduct one of Conrad Schnitzler's Cassette Concerts at the shop. Ergot Records, Instagram, Oktober 2024 Am 3. September 1986 führte Montgomery bei einer von Jörg Thomasius organisierten Veranstaltung in der Erlöserkirche in Ost-Berlin live Schnitzlers Kassetten-Kompositionen auf. Der Mitschnitt des Konzerts durch Thomasius erschien 1987 in Ost-Berlin auf dessen Label Krötenkassetten und wurde 2023 unter dem Titel CAS-CON II neu veröffentlicht.Conrad Schnitzler & Ken Montgomery – CAS-CON II: Konzert in der Erlöserkirche, Ost-Berlin, 3. September 1986. Musikexpress, Rezension

Generator (1987–1992) 1987 gründete Montgomery gemeinsam mit Conrad Schnitzler und dem Bostoner Klangkünstler David Prescott das Label Generations Unlimited. Am 1. Juni 1989 eröffnete er an der Ecke 3rd Street/Avenue B im East Village von New York City die Galerie Generator, die von Juni 1991 bis Juni 1992 in der 547 West 20th Street in Chelsea fortgeführt wurde.Generator Sound Art History. generatorsoundart.org Generator diente als Ausstellungs- und Verkaufsraum für Kassetten, Schallplatten und Mail Art sowie als Aktionsraum der New Yorker Cassette-Culture-Szene, neben anderen traten Ikue Mori, John Duncan, Charles Cohen und Paul Panhuysen auf. Zusätzlich kuratierte Montgomery in der Galerie Ausstellungen, unter anderem mit Alvin Lucier, Nicolas Collins, Ron Kuivila, Gordon Monahan und Laura Kikauka, zu deren Installation Headspace auch John Cage zu Besuch kam.History of Generations Unlimited. generationsunlimited.net Verpackungen und Objekte wurden dabei wie Kunstwerke präsentiert, mit Titeln wie Processed Violins and Feedback Machine oder Rheem Califone Speaker with Two Wine Glasses Vibrating. In der Galerie wurden frühe Arbeiten später bekannter Künstler wie Christian Marclay, Merzbow, Test Dept., Zoviet France und Illusion of Safety präsentiert.Andrew Hultkrans: Generator. In: Frieze, Ausgabe 159, 17. November 2013 Laut einer Beschreibung in Master Cactus – Issue 3 bot die Galerie der Mail-Kassetten-Szene mit ihrer inhärenten Ortlosigkeit einen festen Ankerpunkt.Master Cactus – Issue 3: Generator Special Edition. Bandcamp Mitbetreiber war der Klangkünstler Scott Konzelmann (Chop Shop). 1989 gründeten Montgomery, David Prescott und Al Margolis das Label Pogus Productions.Pogus. Bandcamp Im Oktober 1989 trat Montgomery im New Yorker Veranstaltungsort Roulette gemeinsam mit dem Klang- und Videokünstler David Lee Myers (Arcane Device) auf.David Lee Myers & Gen Ken Montgomery. Roulette Intermedium, 14. Oktober 1989 Die beiden arbeiteten wiederholt zusammen; Myers veröffentlichte auch auf dem Label Generator.David Lee Myers. Crónica Electrónica

Aktivitäten in New York seit 1992 Nach der Schließung von Generator arbeitete Montgomery weiter als Klangkünstler, unter anderem mit verstärkten Haushaltsgeräten wie einer Eismaschine, einem Kühlschrank, einer Aquarienpumpe, einer Schuhputzmaschine und einem Laminiergerät. Ein Teil seiner Komposition Icebreaker erschien 1994 auf Tellus #27: Mini-Mall, einer von der Klangkunstorganisation Harvestworks herausgegebenen Kassettenzeitschrift, neben Beiträgen von Pauline Oliveros, Takehisa Kosugi, Ben Neill und Jin Hi Kim.Tellus #27: Mini-Mall. Harvestworks

Montgomery betreibt seit 1994 das Sublabel Artists Throwing Money Out The Window (A.T.M.O.T.W.) für konzeptuelle Veröffentlichungen,ART IS... THROWING MONEY OUT THE WINDOW!. atmotw.com darunter eine 1998 in Brooklyn aufgenommene CD mit dem Auspuffgeräusch des Wagens des WFMU-Radiomoderators Fabio RobertiFabio's Muffler. generatorsoundart.org sowie eine um 2009 veröffentlichte CD-Hülle ohne abspielbaren Inhalt mit dem Titel Lifeless Guitar Feedback With Themes Of Death, Pornography, Nazism, Etc. Used To Hide Lack Of Ideas (der Titel geht auf eine 1994 bei einem fremden Kassettenlabel eingereichte, aber abgelehnte Aufnahme zurück).Egnekn: Lifeless Guitar Feedback With Themes Of Death, Pornography, Nazism, Etc. Used To Hide Lack Of Ideas. generatorsoundart.org Im April 1994 kuratierte er das erste Roulette Mixology Festival im New Yorker Veranstaltungsort Roulette. Am Eröffnungsabend zeigte er ein Stück aus der automatisierten MIDI-Klavierpräsentation The 88 Game mit Klaviersamples von Conrad Schnitzler, gefolgt von der ersten Mixology-Performance überhaupt, gespielt von Nicolas Collins.Mixology 1994: Conrad Schnitzler. Roulette Intermedium, 28. April 1994

Noch im selben Jahr zog sich Montgomery „ausgebrannt“ aus New York ins ländliche Pennsylvania zurück, wo er mit der Musikpraxis aufhörte. Ein Flohmarktfund brachte ihn zurück zur Musik: ein stark beschädigtes Achtspur-Tonband von Led Zeppelins Album Led Zeppelin IV, dessen verzerrter Klang ihn faszinierte. Daraus entstand die CD 8 Track Magic, deren Titel She's Buying – eine wacklige Version von „Stairway to Heaven“ – beim Radiosender WFMU zum Hörerliebling wurde.Kenneth Goldsmith: Stairway To Eight Track Heaven. In: New York Press, 20.–26. Dezember 2000

1997 war Montgomery Artist in Residence bei Harvestworks in New York, 1999 im Spritzenhaus Hamburg, 2000 erhielt er ein Sound Art Fellowship von Media Alliance und der Jerome Foundation sowie 2000 und 2001 Finishing-Funds-Stipendien des von der New York State Council on the Arts geförderten Experimental Television Center in Owego, New York.Timeline. Experimental Television Center 2003 folgte ein Fellowship der New York Foundation for the Arts im Bereich Computer Arts.

Für die Regisseurin Zoe Beloff komponierte und spielte Montgomery 2000 den Live-Ton zu A Mechanical Medium, einer als „stereoskopische Séance“ konzipierten Performance für 16-mm-Filmprojektor, stereoskopischen Diaprojektor, handgekurbeltes Phonograph, ein Telegraphen-Spielzeug, ein Taschen-Theremin und einen Sinuswellen-Generator. Gemeinsam mit Beloffs Film Shadow Land or Light from the Other Side (2000) wurde die Arbeit im Filmprogramm der Whitney Biennial 2002 im Whitney Museum of American Art gezeigt.Films. Zoe Beloff, offizielle WebsiteBiennial 2002 Program Info: Film and Video Program, Programme 8 – From the Other Side. Whitney Museum of American Art

2008 unterrichtete er als Gastdozent Klangkunst und Neue Medien am College of DAAP der University of Cincinnati.Ken Montgomery – Résumé. genkenmontgomery.com

Vom 4. August bis 1. September 2013 betrieb Montgomery die Generator Gallery temporär als Pop-up-Veranstaltungsraum bei Audio Visual Arts (AVA) in New York, mit Originalmaterial aus der ursprünglichen Generator-Ära. Dort zeigte er unter anderem den 16-mm-Film Bees & Ears von Jeanne Liotta, begleitet von Al Margolis (If, Bwana). 2014 kuratierte er im Rahmen einer Neuauflage von Generations Unlimited vom 6. bis 21. Dezember ein Programm mit Konzerten, Installationen und Filmvorführungen im MoMA PS1.News. genkenmontgomery.com Im Zusammenhang damit erschien im Januar 2015 die von ihm herausgegebene limitierte Kassette Master Cactus – Issue 3: Generator Special Edition, für die er Künstler einlud, mit denen er seit der Generator-Zeit im Austausch stand, darunter G.X. Jupitter-Larsen, Joseph Nechvatal und die deutsche Künstlerin Uschi Huber.Vita. uschi-huber.de