mini|Gabelkreuz Haltern Das Halterner Kreuz ist ein gotisches Gabelkruzifix rheinischen Ursprungs aus dem 14. Jahrhundert in der St.-Sixtus-Kirche in Haltern, Kreis Recklinghausen, Nordrhein-Westfalen. Haltern ist somit neben dem dortigen Annaberg auch ein Kreuzwallfahrtsort. Aufgrund der Lage Halterns nördlich der Lippe und der früheren, bis 1929, Zugehörigkeit zum (Alt-)Kreis Coesfeld zählt es zu den münsterländischen Wallfahrtsorten.

Beschreibung Das Halterner Kreuz ist aus Eichenholz, der Korpus des Kruzifixes ist 1,34 m hoch bei einer Armspanne von 1,03 m. Die Arme liegen nahezu parallel auf den Balken des Kreuzes auf, am oberen Teil des Stammes und den an Querbalken finden sich geschnitzte Astansätze, eine für Gabelkreuze charakteristische Lebensbaumsymbolik.https://www.st-sixtus.de/pfarrei-und-gemeinden/gemeinden/st-sixtus-haltern-am-see/rundgang-durch-die-pfarreikirche-st-sixtus/ Es ist überliefert, dass das Halterner Kreuz um 1726 neu gefasst worden ist. Kleinere Ummodellierungen aus Lindenholz an Mund und Seitenwunde als auch sämtliche Farbschichten bei einer Restaurierung wurden 1960 entfernt. Die originale Seitenwunde, mit eben einem dieser Lindenholzteile verschlossen, wurde wieder geöffnet; man hatte einst eine neue tiefer angeordnete Seitenwunde geschaffen. Ebenso wurde der geschlossene Mund wieder geöffnet. Lediglich der Titulus weist eine historische gemalte Inschrift auf. Es waren darauf zwei verschiedene Inschriften erkennbar, wobei man die deutlichere der beiden verstärkte. Kreuz und Korpus sind seitdem einheitlich braun. Die geschnitzte Gloriole hinter dem Kopf ist ebenfalls eine Ergänzung dieser Restaurierung.

mini|Hemd bzw. Kleidungsstück unter einem Wams. Bei der Restaurierung fand man in einer Aushöhlung am Rücken zwei in Stoff gehüllte Gebeine ohne jegliche Hinweise. Das Gewandstück mit Borte wird auf das 13. Jahrhundert datiert; auch eine knöcherne Schnalle mit Bronzedorn ist an dem trapezförmigen Tuch befestigt. Es ist gekräuselt und aus Leinen, die Borte halbseiden mit Ornamenten versehen. Das Stück Stoff wird als Ärmel eines Hemdes, genauer eines Kleidungsstückes, das unter einem Wams getragen wird, gedeutet. Nach der Restaurierung und Untersuchung wurde das Konvolut zwar wieder im Halterner Kreuz positioniert, aber wegen fehlendem kirchlich bescheinigtem Echtheitszertifikat (sog. Authentik), fehlenden Cedulae (Pergamentstreifen mit Angaben zu Herkunft und Art der Reliquie) und auch der dadurch undurchführbaren genauen Zuordnung nicht vollkommen als Reliquie anerkannt.

Verehrungsgeschichte Das Halterner Kreuz soll der Legende nach gegen die Strömung die Lippe heraufgeschwommen sein, dem wird soweit inhaltlich Wahres zugestanden, dass man annimmt, es sei per Schiff über die Lippe nach Haltern transportiert worden. Obwohl das Kreuz schon im Mittelalter in der Halterner Sixtuskirche war, gab es außer einer Vikarie zum Hl. Kreuz keine besondere Verehrung als Wallfahrtsbild. Diese setzte erst im 18. Jahrhundert ein. Bis dahin hat das Kreuz über dem Hochaltar von St. Sixtus gehangen. Als man einen neuen Barockaltar errichtete, gelangte das Halterner Kreuz zunächst in die Sakristei und darauf für die folgenden Jahre in das Turmgewölbe, wo der damalige Vikar Nikolaus Ekell 1726 ein Wunder beobachtete, drei Lichter, die Wundmale der Hände und der Seite leuchteten hell. Seine eidesstattliche Erklärung darüber existiert heute nicht mehr. In Folge des Lichtwunders wurde das Kruzifix wieder über dem Altar angebracht. Für das 18. Jahrhundert sind dann Wallfahrt, Verehrung, Wunderheilungen und das Stiften silberner Votivgaben überliefert. 1750 ist es dann vom „hohen Gewölbe herabgenommen“ und auf dem Hochaltar selbst platziert worden. Bereits 1712 hat es eine erste Kreuztracht als Karfreitagsprozession zum Annaberg gegeben, ein tatsächlicher Beginn der regelmäßigen Kreuztracht ist nicht überliefert, man orientierte sich jedoch bezüglich vergangener Jubiläen am Jahr 1736, einer auf einem Messgewand und zahlreichen Votivgaben zu findenden Jahreszahl. Die Große Kreuztracht 2026 wird als 300-jähriges Jubiläum begangen.https://www.st-sixtus.de/fileadmin/Seitendaten/Bilder/Glaubenswoche/Glaubenswoche_2026/Glaubenswoche_2026_Programmheft_final_neu.pdf S. 18 Zitat: ... Festmesse ... anschliessend 300-jähriges Jubiläum der Großen Kreuztracht Bis 1750 blieb der Annaberg das Ziel der Kreuztrachten. Unstimmigkeiten mit den dort ansässigen Jesuiten veranlassten dann den damaligen Pfarrer von St. Sixtus einen neuen Kreuzweg um die Stadt Haltern anlegen zu lassen, auf welchem die Kreuztracht noch heute entlangführt. Unabhängig vom neuen Kreuzweg gab es auch nach 1750 noch eine Karfreitagsprozession zum Annaberg. Während des Siebenjährigen Krieges fanden in den Jahren 1759 – 1762 auf Grund kriegerischer Handlungen in der Gegend keine Karfreitagsprozessionen und Kreuztrachten statt. Im Jahr 1771 gewährte Papst Clemens XIV. der Kirche in Haltern einen siebenjährigen Ablass zu Kreuzerhöhung, Papst Pius VI. einen weiteren 1780.

mini|Der schmiedeeiserne Halter für große Votivkerzen der Wallfahrten. Darunter die Vitrine mit einigen Votivgaben.Beim Neubau der St.-Sixtus-Kirche 1870–75 errichtete man als rechten Seitenaltar einen Kreuzaltar, ein neugotischer Schrein mit Gittertür versehen, in dem das Halterner Kreuz das Jahr über verwahrt wurde. Anlässlich der Feierlichkeiten und der Kreuztracht zu Kreuzerhöhung stellte man bzw. stellt es auch heute noch in den Chorraum. 1945 wurde dieser Seitenaltar durch Kriegseinwirkung so stark beschädigt, dass man ihn abbrach, ein Bauplan existiert im Pfarrarchiv, er ähnelte dem heute noch vorhandenen linken Seitenaltar von St. Sixtus. Das Halterner Kreuz selbst wurde im Bunker des Sixtushospitals aufbewahrt. Heute steht es an Stelle des Seitenaltares in einem aus neugotischen Teilen erstellten Fuß mit der Darstellung der Ehernen Schlange. In unmittelbarer Nähe an der Seitenwand der Kirche ist ein eiserner Halter für große Votivkerzen angebracht. Die Plaketten mit Wappen und dem Namen der Orte unter einem jeden Kerzenstellplatz sind nicht mehr vorhanden; der Halter wird aktuell (2026) auch nicht mehr genutzt. Unter der Vorrichtung für die Wallfahrtskerzen befindet sich eine Vitrine mit einem Teil der Votivgaben.

mini|Das Kreuz mit Votivgaben bei der Kreuztracht.Die Kreuztracht wird als Sakramentsprozession begangen mit in Mitteleuropa üblichen Segensstationen. Neben diesen Stationen sind am Weg der Kreuztracht weitere Bildstöcke aus Barock und Historismus aufgestellt, zwar mit Szenen aus der Passion jedoch nicht wie die Bezeichnung „Kreuzweg“ suggeriert die klassischen vierzehn Stationen, lediglich die Pietàdarstellung zeigt ein Motiv, welches auch zu den Kreuzwegstationen gehört. Des Weiteren stehen auch zwei steinerne Gabelkruzifixe am Weg der Prozession, eines mit Abweichungen zum Halterner Kreuz, die Arme liegen nicht auf den Balken auf und ein weiteres als deutliche Nachbildung. Das Halterner Kreuz wird anlässlich der Tracht mit silbernen Votivgaben behangen. Bis 1932 gehörte zu diesem Festschmuck auch ein ovales Medaillon mit Kreuzreliquie, welches dem Corpus um den Hals gehängt wurde. Im genannten Jahr fertigte man ein neues Reliquiar in Kreuzesform, das heutzutage während des Gottesdienstes vor der Prozession auf dem Altar steht. Das Halterner Kreuz ist das einzige im weiteren Umkreis, welches aktuell noch während der Kreuztracht mit Votivgaben behangen wird, die anderen werden entweder nicht mehr alljährlich damit geschmückt wie z. B. das Coesfelder Kreuz oder nicht mehr in Prozessionen mitgeführt wie z. B. das Schöppinger oder das Darfelder Kreuz. Letzteres wird jedoch gelegentlich an besonderen Tagen innerhalb der Kirche stehend mit Votivgaben geschmückt. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist die Art, die Votivgaben in der Form von mehreren senkrecht von den Querbalken herabhängenden Einzelketten zu befestigen, bei den anderen Gabelkruzifixen hängen die Ketten mit den Silberplaketten bogenförmig von der einen zur gegenüberliegenden Seite. Eine Gemeinsamkeit mit den anderen Kreuztracht durchführenden Orten der Region ist, dass das Halterner Kreuz mit Blickrichtung nach vorne (früher) getragen bzw. inzwischen gefahren wird, allein das Coesfelder Kreuz schaut bei den Prozessionen traditionell zurück.

Am Vorabend der Kreuztracht ist seit 1926 für Kinder ein Laternenumzug, Kümmelkesprozession genannt, zu dem die Bildstöcke in den Anfangsjahren im Stadtbereich mit Ehrenbögen versehen waren an denen buntes elektrisches Licht leuchtete. Kümmelkes ist ursprünglich eine lokale Bezeichnung für Laternen aus der Runkelrübe, der Laternenumzug hat aber inhaltlich kaum dezidiert religiösen Charakter, obwohl (Stand 1986) Geistlichkeit mit Rochett, Stola und Schultervelum ein Kreuzreliquiar mitträgt. Neben den typischen Liedern zum Laternelaufen gibt es auch das in niederdeutscher Sprache verfasste Kümmelkeslied. 2026 ist die Kümmelkesprozession in der Form üblich, als das nach einem religiösen Impuls der Zug zu einem Seniorenheim führt, wo dann Laternenlieder gesungen werden.https://www.st-sixtus.de/fileadmin/Seitendaten/Bilder/Glaubenswoche/Glaubenswoche_2026/2026_Plakat_Kümmelkes_2026.pdf Zitat: Wir treffen uns zu einem religiösen Impuls ... in St. Sixtus. Im Anschluss ist ein Laternenumzug zum Seniorenhaus ... Dort singen wir mit den Bewohnern Laternenlieder ... Ein Mitführen der Kreuzreliquie lässt sich mit aktuellen Bildern beispielsweise der Lokalpresse nicht mehr belegen.

Bildstöcke am Weg der Halterner Kreuztracht in chronologischer Reihenfolge wie die Prozession sie erreicht:

Große Kreuzjubiläen wurden 1836, 1886, 1936 begangen. Über den Ablauf des Jubiläums 1836 ist nichts bekannt. 1886 zierte die ganze Stadt ein sonst nicht üblicher Festschmuck aus Girlanden, Kränzen, Illumination und Vergleichbarem, während das Jubiläum 1936 neben den Feierlichkeiten auch einen gewissen politischen Bekenntnischarakter hatte. Zum Jubiläum 1986 erschien eine Festschrift, das Jubiläum 2026 wird mit einer ökumenischen Glaubenswoche begangen zu der auch Gäste aus Kirche und Politik, u. a. Eugen Drewermann und Wolfgang Bosbach, geladen sind.https://www.st-sixtus.de/pfarrei-und-gemeinden/glaubenswoche/gegen-den-strom-glaubenswoche-2026/ Die Sixtuskirche wurde zum Jubiläum 2026 mit vier gelb-weißen, vom Mittelpunkt des zentralen Gewölbefeldes herabhängenden und im unteren Bereich an den Pfeilern drapierten Stoffbahnen geschmückt.originaler Artikel mit Paywall: https://www.halternerzeitung.de/haltern/heimatfest-glaubenswoche-2026-sixtus-kirche-haltern-festlich-geschmueckt-w1243113-3002202416/Artikel ohne Paywall: https://www.st-sixtus.de/fileadmin/Seitendaten/Bilder/Glaubenswoche/Glaubenswoche_2026/Planned_Heimatfest_Glaubenswoche_Sixtuskirche_sch.pdf Diese Art Schmuck von Kirchen war früher anlässlich von Kirchweihe, Erstkommunionfeiern, Fronleichnam und anderen Festlichkeiten weit verbreitet, ist aber heutzutage selten anzutreffen.

Einzugsbereich der Wallfahrt Auffallend ist, dass die Herkunftsorte der auswärtigen Pilger stark in dem Bereich südöstlich von Haltern vertreten sind, in etwa umschrieben in einer Linie Senden – Werne – (Wanne-)Eickel – Recklinghausen – Lüdinghausen. Neben der Essener Domgemeinde kamen einige Pilgerzüge aus Orten, die heute zu Essen als auch Oberhausen gehören bzw. aus Bottrop und dem heute zugehörigen Kirchhellen. Das Gebiet nördlich und nordwestlich ist spärlich, vereinzelt vertreten, zum Beispiel Dülmen und (Gescher-)Tungerloh (1. und 2.).

Die einzige aktuell noch alljährlich stattfindende der alten Wallfahrten zum Halterner Kreuz ist die der Pfarrei St. Vitus (Olfen).https://www.vitus-olfen.de/pfarrinformationen/kirchenjahr/wallfahrt-nach-haltern/

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