mini Heike Oberlin (* 1970) ist eine deutsche Indologin. Veröffentlichungen bis 2014 erschienen unter ihrem früheren Namen Heike Moser. Sie ist außerplanmäßige Professorin und geschäftsführende Direktorin der Abteilung für Indologie am Asien-Orient-Institut der Eberhard Karls Universität Tübingen. Sie ist mit dem Literatur- und Kulturwissenschaftler Gerhard Oberlin verheiratet.
Leben und Wirken Oberlin studierte von 1990 bis 1999 Indologie und Ethnologie an der Universität Tübingen und schloss ihr Studium als Magistra Artium ab. Parallel dazu erhielt sie von 1989 bis 1995 in Stuttgart und Chennai eine praktische Ausbildung im klassischen südindischen Tanz Bharatanatyam. Von 1995 bis 1997 studierte sie mit einem gemeinsamen Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes und des Indian Council for Cultural Relations Kūṭiyāṭṭam am Kerala Kalamandalam in Indien. Das traditionelle Sanskrittheater erlernte sie sowohl wissenschaftlich als auch praktisch; 1995 trat sie damit erstmals öffentlich auf. Sie führte beide Kunstformen auf und vermittelte sie in zahlreichen Praxisworkshops.
2004 wurde sie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg im Fach Indologie mit summa cum laude promoviert. Von 2005 bis 2008 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Abteilung für Indologie der Universität Tübingen tätig. Seit 2008 lehrt und forscht sie dort als Akademische Rätin, später Akademische Oberrätin. 2013 habilitierte sie sich an der Universität Tübingen im Fach Indologie und erhielt die Venia legendi. Im Dezember 2016 wurde sie zur außerplanmäßigen Professorin ernannt. Seit Februar 2020 ist sie geschäftsführende Direktorin der Abteilung für Indologie.
Von 2003 bis 2013 war Oberlin Präsidentin der Deutsch-Indischen Kulturgesellschaft e. V. Tübingen. Von 2020 bis 2026 gehörte sie dem Beirat des internationalen interreligiösen Musikfestivals Musica Sacra International an. Im März und April 2025 hielt sie sich für einen Monat als Gastprofessorin an der Universität La Sapienza in Rom auf.
Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören das südindische Sanskrittheater Kūṭiyāṭṭam, die Sprache und Literatur des Malayalam, Kerala-Studien, Performanzformen Südasiens, Palmblatthandschriften, Gender Studies, Digital Humanities und die Geschichte des Fachs Indologie.
Forschungs- und Lehrprojekte Gemeinsam mit David Shulman leitete Oberlin von 2013 bis 2016 das von der German-Israeli Foundation for Scientific Research and Development geförderte Projekt Kūṭiyāṭṭam: Living Sanskrit Theater in the Kerala Tradition.
Darüber hinaus wirkte sie am von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt zur Digitalisierung und Erschließung des Nachlasses des Missionars und Sprachwissenschaftlers Hermann Gundert in der Universitätsbibliothek Tübingen mit. Die digitalisierten Bestände wurden im Hermann-Gundert-Portal zugänglich gemacht.
Gemeinsam mit Frank Köhler leitete Oberlin 2020 das Ausstellungs- und Buchprojekt Die 1000 Namen Vishnus. Viṣṇusahasranāma am Museum der Universität Tübingen. Das Projekt widmete sich zwei illustrierten Sanskrit-Handschriften aus der Sammlung von Heide und Wolfgang Voelter und wurde durch eine Onlineausstellung ergänzt.
Seit dem Wintersemester 2008/09 bietet Oberlin an der Universität Tübingen Malayalam-Kurse an. Im Oktober 2015 richtete sie gemeinsam mit K. Jayakumar, dem damaligen Vizekanzler der Thunchath Ezhuthachan Malayalam University in Tirur, das „Gundert Chair“-Programm für Malayalam und Kerala-Studien an der Universität Tübingen ein.
Veröffentlichungen (Auswahl) Heike Moser: Naṅṅyār-Kūttu – ein Teilaspekt des Sanskrittheaterkomplexes Kūṭiyāṭṭam. Historische Entwicklung und performative Textumsetzung. Harrassowitz, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-447-05453-9. Heike Moser: Kūṭiyāṭṭam – A Bibliography. Tübingen 2011, . Heidrun Brückner, Hanne M. de Bruin, Heike Moser (Hrsg.): Between Fame and Shame: Performing Women – Women Performers in India. Harrassowitz, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-447-06281-7. Stephan Köhn, Heike Moser (Hrsg.): Frauenbilder – Frauenkörper. Inszenierungen des Weiblichen in den Gesellschaften Süd- und Ostasiens. Harrassowitz, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-447-06858-1. Heike Oberlin, David Shulman (Hrsg.): Two Masterpieces of Kūṭiyāṭṭam: Mantrāṅkam and Aṅgulīyāṅkam. Oxford University Press, New Delhi 2019, ISBN 978-0-19-948359-4. Heike Oberlin, Frank Köhler (Hrsg.): Die 1000 Namen Vishnus. Viṣṇusahasranāma. Sanskrit-Handschriften aus der Sammlung Heide und Wolfgang Voelter. Museum der Universität Tübingen und Universitätsbibliothek Tübingen, Tübingen 2020, ISBN 978-3-9821339-6-6.
Online veröffentlichte Vorträge und Beiträge (Auswahl) Inaugural Address of the MESMAC International Conference „Ecologies of the New: Matter, Mind & Body“, MES Mampad College, 2018. Women on Stage – Historical Outline of Female Performers in the Living Sanskrit Theatre Tradition Kūṭiyāṭṭam, Online-Vortrag, 2021. Female Performers in Kutiyattam – A Historical Overview and Outlook, Vortrag im Rahmen des International Seminar on Indian Knowledge Systems, 2021. The Indic/Kerala Digital Archive and the Gundert Portal, Online-Präsentation zur Eröffnung des Kerala Digital Archive Web Portal, 2022. Indologie studieren, Gespräch im Podcast „hochschulreif“ der Universität Tübingen, 2025.
Auszeichnungen 2008/9: Ernst-Waldschmidt-Preis der Stiftung Ernst Waldschmidt Berlin bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz für wissenschaftlich wertvolle Leistungen im Bereich der Indologie 2018: „Scholar in Residence“ am Kerala Kalamandalam im Rahmen des Erudite-Programms des Kerala State Higher Education Council 2019: Gisela-Bonn-Preis des Indian Council for Cultural Relations und der Deutsch-Indischen Gesellschaft für besondere Verdienste um die deutsch-indischen Beziehungen
Hochschulpolitische Tätigkeit Zum 1. Oktober 2026 tritt Oberlin das Amt der gewählten Universitätsgleichstellungsbeauftragten der Universität Tübingen an. Zuvor gehörte sie als gewähltes Mitglied zunächst dem Senat und anschließend dem Universitätsrat der Universität an. Von 2020 bis 2024 war sie stellvertretende Sprecherin des Fachkollegiums 1.06 (jetzt 1.16) „Sozial- und Kulturanthropologie, Außereuropäische Kulturen, Judaistik und Religionswissenschaft“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Von 2020 bis 2025 amtierte sie als Sprecherin der Landesvertretung Akademischer Mittelbau an den Universitäten in Baden-Württemberg; seither ist sie deren stellvertretende Sprecherin.
Weblinks Heike Oberlin auf der Website der Universität Tübingen Heike Oberlin auf Academia.edu ORCID-Profil von Heike Oberlin
Einzelnachweise
Kategorie:Indologe Kategorie:Hochschullehrer (Eberhard Karls Universität Tübingen) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1970 Kategorie:Frau