mini|Cannabis-Plantage, Ginak Island mini|hochkant|Cannabis-Farmer, Ginak Island

Rechtliche Stellung des Cannabisgebrauchs in Gambia: In der westafrikanischen Republik Gambia ist Cannabis als Rauschmittel illegal, der Staat verfolgt eine absolute Null-Toleranz-Politik. Das Gesetz unterscheidet nicht zwischen Freizeitkonsum, medizinischer Nutzung (Cannabis und Cannabinoide als Arzneimittel) oder harmlosen Industriehanf-/CBD-Produkten – jegliche Form ist zu 100 % illegal. Die Strafen sind im Drug Control Act (ergänzt durch Novellen wie den Drug Control Amendment Act 2014) festgeschrieben.

Gambia dient geografisch als wichtiger Transitknotenpunkt für den internationalen Drogenschmuggel in Westafrika. Der Großteil des im Land konsumierten Cannabis stammt traditionell aus der südsenegalesischen Krisenregion Casamance sowie der West Coast Region Gambias.

Noch 2019 lehnten die gambischen Behörden eine Entkriminalisierung oder jegliche Regulierungen ab, die ihren entschiedenen Widerstand abschwächen würden. Daher ist eine Änderung der lokalen Gesetze bezüglich Cannabis und dessen medizinischer Verwendung unwahrscheinlich. Die Behörden stützen ihre harte Haltung unter anderem auf Daten der einzigen psychiatrischen Klinik des Landes (dem Tanka Tanka Psychiatric Hospital, ehemals Campama). Laut Statistiken der Drug Law Enforcement Agency (DLEAG) stehen knapp 60 % aller stationären Aufnahmen in der Psychiatrie im Zusammenhang mit drogeninduzierten Psychosen, die primär auf den Missbrauch von hochpotentem Cannabis zurückgeführt werden. Eine wissenschaftliche Langzeitstudie, veröffentlicht via PubMed (National Center for Biotechnology Information), bestätigte bereits früh die statistische Korrelation zwischen lokalem Cannabiskonsum und akuten psychotischen Erkrankungen in Gambia.

Namen Die Bevölkerung nennt Cannabis meist Yamba/Jamba, Tie oder Ganja.

Gesetzliche Konsequenz und Strafmaß Berichte des nationalen Fernsehsenders QTV Gambia zeigen, dass die DLEAG monatlich Dutzende In- und Ausländer bei Straßenkontrollen, an Fährterminals (wie Barra/Banjul) und in den Tourismusgebieten (Serekunda, Bakau, Kololi) wegen des Besitzes von Cannabisblüten, verharztem Haschisch oder synthetischen Abwandlungen wie „Kush“ festnimmt. Teils geschieht dies durch verdeckte Ermittler.

+ Gesetzliche Konsequenz und Strafmaß Vergehen Menge [Gramm] Anmerkung Geringe Mengen 0,1 bis 150 Geldstrafen zwischen 50.000 und 100.000 gambische Dalasi (GMD) sowie sechs Monate bis ein Jahr Gefängnis (gilt für Ersttäter). Mittlere Mengen 151 bis 500 Geldstrafen bis zu 150.000 GMD und bis zu zwei Jahre Gefängnis. Großmengen und Schmuggel ab 501 Mindeststrafe von zehn Jahren Gefängnis sowie eine Geldstrafe von mindestens 1.000.000 GMD (ca. 14.000 USD). Verdacht auf Handel ab 2,5 Jede Menge, die 2,5 Gramm übersteigt, kann rechtlich als „Absicht zum Handel“ (intent to traffic) ausgelegt werden. Illegaler Anbau Kultivierung Streng verboten. Wird eine Plantage auf einem Grundstück entdeckt, liegt die Beweislast beim Eigentümer. Dieser muss lückenlos beweisen, dass er keinerlei Kenntnis von den Pflanzen hatte.

Geschichte mini|hochkant|Getrocknetes Cannabis, Ginak

Auf Inseln und in abgelegenen Regionen Gambias wurde Cannabis bereits vor und während der britischen Kolonialzeit sowie in den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit (1965) von Teilen der Bevölkerung angebaut. Es galt in vielen ländlichen Gemeinschaften als traditionelles Genussmittel oder wurde für den Lebensunterhalt kultiviert.

Die strikte Illegalisierung ging maßgeblich auf internationalen Druck in den frühen 1970er-Jahren zurück. Während der Amtszeit von US-Präsident Richard Nixon und dessen global ausgerufenem „War on Drugs“ wurden viele afrikanische Staaten gedrängt, den Besitz und Anbau gesetzlich streng unter Strafe zu stellen. Gambia fügte sich diesem Druck, setzte die Gesetze unter der damaligen Regierung von Dawda Jawara jedoch über Jahrzehnte hinweg weniger drakonisch um als Nachbarstaaten wie der Senegal.

Im Jahr 2003 verabschiedete die Regierung von Gambia unter dem Präsidenten Yahya Jammeh den Drug Control Act (oft verkürzt als DCA 2003), der den Konsum, Besitz, Handel, Anbau und andere Betäubungsmittel von Cannabis verbot. Das Land gründete 2005 auch die Drug Law Enforcement Agency (DLEAG) – eine ehemalige Einheit der gambischen Polizei –, um den Staat in Fragen der Drogenmissbrauchspolitik zu beraten und das Drogenkontrollgesetz durchzusetzen.

Der Politiker und Mitglied der Nationalversammlung, Dawda Manneh, wurde dessen politische Karriere im September 2008 abrupt beendet, als er mit mehr als neun Kilogramm Cannabis festgenommen wurde. Januar 2012 wurde er dann wegen illegalen Drogenbesitzes zum Zweck des Handels und wegen Verschwörung schuldig gesprochen. Das Gericht verurteilte Manneh zu einer 10-jährigen Haftstrafe und einer Geldstrafe von einer Million Dalasi.

Der damalige Innenminister Ousman Sonko milderte in einer Reform 2014 die Strafen für Jugendliche und Ersttäter bei Kleinstmengen geringfügig ab, da die Gefängnisse mit Teenagern überfüllt waren. Dennoch bleiben die Mindeststrafen im internationalen Vergleich extrem hoch.

Im Jahr 2019 erklärte Innenminister Ebrima Mballow, die Regierung sei nach wie vor entschieden gegen Legalisierung und Entkriminalisierung.

Jinack Island (Schreibvariante: Ginak Island) im Delta des Gambia-Flusses war ein historischer Brennpunkt für den Anbau von Cannabis. Dorfgemeinschaften auf der Insel bauten jahrzehntelang systematisch Cannabis an. Es hielt sich der spirituelle Glaube, die Insel sei durch einen „Ahnenfluch“ geschützt, der Drogenfahnder bei dem Versuch, die Insel zu betreten, wahnsinnig machen oder abwehren würde. Frühere Regierungen mieden konsequente Einsätze auf der Insel weitgehend. Dieser Mythos wurde im Frühjahr 2026 zerschlagen. Zwischen dem 28. Februar und 1. März 2026 führte die DLEAG gemeinsam mit einer Allianz aus der gambischen Armee (Gambia Armed Forces), der Polizei (Gambia Police Force), dem Geheimdienst (State Intelligence Services, SIS) und der Einwanderungsbehörde eine massive, zweitägige Razzia durch. Die Elitetruppen brannten 60 Cannabisfarmen auf Jinack Island vollständig nieder und rissen die Plantagen um. Berichte von Gambia Talents TV und Kerr Fatou dokumentierten den Einsatz, bei dem es zu schweren Protesten der lokalen Jugend kam, da Cannabis deren einzige wirtschaftliche Lebensgrundlage darstellte. Die DLEAG stellte klar, dass es im Land keine rechtsfreien Räume gibt.

Einzelnachweise

Kategorie:Betäubungsmittelrecht

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