Elisabeth Kraus-Kassegg (geboren als Elisabeth Kraus; * 21. März 1898 in Ossiach; † 24. Februar 1989 in Scheibbs) war eine österreichische Schriftstellerin und Heimatforscherin.
Leben Kraus-Kassegg wuchs als Tochter eines Beamten und dessen Frau aus der Familie der Kassegger in Kärnten auf. Ihr Leben und schriftstellerisches Wirken waren eng verbunden mit Lunz am See, wohin die nach dem Ersten Weltkrieg verarmte Familie zog und wo Kraus-Kassegg zunächst als Köchin und Wirtschafterin arbeitete. In Klagenfurt ließ sie sich 1918 zur Rot-Kreuz-Schwester ausbilden, später arbeitete sie u. a. für die Caritas. Ende der 1920er-Jahre war sie in Wien als Haushaltsgehilfin angestellt, wo sie Kontakte zur Autorin Erika Spann-Rheinsch, später Mitbegründerin des Bunds deutscher Schriftsteller Österreichs, und zu deren Gatten Othmar Spann, dem Nationalökonomen und sog. ‚Wegbereiter des Austrofaschismus‘, knüpfte.
Durch Vermittlung Othmar Spanns wurde sie 1935 von Hermann R. Leber entdeckt, dem Lektor des damals bereits deutlich national bis nationalsozialistisch geprägten Wiener Zsolnay-Verlags.Hall, Murray G.: Der Paul Zsolnay Verlag. Von der Gründung bis zur Rückkehr aus dem Exil. Tübingen: Niemeyer 1994, S. 188. Dank eines großzügigen Vorschusses von Zsolnay konnte sie ihre Anstellung kündigen und sich aufs Schreiben konzentrieren. Wenig später erschienen bei Zsolnay die Romane Die große Passion. Roman einer irrenden Liebe (1937) und Theater der Götter. Ein Roman von Sonne und Liebe auf der Insel Lopud (1938). Beide Romane wurden medial äußerst positiv aufgenommen.
Ab Mai 1938 war Kraus-Kassegg Mitglied in der der NSDAP unterstellten Nationalsozialistischen Frauenschaft. 1939 wurde sie in die Reichsschrifttumskammer aufgenommen. Im politischen Führungszeugnis der NSDAP stufte man sie als nationalsozialistisch gesinnt und ‚politisch einwandfrei‘ ein und merkte an, dass sie Schulungsleiterin beim Deutschen Frauenwerk, dem Dach sämtlicher Frauengruppierungen, sei.Vgl. Bundesarchiv, BArch R 9361-V/25754.
Nach dem ‚Anschluss‘ stand sie auf einigen Empfehlungslisten des Regimes und wurde zu den wichtigen Autorinnen Niederdonaus gerechnet.Vgl. etwa Kothas, Walter: Der Einsatz Niederdonaus im Schrifttum. In: Völkischer Beobachter, 22. Oktober 1941, S. 2. 1940 meldete sich Kraus-Kassegg als freiwillige Helferin für die ‚Heim ins Reich‘-Umsiedlung von Bukowinadeutschen in Rumänien. In der ersten Hälfte der 1940er-Jahre war sie als Wirtschaftsleiterin in Lunz am See, in Puchenstuben und in der Wachau für die Versorgung von im Zuge der Kinderlandverschickung aus dem ‚Deutschen Reich‘ in die ‚Ostmark‘ bzw. ‚Alpen- und Donaureichsgaue‘ gekommenen Kindern verantwortlich. Bald wurde sie in der Öffentlichkeit als karitativ tätige, aufopfernde Person porträtiert.Vgl. B., H.: Ihr viertes Werk: ein Kochbuch. Die Schriftstellerin Elisabeth Kraus-Kassegg sorgt für 170 Kinder. In: Das kleine Volksblatt, 30. Juli 1941, S. 10.
Zwischen 1938 und 1945 publizierte Kraus-Kassegg vorwiegend in der St. Pöltner Zeitung und insbesondere im Erlaftal-Boten eine Reihe an Texten, in denen sich das Zeitgeschehen deutlich spiegelt. Den ‚Anschluss‘ bejubelte sie als Befreiung und als Erhebung der sogenannten Kulturvölker,Kraus-Kassegg, Elisabeth: Männer. In: Erlaftal-Bote, 8. Mai 1938, S. 10. sie schimpfte über das austrofaschistische Regime ebenso wie über die Falschheit der Demokratie, sie appellierte an den Stolz, Deutsche zu sein, und an die Vorsicht vor den ‚Schädlingen‘ im Inneren. Ab 1943 erfolgte in Kraus-Kasseggs Publizistik inhaltlich zwar eine moderate Richtungsänderung, Regionalgeschichte, Volkskultur und Landschaftliches wurden wichtiger, immer wieder sind aber auch diese Texte ununterscheidbar von der NS-Schollenliteratur.
Ab 1948 setzte Kraus-Kassegg ihre publizistische Arbeit in hoher Kadenz fort. Mit Jahr der Erfüllung erschien bereits 1948 wieder ein Roman. Neben dem Schreiben widmete sie sich verstärkt der Erforschung von Regionalgeschichte und Volkskultur. Ab 1951 kümmerte sich Kraus-Kassegg intensiv um das Museum im Amonhaus in Lunz am See, engagierte sich für dessen Renovierung und ermöglichte so den Ausbau zum heute noch existierenden Heimatmuseum in Lunz am See. Bis in die 1970er-Jahre verfasste sie zahlreiche regionalgeschichtliche Publikationen. Im Heimatland-Verlag erschien 1980 der Gedichtband Die Gabe. Ihre Beiträge sind in den wichtigen niederösterreichischen Literaturanthologien und -verzeichnissen (Geliebtes Land, 1955; Wer im Werk den Lohn gefunden, 1976; Dichtung aus Niederösterreich, 1969–74; Literatur aus Niederösterreich, 1985) zu lesen.
Zu der Zeit zwischen 1938 und 1945 äußerte sich Kraus-Kassegg später in dem kurzen biografischen Text Mein Leben dahingehend, nach anfänglicher Hoffnung bald schon die „unglaublichen Fehler dieses Regimes“Kraus-Kassegg, Elisabeth: Mein Leben. In: Waidhofner Heimatblätter 19 (1993), S. 43. erkannt gehabt zu haben. In Mein rumänisches Tagebuch (1985) berichtet sie differenziert, ihre eigene Rolle betreffend jedoch apologetisch von der Umsiedlung Rumäniendeutscher.
Kraus-Kassegg wurde zahlreich geehrt, etwa mit dem Enrica-Handel-Mazzetti-Preis (1953), dem Goldenen Ehrenzeichen des Landes Niederösterreich (1976), dem Niederösterreichischen Anerkennungspreis für Volkskunde (1980), dem Berufstitel „Professor“ (1981) sowie der Ehrenbürgerschaft von Lunz am See. 1984 erhielt sie einen von sechs in diesem Jahr verliehenen niederösterreichischen Anerkennungspreisen für Literatur. Der aufgelöste rechtsextreme Verein Dichterstein Offenhausen verlieh ihr 1972 den ‚Dichtersteinschild’. Am Heimatmuseum in Lunz am See wurde 1998 durch die Dokumentationsstelle für Literatur in Niederösterreich eine Gedenktafel für sie angebracht.
Auszeichnungen
Enrica-Handel-Mazzetti-Preis (1953) Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich (1976) Niederösterreichischer Anerkennungspreis für Volkskunde (1980) Berufstitel „Professor“ (1981) Ehrenbürgerschaft Lunz am See Niederösterreichischer Anerkennungspreis für Literatur (1984)
Literatur
Amt der NÖ Landesregierung, Abt. Kultur und Wissenschaft: Kultur im Spiegel der Zeit. Festschrift anlässlich 50 Jahre Kulturpreise Niederösterreich. St. Pölten: Amt der NÖ Landesregierung, Abt. Kultur und Wissenschaft 2010. Gradwohl-Schlacher, Karin: ‚Kraus Elisabeth‘. In: Korotin, Ilse (Hrsg.): biografiA. Lexikon österreichischer Frauen. Bd. 2: I–O. Wien etc.: Böhlau 2016, S. 1795 f.
Weblinks
Einzelnachweise
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