mini| Wappen derer von Kempis Kempis ist der Name eines katholischen niederrheinischen Adelsgeschlechts. Die urkundlich gesicherte Stammreihe beginnt mit Johann Kempis († 1544), Senator in Bonn. Peter Kempis, Herr auf Sternenburg bei Bonn und kurkölnischer Amtsträger, wurde 1569 von Kaiser Maximilian II. in den rittermäßigen Reichsadelsstand erhoben. Angehörige der Familie wirkten seit dem 16. Jahrhundert vor allem in der Verwaltung Kurkölns, weiterer geistlicher Territorien und der Spanischen beziehungsweise Österreichischen Niederlande; im 19. Jahrhundert gehörten sie auch rheinischen und preußischen Vertretungskörperschaften an.Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon, Band VI, Limburg an der Lahn 1987, S. 177.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser, Gotha 1907, S. 388–390.Franz Joseph von Kempis und Rainer Draaf: Geschichte der Familie von Kempis bis zum Jahre 1881, 1993.
Herkunft und Thomas-a-Kempis-Tradition Der Familienname wird in genealogischen Darstellungen von der niederrheinischen Stadt Kempen hergeleitet. Namensträger sind bereits im späten 14. Jahrhundert nachweisbar; zu ihnen zählt der Augustiner-Chorherr Thomas a Kempis (um 1380–1471), der Verfasser der Nachfolge Christi. Eine genealogische Stammverwandtschaft zwischen Thomas a Kempis und der späteren Adelsfamilie ist urkundlich nicht belegt und kann deshalb nicht als gesichert gelten. Innerhalb der Familie wird jedoch seit Generationen das Wissen um eine Verwandtschaft überliefert; sie lebt im Bewusstsein dieser Verbindung. Die belegte Stammreihe setzt mit Johann Kempis ein, der 1544 als Senator in Bonn starb.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser, Gotha 1907, S. 388–390.Franz Joseph von Kempis und Rainer Draaf: Geschichte der Familie von Kempis bis zum Jahre 1881, 1993.Genealogisches Handbuch des Adels, Adelige Häuser B, Band XXVI, Band 140 der Gesamtreihe, Limburg an der Lahn 2006, S. 189 ff.
Geschichte mini|hochkant=1.4|Max von Kempis (1824–1914), 1888 mit seiner Familie vor Burg Kendenich. Ölgemälde Peter von Kempis (Lebensdaten nicht überliefert) war Herr zu Sternenburg, Kommandant des festen Schlosses Godesberg, Amtmann in Godesberg, Mehlem und Peine sowie Kanzler des kurfürstlichen Hofes und der Hochstifte Hildesheim und Paderborn. Kaiser Maximilian II. erhob ihn 1569 in den rittermäßigen Reichsadelsstand. Sein Bruder Johannes von Kempis (1525–1602) war Doktor beider Rechte, Kanoniker des Kölner Domstifts und von St. Maria im Kapitol, kurkölnischer Geheimer Rat, Offizial der erzbischöflichen Kurie und Rektor der Universität Köln. Kaiser Rudolf II. bestätigte 1577 die Erhebung in einem eigenen feierlichen Diplom auch für seine Person. Das ursprüngliche Familienwappen ist auf seinem Bildnis von 1573 überliefert.Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon, Band VI, Limburg an der Lahn 1987, S. 177.Franz Joseph von Kempis und Rainer Draaf: Geschichte der Familie von Kempis bis zum Jahre 1881, 1993. Bei der Belagerung und dem Brand Bonns gingen 1689 die älteren Familien- und Adelsurkunden verloren. Vor diesem Hintergrund bestätigte Kaiser Karl VI. am 8. März 1715 Johann Peter von Kempis (1652–1730), dessen Neffen Christian von Kempis (1675–1726) und ihren ehelichen Nachkommen den bestehenden rittermäßigen Reichsadelsstand. Das Diplom bestätigte und besserte zugleich das Wappen und verlieh weitere adelstypische Rechte. Vor allem für Johann Peter war der amtliche Nachweis seines ererbten Reichsadels beruflich unerlässlich: Er war kaiserlicher Geheimer Staatssekretär für die deutschen Angelegenheiten bei der niederländischen Regierung in Brüssel und Finanzrat.Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon, Band VI, Limburg an der Lahn 1987, S. 177.Franz Joseph von Kempis und Rainer Draaf: Geschichte der Familie von Kempis bis zum Jahre 1881, 1993.Kaiserliches Diplom für Johann Peter von Kempis und Christian von Kempis, Wien, 8. März 1715; Überlieferung im Österreichischen Staatsarchiv.
Unter französischer Herrschaft verloren Adel und ständische Vorrechte im Rheinland ihre öffentlich-rechtliche Wirkung. Nach dem Übergang des Rheinlandes an Preußen beantragte Philipp Johann Joseph von Kempis (1794–1876), damals der einzige volljährige männliche Namensträger, 1826 die Anerkennung des überlieferten Adels. Das preußische Ministerium erklärte am 31. Januar 1827, der Eintragung in die rheinische Adelsmatrikel stehe nichts entgegen; im Anerkennungsverfahren von 1826 bis 1829 wurden auch Wappenbeschreibungen und farbige Darstellungen zu den Akten genommen.Kurkölnische beglaubigte Ausfertigung des kaiserlichen Diploms mit Wappendarstellung, Bonn 1722; preußische Anerkennungsakten 1826–1829. Philipp gehörte dem Rheinischen Provinziallandtag an, zunächst als Stellvertreter und von 1843 bis 1845 als Abgeordneter des zweiten Standes, der Ritterschaft. 1850 wurde er außerdem in die Erste Kammer des Preußischen Landtags gewählt und leistete den Eid auf die Verfassung.Vera Torunsky (Bearb.): Die Abgeordneten der Rheinischen Provinziallandtage und Landschaftsversammlungen. Ein biographisches Handbuch. Band 1: Die Abgeordneten der Provinziallandtage und ihre Stellvertreter 1825–1888 (= Rheinprovinz. Bd. 12). Rheinland-Verlag, Köln 1998, S. 255–256.
Im 20. Jahrhundert wurde die Familie durch die Brüder Franz Joseph von Kempis (1919–2014), Friedrich Karl von Kempis (1920–2016) und Johann Reiner von Kempis (1922–2016) fortgeführt. Aus ihren Ehen gingen Nachkommen hervor; die von ihnen ausgehenden Familienzweige bestehen fort.Genealogisches Handbuch des Adels, Adelige Häuser B, Band XXVI, Band 140 der Gesamtreihe, Limburg an der Lahn 2006, S. 189 ff.
Besitzungen
Wappen Das Wappen von 1569 und 1715 zeigt in Blau eine schrägrechts liegende silberne Wolfsangel. Auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen Decken die silberne Wolfsangel zwischen blauem, mit je zwei silbernen Balken belelegtem offenen Flug. Parallel hierzu führt die Familie das 1722 von der kurkölnischen Kanzlei amtlich übermittelte Prunkwappen. Es verwendet denselben Schild und ergänzt ihn um eine goldene neunperlige Krone und zwei aufgerichtete, rückschauende weiße Windhunde als Schildhalter.Kurkölnische beglaubigte Ausfertigung des kaiserlichen Diploms mit Wappendarstellung, Bonn 1722; preußische Anerkennungsakten 1826–1829.
Historische Wappenbilder
Stammfolge
Namensträger Thomas a Kempis (Thomas von Kempen) (* um 1380 als Thomas Hemerken [Hämmerlein]; † 1471) Augustiner-Chorherr und Mystiker Johan Kempis (1540), Abt des Prämonstratenser-Klosters Grüngarten Nicolaus à Kempis (* um 1600–1676), niederländisch-belgischer Organist und Komponist Maximilian von Kempis (1757–1823), kurkölnischer Politiker und Bürgermeister der Stadt Köln Stefan von Kempis (* 1970), deutscher Journalist, Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Vatican News
Literatur Annuaire de la Noblesse de Belgique 1876, S. 159–161 Вrünner Genealogisches Тaschenbuch der Ritter- und Adelsgeschlechter Band 3, 1878: Kempis – Stammreihe S. 361–362 Band 5: 1880: Kempis – Ältere Genealogie / Ahnentafel bis 1891 S. 223–225 Anton Fahne: Geschichte der kölnischen, jülichschen und bergischen Geschlechter in Stammtafeln, 1848, S. 215–216 Handbuch des Preußischen Adels 1 (1892) Stamm und alte Genealogie, S. 255–257 Gothaisches Genealogisches Taschenbuch B, 1907 Stamm und Ältere Genealogie bis 1942 Genealogisches Handbuch des Adels, C. A. Starke, Limburg an der Lahn, Adelige Häuser B, Band I/9 (1954), Band III/17 (1958) und Band XII/64 (1977) Adelslexikon, Band VI/91 (1987), S. 177
Weblinks Johann Peter von Kempis, Bestätigung von 1569 für verliehenen rittermäßigen Adel und Wappen des Peter Kempis von Sternenburg, Österreichisches Staatsarchiv Beschreibungen und Abbildungen der Sternenburg
Einzelnachweise
Kategorie:Rheinländisches Adelsgeschlecht