mini|300px|Schematische Skizze der römischen Befunde von Aegerten Die spätrömischen Festungsbauten und Brücke Aegerten sind antike römische Relikte auf dem Gebiet der Einwohnergemeinde Aegerten im Verwaltungskreis Biel/Bienne des schweizerischen Kantons Bern. In der Antike gehörten die Anlagen zur Provinz Germania superior und später zur Maxima Sequanorum, sie befinden sich rund einen Kilometer nordnordwestlich von Petinesca.
Brücke
Im Sommer 2025 wurde durch den Archäologischen Dienst des Kantons Bern bei baubegleitenden Beobachtungen auf einem Baugrundstück der Kirchstrasse 26 eine grosse Anzahl von Eichenpfählen entdeckt, die mit römischen Begleitfunden vergesellschaftet waren.Zihlbrücke bei Die Pfähle gehörten zu einer Jochbrücke, die an dieser Stelle die Zihl querte, die nach der Juragewässerkorrektion in diesem Bereich verlandete. Dendrochronologische Untersuchungen zeigten, dass die Brücke immer wieder erneuert und insgesamt rund 400 Jahre genutzt wurde. Sie gehörte zu einer Fernstrasse, die Augusta Raurica (Kaiseraugst) und Basilia (Basel) mit dem Verkehrsknotenpunkt Petinesca verband. Die ältesten Hölzer datieren auf das Jahr 40 v. u. Z., die jüngsten auf das Jahr 369 u. Z., wodurch sie zeitgleich mit der Erbauung der Festungsanlagen waren (siehe unten).Regula Gubler: Aegerten BE, Kirchstrasse 26 auf archeobase.ch, abgerufen am 3. September 2026.2000 Jahre alte Römerbrücke in Aegerten entdeckt auf Archäologie Online am 5. September 2025, abgerufen am 3. September 2026. Die Hypothese einer Hafenanlage oder Uferbefestigung an der Zihl liess sich bislang nicht definitiv verifizieren, würde jedoch mit ähnlichen Befunden in Petinesca korrelieren.Peter J. Suter: Aegerten-Tschannematte 1989. Stein-Holz-Strukturen einer römischen Hafenanlage? In: Archäologie im Kanton Bern. Fundberichte und Aufsätze, Band 2. 1992, S. 237–250 (Digitalisat).Regula Gubler, Rudolf Zwahlen: Studen-Petinesca, Wydenpark. Per Schiff nach Petinesca. In: Jahrbuch des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern 2011, S. 76–81 (Digitalisat).
Festungsbauwerke
Bei Bauarbeiten in der Flur Isel, westlich der Bahnstrecke Biel/Bienne–Bern in den Jahren 1983 bis 1985, wurde ein nordsüdlich orientiertes römisches Bauwerk entdeckt.Westliches Festungsbauwerk bei Ähnliche Befunde konnten 1987 bei einer Baugrunduntersuchung der Kirche in der Flur Bürglen freigelegt werden.Östliches Festungsbauwerk bei
Beide Gebäude sind von identischer Gestalt: zentrale, rechteckige, 23 m mal 50 m (= 1150 m²) messende Gebäudetrakte werden an ihren nördlichen und südlichen Schmalseiten von Halbrundtürmen mit Radien von jeweils 7,50 m flankiert. Das Mauerwerk der Türme besitzt eine Mächtigkeit von fünf Metern. Die Fundamente ruhen auf in den Boden versenkten Pfählen und werden durch horizontal verlaufende Balkenroste stabilisiert. Die dendrochronologische Analyse der Balken ergab eine Erbauungszeit in den Jahren 368/369. Sie dienten wahrscheinlich der Sicherung des Zihlübergangs in den unruhigen Zeiten des vierten Jahrhunderts und gehören vermutlich in den Kontext der Sicherungs- und Konsolidierungsmassnahmen des Kaisers Valentinian I. (364–375).Walter Drack, Rudolf Fellmann: Ägerten BE. Zwei Festungsbauten. In: Dies.: Die Römer in der Schweiz. Theiss/Raggi, Stuttgart/Jona (SG) 1988, ISBN 3-8062-0420-9, S. 319.René Bacher, Peter J. Suter, Peter Eggenberger et al.: Aegerten. Die spätrömischen Anlagen und der Friedhof der Kirche Bürglen. Staatlicher Lehrmittelverlag, Bern 1990, ISBN 3-258-04297-7.
Töpfereiabfälle Bei Untersuchungen in den Jahren 1985 bis 1988 wurden in der Flur Tschannenmatte, unweit nordwestlich der Befestigungsanlagen, vier Gruben entdeckt, aus denen insgesamt über 12.000 Keramikscherben geborgen werden konnten. Bei den Keramiken handelte es sich um unterschiedliches Küchen- und Tischgeschirr offenbar einheimischer Provenienz. Die Menge lässt einen Töpfereibetrieb in unmittelbarer Nähe vermuten.René Bacher, Peter J. Suter: Aegerten 1982-85. Römische Töpfereiabfälle. In: Archäologie im Kanton Bern. Fundberichte und Aufsätze, Band 4. 1999, S. 45–132 (Digitalisat).
Literatur
René Bacher, Peter J. Suter, Peter Eggenberger et al.: Aegerten. Die spätrömischen Anlagen und der Friedhof der Kirche Bürglen. Staatlicher Lehrmittelverlag, Bern 1990, ISBN 3-258-04297-7. René Bacher, Peter J. Suter: Aegerten 1982–85. Römische Töpfereiabfälle. In: Archäologie im Kanton Bern. Fundberichte und Aufsätze, Band 4. 1999, S. 45–132 (Digitalisat). Daniel Gutscher, Peter J. Suter (Red.): Jahrbuch des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern. Band 1, 1990, S. 33–38 (Digitalisat). Walter Drack, Rudolf Fellmann: Ägerten BE. Zwei Festungsbauten. In: Dies.: Die Römer in der Schweiz. Theiss/Raggi, Stuttgart/Jona (SG) 1988, ISBN 3-8062-0420-9, S. 319. Regula Gubler, Rudolf Zwahlen: Studen-Petinesca, Wydenpark. Per Schiff nach Petinesca. In: Jahrbuch des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern 2011, S. 76–81 (Digitalisat). Thierry Kilka: Groupes de référence des poteries romaines d’Aegerten (Canton de Berne – Suisse). Caractéristiques minéralogiques, chimiques et techniques. In: ArchéoSciences, revue d’Archéométrie, Band 12, 1988, S. 71–80 (Digitalisat). Andres Moser: Der Amtsbezirk Nidau. 2. Teil. (= Die Kunstdenkmäler des Kantons Bern Land, 3). Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2005, ISBN 978-3-906131-80-1, S. 110–122 (Digitalisat). Peter J. Suter: Aegerten-Tschannematte 1989. Stein-Holz-Strukturen einer römischen Hafenanlage? In: Archäologie im Kanton Bern. Fundberichte und Aufsätze, Band 2. 1992, S. 237–250 (Digitalisat).
Weblinks
Anne-Marie Dubler: Aegerten im Historischen Lexikon der Schweiz Regula Gubler: Aegerten BE, Kirchstrasse 26 auf archeobase.ch Cities, villages, fortresses - Bern - Aegerten auf ostia-antica.org (englisch) 2000 Jahre alte Römerbrücke in Aegerten entdeckt auf Archäologie Online
Einzelnachweise
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