Egon Fenz (* 19. Juni 1907 in Scheibbs (Niederösterreich); † 4. Mai 1972 in Wien) war ein österreichischer Mediziner (Internist) und Schriftsteller.
Leben Fenz betrieb als Facharzt für Interne Medizin eine Praxis in Wien und war als Internist, ab 1938 als Primar, später als Chefarzt in diversen Wiener Krankenhäusern tätig. Ab 1943 war er als Dozent für interne Medizin aktiv, verfasste zahlreiche wissenschaftliche Fachartikel und war ein vielbeschäftigter Vortragender. Nebenberuflich trat er zudem als Verfasser von philosophischen Schriften und literarischen Texten in Erscheinung.
Er trat bereits 1932 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer: 899907), war Mitglied des NS-Ärztebundes und des NS-Beamtenbundes.Vgl. Bundesarchiv, BArch R 9361-V/17964. Außerdem war Fenz Mitarbeiter des Gauamtes für Volksgesundheit, wie er in seinem dem Aufnahmeantrag für die Reichsschrifttumskammer beigelegten Lebenslauf angab. 1932 erschien sein Lyrikband Der Herr Lipaneder und andere Gedichte im Jung-Österreich Verlag, einige seiner Gedichte wurden im Neuen Wiener Tagblatt abgedruckt. 1937 wurde Egon Fenz in den Vorstand der Raimund Gesellschaft gewählt, deren Leitung er ab 1938 bis zu deren Auflösung 1939 übernahm.
Seine sprachphilosophische Abhandlung Laut, Wort, Sprache und ihre Deutung erschien 1940 im Wiener Deuticke Verlag. In seiner kruden Lautdeutungslehre, die das ‚Natürliche‘, ‚Lebendige‘ und ‚Positive‘ der ‚Volkssprache‘ untersuchte, ging es Fenz u. a. darum, die „Daseinsberechtigung“ von Sprachen zu belegen, weswegen er Anweisungen zur „Sprachreinigung“ gab, etwa durch Einschränkung von Fremdwörtern.Fenz, Egon: Laut, Wort, Sprache und ihre Deutung. Grundlegung einer Lautdeutungslehre. Wien: Franz Deuticke 1940, S. 61, S. 64.
1946/47 versuchte Fenz, bei der Einspruchskommission des magistratischen Bezirksamts im 1. Wiener Bezirk die Streichung seines Namens aus der Liste der Nationalsozialisten zu erwirken; die Beschwerdekommission lehnte dies, u. a. mit Hinweis auf Fenz‘ frühe NSDAP-Mitgliedschaft, ab.Vgl. Österreichisches Staatsarchiv, Archiv der Republik, BMI/BeKo 265/46. Ab 1948 hielt Egon Fenz vermehrt medizinische Vorträge, etwa zu seinem Spezialgebiet der Rheumatologie oder als Referent im Rahmen der ‚Volksgesundheitswoche‘ im November 1949. Auch von einem Vortrag Fenz’, der als Besitzer der wohl größten medizinischen Handschriftensammlung bezeichnet wird, über Graphologie als Wissenschaft wurde 1951 berichtet.Vgl. [N. N.]: Dozent Dr. Fenz über Graphologie. In: Die Weltpresse 28.05.1951, S. 10. Fenz war zudem als Redner auf dem 1950 in Wien abgehaltenen Kulturkongress, der sich der „Krise der Kultur“ widmete, mit einem Beitrag vertreten. Heftige Kritik an der Sinnhaftigkeit des Kongresses an sich, v. a. aber auch an den Vortragenden, die dem Nationalsozialismus nahestanden, äußerte die Österreichische Zeitung, auch Egon Fenz wurde in diesem Zusammenhang namentlich erwähnt.Vgl. Erl, [F.]: Kongreß der Vernebelung. In: Österreichische Zeitung 29.01.1950, S. 7. Im Sender Radio Wien hatte Egon Fenz zwischen 1951 und 1952 eine regelmäßige Sendung mit dem Titel Praktische Medizin, in der Themen wie Gelenksschäden, Rheuma oder die Bedeutung von Schmerzen behandelt wurden. 1950 steuerte Fenz einen Beitrag zum Gedenkband Bekenntnis zu Josef Weinheber bei.Vgl. Fenz, Egon: Weinheber und die Sprachdeutung. In: Zillich, Heinrich: Bekenntnis zu Josef Weinheber. Erinnerungen seiner Freunde. Salzburg: Akademischer Gemeinschaftsverlag 1950, S. 155–160.
Abgesehen von einem Beitrag in der frühen Niederösterreich-Anthologie Geliebtes Land (1955) trat Fenz nun nur noch selten schriftstellerisch in Erscheinung. 1962 gab er den Sammelband Kulturstraße im Wienerwald in der Österreich-Reihe des Bergland Verlags heraus. Mit Die Uhr am Schottentor erschien schließlich 1968 ein autobiografischer Roman des Autors.
Im Rahmen der Kulturpreise des Landes Niederösterreichs 1970 wurde dem Autor der Würdigungspreis zugesprochen. Im Folgejahr widmete sich der 101. Autorenabend des NÖ. Bildungs- und Heimatwerks im Marmorsaal des Landhauses in der Wiener Herrengasse dem Dichter Egon Fenz.
Literatur
Kulturreferat der NÖ Landesregierung (Hg.): Geliebtes Land. Niederösterreich im Spiegel des neueren Schrifttums. Wien: Jugend und Volk 1955. Schicht, Elisabeth / Sprongl, Norbert: Wer im Werk den Lohn gefunden. Niederösterreichische Dichter und Komponisten der Gegenwart. Niederösterreichisches Pressehaus 1976, S. 51–52.
Einzelnachweise
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