mini|Gedenktafel an der 2019 neu eingeweihten Horst-Bergschneider-Allee Horst Hermann Theodor Bergschneider (* 9. Juli 1919 in Münster; † 8. Dezember 1999 in Regensburg) war ein deutscher Journalist, Automobilrennfahrer, Politiker und Bürgeraktivist, der in Regensburg vor allem als der „Retter der Römermauer“ bekannt wurde.

Leben Herkunft und frühe Jahre Horst Bergschneider wurde als erstes Kind der Eheleute Theodor und Ella Bergschneider 1919 in Münster geboren und evangelisch erzogen. Sein Vater war dabei das älteste von 16 Kindern, die in die von dessen Vater Hermann Bergschneider bereits 1822 gegründete Theodor Bergschneider Dampf-Kornbranntwein-Brennerei in Ibbenbüren geboren wurden.Gerd Otto, Wolfgang Otto: Horst Bergschneider. Der Retter des römischen Regensburgs (1919–1999) (= Kulturführer Regensburg. Band 9). Kulturreferat, Regensburg 2019, ISBN 978-3-943222-54-8.

Nach der Geburt seiner Schwester Irmela wuchs Horst Bergschneider bei seiner Familie in Iburg (heute: Bad Iburg) auf und betätigte sich journalistisch, ehe er mit Mitte 20 in den 1940er Jahren zur Wehrmacht eingezogen wurde. Nach Einsätzen als Pilot auf dem Balkan und in Griechenland, bei denen der technisch interessierte Bergschneider zeitweise auch als Kriegsberichterstatter aktiv war, geriet er nach Kriegsende in französische Gefangenschaft.

Bereits zu seinem 26. Geburtstag konnte Bergschneider am 9. Juli 1945 wieder heimkehren und es begann der Wandel vom Soldaten zum Friedensaktivisten, der sich in den kommenden Jahren fortsetzen sollte.

Frühe Nachkriegsjahre und Umzug nach Regensburg Über Kontakte, unter anderem zu Schauspieler und Regisseur Rudolf Hoch, die Bergschneider bereits vor dem Krieg geknüpft hatte, konnte dieser seine journalistische Tätigkeit ab etwa 1948 wieder aufnehmen und war ab Januar 1949 auch als Mitglied der neu begründeten Weltbürgerbewegung des gebürtigen US-Amerikaners Garry Davis, der seine Staatsbürgerschaft 1948 ablegte und als Weltbürger Nr. 1 bekannt wurde, aktiv.

Ab Sommer 1949 übernahm Horst Bergschneider die zentrale Leitung der Weltbürger in Deutschland, ab dem 1. August wurde er zudem Schriftleiter des Weltkurier, der offiziellen Zeitung der Weltbürger.

Ab Ende der Vierziger Jahre begann Horst Bergschneider auch, sich auf bundesdeutscher Ebene zunehmend politisch zu engagieren: als Mitglied der SPD und späteres Mitglied des Bundesausschusses der Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger überreichte er beispielsweise der damaligen Berliner Bürgermeisterin Louise Schroeder im Sommer 1948 eine Spende von 8000 DM, die er in seiner Heimatstadt Münster für die eingeschlossenen Menschen in der sowjetisch besetzten Stadt gesammelt hatte.

1958 zog der automobilbegeisterte Horst Bergschneider, inzwischen im Kfz-Gewerbe angestellt, auf Bestreben der Audi AG von Münster nach Regensburg, um dort als Regionalleiter für DKW aktiv zu werden. Ab 1959 folgte eine Anstellung als Verkaufsleitung beim lokalen Citroën-Händler Fritz Prell.

Rettung der Regensburger Römermauer In diese Zeit fällt auch Horst Bergschneiders überregional bekannte „Rettung der Regensburger Römermauer“: nachdem bei Baubeginn eines neuen Hochhauses (dem sogenannten Herold-Bau, benannt nach der Versicherungsagentur Deutscher Herold) an der Maximilianstraße im November 1955 sichtbare Reste der römischen Stadtbefestigung Regensburgs entdeckt wurden, wusste die Stadt Regensburg nicht so recht mit dem historischen Fund umzugehen und beließ die Mauerreste vorerst nahezu unbeachtet und ungeschützt, auch eine erneute Zuschüttung der Funde stand zu dieser Zeit im Raum. Horst Bergschneider aber war bestrebt, die Bedeutung der Funde auch in der Öffentlichkeit bekannt zu machen und Gesellschaft, Politik und Wirtschaft mit seiner Aktion „2000 Jahre Regensburg“ für die Relevanz des römischen Regensburgs zu sensibilisieren.

Mit spektakulären Aktionen wie dem Genickhang unter einem Motorrad am Drahtseil bei der in Regensburg gastierenden Artistengruppe Adler oder der Umbenennung eines 1961 erworbenen Rennwagens in „Regensburg 1“ sammelte Bergschneider fortan Spenden, um die weitere Erforschung der Römermauerreste möglich zu machen und konnte damit Persönlichkeiten wie den damaligen Oberbürgermeister Rudolf Schlichtinger, Weihbischof Josef Hiltl, den Volksbank-Direktor Rudolf Witt sen. oder die Regensburger Industrie- und Handelskammer überzeugen.

Nach dem Bau von zwei Hochhäusern für den Deutschen Herold stoppte die Regierung der Oberpfalz schließlich den Bau des auf den Funden geplanten Parkplatzes und die Mauer ist als südöstlicher Teil der document Legionslagermauer heute am Ernst-Reuter-Platz zu besichtigen. Dort erinnert nach der Sanierung der Mauerfunde seit März 2014 ein von Kulturreferent Klemens Unger, Oberbürgermeister Hans Schaidinger und Witwe Elisabeth Bergschneider eingeweihter Gedenkstein an Horst Bergschneiders Wirken.

Weiteres Wirken Nach der Bewahrung der Römermauer konzentrierte sich Horst Bergschneider vornehmlich auf seine Anstellung als Autohausmitarbeiter und war gemeinsam mit Inhaber Fritz Prell einer der Vorreiter der Regensburger Rallyeszene, die sich Ende der Sechziger Jahre mit der Gründung der RIOC (Rallyeinteressengemeinschaft im Ortsclub Regensburg) erstmals professionell aufstellte.

In den Siebziger Jahren war Horst Bergschneider zweimalig, von November 1973 bis November 1974 und von November 1976 bis Juli 1977, Präsident von Jahn Regensburg.

Nach einem Schlaganfall Mitte der Achtziger Jahre zog sich Bergschneider zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück.

Motorsport Der technik- und motorsportbegeisterte Horst Bergschneider kam mit dem Motorsport erstmals nach seinem Umzug nach Regensburg in Kontakt: als Regionalleiter von DKW knüpft er Kontakte ins Autohaus Kreller und konnte auf einem DKW Junior erste Erfolge erzielen. Ab Ende der Fünfziger Jahre folgte er Einstieg auf Citroën ID 19, auf dem Bergschneider vor allem mit Händler Fritz Prell und dem Regensburger Rennfahrer Otto Schmitt bundesweit Erfolge erzielen konnte. Dem Citroën folgte Anfang der Sechziger Jahre ein leichterer und wendigerer Matra Djet 6, ehe Bergschneider 1961 ein schon damals geschichtsträchtiges Fahrzeug kaufte: aus dem Nachlass des erst kurz zuvor tödlich verunglückten Rennfahrer Wolfgang Graf Berghe von Trips erwarb Bergschneider einen Formel-Junior-Wagen und ließ diesen von Bürgermeister Schlichtinger in Hinblick auf den Kampf für den Erhalt der Römermauer öffentlichkeitswirksam auf den Namen „Regensburg 1“ taufen.

Vor allem mit Prell und Schmitt folgten im Verlauf der Sechziger Jahre weitere Veranstaltungen, ehe Bergschneider gemeinsam mit dem lokalen Fleischgroßhändler Max Bink 1971 und 1972 zweimalig an der berühmten Rallye Monte Carlo teilnahm. Auch mit dem späteren Rallyeweltmeister Walter Röhrl, der ebenfalls aus Regensburg stammt, kam Bergschneider zu dieser Zeit in Kontakt.

Privates Horst Bergschneider war nach seiner ersten Ehe seit dem 15. Juni 1963 mit Elisabeth Bergschneider, geboren 1943 in Regensburg, verheiratet und hat mit dieser zwei Kinder.

Das Paar unterhielt ab 1976 eine Allianz-Generalagentur, die 1996 an Sohn Horst Alexander übergeben wurde.

Auszeichnungen Neben dem 2014 aufgestellten Gedenkstein am Ernst-Reuter-Platz ist seit 2019 auch der Weg entlang der Mauer nach Bergschneider benannt und trägt den Namen Horst-Bergschneider-Allee.

Im Juli 2019 erschien als Teil der Serie Regensburger Kulturführer auch ein Heft über das Leben und Wirken von Horst Bergschneider. Die 100 Seiten starke Broschüre der Autoren Gerd und Wolfgang Otto ist im Regensburger Kulturamt erhältlich.

Einzelnachweise

Literatur

Gerd Otto, Wolfgang Otto: Horst Bergschneider. Der Retter des römischen Regensburgs (1919–1999) (= Kulturführer Regensburg. Band 9). Kulturreferat, Regensburg 2019, ISBN 978-3-943222-54-8. Leon Gaas: Wie Regensburg mobil wurde – Ursprung und Geschichte des Autos in der Domstadt. Verlag Helmut Horn, Hörmannsberg 2026, ISBN 978-3-928593-16-8.

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