mini|hochkant|Wappen derer von Stedern in Siebmachers Wappenbuch Stedern (auch Steder, Stedem, Steden o. ä.) ist der Name eines erloschenen niedersächsischen Adelsgeschlechts.
Geschichte Das Geschlecht hatte seinen Namen laut Leopold von Ledebur und Ernst Heinrich Kneschke von einem bereits im Mittelalter abgegangenen Dorf Stedern nordöstlich vom schaumburgischen Rinteln, d. h. rechts der Weser in Richtung Steinbergen.Kröger: Beiträge zur Geschichte der Stadt Rinteln. In: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, 10. Band, Kassel 1865, S. 226 (Google Bücher). Fiedeler dagegen ordnet die Familie einem namensgebenden Stammsitz im untergegangenen Dorf Stedern bei Gehrden zu.Fiedeler: Das Kirchspiel Gehrden. In: Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen, Jg. 1862, Hannover 1863, S. 185–189 (Google Bücher). Im Schaumburgischen war die Familie jedenfalls schon ab dem 16. Jahrhundert nicht mehr ansässig. Danach zählte das Geschlecht zum braunschweigisch-lüneburgischen und ab Ende des 17. Jahrhunderts zum halberstädtischen Adel. Dem bei Wolfenbüttel liegenden Stift Steterburg hat es viele Güter gegeben.Hefner (1866), S. 17.Ledebur (1856), S. 475.Kneschke (1868), S. 608. Laut Max von Spiessen gehörten die von Stedern auch zu den mindischen Lehnsleuten.Spiessen (1901–1903), S. 121.
mini|Burg Emersleben, 2015 Besitz hatte die Familie u. a. im Fürstentum Calenberg in Groß Munzel (bis 1621) sowie im Halberstädtischen in Börnecke (urkundlich 1728–1780), Emersleben (1692–1780), Halberstadt (ein Freihof) (1690–1728), Schwanebeck (1780) und Stapelburg (1650–1705). Emersleben und der Ritterhof zu Halberstadt waren alte von Dorstadtsche Güter. Börnecke und Stapelburg waren im Besitz von Jobst Ludwig von Stedern († 1663), 1660–1661 Dechant im Dom zu Halberstadt. Anfang des 18. Jahrhunderts lebte Ernst Gottlieb von Stedern. Beide waren mit Töchtern aus dem Geschlecht von Münchhausen verheiratet.
Als erstes Mitglied der Familie erscheint Geroldus de Stedene 1242 als Zeuge in einer Hodenberger Urkunde. Eghardus de Stede und Volcmarus de Stedem befanden sich in den Jahren 1242, 1255 und 1256 im Gefolge des Grafen Conrad von Wölpe bzw. des Herzogs Albert I. von Sachsen († 1260/1). Als Urkundenzeugen kommen ferner vor: 1257 Volcmarus, 1265 Thedeke, 1327 Johann, 1329 Friedrich, 1329 Friedrich, 1371 Hartwig sowie 1464 Everd und Ludwig von Stedern. 1305 trug Gerhard von Stedern mehrere Hufen Land und eine Mühle in Winninghausen von den Edelherren von Lohe zu Lehen. Ludolf von Stedern besaß 1334 vier Hufen und einen Kotten zu Stedern. 1337 erscheinen die Knappen Thoren und Ernst van Stedere als erkorene Richter in einer Streitsache zwischen denen von Landesberg über Grundstücke zu Wunstorf. Die Knappen Johann, Friedrich und Ludolf van Stedere standen 1347 im Dienst der Herzöge Otto III. von Braunschweig-Lüneburg († 1352) und Wilhelm II. von Braunschweig-Lüneburg († 1369). Im Gefolge der Grafen von Wunstorf finden sich 1315 Johann, 1360 Ludolf und 1390 Johann van Stedere. Eberhard von Stedern war 1431 in der Holzmark von Goltern berechtigt. 1444 gehörte Friedrich von Stedern in einer Streitsache zwische dem Herzog Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg (1392–1482) und den Grafen von Wunstorf zu den von den Parteien aus der Ritterschaft Deister und Leine erwählten Schiedsrichtern. Friedrich von Stedern war mit Friederike verheiratet. Als Witwe lieh diese 1452 den Gebrüdern von Reden eine größere Geldsummer und erhielt dafür drei Hufen bei Pattensen verpfändet. Elisabeth von Stedern war 1484 und noch 1492 Priorin im Kloster Wülfinghausen. Eine andere Elisabeth von Stedern war 1479 Priorin im Stift Obernkirchen. Jasper von Stedern hatte 1507 ein Gut zu Landringhausen und Dietrich von Stedern war 1510 in Groß Munzel begütert. 1605 waren die von Stedern auch Besitzer des Gerichts Muzel und von Holzgerechtigkeiten in der Munzeler Mark. 1614 war Jobst Ludolf von Stedern mit einem freien Sattelhof zu Munzel, drei Hufen und sieben Kothhöfen zu Oster-Munzel, vier Hifen zu Stedern und einer halben Huge vor Gehrden belehnt. 1621 überließ er diese Lehngüter zwecks Erwerbung anderer herzoglicher Lehngüter dem Jobst Andreas von Waldhausen.
Der Kanoniker Otto Albrecht von Stedern bebaute um 1684 das damals wüste Grundstück Max-Josef-Metzger-Straße 1, 2 in Magdeburg mit einem neuen Gebäude, das in der Folgezeit Stedernsche Kurie genannt wurde. Anna Katharina von Stedern (* 6. Oktober 1624 in Hameln; † 28. Juni 1702 in Voigtstedt) ehelichte Christoph Ulrich von Burgsdorff († 1667), Domherr in Magdeburg und ab 1661 Inhaber des verpfändeten Amtes Voigtstedt. Anna Florina von Stedern aus dem Hause Stapelburg (* 19. Dezember 1666; † 16. September 1752 in Spandau) war mit dem preußischen Landrat George Christoph von Briest (1660–1715) verheiratet. Aus der Ehe stammen u. a. Friedrich Christoph von Briest (1689–1754), Landrat, und Jakob Friedrich von Briest (1695–1768), preußischer Generalmajor. Magdalena von Stedern heiratete Christoph Dietrich von Arnstedt (1709–1769).
Die meisten der Familiengüter waren später im Besitz des Halberstädter Domherren Friedrich Ludwig Carl von Stedern (* 4. Mai 1761; † 3. Februar 1793), der 1790 zu Sonnenburg zum Johanniter-Ritter geschlagen wurde und mit dem die Familie im Mannesstamm erlosch. Eine seiner zwei Töchter, Amalie von Stedern (1789–1816) aus Emersleben, war ab 1808 mit dem Kammerherrn Eduard von Alvensleben (1787–1876) auf Redekin vermählt. Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor, unter ihnen Udo Gebhard Ferdinand von Alvensleben (1814–1879).Mülverstedt (1884), S. 161.
Wappen mini|hochkant|Wappen derer von Stedern im Wappenbuch des Westfälischen Adels Blasonierung: In Schwarz ein silberner Balken. Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Helmdecken ein offener schwarzer Flug, belegt mit einem silbernen Balken.
Abweichend stellt Max von Spiessen das Wappen in invertierter Tingierung (in Silber schwarzer Balken) dar.
Stammfolge Folgende Stammfolge ist überliefert:Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, W 101 / Aufschwörungstafeln, Nr. 960,0.Valentin König: Genealogische Adels-Historie oder Geschlechts-Beschreibung, 2. Teil, Leipzig 1729, S. 299 (Google Bücher).Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, W 101 / Aufschwörungstafeln, Nr. 477,0.
Literatur Otto Titan von Hefner: Stammbuch des blühenden und abgestorbenen Adels in Deutschland, Band 4. Spaur–Z. Regensburg 1866, S. 17 (Google Bücher). Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon. Friedrich Voigt, Band 8: Saackhen, Wailckhl v. Saackhen – Steinhauer zu Bulgarn. Leipzig 1868, S. 608 (Google Bücher). Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie, Band 2: L–S, Berlin 1856, S. 475 (digitale-sammlungen.de). George Adalbert von Mülverstedt: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 6 (Abgestorbene, erloschene Geschlechter), 6. Abt.: Ausgestorbener preußischer Adel, Provinz Sachsen (exl. die Altmark), Nürnberg 1884, S. 161 (uni-goettingen.de) und Tfl. 105 (uni-goettingen.de). Max von Spiessen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Wappengrafiken von Adolf Matthias Hildebrandt, Band 1, Görlitz 1901–1903, S. 121 (hhu.de); Band 2, Görlitz 1903, Tfl. 305 (hhu.de). Leopold von Zedlitz-Neukirch: Neues Preussisches Adels-Lexicon, Band 4: P–Z. Leipzig 1837, S. 231 (Google Bücher).
Einzelnachweise
Kategorie:Niedersächsisches Adelsgeschlecht