Qalamos ist ein Online-Portal für Handschriften aus asiatischen und afrikanischen Schrifttraditionen. Es dient der Bereitstellung von Metadaten sowie – sofern verfügbar – digitalisierten Kopien von Handschriften, die in deutschen Bibliotheken und weiteren Gedächtnisinstitutionen aufbewahrt werden. Darüber hinaus integriert Qalamos auch Bestände internationaler Partnerinstitutionen. Das Portal ist eine Anwendung auf Basis von MyCoRe und wird vom Universitätsrechenzentrum Leipzig gehostet. Die Gesamtverantwortung liegt bei der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz.

Name Der Name des Portals ist ein Kunstwort, das sich aus dem altgriechischen kalamos („Schreibrohr“) ableitet, das über Arabisch und Persisch als qalam (قلم) und im Swahili als kalamu weiterlebt; verwandt sind auch lateinisch calamus, hebräisch kulmus (קולמוס) und Sanskrit kalama (कलम). Das Logo veranschaulicht diese Traditionen: Der Schweif des „Q“ symbolisiert das Schreibrohr, das in roter Tinte die diakritischen Punkte des arabischen Qāf (ق) setzt – ein Hinweis auf die historische Verbindung der Handschriftentraditionen, die das Portal sichtbar machen möchte.

Inhalte und Ausrichtung mini|Werkdatensatz: Vyāsa: Mahābhārata. Qalamos ID: MyMssWork_work_00002538 Qalamos bietet Informationen zu Handschriften in mehr als 170 Sprachen und 90 Schriften. Schwerpunkte bilden dabei die islamische Welt, hebräische Handschriften, christlich-orientalische Traditionen sowie Handschriften aus Zentral-, Süd- und Südostasien. Die Sammlungen umfassen bedeutende Teile des schriftlichen Kulturerbes der Menschheit vom 4. bis ins 20. Jahrhundert.

Die digitale Zusammenführung dieser Bestände soll die mühevolle Suche nach verschiedenen Abschriften eines Werkes in gedruckten Katalogen oder unterschiedlichen Datenbanken ersetzen. So lässt sich etwa am Beispiel der Werkeinträge des indischen Epos Mahābhārata oder des arabischen Fürstenspiegels Kalīla wa-Dimna auf einen Blick erkennen, welche Teile des Werkes in deutschen und internationalen Sammlungen überliefert sind, welche Kommentare, Bearbeitungen oder Übersetzungen existieren und in welchen Institutionen sie aufbewahrt werden. Zugleich können dadurch auch Quellen und Zusammenhänge sichtbar werden, die bei einer herkömmlichen Suche möglicherweise übersehen worden wären.

Sammlungen Bis 2026 wurden Beschreibungen von etwa 120.000 physischen Objekten – darunter Handschriften, Fragmente und Blockdrucke – aus mehr als 80 deutschen Institutionen integriert. Viele dieser Bestände entstanden im Zuge der Etablierung der Orientalistik im 19. und 20. Jahrhundert, einige reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Die größten Bestände befinden sich in der Staatsbibliothek zu Berlin (rund 40.000 Bände sowie ca. 40.000 Fragmente aus der Turfan-Sammlung) und in der Bayerischen Staatsbibliothek München (etwa 20.000 Bände). Zusätzlich enthält Qalamos Metadaten zu Handschriften aus mehr als 40 internationalen Einrichtungen.

Projekt und Förderung Die Entwicklung von Qalamos erfolgt im Rahmen eines Projekts, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) von 2020 bis 2026 gefördert wird. Projektpartner sind die Bayerische Staatsbibliothek München, die Forschungsbibliothek Gotha (bis 2023) und das Universitätsrechenzentrum Leipzig. Die Ziele des Projekts sind der Aufbau einer Forschungsinfrastruktur für Handschriften und die Erstellung qualitativ hochwertiger Metadaten. Grundlage hierfür ist die Retrokonversion der Daten aus gedruckten Katalogen, die soweit vorhanden mit den entsprechenden Digitalisaten verknüpft werden.

Metadaten Ein zentrales Anliegen von Qalamos ist die Standardisierung und Interoperabilität von Metadaten. Grundlage ist ein einheitliches Datenmodell mit umfangreicher Nutzung von Normdaten. Neben den Handschriftenbeschreibungen können Nutzende auch in Normdaten zu Werken und Personen sowie in Modulen zur Buchkunst und zu Manuskriptvermerken recherchieren. Insgesamt umfasst die Datenbasis (Stand August 2026) ca. 178.000 Datensätze. Besonderer Wert wird auf Informationen zur Translokation und Provenienz der Handschriften gelegt. Die Metadaten werden über eine OAI-Schnittstelle bereitgestellt.

Literatur OD-Portal (13. November 2020). Erfassen, normieren und zugänglich machen: „Orient-Digital“ stellt sich vor. Alte Kataloge in neuem Gewand. Abgerufen am 31. August 2026 von doi:10.58079/shy7 OD-Portal (20. Mai 2022). Launch: Qalamos geht live! Alte Kataloge in neuem Gewand. Abgerufen am 6. November 2025 von doi:10.58079/shz0 Schmid, Larissa. "Die Entwicklung von Qalamos – das neue Portal für Handschriften aus asiatischen und afrikanischen Schrifttraditionen" Bibliotheksdienst, 56, 9, 2022, S. 507–519, doi:10.1515/bd-2022-0082 Anett Krause (3. November 2023). “De Rebus Indiae” – über uns, unsere Aufgaben und Ziele. Alte Kataloge in neuem Gewand. Abgerufen am 7. November 2025 von doi:10.58079/shzo OD-Portal (26. Juli 2024). Von Norwegen bis Indien: Neues vom Qalamos Portal. Alte Kataloge in neuem Gewand. Abgerufen am 7. November 2025 von doi:10.58079/123mu

Einzelnachweise

Kategorie:Staatsbibliothek zu Berlin Kategorie:Bayerische Staatsbibliothek Kategorie:Universität Leipzig Kategorie:Handschrift Kategorie:Datenbank (Bibliothekswesen) Kategorie:Digitale Bibliothek