Daphne Berdahl (* 14. Juni 1964; † 5. Oktober 2007) war eine US-amerikanische Anthropologin, die sich hauptsächlich mit Ostdeutschland, Erinnerungskultur, Konsumverhalten und den Umbrüchen nach der deutschen Wiedervereinigung beschäftigte. Sie lehrte an der University of Minnesota und gilt in der Fachliteratur als eine Stimme der Anthropologie des Postsozialismus.
Biografie Daphne Berdahl war die Tochter von Margaret und Robert Berdahl, einem Experten für deutsche Literatur und früheren Präsidenten der Universität Berkeley. Sie wuchs in Eugene, Oregon, auf, studierte am Oberlin College Geschichte und Deutsch und bereitete sich anschließend an der Universität Tübingen sowie der University of Illinois auf das Graduiertenstudium vor. 1988 begann sie ihr Promotionsstudium an der University of Chicago; ihre Promotion schloss sie 1995 ab. Danach war sie zunächst an der Harvard University tätig und wechselte 1997 an die University of Minnesota. Dort arbeitete sie zunächst als Assistenzprofessorin und später als Professorin für Anthropologie. Im Jahr 2000 erhielt sie die Tenure. Zuletzt war sie Associate Professor für Anthropologie und Global Studies. Am 5. Oktober 2007 verstarb Berdahl nach einem achtjährigen Kampf gegen Brustkrebs. Sie hinterließ ihren Ehemann John Baldwin sowie ihre beiden Töchter Audrey und Eloise.Bunzl M. Daphne Berdahl, 1964–2007. Slavic Review. 2008;67(1):273-275. doi:10.1017/S0037677900030461
Werke Ihr bekanntestes Buch, Where the World Ended: Re-Unification and Identity in the German Borderland (1999), entstand aus ethnografischer Feldforschung im ehemaligen ostdeutschen Grenzdorf Kella. In diesem Werk analysiert sie die Erfahrungen des Umbruchs nach der Wiedervereinigung. Sie untersuchte unter anderem, wie Menschen die Wiedervereinigung im Alltag erlebten, wie sich Identitäten nach dem Ende der DDR veränderten, welche Rolle Alltagsgegenstände für Erinnerung spielten und wie das Konzept der Ostalgie entstand. Außerdem veröffentlichte Berdahl seit 1994 eine Reihe weiterer Werke, in denen sie sich mit verschiedenen Aspekten des ostdeutschen Alltagsleben nach der Wiedervereinigung 1989 auseinandersetze:
Einordnung In Nachrufen und Sammelbänden wurde Berdahl als eine der prägenden Forscherinnen zum Übergang vom Staatssozialismus zum Kapitalismus beschrieben. Besonders hervorgehoben wurden ihre Arbeiten zu Ostalgie, Grenzräumen, Bürgerschaft und der Alltagskultur im wiedervereinigten Deutschland.
Auszeichnungen und Nachwirkung Im Jahr 2000 erhielt Berdahl an der University of Minnesota ein „McKnight Presidential Endowed Professorship“. Außerdem wurde ihr für 2007–2008 ein Guggenheim-Stipendium zugesprochen. Nach ihrem Tod richtete die University of Minnesota einen Gedenkfonds zu ihren Ehren ein. Die Dorfgemeinde Kella, wo sie ihre ethnografische Forschung durchführte, stellte nach ihrem Tod einen Gedenkstein zu ihren Ehren auf. In Gedenken an Daphne Berdahl wurde an der University of Minnesota ein Event bezüglich Berdahls Lektüren ins Leben gerufen.
Einzelnachweise
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