mini|Gotthardpass mit Hospiz (links, 2010) Das Gotthardhospiz () ist ein ehemaliges Hospiz auf dem Gotthardpass im Kanton Tessin. Es befindet sich in 2091 Metern Höhe und besteht seit mindestens 1237. Seit August 2010 dient das Hospiz als Dependance des Hotels San Gottardo.
Geschichte mini|Darstellung der Hospiz von Johann Balthasar Bullinger in den 1770er Jahren An dieser Stelle soll im 11. Jahrhundert bereits eine Kapelle gestanden haben, die Reisenden Schutz bei Unwettern bot. Anhand der bei Ausgrabungen gefundenen Grundmauern wird eine Entstehung zu karolingischer Zeit angenommen. Die Kapelle wurde 1230 durch den Erzbischof von Mailand dem heiligen Gotthard von Hildesheim geweiht.
Das Gotthardhospiz wurde erstmalig 1237 urkundlich erwähnt. Das Hospiz wurde von Klosterbrüdern betrieben, bis um 1433 die Vicinanza Airolo die Leitung übernahm. Neben der Versorgung der Kranken sollen auch jährlich 4000 Arme und mittellose Reisende untergebracht und versorgt worden sein.
1623 wurde auf Erlass des Erzbischofs Federico Borromeo ein Priesterhaus erbaut. Von 1685 bis 1799, nach anderen Angaben von 1689–1801, betreuten Kapuziner der Mailänder Ordensprovinz ein zweites Hospizgebäude.
Der Gotthardpass wurde im 18. Jahrhundert jährlich von 15’000 bis 16’000 Personen begangen, die auch Schutz im Hospiz suchten. 1777 wurde das Hospiz aufgrund des Lawinenniedergangs am 10. April 1775 teilweise abgerissen. Der deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe erwähnte das Gotthardhospiz in seinen Reisetagebüchern über die Schweiz von 1775 und 1779. Im Rahmen des Zweiten Koalitionskriegs zerstörten französische Soldaten 1799 das Hospiz. Mit dem Wiederaufbau ging es in den Besitz des Kantons Tessin über.
Von 1834 bis 1837 wurde angrenzend als Güterumschlagplatz die «Alte Sust» nach einem Entwurf von Domenico Fontana erbaut. Die Sust wurde 1986 zum Nationalen St. Gotthard-Museum umgewandelt.
Zusammen mit anderen Gebäuden der Sust und des Hospizes gehört das Gebäude zum Kulturgut von nationaler Bedeutung.
Renovierung und heutige Nutzung mini|Das umgebaute Hospiz (2012) Von 2008 bis 2010 wurde das Gotthardhospiz vom Basler Architekturbüro Miller & Maranta federführend renoviert. Die eigenständige Kapelle wurde mit dem Hospiz unter einer monolithischen, skulpturalen Dachform zusammengefasst.
Das Gebäude wurde vom Steinsockelgeschoss hinauf entkernt und um weitere Etagen in Holzständerbauweise aufgestockt.
Das an ein Bergkristall erinnernde Dach wurde komplett mit Walzblei und Holzwülsten eingedeckt.
Seit 2010 wird das Gotthardhospiz abhängig von den Passöffnungszeiten in den Monaten Juni bis Oktober als Hotel genutzt.
Auszeichnungen Zusammen mit der Kathedrale St. Peter in Genf und dem Schloss La Sarraz wurde das renovierte Gotthardhospiz als eine der ersten drei Stätten in der Schweiz mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet.
Literatur
Virgilio Gilardoni: Il Romanico. Arte e monumenti della Lombardia prealpina. La Vesconta, Istituto grafico Casagrande, Bellinzona 1967, 30. S. 38, 40–43, 91, (Madrano 176, 251, 481), 176–178, 299, 342, 358, 476, 481, 484, 498, 509, (San Gottardo 543–544). Niklaus Flüeler: Kulturführer Schweiz. Ex Libris Verlag, Zürich 1982. Giovanni Piffaretti: Le maestranze d'arte dei paesi della montagna Arzo-Besazio-Meride-Tremona. Hg. commissione culturale di Arzo. Morbio Inferiore 1986. Marina Bernasconi Reusser: Monumenti storici e documenti d’archivio. I «Materiali e Documenti Ticinesi» (MDT) quali fonti per la storia e le ricerche sull’architettura e l’arte medievale delle Tre Valli. In: Archivio Storico Ticinese, seconda serie, 148, Casagrande, Bellinzona 2010, S. 209, 216 nota.
Weblinks
Website des Gotthardhospiz
Einzelnachweise
Kategorie:Kulturgut von nationaler Bedeutung im Kanton Tessin Kategorie:Bauwerk in Airolo Kategorie:Gotthardmassiv Kategorie:Godehard von Hildesheim als Namensgeber Kategorie:Erbaut im 13. Jahrhundert Kategorie:Umgenutztes Bauwerk in der Schweiz