Walter Karl Wilhelm Gutkelch (* 15. Februar 1901 in Tempelhof; † 8. Juni 1976 in Bielefeld) war ein deutscher Schriftsteller und Dramaturg.
Werdegang Gutkelch legte 1919 das Abitur am Reform-Realgymnasium in Tempelhof ab. Anschließend studierte er Vergleichende Religions- und Literaturwissenschaft, Philosophie, Kunst- und Musikgeschichte sowie Germanistik an den Universitäten Berlin und Freiburg. 1923 wurde er zum Dr. phil. promoviert.
Ab 1924 war Gutkelch freiberuflich als Schriftsteller, Kritiker und Hörfunk- und Bühnenautor tätig. Darüber hinaus war er von 1924 bis 1925 gemeinsam mit Jo Lherman und Boris Wassermann Herausgeber der Kulturzeitschrift Das Dreieck. Monatszeitschrift für Philosophie, Dichtung und Kritik. heraus, von der sieben Nummern erschienen. Bis 1926 war er Sprecher der lebensphilosophischen Bewegung „Die neue Beziehung“. Ab 1926 war er Schriftleiter und stellvertretender Verlagsleiter der Neuen Tempelhofer Zeitung; zudem war er als Lektor bei der UFA tätig. 1929 war er Volontär bei der Tempelhofer Kaufhaus-Druckerei.
Von 1929 bis 1930 absolvierte Gutkelch ein Studium an der Handelshochschule Berlin. Daraufhin war er von 1930 bis 1932 Schriftleiter für Kultur bei der Täglichen Rundschau, damals ein Organ des Christlich-Sozialen Volksdiensts (CSVD). Ab 1932 war er stellvertretender Vorsitzender der Bezirksgruppe Berlin-Tempelhof des CSVD. Zwischen 1932 und 1934 nahm er verschiedene kleinere Tätigkeiten wahr. Er trat in den Kampfbund für deutsche Kultur ein und wurde Teil von dessen Junger Kampfbühne in Berlin. Außerdem war er Gründungsmitglied des Arbeitskreises junger Autoren in der Deutschen Arbeitsfront. Er schrieb während dieser Zeit mehrere Artikel für den Völkischen Beobachter.
Von 1934 bis 1935 war Gutkelch als Dramaturg am Theater am Schiffbauerdamm tätig. Danach war er von 1936 bis 1938 Angestellter in der Pressestelle des Polizeipräsidiums Berlin; im Sommer 1936 war er Pressereferent des Polizeibefehlsstabes für die Olympischen Sommerspiele 1936. Am 23. November 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 5.848.701).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/12610301 Von Februar 1938 bis März 1939 war er Leiter der Abteilung Wissenschaft und der Nachrichtenstelle bei der Reichsverkehrsgruppe Binnenschifffahrt. Daraufhin war er von Juli 1939 bis Januar 1942 Hauptsachbearbeiter im Amt für Berufserziehung und Betriebsführung der Deutschen Arbeitsfront. Zeitweise wurde er zur Abteilung für Volksaufklärung und Propaganda des Generalgouvernements in Krakau sowie nach Trier und Paris versetzt.
Anschließend war Gutkelch von Februar 1942 von September 1943 Leiter der Gruppe „Verbände und Kriegsgefangene, Sport- und Wehrfragen“ in der Abteilung „Ukraine“ des Reichsministeriums für die besetzten Ostgebiete. Zugleich war er Leiter der dortigen „Zentralstelle für Angehörige der Ostvölker“. Von September 1943 bis zum Kriegsende im Mai 1945 leistete er Kriegsdienst bei der Wehrmacht. Er wurde dabei bei der Heeres-Küsten-Artillerie in Kroatien und als Berichterstatter in Propagandakompanien eingesetzt. Anschließend befand er sich bis Februar 1947 im Internierungslager Gadeland in britischer Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Entlassung arbeitete er in der kirchlichen Flüchtlingsbetreuung in Lübeck mit.
Von 1947 bis 1961 war Gutkelch Berichterstatter, Schriftleiter und Theaterreferent beim Evangelischen Presseverband für Westfalen und Lippe in Bielefeld-Bethel. Außerdem war er wieder als Hörfunkautor und Bühnenschriftsteller tätig. Anschließend nahm er von 1961 bis 1973 Lehraufträge an der Max-Reinhardt-Schule für Schauspiel bzw. der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in West-Berlin wahr. Er starb im Juni 1976 im Alter von 75 Jahren in Bielefeld. Sein Nachlass befindet sich im Deutschen Literaturarchiv Marbach.
Werke (Auswahl) Gedichte. Reuss & Pollack, Berlin 1924. Das Jugendgedicht. 1926. Zwei Zyklen. (Gedichte) Aton-Verlag, Bad Pyrmont 1926. Berufung des Jahrhunderts. Ein politisches Epos. 1926. Paganini. Fragment eines Mysteriums. 1926. Zerfall der Idylle. Eine Versnovelle. 1926. Die steinerne Orgel. (Roman) E. Runge, Berlin 1927. Christian. (Pädagogische Novelle) Verlag Frauenliebe, Berlin 1927. Roulette. (Komödie) Reichard, Freiburg im Breisgau 1928. Die Selbstgenießer. (Kleine Prosa) Reuss & Poltack, Berlin 1928. Intervall. Zwei Balladen. 1929. Gedichte 1921–1929. Auswahl von Hans Arno Joachim. Waldemar Hoffmann, Berlin 1930. Der christlich-normative Gedanke. (Entstehungsbericht) Waldemar Hoffmann, Berlin 1930. Von der Schwelle. Märkisches Familienstück. 1940. Die Begnadigten. Drei Begebenheiten. Kaiser, München 1951. Heikle Gespräche. (Vorwort von Reinold von Thadden) 1953. Die Verführten. Zwei Begebenheiten. Schriftenmissions-Verlag, Gladbeck 1953. Die babylonische Heimkehr. Ein Versbuch. Kaiser, München 1954. Der große Mut des Hiskia. Dramatische Erzählung in drei Akten. Kaiser, München 1954. Duell um Clementine. 1958. Der Silberbogen. Spruch- und Sinngedichte. 1958. Der Herr von drüben. Familienstück in einem Akt. 1959. Wendepunkte. Gesprächsspiele. 1963. Die Enttäuschung. Wandgedichte eines Kirchenliebhabers. Waldemar Hoffmann, Berlin 1968. Gespaltener Glaube? Zwölf Fragen an der Hintertür. Aussaat-Verlag, Wuppertal 1975.
Hörspiele (Auswahl) Autor 1940: Die grüne Apotheke. Hörspiel für die Jugend (Noch nicht in der ARD-Hörspieldatenbank gelistet) 1953: Zum Abend: Die Sache mit dem Hund – Regie: Gottfried Gülicher (Kurzhörspiel – NWDR Köln) 1955: Babylonische Heimkehr – Regie: Nicht bekannt (Hörspielbearbeitung, Kurzhörspiel – NWDR) 1957: Die Brandstiftung – Regie: N. N. (Kurzhörspiel – WDR)
Bearbeiter 1950: Selma Lagerlöf, Walter Gutkelch: Die letzte Tat. Vorlage: Mathilda Wrede (Novelle) – Regie: Cläre Schimmel (Hörspielbearbeitung – SDR) 1958: Anna Dobrinski: Die Feuerprobe. Vorlage: Die Gespaltenen (Theaterstück) – Regie: Gottfried Gülicher (Hörspielbearbeitung, Kurzhörspiel – WDR)
Quelle: ARD-Hörspieldatenbank
Literatur Gutkelch, Walter. In: Konrad Feilchenfeldt (Hrsg.): Deutsches Literatur-Lexikon. Das 20. Jahrhundert. 13. Band: Grunenberg – Hallwig. Saur Verlag, Zürich und München 2009, S. 216.
Weblinks Walter Gutkelch auf der Website des Projekts Beamte nationalsozialistischer Reichsministerien
Einzelnachweise
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