Die elektrische Fabrikbahn des Messingwerks Finow war eine mehr als 2 km lange Feldbahn mit einer Spurweite von 600 mm, die um 1904 durch die Berliner Firma Arthur Koppel im Messingwerk Aron Hirsch & Sohn in Eberswalde-Finow verlegt wurde.

Streckenverlauf Die Strecke verlief vom Schiffsanleger im sogenannten Messingwerkhafen zu verschiedenen Fabrikgebäuden, Lagerschuppen und Zufahrtsstellen des Messingwerks von Aron Hirsch & Sohn. Über 2 km der Strecke verliefen innerhalb der Fabrik. Die Bahnanlage war so angelegt, dass die Transporte von der Ankunft der Kohle und des Rohmaterials bis zur Herstellung des Fertigmaterials in einer sachdienlichen Reihenfolge nacheinander abgewickelt werden konnten. Die elektrische Lokomotive verkehrte sowohl innerhalb der Fabrikhöfe als auch über die Straße hinweg, die sich zwischen diesen befand.

Die ankommenden Schiffe wurden durch den elektrischen Kran mittels Mulden entladen, die dann auf die Wagenuntergestelle der Kipploren aufgesetzt wurden. Wenn statt Kohle Holz transportiert wurde, wurden die Wagengestelle durch das Aufsetzen eines geeigneten Rahmens angepasst.Arthur Koppel AG, Eisenbahnbau-Materialfabrik Berlin – Elektrische Fabrikbahn. In: Tonindustrie-Zeitung, 1905, S. 577.

Geschichte mini|Ausflug der Besitzer von Ziegeleien und Zementfabriken während der Keramischen Woche 1905

Während der Keramischen Woche, die 1905 in Berlin abgehalten wurde, veranstaltete die Firma Arthur Koppel einen Ausflug der Besitzer von Ziegeleien und Zementfabriken nach Eberswalde und Finow, um die neue Fabrikbahn im Betrieb vorzuführen.

Bei der Betriebsaufspaltung 1934 war die Gesamtlänge des schmalspurigen Fabrikbahnnetzes des 7,7 Mio. m² großen Werks auf 18 km angestiegen, und es gab auch zwei eigene Übergabebahnhöfe mit 7,5 km Normalspurbahngleisen. Als AEG-Tochter überstand der Betrieb unter dem Firmennamen Finow Kupfer- und Messingwerke AG den Krieg völlig unbeschädigt und wurde 1945 von der Roten Armee besetzt. Nach wenigen Tagen begannen die Sowjets mit dem Abtransport aller Werkseinrichtungen, entfernten die Konstruktionselemente der Werkshallen und sprengten die stehengebliebenen Mauerstümpfe.Hirsch Kupfer- und Messingwerke AG.1923 – Eröffnung einer Anschlussbahn vom Messingwerk Finow (später Walzwerk Finow) zum Übergabebahnhof Eberswalde an der Stettiner Bahn.

Lokomotiven und Wagen Die Lokomotive hatte 1905 statt des ursprünglich gelieferten und damals üblichen Lyra-Stromabnehmers einen neuartigen Scherenstromabnehmer (Pantograph). Er bestand aus einem mit Federn ausgestatteten Parallelogramm und passte sich den verschiedenen Höhenlagen des Oberleitungs-Fahrdrahtes, die von 3,20 m bis 4,80 m variierten, selbständig an. Das war erforderlich, weil die E-Lok einerseits eine sehr niedrige Unterführung unterquerte als auch eine öffentliche Straße überquerte, bei der die Oberleitung 4,80 m über der Schienenoberkante verspannt werden musste. Außerdem musste er beim Fahrtrichtungswechsel nicht umgelegt werden.

Hersteller Bauart Kommentar Arthur Koppel B-el Neu an Aron Hirsch & Sohn, Kupfer- und Messingwerk, Finow/Mark. Im April 1904 in Betrieb.Jens Merte: O&K AK – Orenstein & Koppel - Arthur Koppel AG, Berlin.

mini|Kipploren der Schmalspurbahn beim elektrischen Kran auf dem Holzlagerplatz des Sägewerks Im Finower Wasserturm sind heute noch eine Lore, eine Drehscheibe und ein Gleisjoch der schmalspurigen Fabrikbahn ausgestellt.Betty: Die Messingwerksiedlung und der Finower Wasserturm, Eberswalde.360°-Panorama mit Fabrikbahnlore.

Einzelnachweise

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