Wilamowo (deutsch Groß Wilmsdorf) ist ein Ort und ein Schulzenamt der Gmina Małdyty (Landgemeinde Maldeuten) im Powiat Ostródzki (Kreis Osterode i. Ostpreußen) in der Woiwodschaft Ermland-Masuren in Polen.
Geographische Lage Der Ort Wilamowo (Groß Wilmsdorf) liegt ungefähr 3 Kilometer südöstlich von Małdyty (Maldeuten) und 10 Kilometer westlich von seiner ehemaligen Kreisstadt Morąg (Mohrungen) im Norden der Eylauer Seenplatte, im Westen der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Historisch gesehen liegt Wilamowo auf dem Gebiet der ehemaligen Provinz Ostpreußen.
Geschichte
Ortsgeschichte mini|Groß Wilmsdorf im Jahr 1802 auf einer Karte des Röthloffer Sees Der Ort existierte bereits zur Deutschordenszeit und gehörte damals zum Kammeramt Preußisch Mark, innerhalb der Komturei Christburg. In älteren Urkunden sind für den Ortsnamen die Schreibvarianten Wyllamsdorf, Willamsdorff und Wilhelmsdorff überliefert. Um das Jahr 1308 verlieh der Komtur Sieghard von Schwarzburg, dem Dorf 70 Hufen zu kulmischen Recht. Im Jahr 1467 wurde das Gut Wilmsdorf dem Jänichen von Prebendau, als Belohnung für dessen Treue zum Orden während des Preußischen Städtekrieges vermacht. Dieser nannte sich darauf nach dem Gut und begründete somit das preußische Adelsgeschlecht von Wilmsdorff. Zur Zeit des Königreich Preußens war Wilmsdorf ein adliges Bauerndorf mit 19 Feuerstellen (Haushaltungen) und ein Vorwerk. Ab 1818 gehörte Groß Wilmsdorf zum Kreis Mohrungen und ab 1874 zum Amtsbezirk Groß Bestendorf. Die Umwandlung vom Gut zur Gemeinde Wilmsdorf erfolgte 1873.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam Groß Wilmsdorf im Jahr 1945 mit dem südlichen Teil von Ostpreußen an Polen und erhielt darauf seinen heutigen Namen Wilamowo.
Einwohnerzahlen +JahrEinwohner182098Topographische Übersicht des Verwaltungs-Bezirks der Königlichen Preussischen Regierung, 1820, S. 1951885118Gemeindelexikon für das Königreich Preussen, Berlin 1888, S. 184–1851905253Gemeindelexikon für das Königreich Preußen I (1905, Ostpreußen), S. 162–173191025819333691939351
Religion Kirchengebäude mini|Altes Kirchensiegel Wilmsdorf Wohl schon zur Ordenszeit hat es in Wilmsdorf eine Kirche gegeben. Sie war in Holzbauweise errichtet. Diese – oder eine hölzerne Nachfolgekirche aus dem 15. Jahrhundert – wurde im Jahre 1754 durch einen Neubau ersetzt.Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Neidenburg 1890, S. 184Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 62, Abb. 206 Die Kirche wurde auf Veranlassung von Georg Friedrich von Hülsen errichtet. Er war Erbherr auf Terpen und fungierte als Vormund für die minderjährige Tochter des zuvor verstorbenen Gutsbesitzers von der Groeben. Als stellvertretender Kirchenpatron leitete und finanzierte er den Kirchenneubau.
Bei der neuen Kirche in Groß Wilmsdorf, die bis heute besteht, handelt es sich um einen einfach verputzten Ziegelbau mit einem dreiseitigen Abschluss. Den westseitig vorgebauten Turm krönte oben ein hölzerner Schluss. Der Kanzelaltar mit Rokoko-Motiven stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, und die Orgel „mit zehn Stimmen“ wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eingebaut. Das Geläut bestand damals aus drei Glocken. Im Jahre 1842 wurde die Kirche aufwändig umgebaut.
Die Groß Wilmsdorfer Kirche war bis 1945 die evangelische Pfarrkirche der – zuletzt vereinigten – Kirchengemeinden Groß Wilmsdorf-Seegertswalde. Im Jahre 1945 übernahmen sie die römisch-katholischen Einwohner. Sie wurde neu geweiht und erhielt in den Folgejahren ein stark verändertes Erscheinungsbild. Das Taufbecken und der Altar sind aber noch Teile der früheren Ausstattung. Am 5. April 1962 wurde in Wilamowo eine Pfarrei errichtet, als deren Pfarrkirche sie Unserer Lieben Frau von Częstochowo gewidmet ist.
Kirchengemeinde Die Kirche in Groß Wilmsdorf ist vorreformatorisch. Mit der Reformation übernahm sie das lutherische Bekenntnis.
Evangelisch Zur Kirchengemeinde Groß Wilmsdorf gehört seit 1691 die Nachbargemeinde Seegertswalde, die vorher der Pfarrei Groß Simnau zugeordnet war.Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrebuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968, S. 151 Beide Gemeinden wurden dann zur Vereinigten Kirchengemeinde Groß Wilmsdorf-Seegertswalde zusammengelegt, wobei der Pfarrsitz in Groß Wilmsdorf blieb.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 465–466 Das Kirchenpatronat der Groß Wilmsdorfer Kirche zuletzt der Gutsherrschaft in Groß Bestendorf. Der Sprengel Groß Wilmsdorf zählte im Jahre 1925 1.222 Gemeindeglieder von 1.942 in der Vereinigten Kirchengemeinde. Sie war Teil des Superintendenturbezirks Mohrungen im Kirchenkreis Mohrungen innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.
Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung machten evangelisches Gemeindeleben in Wilamowo nicht mehr möglich. Heute hier lebende evangelische Einwohner gehören zur Kirchengemeinde in Morąg, einer Filialgemeinde von Ostróda in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Zum Sprengel Groß Wilmsdorf gehörten bis 1945 dieKirchspielorte:
Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Alt Kelken Kiełkuty Klein Bestendorf Kozia Wólka Baarwiese Barwiny Klein Wilmsdorf Wilamówko Gallinden Ględy Naasewitt Naświty Groß Bestendorf Dobrocin Neu Bestendorf Dobrocinek Groß Wilmsdorf Wilamowo Neu Kelken Nowe Kiełkuty
Bis 1945 amtierten an der Kirche zu Groß Wilmsdorf und ab 1691 auch an der Kirche zu Seegertswalde dieevangelischen Pfarrer:
Peter N., 1542 Melchior Ayslinger, 1603/1610 NN., bis 1644 Tobias Terpitius, 1645 Michael Ludowici, 1658–1660 Jeremias Schramm, 1675–1683 Michael Rampusch, 1682–1719 Balthasar Jacobi, 1719–1740 Gottfried Richter, 1740–1749 Johann Friedrich Reuß, 1750–1775 Andreas Skubich, 1775–1787 Friedrich Wilhelm Schenkel, 1787–1804 Johann Gottlieb Hübner, 1805–1812 Gotttlieb Friedrich Schultz, 1813–1814 Joh. Hartm. Aug. Wilh. Wald, 1814–1815 Frierich Wilhelm Reuter, 1816–1824 Friedrich Wilhelm Pezel, 1825–1866 Emil Arn. Th. Christmann, 1866–1876 Johann Fredinand Nesselmann, 1876–1879 Hans Carl August Keßler, 1879–1883 Georg Hch. W. Th. Scheutzow, 1884–1912 Friedrich Feskorn, 1912–1927 Errich Krüger, 1928–1930 Bruno Schiemann, 1931–1934 Friedrich Feskorn, 1934–1945
Römisch-katholisch Die katholischen Einwohner gehörten bis 1945 zum Kirchspiel St. Joseph in Mohrungen. Nach Kriegsende übernahmen sie das bisher evangelische Gotteshaus und nutzten es für ihre Gottesdienste und Messfeiern. Am 5. April 1962 errichtete hier das Bistum Elbląg eine eigene Pfarrei, der die Kirche Unserer Lieben Frau Königin des Friedens im Kirchspielort Dobrocin als Filialkirche zugeordnet wurde. Die Pfarrei ist heute Teil des Dekanats Morąg.Diecezja Elbląg: Parafia Wilamowo (polnisch) Zu ihr gehören etwa 1.200 Gemeindeglieder. Sie wohnen im Pfarrort sowie in acht Pfarreiorten: Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Dobrocin Groß Bestendorf Kozia Wólka Klein Bestendorf Dobrocinek Neu Bestendorf Naświty Naasewitt Ględy Gallinden Wilamówko Klein Wilmsdorf Kiełkuty Alt Kelken Wola Kudypska Wolla
Die geistliche Versorgung der Pfarrei obliegt seit dem 1. August 1997 den Steyler Missionaren:Werbistowska Parafia w Wilamowie Marian Laban, 2002–2014 Jarosław Suchański, 2014–2018 Sławomir Bela, 2018–2022 Edwara Węgrzyn, seit 2022
Verkehr Wilamowo liegt an der verkehrsreichen Woiwodschaftsstraße 519 (frühere Reichsstraße 126), die von Stary Dzierzgoń aus die Städte Zalewo und Morąg miteinander verbindet. Eine von Słonecznik kommende Straße endet in Wilamowo.
Die nächste Bahnstation ist Małdyty. Sie liegt an der Bahnstrecke Olsztyn–Bogaczewo zur Weiterfahrt nach Elbląg.
Persönlichkeiten
Gerhard Kessler (1883–1963), deutscher Wirtschafts und Sozialwissenschaftler, wurde in Groß Wilmsdorf geboren
Siehe auch
GenWiki: Groß Wilmsdorf Bildarchiv Ostpreußen: Diashow Groß Wilmsdorf
Einzelnachweise
Kategorie:Ort der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Małdyty