Das Lutherische College und Seminar (, kurz LCS) war eine kirchliche Bildungseinrichtung in Saskatoon in der kanadischen Provinz Saskatchewan, die in Trägerschaft der Evangelisch-Lutherischen Synode von Manitoba und andern Staaten und später der Lutherischen Kirche in Amerika bestand. Sie begann als Proseminar, richtete jedoch schon 1918 ein theologisches Seminar und eine College-Abteilung ein. 1965 vereinigte sie sich mit dem Luther Seminary zum Lutheran Theological Seminary Saskatoon.

Geschichte Ab den 1880er-Jahren wanderten zahlreiche deutsche Siedler nach Kanada ein und ließen sich in den Prärieprovinzen nieder. Die 1897 gegründete deutschsprachige evangelisch-lutherische Manitoba-Synode hatte Mühe ihren dadurch entstandenen Bedarf an Geistlichen zu decken. Die Absolventen der Missionsseminare in Kropp und Breklum, die die meisten ihrer Gründungsmitglieder ausgebildet hatten, konnten sich nur schwer an das harte Leben in der Prärie gewöhnen und kehrten meist nach kurzer Zeit zurück nach Deutschland. Auch die theologischen Seminare an der Ostküste der Vereinigten Staaten, mit denen die Synode über das General-Konzil verbunden war, schickten ihre Abgänger lieber an nähergelegene Gemeinden. Die Manitoba-Synode beschloss daher bereits 1907, selbst mit der Ausbildung von Geistlichen zu beginnen. Nachdem die Missionsbehörde des General-Konzils 1910 Gelder für die Gründung eines Proseminars versprochen hatte, beschloss die Synode daher auf ihrer Versammlung im Sommer 1913, ein eigenes solches Proseminar zu gründen.

Zum ersten Direktor des Seminars wurde Jürgen Goos, Pfarrer in Spruce Grove ausgewählt und so begann am 20. November 1913 der Lehrbetrieb in einem angemieteten Haus in Edmonton. Im Sommer 1914 begann man mit dem Bau eines Seminargebäudes in Saskatoon, das als zentral gelegener Standort ausgewählt worden war, und im Februar 1915 konnte der Neubau bereits bezogen werden. Am 11. Juli 1915 wurde das Gebäude durch Präses Martin Ruccius, der maßgeblich an der Gründung des Seminars mitgewirkt hatte, eingeweiht. Die gesamten Baukosten beliefen sich auf etwa 9300 Dollar. Auf Goos folgte 1918 H. W. Harms an der Spitze des Seminars, der es von einem Proseminar zu einem vollwertigen theologischen Seminar ausbaute. Auch die angeschlossene Hochschule öffnete ihre Tore und war von Anfang an koedukativ ausgerichtet. Dieses College brachte neben einer Anzahl von späteren Theologiestudenten vor allem auch eine größere Zahl an deutschsprachigen Lehrkräften für die öffentlichen Schulen Saskatchewans hervor. In den 1920er-Jahren kam es zu größeren Baumaßnahmen, sodass neben einem Direktorenhaus auch ein neues Unterrichtsgebäude errichtet werden konnte. 1926 erhielt das LCS die staatliche Anerkennung durch die Universität von Saskatchewan.

1931 übernahm Werner Magnus die Leitung des LCS. Vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise schloss die College-Abteilung 1933 ihre Tore, sodass das LCS seitdem – trotz seines Namens – nur noch ein theologisches Seminar war. Dennoch gelang es Magnus in seiner fünfjährigen Amtszeit, das Seminar durch die Jahre von Depression und Dürre zu tragen und einen großen Teil von dessen Schulden zu tilgen. Auf Magnus folgte 1937 Nils Willison im Amt, dem es gelang, bis zum 30-jährigen Jubiläum des LCS alle Schulden abzutragen. Bereits 1937 hatte die Norwegische Lutherische Kirche von Kanada beschlossen, ein eigenes theologisches Seminar zu gründen und trat darum an die Manitoba-Synode heran, um eine Kooperation auszuarbeiten. 1939 wurden sich die Kirchen einig: Die Norweger würden ein organisatorisch eigenständiges Seminar, das Luther Seminary, einrichten, jedoch die Gebäude, Anstalten und Bibliotheken des bestehenden Seminars mitbenutzen können. In den nächsten Jahren handelte die Manitoba-Synode Kooperationen mit weiteren Kirchen aus, die ihre Studenten ebenfalls auf das LCS sandten. Die schwedisch-amerikanische Augustana-Synode richtete 1945 eine Professur am LCS ein, die deutschamerikanische Amerikanische Lutherische Kirche folgte 1948. Beide Kirchen standen den Norwegern theologisch näher, bevorzugten jedoch das LCS als Ausbildungsstätte für ihre Studenten, da dieses älter, besser ausgestattet und – was für die ALC bedeutsam war – hauptsächlich auf Deutsch unterrichtete.

Bereits in den 1940er-Jahren hatte es freie Konferenzen zwischen sechs lutherischen Kirchen in West-Kanada gegeben, die sich mit der Frage einer gemeinsamen Lehranstalt befassten. 1960 waren die Norwegische Lutherische Kirche von Kanada und der Kanada-Distrikt der deutschamerikanischen ALC in der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Kanada (ELCC) aufgegangen. 1962 folgten die Manitoba- und die Augustana-Synode, die beide in der Lutherischen Kirche in Amerika (LCA) aufgingen. Begünstigt durch die Tatsache, dass die neue ELCC an beiden Seminaren in Saskatoon die Mehrheit der Studenten stellte, kam es schließlich nach langwierigen Verhandlungen am 1. September 1965 zur Union des Luther Seminary mit dem LCS zu einer neuen Hochschule, die den Namen Lutheran Theological Seminary Saskatoon (LTS) tragen und von der ELCC und der LCA gemeinsam verwaltet werden sollte.

Nachdem dieses neue Seminar 1968 ein eigenes Seminargebäude bezog, wurden die Gebäude des LCS an das pfingstkirchliche Central Pentecostal College verkauft, das spätere Horizon College and Seminary.

Persönlichkeiten Hochschulpräsidenten 1913–1918 Jürgen Goos 1918–1931 Henry William Harms 1931–1936 Werner Magnus 1937–1949 Nils Willison 1950–1955 Earl Treusch 1955–1958 Otto Olson 1962–1965 Walter Freitag

Weitere Dozenten Conrad Kleiner, Professor für Dogmatik und Kirchengeschichte (1939–1960)

Absolventen Erwin Buck, B.Div, Neutestamentler Lee Luetkehoelter, B.Div 1955, Bischof

Ehrendoktoren Jürgen Goos, D.D. 1937, Gründer des LCS, Präses der Manitoba-Synode (1911–1917) Thomas Hartig, D.D. 1938, Gründer des LCS, Präses der Manitoba-Snode (1925–1940) Conrad Kleiner, D.D. 1943, Professor für Dogmatik und Kirchengeschichte

Einzelnachweise

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