mini|Goldmaske von Schipka aus dem Swetiza-Hügel mini|Großer Grabhügel bei Koprinka Das Tal der thrakischen Könige () ist eine moderne, auf den Archäologen Georgi Kitow zurückgehende Bezeichnung für eine archäologische Region im zentralen bulgarischen Rosental bei Kasanlak. Der Name wurde in Anspielung auf das ägyptische Tal der Könige gewählt und verweist auf die außergewöhnliche Dichte thrakischer Grabhügel und Fürstengräber aus der Zeit der thrakischen Königreiche. Die Bezeichnung hat keinen amtlichen Charakter und keine festen Grenzen. Neuere Funde dehnen den Begriff ostwärts bis zur Stadt Sliwen aus.
Die Region liegt zwischen den Städten Kasanlak und Schipka am Fuße des Balkangebirges.
Name Die Bezeichnung ist keine historisch überlieferte, sondern eine moderne Wortschöpfung: Sie geht auf den Archäologen Georgi Kitow zurück, der sie in Anspielung auf das ägyptische Tal der Könige für das Grabhügelfeld bei Kasanlak prägte und unter anderem mit seinem 2004 erschienenen gleichnamigen Buch popularisierte (siehe Abschnitt Literatur). In der Fachwelt wird der Name mit Distanz geführt. Der Bulgarische Nationalfunk spricht in einem Gespräch mit der Thrakologin Valeria Fol vom „sogenannten“ Tal der thrakischen Könige. Auch die UNESCO übernahm ihn nicht in den offiziellen Titel der seriellen Tentativstätte, sondern erwähnt ihn nur als in der Öffentlichkeit verbreitete Bezeichnung der Region. Im internationalen Tourismusmarketing dagegen wurde er zum Markenbegriff, etwa als „bulgarisches Tal der Könige“.
Geographie miniatur|Karte des Rosentals; das Tal der thrakischen Könige zentriert sich im östlichen Teil zwischen dem Koprinka-Stausee und Kasanlak Das Tal im östlichen Teil des Rosentals ist geprägt von einer außergewöhnlich dichten Ansammlung von über 1.500 thrakischen Grabhügeln (Tumuli), von denen bislang erst rund 300 archäologisch untersucht sind. Die Hügel dienten vom 2. Jahrtausend v. Chr. bis in die Spätantike als Begräbnisstätten für die thrakische Aristokratie. Diese Funddichte macht das Tal zu einer der bedeutendsten archäologischen Landschaften Bulgariens.
Forschungsgeschichte mini|Hauptszene der Wandmalereien im Thrakergrab von Kasanlak Das bekannteste Grab der Region ist das Thrakergrab von Kasanlak, das am 19. April 1944 von bulgarischen Soldaten beim Ausheben von Schützengräben entdeckt und 1979 zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde. Zwischen 1948 und 1954 wurde die beim Bau des Georgi-Dimitrow-Damms (heute Koprinka-Stausee) entdeckte Stadt Seuthopolis in Rettungsgrabungen unter der Leitung von Dimitar P. Dimitrow und Maria Tschitschikowa vollständig erforscht, bevor sie im Stausee versank. 1965 wurden die Gräber von Maglisch und Kran entdeckt. In den 1960er Jahren erforschte L. Getow römerzeitliche thrakische Gräber bei Tulowo und Dabowo, in den 1970er Jahren M. Domaradski eine Siedlung mit Nekropole bei Tascha.
Von 1992 bis 2005 erforschte die von Georgi Kitow geleitete Expedition TEMP über 300 Grabhügel im Kasanlaker Tal und legte 15 Gräber sowie drei Mauerwerksgräber frei, darunter die Anlagen in den Hügeln Goljama Arsenalka, Saschowa, Sarafowa, Helvezia, das „Greifengrab“ und den Tempel von Schuschkmanez. 2004 gelangen der Expedition ihre bekanntesten Funde: im August die Goldmaske aus dem Swetiza-Hügel, die erste in Bulgarien gefundene Goldmaske, und im Herbst das Grab in Goljama Kosmatka mit dem Bronzekopf und dem goldenen Kranz, das Kitow für die Grabstätte des Königs Seuthes III. hielt.
Viele dieser Grabungen waren Notgrabungen im Wettlauf mit organisierten Grabräubern. Bulgarien galt damals als einer der wichtigsten Lieferanten illegal gehandelter Antiken. Kitows Methoden – insbesondere der Einsatz schwerer Erdbaumaschinen und die anfangs fehlende wissenschaftliche Dokumentation seiner Funde – stießen unter Fachkollegen auf heftige Kritik. 2001 entzog ihm das Nationale Archäologische Institut zeitweise die Genehmigung zur Grabungsleitung. Kitow starb am 14. September 2008 während Grabungen in Starosel an einem Herzinfarkt. Die Erforschung des Tals wurde fortgesetzt: Funde in den Hügeln Drumewa Mogila bei Staro Selo und Jakimowa Mogila bei Kruschare dehnten den Begriff nach Osten entlang der Tundscha bis nach Sliwen aus. Zuletzt wurden weitere Hügel bei Busowgrad und Dolno Isworowo untersucht.
Bedeutende Fundstätten Thrakergrab von Kasanlak – UNESCO-Welterbe, frühes 3. Jahrhundert v. Chr., bekannt für seine vollständig erhaltenen hellenistischen Wandmalereien. Seuthopolis – zwischen 325 und 315 v. Chr. von König Seuthes III. gegründete Hauptstadt des Odrysenreichs mit regelmäßigem hellenistischem Stadtgrundriss. Die 1948 beim Dammbau entdeckten und in Notgrabungen erforschten Ruinen liegen seit den 1950er Jahren auf dem Grund des Koprinka-Stausees und sind nicht zugänglich. Goljama Kosmatka – Grabhügel südlich von Schipka mit einem Königsgrab, das im Herbst 2004 von Kitows Team entdeckt und erforscht wurde. Das Grab war unberaubt; die aus einem 60 Tonnen schweren Monolithen gehauene Kammer barg über 70 Fundstücke, darunter einen goldenen Kranz. Wegen der Inschrift ΣΕΥΘΟΥ („Seuthes“) auf Silbergefäßen schrieb Kitow das Grab König Seuthes III. zu. Diese Identifizierung ist jedoch umstritten, da die Bestattung erst um 280 v. Chr. oder später erfolgte. Ostruscha – 1993 von Georgi Kitow bei Schipka entdeckter Grab- und Kultkomplex mit monolithischer Kammer. Die bemalte Kassettendecke mit dem Porträt einer thrakischen Adligen (4. Jahrhundert v. Chr.) gilt als Meisterwerk thrakischer Malerei. Swetiza – 2004 von Kitows Team ausgegrabener Grabhügel, in dem die erste in Bulgarien gefundene Goldmaske (Ende 5. Jahrhundert v. Chr.) lag. Das Grab wird dem Odrysenkönig Teres I. zugeschrieben. Schuschkmanez – Tempel des 4. Jahrhunderts v. Chr. mit ionischer Säule in der Vorhalle, später als Grab genutzt; 1996 von Kitows Team freigelegt.
Helvezia – Tempelgrab des 4. Jahrhunderts v. Chr. mit vollständig erhaltener Kammerarchitektur; 1996 erforscht, bereits in der Antike beraubt. Greifengrab – Tempelgrab des 4./5. Jahrhunderts v. Chr. mit Giebelfassade und Kuppelkammer. Im August 1996 entdeckt und nach den greifenähnlichen Palmetten über dem Eingang benannt. Goljama Arsenalka – großer Grabhügel bei Scheinowo südlich von Schipka mit zweikammeriger Grabanlage aus Granitquadern; 1995 entdeckt, in der Antike beraubt. Saschowa – Grabhügel mit einer der wenigen unberaubten Grabanlagen der Region. Sarafowa (Kran II) – Ziegelgrab mit mehrfarbigen Putzfriesen und Pferdebestattung im Dromos; erste Hälfte des 3. Jahrhunderts v. Chr. Maglisch – bereits 1965 entdeckte Grabanlage, eine der ersten systematisch erforschten der Region.
Nominierung als UNESCO-Welterbe 2012 bereitete die Gemeinde Kasanlak einen Antrag vor, neben dem Kasanlaker Grab auch die Gräber Goljama Kosmatka, Ostruscha, Schuschkmanez, Helvezia und das „Greifengrab“ in die Liste des UNESCO-Welterbes aufzunehmen. Am 26. Februar 2016 nahm Bulgarien acht Grabanlagen der Nekropole als serielle Stätte The royal necropolis of the Thracian city of Seuthopolis und als Erweiterung des Thrakergrabs von Kasanlak in die Tentativliste des UNESCO-Welterbes auf. Eine formale Nominierung erfolgte seither nicht; auch nach der letzten Revision der bulgarischen Tentativliste vom 27. März 2026 verblieb die Stätte im Vorschlagsstatus.
Literatur
Weblinks
Karte des Tales mit den Fundstätten (bulgarisch) The royal necropolis of the Thracian city of Seuthopolis – Eintrag in der Tentativliste der UNESCO
Einzelnachweise
Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Bulgarien Kategorie:Geographie (Oblast Stara Sagora) Kategorie:Region in Bulgarien
Kategorie:Welterbekandidat in Europa Kategorie:Welterbekonvention in Bulgarien