Jan Nasco (auch: Giovanni Nasco; * um 1510 in Nivelles; † 1561 in Treviso) war ein frankoflämischer Komponist und Musiktheoretiker, dessen Wirken in Italien dokumentiert ist.
Leben Nasco wird in zeitgenössischen Dokumenten als fiammengo (flämisch) und als aus Nivelles stammend bezeichnet, Details über sein frühes Leben und seine Ausbildung sind jedoch nicht bekannt. In Italien ist er erstmals vor 1547 in den Diensten von Paolo Naldi, dem capitano der venezianischen Miliz in Vicenza nachweisbar. 1547 wurde er als erster maestro di musica an der Accademia Filarmonica in Verona angestellt. An diesem 1543 als Liebhabervereinigung gegründeten Institut gehörten die musikalische Ausbildung der Mitglieder und die Vertonung der von diesen verfassten Texte zu seinen Aufgaben. 1551 wechselte er auf die besser besoldete Stelle als maestro di capilla am Dom von Treviso. Diesen Posten behielt er bis zu seinem Lebensende. Mit der Akademie von Verona blieb er zeitlebens freundschaftlich verbunden, der Briefwechsel mit den Mitgliedern liefert wertvolle Aufschlüsse über die zeitgenössische Aufführungspraxis. Ein nach seinem Tod von seiner Witwe postum herausgegebener Druck mit liturgischer Musik ist der Akademie gewidmet.
Jan Nasco zählt neben Cipriano de Rore, Jacquet de Berchem und Vincenzo Ruffo zu den bedeutendsten Vertretern des venezianischen Madrigalstils in der Generatiom nach Adrian Willaert. Sein Personalstil ist durch große kontrapunktische Dichte gekennzeichnet, die an inhaltlich zentralen Stellen zu homophonen Deklamationen führt. Von seinem reichhaltigen kirchenmusikalischem Werk aus der Zeit in Treviso sind dagegen nur eine Matthäuspassion und einige kleinere Werke erhalten geblieben, während die meisten seiner Manuskripte, darunter vier Messvertonungen, 1944 infolge eines alliierten Bombenangriffs verbrannten.
Da Nasco in Dokumenten aus Verona meist als „Metre Jan“ genannt wird, wurde er in der Vergangenheit oft mit dem in Ferrara wirkenden Maistre Jhan verwechselt.
Werke Weltliche Kompositionen Madrigali di Giovan Nasco a cinque voci, Venedig 1548 (28 Madrigale) Di Giovan Nasco il primo libro de madrigali a quatro voci, Venedig 1554 (29 Madrigale) Il primo libro di canzon villanesche alla Napolitana, Venedig 1556 (21 Canzonen) Le canzon et madrigali a sei voci con uno dialogo a sette di Giovan Nasco, Venedig 1557 (24 Madrigale) Il segondo libro d’i madrigali a cinque voci, Venedig 1557 (29 Madrigale)
Geistliche Kompositionen Lamentationi a Voce Pari di Giovan Nasco a quattro voci con doi Passii il Benedictus et le sue Antiphone, Venedig 1561 Passio Domini secundum Matthaeum 4 Psalmen 2 Magnificat 5 Hymnen 11 Antiphonen 11 Motetten 3 geistliche Madrigale
Literatur Giuseppe Turrini: Il maestro fiammengo Giovanni Nasco a Verona (1547–1551). In: Note d’archivio per la storia musicale. 14, 1937, , S. 180–225. Howard Mayer Brown: Madrigals for the Accademia Filarmonica of Verona: Nasco’s First Book of 1548. In: Wolf Frobenius (Hrsg.): Akademie und Musik : Erscheinungsweisen und Wirkungen des Akademiegedankens in Kultur- und Musikgeschichte: Institutionen, Veranstaltungen, Schriften ; Festschrift für Werner Braun zum 65. Geburtstag. Saarbrücker Druckerei und Verlag, Saarbrücken 1993, ISBN 3-925036-82-2, S. 165–180.
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